Monatsarchiv für Juli 2014

 
 

Presserückschau (Juli 2014)

Die Rheinmeldungen des Juli-Sommerlochs handeln von Rückständen und Schwimmern im Fluß, sowie saisontypisch von Tieren, darunter einem selten gesehenen Besucher:

1
Den Rhein auf kleinste Plastikpartikeln untersucht der Basler Student Thomas Mani: “”Es gibt Hochrechnungen, laut denen täglich mehr als vier Tonnen kleinste Plastikteile via Donau ins Schwarze Meer gelangen. Mit meiner Masterarbeit will ich prüfen, ob es dieses Problem auch im Rhein gibt.” In einer 15-tägigen (…) Reise mit einem Kleinbus wird er an zehn Stellen zwischen Basel und Rotterdam rund 4,5 Millionen Liter Rheinwasser filtern und die darin enthaltenen Schwebestoffe zurück ins Labor bringen. Dort werden die winzigen Plastikteile Stück für Stück unter dem Binokular untersucht, fotografiert und gewogen. Danach wird ein externes Forschungsinstitut mittels Infrarot-Spektroskopie ermitteln, von welchen Produkten der Mikroplastik möglicherweise stammt.” (20 minuten)

2
Noch ein Probenentnehmer kündigt sich in der Presse an: der Chemiker Andreas Fath möchte den Rhein ab Ende Juli der Länge nach durchschwimmen. “So will man erforschen, wie sauber der Rhein wirklich ist und was darin so alles schwimmt. Unter anderem erwarten die Wissenschaftler zu finden: Spuren von der Droge Crystal Meth, Psychopharmaka, Pestizide sowie einen Wirkstoff aus der Anti-Baby-Pille. Ein Fokus liege auf Mikroplastik, erläutert Fath, also mikroskopisch kleinen Plastikteilchen, etwa von PET-Flaschen. Die Ergebnisse könnten laut dem Chemiker dabei helfen, Verfahren zu entwickeln, bestimmte Stoffe aus dem Abwasser zu filtern. Der Wissenschaftler sieht es auch als sportliche Herausforderung: Vor ihm hat nur der Bonner Klaus Pechstein den Rhein bezwungen, in 30 Tagen, 1969 war das.” (Morgenweb)

3
Dieweil Andreas Fath (siehe 2) mit der Ankündigung seiner Rheindurchschwimmung die deutsche Presselandschaft des Sommerlochs im Sturm erobert, ist Ernst Bromeis bereits mit seiner “Expedition 2014″ im Rhein unterwegs. Im Mai 2012 hatte Bromeis einen ersten Versuch gestartet, den gesamten Rhein zu durchschwimmen – kurz hinter Basel gab er damals auf. Im Vorfeld hatte die Presse seinerzeit ausführlich berichtet. Dieses Mal hält sich deutsche Presse im Vorfeld und auch während der laufenden Aktion (mit Ausnahme eines längeren, lesenswerten Artikels in der FAZ) vornehm zurück, während die Schweizer Presse auch Bromeis’ zweite Expedition begleitet: “Zu Beginn der dritten Expeditionswoche erlebte das Team um Ernst Bromeis (…) eine unangenehme Überraschung: Am Stauwehr des Kraftwerks Laufenburg (Aargau) wurde ihnen mitgeteilt, dass bis auf weiteres keine Boote passieren können, weil der Hochrhein für den Schiffsverkehr teilweise gesperrt sei. Grund dafür sind die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage und Wochen vor allem im Einzugsgebiet der Aare, die weiter oben in den Rhein mündet. «Ohne Begleitboot kann ich im Moment nicht weiterschwimmen,» fasst Bromeis die Situation zusammen. Er war mit seiner «Expedition 2014» am 7. Juli an der Rheinquelle im Lago di Dentro gestartet, um zur Rheinmündung in Holland zu schwimmen. Die ersten sieben Tage hatten ihm die sehr tiefen Wassertemperaturen zu schaffen gemacht.” (Südostschweiz)

4
Von “Teufelszeug auf dem Vormarsch” berichtet die Frankfurter Rundschau und meint das oben (siehe 2) angesprochene Crystal Meth. Ein verwandter Artikel derselben Ausgabe schildert womöglich erste Auswirkungen der Droge: “Äußerst aggressiv sollen zwei Männer in Bingen reagiert haben, als sie von Wachleuten beim Nacktbaden im Rhein gestört wurden. Die Sicherheitsleute hatten sie am Freitagabend auf dem Gelände der Landesgartenschau erwischt und zum Verlassen des Parks aufgefordert (…). Daraufhin hätten die unbekleideten Schwimmer die Wachleute wüst beschimpft und mit der Faust zugeschlagen.”

