Monatsarchiv für September 2014

 
 

Presserückschau (September 2014)

Dieweil die Artenvielfalt global betrachtet schrumpft, wie die BBC jüngst berichtete, scheint sie am Rhein zuzunehmen und sogar Außerirdische einzuschließen. Davon, aber auch von rheinischen Ängsten und Gefahren handeln die interessantesten Pressemeldungen des Septembers:

1
Über den oberrheinischen “Hotspot der Biologischen Vielfalt” zwischen Bingen und Iffezheim, einen recht gedehnten “Flecken”, berichtet Die Welt: “Der Große Wiesenknopf reckt seine kugeligen Blüten in die feuchte Morgenluft. Auf einem bordeauxroten Blütenblatt sitzt eine winzige, hellgrüne Krabbenspinne. “Sie nimmt allmählich die Farbe der Blüte an, damit sie schwerer zu sehen ist”, erklärt Michael Markowski. “Dann schnappt sie die Blütenbesucher.” Markowski steht auf einer Wiese zwischen Rhein und Deich. Zirpende Insekten geben den Ton an, weiter weg dröhnt der Verkehrslärm der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden.” Im Kontroll-Fokus des Naturschutzprojekt des NABU stehen weitere klingende Namen: Pyramidenorchis, Helmknabenkraut, Blutweiderich. Außerdem soll die Artenvielfalt erhöht werden. Geplant ist die Ansiedlung von Sumpfschildkröten bei Bobenheim-Roxheim, dem Moorfrosch soll eine Mulde bei Oppenheim schmackhaft gemacht werden.

2
“Elefantenrennen in Graurheindorf” übertitelt der General-Anzeiger eine Schlagzeile. Von leibhaftigen Elefanten ist im Artikel dann allerdings keine Rede, vielmehr geht es um die rheinische Lust am Vergnügen durch Gruppenverkleiden, in diesem Fall kombiniert mit Paddeln auf dem Fluß: “Die “Black Dog Gang” macht seit Jahren beim Elefantenrennen (…) mit. (…) In diesem Jahr traten sie im Hippie-Look an. (…) Es ging um Spaß, Ruhm und Ehre sowie um Pittermännchen. Sieger waren “Die spontanen Nachbarn” (…). Mit ihrem Motto “Sonnenwelten, frei parken für alle” spielten die Nachbarn von Solarworld darauf an, dass das Unternehmen für seinen Neubau zu wenig Parkplätze geschaffen habe und deshalb viele Autofahrer wild in den Straßen parkten. Die schnellsten Frauen waren die Ex-Bonnas, die als Zenzis von der Alm mitfuhren. Der Junggesellenverein 1839 Rheinlust war (…) das langsamste Team und erhielt die Rote Laterne: Sie waren als Wikinger gefahren und hatten eine riesige Trommel dabei. Die schönste Kostümierung boten “Die charmanten Nachbarn”: Sie hatten sich als Conchita Wurst (…) verkleidet.”

3
Marsianer am Rhein gibt es seit mindestens ungefähr hundert Jahren. Im Ersten Weltkrieg tauchten Marsbewohner für den Film Die Entdeckung Deutschlands von Georg Jacoby und Richard Otto Frankfurter, den ersten deutschen Kriegspropagandafilm laut der Freitag, bei uns auf. Von der zwei Stunden langen Urfassung ist heute nur noch ein 15-minütiges Fragment erhalten: “Demnach diente der Film im Kohlrübenwinter 1916 dazu, französische und englische Presseberichte zu dementieren, nach denen in Deutschland Hunger herrsche und die Kriegsproduktion stillstehe. Drei Marsianer, zwei Männer und eine Frau, reisen auf die Erde, um die Berichte zu überprüfen, und lernen ein – wie könnte es im Propagandafilm anders sein! – blühendes Deutschland kennen. Sie genießen Bier und Klöße in München, fahren nach Berlin, wo sie die Rüstungsproduktion begutachten, und nach Kiel, wo ein deutsches U-Boot zu bestaunen ist. Schließlich reisen sie den Rhein hinunter; dort wird das Deutsche Eck besucht und mit dem bereisten Flusslauf nebenher die gegen den Erzfeind Frankreich zu verteidigende Grenzlinie markiert.”

