Virtueller Rhein (3)

Andreas Gurskys Fotografie Rhein II (aus einer Serie von sechs Rheinbildern) zeigt den knapp unterhalb der Bildmitte horizontal dahinfließenden Niederrhein. Eingefaßt ist der metallisch-graue Fluß von parallel verlaufenden Grünstreifen. Die Grünstreifen im Vordergrund dürften einen grasbewachsenen Deich vorstellen, den ein geteerter Radweg durchzieht. Der Hintergrund dürfte aus Weide- oder Feldgrün bestehen. Darüber verläuft ein mattgrauer Himmel. Gurskys Rheinlandschaft besteht also aus sechs Streifen im jeweiligen Wechselspiel Grün-Grau. Das Bild eignet etwas Lebloses, Technisches, Formales und beläßt Fragen hinsichtlich des zu Sehenden; tatsächlich handelt es sich nicht um eine ursprüngliche Aufnahme. Mittels Bildbearbeitung wurden Spaziergänger mit Hunden und Gebäude aus dem Ensemble herausgerechnet. Gursky erklärte dazu sinngemäß, daß paradoxerweise eine fiktive Konstruktion erforderlich sei, um ein genaues Bild eines modernen Flußes zu liefern. Bei einer Auktion in New York wurde das “digitale Gemälde” 2011 mit einem Verkaufspreis von 3,1 Millionen Euro zur teuersten Fotografie der Geschichte. Das Bild können wir hier nicht zeigen – es ist im Netz ohne weiteres zu finden. Seine Berühmtheit führte zu zahlreichen Pastiches, einschließlich Darstellungen des “ursprünglichen” Aufnahmeorts. Was ein moderner Fluß sei, vermag allerdings auch das teuerste Foto der Welt nicht zu klären, zumindest nicht die Antworten komplett auf sich zu vereinen. Im schnieken, neugestalteten Kölner Rheinauhafen übernehmen unterdessen die Gebäude eine permanente Bildbearbeitung der fysischen Landschaft und passen den Fluß visuell den Bedürfnissen ihrer Nutzer an:

galerie gerdineGalerie Gerdine im Rheinauhafen: Außenfassade mit Brückenkörper als Werbeträger

Rheinflexion: Zusätzliche, wohlgestauchte Flußschlaufe im Rheinauhafen


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