5
Am Oberrhein, wo sie entlang des Rheins am häufigsten vorkommen, heißen die Stechmücken Schnaken (Dialekt: Schnooke bzw in diversen Schreibweisen). Ihre Brutgebiete liegen in den dümpelnden Altrheinarmen. Seit 1976 werden sie Jahr für Jahr vom Menschen bekämpft, die Kriegstaktik ging dabei von anfänglich massiven Einsätzen der chemischen Keule zu biologischen Kampfstoffen über: “Monsunartige Regenfälle in Kombination mit tropischen Temperaturen: Das ist eine Wettermischung, die den Stechmückenbekämpfern am Rhein gar nicht gefällt. Vor wenigen Tagen erst sind die Hubschraubereinsätze zu Ende gegangen, bei denen der für Schnakenlarven tödliche Eiweißstoff Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) aus der Luft über einer Fläche von rund 6000 Quadratkilometern abgeworfen wurde. Da rollt schon die nächste Hochwasserwelle den Fluss hinab. So dass in den Brutgewässern links und rechts des Stroms, in denen die dort abgelegten Eier durchaus bis zu zehn Jahre auf den für sie „richtigen Moment“ warten können, abermals neue Plagegeister heranwachsen” schreibt die FAZ. Die Kampfeinsätze finden vom Kaiserstuhl bis Bingen statt, neben Helikoptern sind ganze Hundertschaften Infanterie mit Sprühgeräten im Einsatz. Veterane der Anti-Schnaken-Bewegung erinnern sich noch an die Zeit vor 1976, als viele Rheinanwohner die Sommerabende im eigenen Garten nur in Neoprenanzügen überstehen konnten.

6
Zum ersten mal habe sich ein Seeadler im niederländisch-deutschen Grenzgebiet dauerhaft niedergelassen, schreibt derwesten: “Mit einer Flügelspannweite bis 2,40 Meter gleitet der Seeadler fast geräuschlos am Himmel, elegant und immer aufmerksam auf der Suche nach Nahrung. Der Seeadler gehört zu den größten Raubvögeln in Mitteleuropa und in diesem Jahr ist er zum ersten Mal auch ein Sommergast in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Ornithologe Bert Beekers beobachtet den Vogel seit ein paar Monaten am Kaliwaal bei Kekerdom in der Millinger Waard, im Ooijpolder, entlang der Altrheinarme in Lobith und in der deutschen Düffel.”

Über die Pferdezucht auf den oberrheinischen Inseln

Neuenburg-Fohlenweiden-4
Der Hügelheimer Bürgermeister Isaak Sehringer hatte die Idee, auf den teilweise brach liegenden Rheininseln vor Zienken eine Fohlenweide einzurichten. Der Haken an der Sache aber war, dass zwar damals Zienken zu Hügelheim, die vorgelagerten Rheininseln jedoch zur Stadt Neuenburg gehörten, deren Stadtobere der Unternehmung skeptisch gegenüber standen.
Da boten sich die Grißheimer mit ihrem Bürgermeister Josef Diringer an, die Unternehmung auf einer ihrer Inseln mit 40 Fohlen zu beginnen. Im Mai 1857 lag dafür eine amtliche Genehmigung der Bezirksstelle Müllheim/Baden vor. Nach einem erfolgreichen ersten Jahr lenkten die Zähringerstädter ein und beteiligten sich am Weidebetrieb. Geplant war bis zu 400 Stuten-Fohlen gegen Gebühr halbjährig in Obhut zu nehmen. Die gemeinsame Aufsicht hatten die Bürgermeister von Grißheim und Neuenburg, deren Aufgabe es war, die Fohlen vor Aufnahme einer genauen Musterung zu unterziehen und diese zu registrieren. Ferner kümmerten sie sich um die Organisation, Versicherung und um die Entlohnung der Hirten. Erwirtschaftete Überschüsse sollten je zur Hälfte in ihre Gemeindekassen fließen. Die in Vorleistung getretenen Kommunen erhofften sich nun, durch eine Eingabe bei der Großherzoglich Badischen Regierung, staatliche Zuschüsse zu erhalten. Zur Prüfung des Anliegens war eigens der badische Landstallmeister angereist, ein gewisser Freiherr Karl-Ludwig Röder von Diersburg. Im Karlsruher “Landwirtschaftlichen Centralblatt”, vom 30. Juni 1858, ist dazu sein ausführlicher und äußerst positiv ausfallender Untersuchungsbericht abgedruckt.
Zum Zeitpunkt der Inspektion, es war Anfang Juni 1858, standen 107 Fohlen auf den Rheininseln „Langgrün“ und „Stückelkopf“. Die meisten Tiere stammten aus der näheren Umgebung, einige aber auch von Züchtern aus Riegel und Säckingen.
Die im April auf die Inseln geschwommenen Fohlen wurden ausschließlich im Freien gehalten und tagsüber von drei-, nachts von einem Hirten bewacht. Das Futter bestand nur aus dem was auf den Inseln wuchs, vor allem kräftiges verschiedenartiges Gras.
Der Landstallmeister wurde von Neuenburg aus flussabwärts auf die Inseln gebracht, die beidseits der Grißheimer und Neuenburger Gemeindegrenze lagen. Er lobte den Zustand der Tiere, die gut genährt, mit glattem Fell und prächtigen Hufen, auf ihn einen exzellenten Eindruck machten. Er resümierte überschwänglich, dass die Tiere bestens zum Militär-Dienst geeignet wären. Er übersah wohl dabei, dass die Fohlen erst einige Wochen auf den Rheininseln verbrachten.
Denn ganz anders fünf Jahre später. Im Januar 1863 wurde in einer Sitzung der Großherzoglich Badischen Regierung in Karlsruhe das Thema Rheininseln und Fohlenweiden behandelt. Für den damaligen Amtsbezirk Müllheim berichtete Friedrich Rottra aus Kirchen (Efringen-Kirchen), unterstützt vom Badischen Wiesenbaumeister Lauter vom aktuellen Stand der Unternehmung. Das anschließende Urteil war vernichtend. Etliche Fohlen seien in den zurückliegenden Jahren ertrunken und der Ernährungszustand vor Rückgabe an die Besitzer oft miserabel. Nach lebhafterer Diskussion mit dem ebenfalls anwesenden Landstallmeister, der im Sitzungsprotokoll mit keiner Wortmeldung erwähnt ist, wurde festgehalten:
„Der Staat habe nicht die Aufgabe, alle einzelnen Wünsche zur Förderung ganz privater Interessen durch Steuergeld zu unterstützen, das führe zuletzt zu ganz bedenklichen Folgerungen“. Die Versammlung stimmte mehrheitlich gegen die staatliche Unterstützung von Fohlenweiden.
Im Zuge der damals durchgeführten Tulla’schen Rheinkorrekturen verschwanden alle hiesigen Rheininseln, die vormals saftigen Wiesen versteppten. So war auch das Ende der Fohlenzucht auf den Inseln absehbar.