4
Fear and loathing in Mönchengladbach: “Es ist wie das Ungeheuer von Loch Ness: Irgendwann taucht es auf. Nur dass es nicht lustig ist, sondern für Tausende von Gladbachern zu einer Lärmtortur werden kann: der Eiserne Rhein. Zur bekannten und ausführlich erörterten 555 Millionen teuren Neubau-Trasse entlang der Autobahn 52 (die das Land NRW favorisiert) gibt es nun eine Bundes-Variante. Die ist so neu, dass nicht einmal führende Mönchengladbacher Bundes- und Landespolitiker auf Anhieb wussten, was sie davon halten sollen. Bis auf dies: Die Trasse sei wegen des Lärmschutzes so teuer, dass sie im Prinzip gar nicht zu verwirklichen sei” berichtet die Rheinische Post über den Stand der Planungen zur umgestalteten Wiederaufnahme einer Güterzugstrecke von Antwerpen über die Niederlande nach Duisburg.

5
Über neue Inseln am Oberrhein mit hübschen Gemüsenamen berichtet Baden TV: “Das Regierungspräsidium Karlsruhe schafft erstmalig zwei Kies- und Sandinseln bei Au am Rhein, um Tier- und Pflanzenarten zu schützen, die auf diese Flächen angewiesen sind. (…) Zunächst wird an der Spitze der Landzunge „Kohlkopf“, die den Rhein vom Illinger Altrhein trennt, ein Verbindungsgraben angelegt. Dadurch entsteht eine große Insel, auf der sich Wasservögel ungestört aufhalten können. Das in den Illinger Altrhein fließende Rheinwasser sorgt dafür, dass überflüssiger Schlamm und Sand heraus transportiert wird. Zusätzlich entstehen stellenweise kiesige Bereiche, in denen Fische und Neunaugen ablaichen können. Zwischen Verbindungsgraben und Kohlkopfspitze wird auf einer Länge von 400 Metern die Uferbefestigung herausgenommen, sodass sich das Ufer künftig natürlich entwickeln kann. Die neu geschaffene Insel mit ihrem Naturufer bietet Wasservögeln sowohl Nahrung als auch Stellen, die nur bei Hochwasser überschwemmt werden. So besteht die Chance, dass sich der in Baden-Württemberg vermutlich ausgestorbene Flussuferläufer hier ansiedelt und die Flächen als Bruthabitat annimt. Im Innenbogen des Rheins hat sich eine große kiesige Uferbank gebildet, die sogenannten „Tomateninseln“. Aktuell wird diese von durchziehenden Wasservögeln als Rastplatz und zur Nahrungssuche genutzt. Bei Störungen fliegen die Vögel immer wieder auf und verbrauchen viel Energie, die sie eigentlich für die Überwinterung brauchen. Um dies zu vermeiden und den Lebensraum der Vögel zu verbessern, wird auf den Kiesflächen ein Gewässer gebaggert und die Buhnen in diesem Bereich umgebaut. Aus der bisherigen Uferbank wird so überhaupt erst eine richtige Insel.”

6
Reingefahren: “Ungewöhnlicher Fund im Rhein: Ein 17 Jahre alter, lilafarbener Nissan Micra (K11), wurde (…) an der ‘Natorampe’ in Niederkassel von der Feuerwehr aus dem Rhein geborgen. (…) Wie die Polizei berichtet, befand sich im Fahrzeug keine Person. Laut Feuerwehr lag das Fahrzeug ca. 6 Meter vom Ufer und in 2 Metern Tiefe. (…) Nach ersten Ermittlungen war der Nissan im Juli diesen Jahres im Landkreis Neuwied abgemeldet worden. Bislang ungeklärt sind die Umstände, wo und auf welche Art das Fahrzeug in den Rhein gelangte.” (General-Anzeiger)

7
Rheingefahren: “Eine 66-jährige Rollstuhlfahrerin ist (…) in den Rhein in Rüdesheim gestürzt. Wie die Polizei in Wiesbaden (…) bestätigte, war die Feuerwehr aber rechtzeitig vor Ort und zog die Frau aus dem Wasser. Eigentlich hatten sie und ihr Begleiter nur ein Foto schießen wollen. Dabei war der Rollstuhl offenbar die Böschung hinabgerutscht. Die Seniorin kam zur Untersuchung ins Krankenhaus.” (Hit Radio FFH)