(Ein Gastbeitrag von Bruno Haase. rheinsein dankt!)

Hausach (3)

Drei Gebäude

Fegefeuer, täglich frisch entfacht an der Hauptstraße

On Hearing the “Ranz des Vaches” on the Top of the Pass of St. Gothard

I LISTEN – but no faculty of mine
Avails those modulations to detect,
Which, heard in foreign lands, the Swiss affect
With tenderest passion ; leaving him to pine
(So fame reports) and die ; his sweet-breathed kine
Remembering, and green Alpine pastures decked
With vernal flowers. Yet may we not reject
The tale as fabulous. – Here while I recline,
Mindful how others love this simple Strain
Even here, upon this glorious mountain (named
Of God himself from dread pre-eminence)
Aspiring thoughts, by memory reclaimed,
Yield to the Music’s touching influence,
And joys of distant home my heart enchain.

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

Martin Heidegger am Rheinfall

Zum Thema Rheinfall sendet uns Marcel Crépon dieses Bild, das ihm ein Mr. Pyeux zukommen ließ und hinter dem eine ausführliche, windungsreiche, nahezu fantastische Geschichte steckt, die Marcel Crépon uns im folgenden, das rheinsein-übliche Artikelformat sprengenden Schreiben und mithilfe weiterer sprechender Bilder enthüllt:

Sehr geehrtes rheinsein,

Auch wenn ich zurzeit anderen Beschäftigungen nachgehe und an fremden Ufern weile, vergesse ich den Rhein nicht und nutze eine kleine Pause, um Ihnen davon zu berichten wo ich Mr. Pyeux traf und was er mir erzählte.
Ein Notfall hatte mich veranlaßt, die Türschwelle eines Baumarkts zu passieren. Nach der Elektro-Abteilung suchend, gelangte ich schließlich in den Gärtnerei-Bereich, wo Garten-Utensilien und allerlei Ausrüstungen ihr Bestes geben, damit jedermann sich seine private grüne Hölle verwirklichen kann. Da stand er, besagter Mr. Pyeux, und starrte auf einen der angebotenen Eimer.
Wie ich Ihnen sicherlich bereits schrieb, habe ich ein gewisses Faible für diese Art Behälter – und Menschen, die sich dafür interessieren, interessieren mich. So wie er dort stand und starrte glich Mr. Pyeux dem Mann, der vor einer Million Jahren einen trockenen Schwamm in einen Eimer Wasser fallen ließ; nein, er sah vielmehr aus wie der Mann, der den Schwamm bereits fallen gelassen hatte.
Wie auch immer. Neugierig zu erfahren, woran genau sein Interesse bestünde, sprach ich ihn an. Er drehte sich zu mir um, antwortete jedoch nicht sofort. Aus seinen schwermütigen Augen schloß ich, daß etwas Tiefgründiges sich in Zusammenhang mit dem Eimer ereignet haben mußte, und blickte ihm wohlwollend zu, eine Geste der Ermutigung. Natürlich, ich mochte mich täuschen, vielleicht war der Grund seines Schmerzes rein körperlicher und nicht seelischer Natur…
Der Mann, Mr. Pyeux, begann tatsächlich frei zu erzählen, schilderte, wie seine einstige Begegnung mit einem Blumentopf ihn über diesen Baumarkt-Eimer habe stolpern lassen, wodurch er mit einer erschütternden Erkenntnis konfrontiert worden sei. Das klang deutlich besser und spannender als ein bloßer Muskelschaden oder eine Nervenentzündung.
Der Name Schaffhausen fiel, und meine Aufmerksamkeit wuchs. In Schaffhausen also, erzählte der Mann weiter, sei er an einem winterlichen Nachmittag die Laufengasse hinunter zum Rheinufer spaziert, und dort auf jenen Blumentopf getroffen, welcher ihn an einen bestimmten Eimer erinnert habe, den er einmal gesehen hatte, ohne jedoch sich erinnern zu können, wo. Nach ein paar Schritten habe er auf einer öffentlichen Sitzbank platzgenommen.
So intensiv war seine recht unscharfe Erinnerung an den Eimer, daß er das Rheinfall-Schauspiel kaum wahrnahm. Die Zeit verging, es dämmerte, bald würde das Wintersechseck am Himmel aufscheinen. Rechts von ihm stand ein Baum und ein zweiter Blumentopf, links ein zweiter Baum sowie der erste Blumentopf. Auf dem linken Stamm entdeckte er einiges Gekritzel, das er zu entziffern versuchte.
Augen, Augen, ein Fisch? Eine lange dreieckige Fahne, oder vielleicht ein Windsack? Eine Ratsche? Ra’ashan? Mr. Pyeux stand auf, näherte sich dem Baum und vertiefte sich in die Hieroglyphen…
heidegger_fig01Baumstamm am Rheinfall, undefinierbare Zeichen

„Wußten Sie, daß graben und scribere die gleiche etymologische Wurzel haben?“ fragte er mich. „Nein“, antwortete ich, und bat ihn seine Erzählung fortzusetzen.
Stimmen unterbrachen Mr. Pyeuxs Graffiti-Betrachtungen: ein Paar saß nun auf der Bank und zankte sich. Er wollte mit einem Kanu die gewaltigen Wassermassen erobern, sie bevorzugte eine gemütliche, romantische Rundfahrt am Bodensee. Er schwor: ”Wahre Romantik ist es, furchtlos den Kampf mit den Elementen aufzunehmen!” – ”Vorausgesetzt man kann schwimmen, überleg’ doch mal!” erwiderte sie. Sie gingen.
Mr. Pyeux blickte zur Bank, das Paar hatte ein Prospekt zurückgelassen: Bodensee-Schifffahrtsbetrieb, Romantische Abendfahrt. Tatsächlich… hätte Mr. Pyeux die Broschüre nicht beachtet, alles wäre anders verlaufen. Stattdessen las er sich die Angebote akribisch durch, bis er im Kleingedruckten auf den Namen des Betriebs stieß: da war er plötzlich wieder, der Blumentopf!
Vor Mr. Pyeuxs innerem Auge bildete sich heraus wie dieser Mann, der denselben Nachnamen wie der Schifffahrtsbetriebsinhaber besaß, nämlich Heidegger, einen Blumentopf trug. Nicht einen Blumentopf, vielmehr einen Eimer! Die Erinnerung war zurückgekehrt. Der alte Heidegger hatte einen Eimer mit Wasser gefüllt und trug ihn lächelnd durch die Gegend. Aber aus welchem Grund, fragte sich Mr. Pyeux, lächelte der Philosoph?
Mr. Pyeuxs Erinnerung frischte nach und nach auf: das Bild in seinem Kopf entstammte einer Foto-Serie. Aber das Lächeln? Warum lächelte Heidegger? Erfreute er sich am Wasserplätschern aus dem Hahn des rustikalen Brunnens, aus dem das Naß stammte? Liebte er es, den gefüllten Eimer zu schleppen? Mochte er das Geräusch des Schwappens, während er mit dem Eimer seiner Hütte zutrottete? Oder hatte Heidegger eine seiner Ideen?
Mr. Pyeux kam nicht darauf, schien es aber um alles in der Welt zu wollen: ”Was ist man für ein Mensch, wenn man sucht und nichts findet?” Das wußte ich nicht. Genug Dinge hatte ich auf meinem bisherigen Lebensweg gefunden, den ich nicht gesucht hatte. Ich fragte Mr. Pyeux, ob er Heidegger gelesen habe.
Hatte er. Und zwar im Original. Und zwar extra dafür, als er vom Rheinfall zurück nach Frankreich gefahren war, einen Kurs bei Berlitz belegt. Die Ergebnisse allerdings waren ernüchternd: nach fünf Jahren konnte er recht ordentlich im heideggerschen Sprachlabyrinth herumirren und seinen Inhalt durchkauen, kauen, und nochmal kauen. Eine Tätigkeit, die bei Kühen auf der Weide eine gewisse Gelassenheit verursacht, doch bei ihm, Mr. Pyeux, eine gefährliche Annäherung zur Idiotie provozierte.
In der Zwischenzeit war das Heidegger-Museum in Meßkirch eröffnet worden. Um seinem philosophischen Rinderdasein auf den Grund zu gehen, fuhr Mr. Pyeux erneut nach Deutschland, sah erneut die Fotos, den Eimer, den Brunnen, sah den Sternwürfel. Seine müßig erworbenen Vokabeln flatterten durch sein Hirn: Eimer, Wasser, Heimer, Einichtsmehr. Wie heißen Sie? Es ist spät geworden. Guten Tag! Ich bin müde. Der Regen fällt. Ich halt zich on in emer waser… Trinken sie! Blumentopf, Sternwürfel, Eimersternwürfel. Heideggereimersternwürfel. Schaffhausen. Heideggeimeisternwürfel. Lächeln. Heide, Ei, Meister Rhein, Würfel… Heide geh Eimer… Heim? Meister im Sterne werfen… So viel in einem einzigen Topf, da müßte man etwas auseinanderreißen!…
Taumelnd verließ Mr. Pyeux das Museum und lief gleichsam hypnotisiert zum nächsten Eisen- und Haushaltswarengeschäft, um dort einen Eimer zu erstehen. Den Kauf getätigt, schloß er sich umgehend einer leicht erkennbaren Pilgergruppe an, die voller Demut auszog, die Feldweg-Luft einzuatmen. Die Pilger schossen Fotos von der Atemluft – nichts für Mr. Pyeux. Bald wurden die Pilger von den Meßkircher Glocken, die die Geheimnisvolle Fuge der Zeit erklingen ließen, angezogen. Mr. Pyeux blieb allein zurück, stellte seinen Eimer ab, ging ein paar Schritte und zeichnete ein X auf den Boden.
„Warum ausgerechnet ein X?“ „Weil der Todtnauer Sternwürfel ein X darstellt. Weil X der 24. Buchstabe des Alphabets ist. Weil 24 die Ordnungzahl für Chrom ist: und Chrom glänzt, rostet jedoch nicht!… Augentrost, Augenrost“, murmelte Mr. Pyeux mehrmals. ”Verstehen Sie?” – ”Kaum…”
Mr. Pyeux verstummte für einen Augenblick und erzählte dann weiter: „Stundenlang lief ich vom Eimer zum X und retour – doch nichts geschah. Das Lächeln des Philosophen blieb rätselhaft. Ich war offenbar am falschen Ort. Schnell malte ich ein Aquarell,
heidegger_fig02Ad hoc-Feldweg-Aquarell