8
Rheingefahren (2): “Mit einer spektakulären Rettungsaktion endete (…) der Schulausflug einer sechsten Klasse (…) aus Wesseling auf den Drachenfels. Sechs der 32 Kinder sowie zwei Betreuer waren (…) beim Aufstieg aus den Weinbergen wohl vom Weg abgekommen. Wie die Leitstelle der Bonner Polizei am Montagabend erklärte, war die Gruppe von Elf- und Zwölfjährigen ihrer Klasse vorausgeeilt und dabei offenbar vom Weg abgekommen. Zwei Lehrerinnen folgten den Kindern und gerieten dann in steiles und unwegsames Gelände, etwa 30 Meter unterhalb der Aussichtsplattform des Drachenfels. “Da kamen sie hinein, aber nicht mehr hinaus”, so der Leitstellenbeamte. Dass es von dort offensichtlich kein Weiterkommen mehr gab, war einem Paar aus den USA aufgefallen, das sich (…) zufällig in der Nähe befunden und gegen 13 Uhr die Feuerwehr alarmiert hatte.” (General-Anzeiger) Der Feuerwehr gelang es schließlich, die versprengte Gruppe mit Seilen auf die Aussichtsplattform zu ziehen und einen der eher seltenen Fälle von Bergnot auf Deutschlands angeblich meistbestiegenem, wenngleich mit 321 Metern nicht all zu hohen Gipfel zu einem guten Ende zu führen.

Leuchttürme des Rheins: Bregenz (Übergänge – Rites de Passage)

Der Junge Rhein aber mündet in den Bodensee.
Mäandernd über den Lauf der Zeiten hinweg veränderte der junge Strom sein Bett.
Insofern stellte sich eine große Frage – wo den Leuchtturm platzieren, der die Einfahrt vom See in den jungen Fluss ostwärts markieren sollte?
Alle Jubeljahr eine neue Mündung, alle Jubeljahr Versandung, Irrflusslauf, Ausbaggern mit Handschaufeln und Delphinkarren – dazu Versumpfung und Vernässung im weitläufigen Delta der Rheinmündung – gut für Schlauchboot und Floß, aber schlecht für Weiße Flotte und Schiffskiel.
Also wurde auf dem Konzil zu Nonnenhorn beschlossen, dem Fluss ein verbindliches Bett aufzuzwingen und selbiges durch steten Eifer und ewige Tat beizubehalten.
Die größten Gelehrten und Wasserbauer des Dreiländerecks Großbayern, Ostmark und Eidgenossenschaft gewannen im Gelände einen Eindruck der vollständigen Situation und einigten sich in der Folge auf einen verbindlichen Flusslauf, den sie mit blauer Tinte auf eine genaue Karte des Gebietes eintrugen.
Dieser Flusslauf wurde mit großer Vehemenz im Gelände umgesetzt, endlose Großklafter Erdreich mussten bewegt werden, Gräben gegraben, andere zugeschüttet, höchst feine künstliche Wasserläufe angelegt, Röhren verdohlt, natürliche Feuchtigkeitsverhältnisse reguliert, Bachbetten genutzt und etwelche andere Tätigkeiten ausgeführt werden.
Nach Murren fügte sich der Junge Rhein in sein neues Bett.
An der Stelle des Überganges wurde ein artiges Lichthäuserl errichtet – geweiht dem Angedenken des später seliggesprochenen Käpt’n Bahabs, dem Urvater der Bodenseepiraten.
Seitdem ist nur selten noch ein Schiff auf Grund gelaufen oder zerschellet, weil es die Einfahrt in den jungen Fluss nicht gefunden.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf, der sich in einer Serie mit den Leuchttürmen des Rheins beschäftigt. Die mythischen Gründe des Bregenzer Leuchtturms waren bereits Gegenstand einer ersten Betrachtung des dunkelsten Denkers. rheinsein dankt!)

Der Fluss berührt
 das Naheliegende

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Das nahe und das ferne Hier an diesem Ort der Verlassenheit ein Blühen im Niemandsland das keiner sucht und doch findet ab und an der lichte Schein zwischen dreier Länder eine Farbigkeit im Betrieb der Alltäglichkeit auf einem Fleckchen Stille.

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***

rheinsein präsentiert Marianne Büttiker: Une traversée de Bâle / Au bord du fleuve, in der wirklichen Welt noch bis zum 8. November 2014 zu sehen in der Galerie Hilt, St. Alban-Vorstadt 52, Basel.