kehrte nach Meßkirch zurück, lieh mir ein Fahrrad, fixierte den Eimer auf dem Gepäckträger und fuhr nach Todtnauberg, wo ich zehn Stunden später anlangte. Der Himmel hellte bereits auf, im Westen war noch das Sommerdreieck zu sehen. Da war die Hütte, der Brunnen. Dort ließ die Fotografin Marcovicz den Philosophen mit seinem weißen Eimer Wasser schöpfen, sieben Mal lief er für sie zwischen Brunnen und Hütte hin und her, dabei immer lächelnd – grinsend? Immer dieselbe Handlung, immer eine andere (Sie wissen schon: zwei gleiche Eimer sind nicht identisch). Den Henkel immer fest im Griff.“
Mr. Pyeux tat es Heidegger nach. Nicht auf direktem Weg von Brunnen zu Hütte, sondern auf dem Wanderpfad, welcher selbst zwar keine Kreise zeichnete, doch ihn, Pyeux, sich im Kreise drehen ließ. Im Kreisen kaute er ”Die Frage nach dem Ding”, Seite 94 bis Seite 97, samt Inhaltsverzeichnis und Vorwort, die er zu Kügelchen formte bevor er sie mit reichlich Speichel eingeweicht in den Eimer fallen ließ. Die Seiten waren geschmacksneutral, wie die Wörter an sich es sind; das einzige was er beim Kauen empfand, war „den Knödelfressern” zu ähneln und das zügige Schmerzen seiner Kiefermuskeln.
Um zureichend gedruckten Text lesbar zu belassen, mußte er sich in seinem Kaueifer zurückhalten und sparsam mit seiner Spucke haushalten. All das schien ihm schlüssig zu sein, so schlüssig und rund oder so rund und schlüssig wie ein Kreis, eine Sphäre, ungefähr so sphärisch wie das Sein, welches durch immer wiederholtes Kreisen Gestalt (und ihr Gegenteil) annimmt, oder wie die geodätische Kuppel La Géode in Paris, die stets das Außen widerspiegelt, doch ihr Inneres zu verbergen weiß.
heidegger_fig03La Géode, Paris, 19. Arrondissement