Marianne Büttiker unternahm dieses Jahr zahlreiche Streifzüge entlang des Rheins in Basel. Ihre Erkundungsgänge dokumentierte sie mit der Handykamera. Später, im Atelier, komponierte sie aus ihren Erinnerungen verdichtete kleinformatige Bilder. Wir zeigen in loser Folge einige der Bildkompositionen und ihre Ursprungsorte; dazwischen, flußgleich, Marianne Büttikers kurze situative Texte.
Diesmal gilt die Aufmerksamkeit einer Nachtkerze am Westquai des Basler Rheinhafens im Dreiländereck Schweiz – Frankreich – Deutschland: das Abseitige, Randständige, Verwilderte, vom Fluß als das Naheliegende berührt und in einer Mischtechnik aus Enkaustik, Farbstift und Gouache auf Papier sortiert.

Jonathans Selbstmord

„Ich bin der einzige Engländer“, sagt Jonathan.
Wir sitzen seit zehn Minuten gemeinsam an einer Theke am Alter Markt. Es ist 2 Uhr – nachmittags natürlich, denn um 2 Uhr nachts kann man sich nicht mehr vernünftig unterhalten. Jedenfalls nicht über Selbstmord.
„Du meinst, der einzige Engländer in diesem Pub hier?“ frage ich.
„Nein“, sagt Jonathan, „der einzige Engländer in Köln. Ich wäre auch der einzige Engländer in England.“
Jonathan erinnert ein wenig an John Cleese – Ironie, Hypochondrie, konstruktiver Fatalismus. Was er ernst meint und was nicht, ist schwer zu trennen.
„Man hat mir meinen Führerschein weggenommen. Mein Konto ist gesperrt. Und heute Morgen haben mich die Cops eingesackt. Eine Prügelei, frag mich nicht.“
„Ich frag nicht.“
Direkt vor uns zapft die Kellnerin ein neues Guinness hoch. Sie hat hat lange, schöne Finger, die auch Jonathan auffallen. Er will wissen, warum ich hier bin. Ich sage:
„Ich mach Pause. Und du?“
„Ich denke darüber nach, mich gleich im Rhein zu ersäufen.“
„Ist ein guter Fluss dafür.“
„Ich weiß“, sagt Jonathan. „Aber die Themse wär mir lieber.“
Jonathan wohnt in Nippes. Er wirft ein paar Worte aus, von denen er glaubt, sie klingen Kölsch. Außerdem hat er die Idee für ein Theaterstück: Im Bauch der sinkenden Titanic; sechs Todgeweihte, was sie denken, was sie tun in ihren letzten Minuten. Womit wir wieder beim Wassertod wären.
„Meine Ex ist ein Biest“, sagt Jonathan.
„So ist das“, antworte ich, mittelwitzig, „mit Echsen.“
Statt der avisierten drei Kölsch bin ich inzwischen beim achten. Da kann man nicht mehr nur Goldtaler ausspucken.
„Und meine Kinder sind 8 und 6. Ich bin ein später Vater.“
Ich nehme einen tiefen Schluck, und das eiskalte Bier stanzt einen letzten Dukaten aus meinem benebelten Sprachzentrum.
„Dann sieh wenigstens zu, dass du´s noch eine Weile bleibst.“
Jonathan sieht mich zum ersten Mal geradeheraus an, starrt dann eine Weile in sein Bier, grinst unsicher und sagt: „Vielleicht bin ich ja doch nicht der einzige Engländer.”

(Ein Gastbeitrag von Bernd Imgrund, rheinsein dankt! Der Text erschien zuerst in der Reihe Thekentänzer (Nr. 74) auf Bernd Imgrunds Köln-Blog beim Emons-Verlag. Jeden Mittwoch gibt es dort neue Geschichten, Gedichte, Anekdoten, Zitate und Interviews zum Thema Köln, sehr häufig in Nahdistanz zu einem der zahllosen Tresen der Stadt.)

Die Farben von Hoek van Holland

rdam_hafen_hoekLavendel-Mintgrün. Blick auf die Hafenanlagen der Maasvlakte, ein dem Meer abgewonnenes Gebiet, an der Rheinmündung des Nieuwe Waterweg.

hoek_abendstimmungHeinekengelb. Schöne Aussicht durch die Scheibe eines Fischrestaurants in der Nähe des Strand-Bahnhofs.

RDB-Blau. Verszeilen aus dem Gedichtband Westwärts 1&2 von Rolf Dieter Brinkmann.

In den Straßen von Rotterdam

rdam in rdam_2Ein Schuljunge schlendert auf einem Plakat gegenüber dem Hauptbahnhof stillgelegte Gleise entlang in Richtung Stadtzentrum

rdam_zuid_moschee_2Telefonierender Radfahrer im Brachland Kop van Zuids. Im Hintergrund die größte Moschee Westeuropas (Essalam-Moschee) vor dem Feijenoord-Stadion “De Kuip”

rdam_allendeEl presidente Allende, von Anwohnern wiederbelebt, schaut gütig von einer Hauswand auf die asiatisch-afro-karibisch-orientalische Einkaufsmeile West-Kruiskade

Une Traversée de Bâle

Büttiker_Partitur
Partitur mit Taube, Möwe, Rhein- und Münsterfragment, 2014 (Öl auf Karton, je ca. 5 x 5 cm)

Seit 2007 arbeitet Marianne Büttiker am Archiv „tempo.fugato“: Städte, Orte und ihre Farbklänge. Die Sammlung aus hunderten Zeichnungen, Bildern, Fotografien und Textfragmenten bildet das Kernstück ihres Schaffens und ist die Ausgangslage für Installationen und Ausstellungen. Mit Zeichen, Strukturen, Formen und Farben kartografiert sie die Ordnung eines Ortes und seine akustischen Geschehnisse zu poetisch visuellen Partituren. Ein Forschungsprojekt über Wahrnehmung und in dieser Hinsicht rheinsein verwandt.

Am heutigen Samstag eröffnet Marianne Büttikers Ausstellung Une traversée de Bâle / Au bord du fleuve in der Basler Galerie Hilt. Zu sehen sind Momentaufnahmen von Spaziergängen entlang des Rheins in Basel, umgesetzt in Bildpartituren mit Miniaturtexten. In loser Folge werden wir im Laufe der Ausstellung ausgewählte Bildtextkombinationen präsentieren.

Marianne Büttiker: Une traversée de Bâle (20. September bis 8. Novemer 2014)

Vernissage: Samstag, 20. September 2014, 13 – 16 Uhr
Begrüßung durch Christian R. Ragni, Galerist; anschließend Führung durch die Ausstellung mit Marianne Büttiker
Galerie Hilt, St. Alban-Vorstadt 52, Basel

Erasmusbrug

rdam_erasmusbrug willemsbrugZweibrückenansicht: der rote Pylon gehört zur Willemsbrug, der “Golden Gate Bridge” von Rotterdam

rdam_erasmusbrugZu Fuß über die Nieuwe Maas nach Kop van Zuid, Rotterdams “Schäl Sick”

Takelage im Veerhaven vor strahlend weißen Schrägseilen

The Red Apple

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The Red Apple lautet der Name des aktuell – hier schwankt die Quellenlage – viert- oder sechsthöchsten Wolkenkratzers Rotterdams, fertiggestellt 2009 und augenfällig in seiner rotterdamtypisch-asymmetrischen roten Verkleidung. Mit dem hoch aufschießenden Gebäude korrespondiert ein auf Flaneursaugenhöhe zu findendes Gedicht von Jana Beranová, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Gebäudes als Rotterdamer Stadtdichterin fungierte und deren Verse bis heute im öffentlichen Raum plakatiert oder wie im Falle von The Red Apple, einer schönen Variation des Apfelmotivs, auf einer Glasfassade angebracht sind:

The Red Apple
127 meter

Het eiland lijkt een schip dat water klieft.
Haar boegbeeld: een boom van een appel.
De lucht bloost van al dat rood.

Waar platbodems aanmeerden met vaten wijn,
jogt een jogger zich uit de naat, zijn sweatshirt
in stijl met grote broer The Big Apple.

Zoek de kleine appelboom die niemand heeft
geplant en – Gods wonder – niemand heeft omgehakt.
Toeval zit in een gemorst zaadje.

Ga naar de punt van de Wijnhaven
dorstend naar zomer, geur van de appelmarkt.
Bijt in een appel, rood en rijp.