Als er die letzte Seite gekaut hatte, stellte Mr. Pyeux fest, daß, was das Entziffern des Lächelns betraf, sein Scheitern offensichtlich war. Erneut packte er den nun vollen Eimer auf das Fahrrad und fuhr nach Schaffhausen, wo er sich ungefähr 15 Stunden später in einer Pension niederließ.
Dort dachte er nach (das heißt: alles drehte sich in seinen Kopf wie ein perfektes Wälzlager, dessen Perfektion sich nur auf die eigene Drehung begrenzt und zu keinem greifbaren Ergebnis führt), oder wurde nachgedacht, das wußte er nicht mehr so genau.
Abseits dieses kläglichen Nachdenkens oder Nachgedachtwerdens, zeichnete und rechnete
heidegger_fig04Berechnung (Beispiel 1): Pythagoreische Annäherung

heidegger_fig05Berechnung (Beispiel 2): Experimentelle Geodäsie

heidegger_fig06Zeichnung: Ähnlichkeit der Gefäße

Mr. Pyeux, suchte nach Zusammenhängen, befragte vergeblich die gekauten Kügelchen,
heidegger_fig07Ansammlung durchgekauter Heideggerseiten

zweifelte, verbrauchte seine Ersparnisse. Als kein Rappen mehr vorhanden war, schlich er heimlich zum Rheinfall, leerte den Eimer zwischen Blumentopf und linkem Baum und stellte ihn auf das Häuflein Papierkugeln nieder, blickte ein letztes Mal auf die Felsen, ohne daß dabei etwas geschah, nahm ein Foto (siehe Bild ganz oben), welches, wie er meinte, “nichts geworden sei”, auf und verschwand erst nach Meßkirch, wo er nichts mehr zu suchen hatte, dann schließlich nach Frankreich, wo er fortab seinen Unterhalt als Maurer verdiente und alles vergaß – bis vor kurzem, als ein abstürzender Balken ihm gewiß den Schädel zerschmettert hätte, hätte nicht zwischen Schädel und Balken noch schützend ein Eimer gestanden.
Ich fragte ihn wie all das geschehen konnte. Hastig kritzelte Mr. Pyeux in ein mitgeführtes Notizheft: „So!“
heidegger_fig09Der rettende Eimer

Er wirkte nun sichtlich erregt: „Wissen Sie, was Heidegger zu seinem 80. Geburtstag von seiner Geburtstadt geschenkt bekam?“ (Ich wußte es natürlich nicht.) „Einen Eimer… einen verdammten Eimer voller ”Meßkircher Blütenhonig”!“ schrie er mich an.
Nachdem er sich nach meiner Adresse erkundigt hatte, versprach er, was ich Ihnen nun für Ihre ganz spezielle Website schicke, mir zuzusenden. Ich dankte Mr. Pyeux und schrieb ihm, ob ihm ein weiteres Treffen genehm wäre, Antwort bekam ich nie.
Nun, mein liebes rheinsein, ich fürchte allzu ausführlich gewesen zu sein, doch werden Sie bestimmt Nachsicht üben, wohlwissend um den Grund dieser Längen, die einzig meinen Bemühungen, Ihnen einen detailgetreuen Bericht zu liefern, unterliegen.
Ihr Marcel Crépon.

Leuchttürme des Rheins: Gotthard

„… lighthouse might house the key ….” (Van der Graaf Generator)

Auch die Binnenschifffahrt bedarf der Leuchttürme.
Um einen geregelten nautischen Betrieb auf dem Rhein zu gewährleisten, unterhalten die Anrainerstaaten zahlreiche Leuchttürme.
Manche halten es für übertrieben, schon in der Nähe der Quelle einen solchen positioniert zu haben.
Doch handelt es sich um einen der wenigen Leuchttürme der Schweiz und nicht wenige Eidgenossen sind stolz auf diese maritime Errungenschaft.
Auch wenn es auf dem „sehr jungen“ Rhein wenig schifffahrtliche Aktivität zu erhellen gibt –
So werden doch regelmäßig Flöße zu Wasser gelassen und auch das eine oder andere Wasserfahrzeug will sicher geleitet werden, offiziell ist der Rhein bekanntermaßen zwar nur bis Rheinfelden schiffbar, jedoch erfordern zahlreiche geheime navale Militärprojekte der Schweiz eine Befahrung bis weit in die Quellgebiete.
Vor unvordenklicher Zeit stand neben dem Gotthard ein ebensolcher Bergriese, quasi spiegelbildlich. Bekrönt war der Berg – der Teufelsweich – durch die Feste der Hübener, deswegen Hüburg genannt. Auf dem Gotthard stand die Feste der Drübener, entsprechend die Drüburg benamt.
Als der schreckliche Krieg zwischen Hübenern und Drübenern mit der Niederlage der Hübener endete, waren diese gezwungen worden, die Hüburg zu schleifen und das Teufelsweich-Massiv abzutragen. Bis auf den Talgrund.
Die Drüburg ließ man mangels weiterer kriegerischer Verwicklungen verkommen.
Als letztes stand ihr mächtiger Bergfried. Als die Rheinschifffahrt Auftrieb nahm, trug man den Bergfried ab und baute ihn nahe des mächtigen Stroms wieder auf.
Der Einbau einer mächtigen Beleuchtungsanlage verwandelte ihn in einen Leuchtturm.
Als solcher warnt er die Schiffer vor den Untiefen und Klippen von Sankt Sack und weist ihnen den sicheren Weg in die Marina von Bad Wurschel.

(Bdolf, der dunkelste Denker, mit einem Gastbeitrag über maritime Errungenschaften im Ursprungsgebiet des Rheinstroms. rheinsein dankt und verweist zusätzlich auf diesen Eintrag.)

Die Wacht am Rhei

Die Wacht am Rhei, – merr hat kää Ruh,
Merr heert se alsfort brille.
Merr wisse’s ja, zum Deiwel zu,
Un ääch um Gotteswille.

Heint Nacht um Zwelf ehrscht schlaf ich ei,
Da stolpern Zwää voriwer
Un brille laut die Wacht am Rhei,
So daß ich uffwach driwer.

Ich haw en ääch mein Dank gezollt:
Halt’s Maul! un laßt mich schlafe!
Wacht ihr am Rhei so viel derr wollt,
In Frankfort laßt mich schlafe!

(Friedrich Stoltze, 1884)

Fellaini und der Freirheinische Bund

oder: das Drei-Zeigefinger-Orakel (Text-Bild-Straßenintervention in Köln)

Puissant et bon saint Nicolas

„Les contrées que le Rhin traverse sont richement pourvues de traditions poétiques et de ballades. Le grand fleuve allemand, bordé de burgs historiques et légendaires, serré dans un long couloir de rocher remplis d’écueils et de précipices redoutés des bateliers, a tout naturellement aussi sa ballade de saint Nicolas qu’ils doivent invoquer souvent sur leur barque en péril.
Quand, passant près de Bingen, ils craignent de sombrer dans le tourbillon au milieu du Rhin, ils font encore un voeu qu’ils tiennent plus consciencieusement que le batelier de la ballade suivante, si bien traduite par M. N. Martin.

- Puissant et bon saint Nicolas,
Préserve-nous de couler bas
Dans ce tourbillon où chavire,
Près de Bingen, plus d’un navirte ;
(Ma promesse vaut un contrat)
Un cierge aussi grand que mon mât!
Soudain le soleil perce l’ombre
Et l’esquif passe sans encombre.
- Merci, grand saint ; mais franchement,
Le danger n’était pas si grand,
Ce ciel serein, ce flot docile,
Rendaient le miracale facile ;
Et c’est au plus si l’on te doit
Un cierge gros comme le doigt!
Pensée ingrate autant qu’impie,
Et que tôt le marin expie ;
Une trombe roulant sur l’eau
Engloutit l’homme et le bateau.“

(Amédée de Ponthieu, Légendes du vieux Paris (1867))

***

http://www.lexikus.de/bibliothek/Glimpf-und-Schimpf-in-Spruch-und-Wort-Teil-1/Du-kriegst-nit-dat-Nikeloeschen

(Als Kommentar:)

Du kriegst nit dat, Nikelöschen

(Du kriegst das nicht, Nikolaus). Mit dieser niederrheinischen Redensart, wobei noch ein Schnippchen geschlagen wird, fertigt man einen Bittenden, den man zu foppen beabsichtigt, in den Rheinlanden ab. Über den Ursprung dieser Redensart erzählen sie bei Bingen am Rhein: Der Patron aller rheinischen Schiffer ist St. Nikolaus. Es besteht bei ihnen die Sitte, dass, wenn der Schiffmann zur Reise das Ufer verlässt und das Schiff klar im Fahren ist, er der Mannschaft zuruft: Betet. Jeder zieht den Hut, betet ein Paternoster und empfiehlt dem heiligen Nikolaus Leben und Gut. Vor langer Zeit aber fuhr ein Schiffer ohne Gebet von Bingen ab, und im Loche überraschten ihn heftige Windstöße und brachten das Schifflein aus dem Fahrwasser. Er schrie nun den heil. Nikolaus ängstlich um Hilfe an und gelobte reiche Opfer. Der Wind legte sich und glücklich kam der Schiffer durch das Loch. Als aber die Gefahr vorüber war, stach ihn der Übermut. Er schlug ein Schnippchen und rief: „Du kriegst nit dat, Nikelöschen!“ Doch dem Hohn folgte die Strafe; ein heftiger Windstoß schlug das Schifflein in Grund. Der Schiffer ertrank und als seine Leiche bei St. Clemens ans Land geworfen ward, fehlten der rechten Hand die Finger.