„Mamma, waar komen appels vandaan?“
vraagt het kind.
„Van de appelboom, schat!“
„En waar komt de appelboom vandaan?“
vraagt het kind.
„Dat, schat, is het geheim van de appel.“

Sauerkraut

Kleines Volk

In einem Pißpott kam er geschwommen,
Hochzeitlich geputzt, hinab den Rhein.
Und als er nach Rotterdam gekommen,
Da sprach er: “Juffräuken, willst du mich frein?

Ich führe dich, geliebte Schöne,
Nach meinem Schloß, ins Brautgemach;
Die Wände sind eitel Hobelspäne,
Aus Häckerling besteht das Dach.

Da ist es so puppenniedlich und nette,
Da lebst du wie eine Königin!
Die Schale der Walnuß ist unser Bette,
Von Spinnweb sind die Laken drin.

Ameiseneier, gebraten in Butter,
Essen wir täglich, auch Würmchengemüs,
Und später erb ich von meiner Frau Mutter
Drei Nonnenfürzchen, die schmecken so süß.

Ich habe Speck, ich habe Schwarten,
Ich habe Fingerhüte voll Wein,
Auch wächst eine Rübe in meinem Garten,
Du wirst wahrhaftig glücklich sein!”

Das war ein Locken und ein Werben!
Wohl seufzte die Braut: ach Gott! ach Gott!
Sie war wehmütig, wie zum Sterben –
Doch endlich stieg sie hinab in den Pott.

Sind Christenleute oder Mäuse
Die Helden des Lieds? Ich weiß es nicht mehr.
Im Beverland hört ich die schnurrige Weise,
Es sind nun dreißig Jahre her.

(Heinrich Heine)

In Rotterdam

I
I gaze upon a city,—
A city new and strange,—
Down many a watery vista
My fancy takes a range;
From side to side I saunter,
And wonder where I am;
And can you be in England,
And I at Rotterdam!

II
Before me lie dark waters
In broad canals and deep,
Whereon the silver moonbeams
Sleep, restless in their sleep;
A sort of vulgar Venice
Reminds me where I am;
Yes, yes, you are in England,
And I’m at Rotterdam.

III
Tall houses with quaint gables,
Where frequent windows shine,
And quays that lead to bridges,
And trees in formal line,
And masts of spicy vessels
From western Surinam,
All tell me you’re in England,
But I’m in Rotterdam.

IV
Those sailors, how outlandish
The face and form of each!
They deal in foreign gestures,
And use a foreign speech;
A tongue not learn’d near Isis,
Or studied by the Cam,
Declares that you’re in England,
And I’m at Rotterdam.

V
And now across a market
My doubtful way I trace,
Where stands a solemn statue,
The Genius of the place;
And to the great Erasmus
I offer my salaam;
Who tells me you’re in England,
But I’m at Rotterdam.

VI
The coffee-room is open—
I mingle in its crowd,—
The dominos are noisy—
The hookahs raise a cloud;
The flavor, none of Fearon’s,
That mingles with my dram,
Reminds me you’re in England,
And I’m at Rotterdam.

VII
Then here it goes, a bumper—
The toast it shall be mine,
In schiedam, or in sherry,
Tokay, or hock of Rhine;
It well deserves the brightest,
Where sunbeam ever swam—
‘The Girl I love in England’
I drink at Rotterdam!

(Thomas Hood)

In the name of all the devils in Rotterdam

“By late accounts from Rotterdam, that city seems to be in a high state of philosophical excitement. Indeed, phenomena have there occurred of a nature so completely unexpected – so entirely novel – so utterly at variance with preconceived opinions – as to leave no doubt on my mind that long ere this all Europe is in an uproar, all physics in a ferment, all reason and astronomy together by the ears.

It appears that on the — day of –, (I am not positive about the date,) a vast crowd of people, for purposes not specifically mentioned, were assembled in the great square of the Exchange in the well-conditioned city of Rotterdam. The day was warm – unusually so for the season – there was hardly a breath of air stirring; and the multitude were in no bad humor at being now and then besprinkled with friendly showers of momentary duration, that fell from large white masses of cloud profusely distributed about the blue vault of the firmament. Nevertheless, about noon, a slight but remarkable agitation became apparent in the assembly: the clattering of ten thousand tongues succeeded; and, in an instant afterwards, ten thousand faces were upturned toward the heavens, ten thousand pipes descended simultaneously from the corners of ten thousand mouths, and a shout, which could be compared to nothing but the roaring of Niagara, resounded long, loudly and furiously, through all the city and through all the environs of Rotterdam.

The origin of this hubbub soon became sufficiently evident. From behind the huge bulk of one of those sharply defined masses of cloud already mentioned, was seen slowly to emerge into an open area of blue space, a queer, heterogeneous, but apparently solid substance, so oddly shaped, so whimsically put together, as not to be in any manner comprehended, and never to be sufficiently admired, by the host of sturdy burghers who stood open-mouthed below. What could it be? In the name of all the devils in Rotterdam, what could it possibly portend? No one knew; no one could imagine; no one – not even the burgomaster Mynheer Superbus Von Underduk – had the slightest clew by which to unravel the mystery; so, as nothing more reasonable could be done, every one to a man replaced his pipe carefully in the corner of his mouth, and maintaining an eye steadily upon the phenomenon, puffed, paused, waddled about, and grunted significantly – then waddled back, grunted, paused, and finally – puffed again.

In the meantime, however, lower and still lower towards the goodly city, came the object of so much curiosity, and the cause of so much smoke. In a very few minutes it arrived near enough to be accurately discerned. It appeared to be – yes! it was undoubtedly a species of balloon; but surely no such balloon had ever been seen in Rotterdam before. For who, let me ask, ever heard of a balloon manufactured entirely of dirty newspapers? No man in Holland certainly; yet here, under the very noses of the people, or rather at some distance above their noses, was the identical thing in question, and composed, I have it on the best authority, of the precise material which no one had ever before known to be used for a similar purpose. – It was an egregious insult to the good sense of the burghers of Rotterdam. As to the shape of the phenomenon, it was even still more reprehensible. Being little or nothing better than a huge fool’s-cap turned upside down. And this similitude was regarded as by no means lessened, when upon nearer inspection, the crowd saw a large tassel depending from its apex, and, around the upper rim or base of the cone, a circle of little instruments, resembling sheep-bells, which kept up a continual tinkling to the tune of Betty Martin. But still worse. – Suspended by blue ribbons to the end of this fantastic machine, there hung, by way of car, an enormous drab beaver bat, with a brim superlatively broad, and a hemispherical crown with a black band and a silver buckle. It is, however, somewhat remarkable that many citizens of Rotterdam swore to having seen the same hat repeatedly before; and indeed the whole assembly seemed to regard it with eyes of familiarity; while the vrow Grettel Pfaall, upon sight of it, uttered an exclamation of joyful surprise, and declared it to be the identical hat of her good man himself. Now this was a circumstance the more to be observed, as Pfaall, with three companions, had actually disappeared from Rotterdam about five years before, in a very sudden and unaccountable manner, and up to the date of this narrative all attempts at obtaining intelligence concerning them had failed. To be sure, some bones which were thought to be human, mixed up with a quantity of odd-looking rubbish, had been lately discovered in a retired situation to the east of the city; and some people went so far as to imagine that in this spot a foul murder had been committed, and that the sufferers were in all probability Hans Pfaall and his associates. (…)”

(Edgar Allan Poe: The Unparalleled Adventure Of One Hans Pfaall, 1835)

Raften in Rotterdam

Rotterdam ist bekannt für seine gigantischen Hafenanlagen, seine Lage unterhalb des Meeresspiegels, seine junge, außergewöhnliche, eklektische Architektur mit zahlreichen Hochbauten sowie Exaltiertheiten wie den schwimmenden Splashtours-Bus, ein spektakuläres amfibisches Sightseeing-Vehikel. Jüngst hat die Rotterdamer Stadsinitiatief mehrere Ideen zur weiteren Stadtentwicklung im Internet einem Bürgervotum unterzogen. Die Rotterdamer entschieden sich für eine Wassersportstrecke (Schwimmen, Tauchen, Surfen, Paddeln und Raften) mit abgetrenntem 50-Meter-Schwimmbecken mitten im Stadtzentrum. Die Steigersgracht wird in Kürze in eine Sportbahn mit Wellenmaschine umgebaut, die kommenden Sommer eröffnen und für die Bürger kostenlos nutzbar sein soll. Das knackige Erklärvideo stammt von funk-e.