Rüdesheim (2)

dose_seilbahn bei rüdesheim_klSeilbahnschatten kupiert Rebstöcke

dose_drosselgass_klSteinbierkrüge in der Drosselgass (Fotos: Dose)

Hausach (2)

Goldenes Kalb

hausach_waldrandAm Waldrand

Schwimmende Dörfer

schwimmendes dorf
“Schwimmenden Dörfern glichen die bis 300 Meter langen und 50 breiten Floßriesen, die um 1800 auf dem Rhein nach Holland gesteuert wurden. Rund 500 Mann Besatzung arbeiteten wochenlang auf diesen gewaltigen Holzinseln: Ruder- und Ankerknechte, Kopfständer- und Steuerleute, Metzger und Köche, Floß- und Proviantmeister, Schiffer und Fahrgäste. Zu siebt gruppiert, bedienten 280 Ruderknechte die 40 je 15 Meter langen Ruderstreiche vorn und hinten am Floß. Mit Ruderkraft allein konnten die Holzungetüme nicht durch die Rheinschleifen gesteuert werden. Erst der Einsatz einer aufwendigen Ankersteuerung machte dies möglich. Ca. 30 Ankernachen mit je acht Mann Besatzung und mehr als 100 Ankern waren nötig, um die Strömungskräfte des Rheines für die Steuerung auszunutzen. Im Holzhandelszentrum Dordrecht wurde der Floßkoloss von der Stammmannschaft ausgepoltert. Es dauerte oft Jahre, ehe die ca. 12.000 Festmeter Holz in Kapital zurückverwandelt waren.” (Schautafel am Wolfacher Kinzigufer; in Wolfach soll einst ein 750 Meter langes Floß zusammengestellt worden und die Kinzig hinab geflößt worden sein. Die Kinzigflöße waren allerdings nicht rheintauglich, sondern mußten im Kehler Floßhafen für die Tiefwasserfahrt umgerüstet werden.)

Flößerheimkehr

kinzigflößer
“Eine Floßfahrt Wolfach – Kehl dauerte unter Normalbedingungen drei bis fünf , nach Tullas Kinzigkorrektur oft nur zwei Tage. Das Floß übergaben die Kinzigflößer an die Willstätter Kollegen, welche das tiefwasser- und damit rheinuntaugliche Gesterfloß im Neumühler Weiher oder im Kehler Floßhäfele in “steife Böcke” umrüsteten. Diese waren im Tiefwasser sicher steuerbar. Den Heimweg mit unverzichtbarem Gerät – Floßstangen und Waldäxten, Bohrern und Krempen, Zwerchsack und Weinlogel – mußten die Wolfacher “unter die Füße” nehmen. Die allzeit durstigen Flößer waren bei den Wirten am Heimweg gern gesehene Gäste. Oft brachten sie ihren Frauen von der Fahrt ins Land nicht nur ein buntes Sträußchen sondern auch ein tüchtiges Räuschchen mit. Der Fototermin für das Bild wurde 1885 vom Wolfacher Ochsenwirt Straub arrangiert.” (Schautafel am Wolfacher Kinzigufer)

Stein und Mensch

angelika hofer_seeschwalbe_1“Seeschwalbe”

angelika hofer_segelboot“Segelboot”

Rheinkiesel sind Thema einer bisher 17-teiligen Serie auf dieser Seite, in deren sechstem Teil im Kommentarstrang auch mögliche Eignungen als Mittel und Träger von Kunst zur Sprache kommen. Nun schickt uns Angelika Hofer ihre Bilder einiger Fundstücke und den Hinweis auf eine reale Ausstellung, “Stein und Mensch”, die vom 11. Juli bis 03. August im Dorfmuseum Roßhaupten im Allgäu stattfindet (Vernissage: Freitag, 11 Juli um 19 Uhr). Aus dem Begleittext:

“Drei Menschen, drei verschiedene Sichtweisen, drei mal die gleiche Leidenschaft – Steine.
Da sind die Steine. Gefunden am Alpenrhein, oberhalb des Bodensees. (…) Manche Musterungen bilden Greifbares ab wie Zahlen oder ein Auge. Manche sind einfach nur schön. Wenn Angelika Hofer erzählt, wie mancher Findling sie fand und welche Botschaft er ihr brachte, könnte man stundenlang zuhören. Einige Kiesel schmiegen sich in hölzerne Fundstücke.
Steine als Freunde. Das gilt auch für die großformatigen Fotografien von Günter Ziesler. Ob in Namibia oder Korsika. Ob in Sardinien oder in Island. Diese Steine und Felsen leben und erzählen Geschichten.
Idealer Partner in dieser Welt Haymo Aletsee aus Pfronten. Der Holzbildhauer hat Figuren und Stelen mitgebracht, in die Steine integriert sind. Seine Steine stammen aus dem Lech.
Hart und weich, steinig und kuschelig, männlich und weiblich kommen zusammen. Eine inspirierende Verbindung der Elemente: archaisch, augenzwinkernd, sinnlich.”

Über die im Rahmen der Ausstellung zu erwartenden Geschichten hinaus hat Angelika Hofer Sein und Wesen einiger Rheinkiesel mithilfe eines HRV-Meßgeräts zu Musik transformiert. Das Ergebnis ist in diesem Youtube-Video dokumentiert.