Monatsarchiv für Mai 2014

 
 

Presserückschau (Mai 2014)

Von Gefahr für den Äschenlaich, rheinischem Whisky, einer verdächtigen Ansammlung unter der Severinsbrücke, einem Welsmensch bzw Menschwels, den Hochwasserexperten vom Mekong, und der geplanten Ansiedlung von Wasserbüffeln erzählte der diesjährige Wonnemat am Rhein:

1
Höherstau, Protest und Äschen: “Aus Sorge um den Rhein demonstrierten (…) rund 100 Weidlingfahrer am Ufer bei der Schaarenwiese bei Schlatt. Anlass für die Demonstration ist die Abstimmung vom 18. Mai im Kanton Schaffhausen. Die Revision des Wasserwirtschaftsgesetzes soll das Höherstauverbot des Rheins aufheben. Das soll dem Schaffhauser Kraftwerk den Weg ebnen, das Wasser höher zu stauen – und mehr Strom zu produzieren. Geplant ist ausserdem ein Kraftwerk am Rheinfall. Die Gegner der Höherstauung fürchten um die einzigartige Rheinlandschaft. Die “Aktion Rhy”, die 1973 eine Autobahn über den Rhein beim Schaaren verhindert hatte, ist wieder zum Leben erweckt. Die damaligen (…) zeigten gestern, welche Auswirkungen ein Höherstau von 40 Zentimetern hätte. Unter anderem würde das Naturschutzgebiet Schaaren stark beeinträchtigt. Und im Naturschutzgebiet Petri beim Klostergut Paradies würden bei einem Höherstau die Laichplätze der Äschen zerstört. Gerade auf dem Flussabschnitt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen lebe eine der grössten Äschenpopulationen des gesamten Rheins.” (Tagblatt)

2
Während die mittelrheinischen Winzer sich mit amerikanischen Weinproduzenten herumschlagen, die Bezeichnungen wie “Rhine” und “Moselle” auf ihre Etiketten drucken, ist schottischen Whiskyproduzenten eine rheinische Produktion Dorn im Auge: “Wie bereits im vergangenen Jahr in Deutschland klagt die Scotch Whisky Association nun auch gegen Ostschweizer Whisky-Produzenten. Beim Whisky der Mosterei Kobelt in Marbach geht den Schotten die Bezeichnung “Glen” gegen den Strich.” “Glen” sei als indirekte geographische Herkunftsangabe für in Schottland hergestellten Whisky aufzufassen: “Das von der Mosterei Kobelt & Co. unter der Bezeichnung vertriebene Produkt stammt nicht aus Schottland”, wie die Thurgauer Zeitung berichtet.

3
Verdächtiges Verhalten am Kölner Rheinufer meldet das Boulevardblatt Express unter dem Titel “Rätsel um Regenschirm-Truppe” und klärt selber auf: “Bei schönstem Wetter steht eine kleine Menschengruppe unter der Severinsbrücke auf der Schäl Sick und alle haben Regenschirme aufgespannt – als wollten sie sich vor neugierigen Blicken schützen. Und das nicht nur mal vorübergehend. Angeblich rühren sie sich seit dem vergangenen Freitag nicht vom Fleck (…). Auch eine Polizeistreife interessierte sich für das Grüppchen und sah sich das Ganze mal aus der Nähe an. Und siehe da: Die Menschen sind gar nicht echt. Es handelt sich um lebensgroße Figuren – offenbar aus einer Art Gummi oder Schaumstoff.”

4
Von ähnlich hintergründigem Kaliber erweist sich eine weitere Express-Meldung. Ein Schwimmer in Not habe am Niehler Ufer in Köln eine großangelegte Rettungsaktion mit Helikopter und Suchbooten ausgelöst. Die alarmierten Rettungskräfte von DLRG, Wasserschutzpolizei und Feuerwehr hätten jedoch keinen Schwimmer ausmachen können und stattdessen den Kadaver eines großen Welses entdeckt, der den Einsatz ausgelöst haben dürfte.

5
“Zum ersten Mal trafen Gewässerkundler aus dem Rheineinzugsgebiet auf Fachleute aus den Anliegerstaaten des Mekong. Obwohl beide Einzugsgebiete ca. 9000 km von einander entfernt liegen, gibt es doch große Gemeinsamkeiten bei den Aufgaben aber auch bei den Problemstellungen. (…) Die Präsidenten der Mekong River Commission (MRC), der Internationalen Kommission für die Hydrologie des Rheins (KHR) und der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) sowie Regierungsvertreter und Experten trafen sich (…) in Koblenz zum ersten Rhein-Mekong-Symposium. (…) Das Symposium bestätigte, dass der Klimawandel sowohl am Rhein als auch am Mekong bereits Einfluss auf das hydrologische Regime sowie das Leben und die Wirtschaft an beiden Flüssen genommen hat. In beiden Einzugsgebieten ist ein Anstieg der Temperaturen zu beobachten sowie veränderte Niederschläge. Dies bedeutet erhöhte Niederschläge in der feuchten Jahreszeit, geringere Niederschläge in der trockenen Jahreszeit. Naturkatastrophen, vor allem Hochwasser und Dürren, treten ebenfalls in beiden Regionen auf. Allerdings sind die Risiken in Europa eher ökonomischer Natur, während in Süd-Ost-Asien unmittelbar die Existenzgrundlage der Bevölkerung gefährdet ist”, vermeldet das Netzportal Juraforum. Zum Austausch zwischen Rhein und Mekong paßt auch folgende Meldung:

7
“Ein Aussichtsturm als neue Landmarke im Rheinbogen, Wasserbüffel, die in Nähe des Rheinufers weiden, ein ausrangierter Schlepper ankert als Restaurantschiff an der neuen Anlegestelle, der Berliner Ring als grüne Brücke zwischen Rhein und Siedlung. Das sind einige der Ideen aus dem Entwicklungskonzept, mit dessen Hilfe das Rheinvorland zwischen Haus Bürgel im Norden bis zu Gut Blee im Süden aufgewertet werden soll. Dahinter steht das strategische Ziel der Stadt Monheim, ihre Lage direkt am Rhein mehr in den Vordergrund zu rücken.” (Rheinische Post) Ob mit der Kultivierung von Wasserbüffeln am (und somit womöglich auch im) Rhein die Produktion eines speziellen Monheimer Mozzarellas einhergehen soll, verschweigt der Artikel.

Jimi Hendrix am Rheinfall


rheinsein
bietet ein Spektrum höchst unterschiedlicher Zeugnisse rheinischen Kulturschaffens. Gelegentlich erzählen Leserzuschriften Geschichten, die ohne rheinsein kaum zustande gekommen wären.  Diese handelt von einer wissenschaftlichen Exkursion mit erfolgreichem Ausgang:

Erst im April stieß der seit einigen Jahren verrentnete Privatmusikologe Edouard Roche über nicht mehr nachvollziehbare Suchbegriffe auf unseren, ebenfalls von einer Leserin angestoßenen Eintrag, der Iggy Pop mit dem Rheinfall in Zusammenhang setzte. Trotz der offenkundigen Vagheit unseres Eintrags überzeugt, dort Materialien für sein geplantes Mammutwerk über die Verschmelzung von klassischen und Rock-Kompositionstechniken im XX. Jahrhundert ausfindig machen zu können, ein wenig auch in Urlaubslaune, machte Herr Roche sich noch im selben Monat auf den Weg nach Schaffhausen.

Die ersten Tage fand er dort nichts, stieß schließlich aber auf einen jungen Mann, der sich Shiketa Limekaro nannte (dessen bürgerlicher Name Jonathan Tekisch lauten soll), den Bassisten von Dunklesunne, der ersten Death Metal Band aus dem schweizerischen Andelfingen, das für seine Grabanlagen aus der Latènezeit über den Ortsrand hinaus insgesamt bekannter ist als für die musikalische Radikalität seiner Jugend. Bei einigen gemeinsamen Essen und zahlreichen Getränken in einer Gaststätte geriet Herr Roche mit dem Nachwuchsmusiker in Austausch. Limekaro beeindruckte Roche im Gespräch nicht nur mit seinem musikalischen Wissen und seiner Trinkfestigkeit, sondern hielt darüberhinaus eine Theorie bereit, die dem an Abseitigkeiten interessierten Musikologen vorher niemals begegnet war. Demnach liege der Ursprung für Drone Doom, eine Spielart des Doom Metal, nirgendwo anders als in den ersten Takten von Wagners Rheingold – gespielt von Jimi Hendrix.

Die Theorie sei eigentlich, meint Herr Roche – so erstaunlich gleichwie einleuchtend sie direkt auf ihn wirkte – sogar mehr als eine Theorie, denn sie lappe direkt ins Reich der Mystik. Mit ihr zusammen hinge nämlich zudem die Geschichte des Stücks Purple Haze von Hendrix’ Are You Experienced-Album und Limekaros bezeichnender und offenbar wiederkehrender Traum von einem Unterwasserspaziergang des legendären Gitarristen am Rheinfall. Ganz genau könne er Limekaros Theorie nicht mehr rekonstruieren, wohl aber das Ambiente, in dem er sie erfuhr, und auch einige wesentliche Aspekte, die ausreichten, die Theorie in seinem Werk über Kompositionstechniken vorzustellen.

Roche hätte nämlich, um das Gespräch aufrecht zu halten, weitere Getränke bestellt, bis Limekaro in zwar schwerfälliges, aber unablässiges Reden verfallen sei (währenddessen der Bassist obige Zeichnung anfertigt habe). Ab einem gewissen Zeitpunkt sei es gleichsam (für einen Bassisten) aus dem jungen Mann nur so herausgesprudelt, sogar Euforie habe er ansatzweise verstrahlt, während Roche selber aufgrund des eigenen Bierkonsums in einen Zustand aus Müdigkeit, gepaart mit leichter Verwirrung geraten sei und das Protokoll aus diesem Grund unvollständig bleiben müsse:

Eines Nachts sei Limekaro, so habe er erzählt, in einem Traum abgetaucht in das ewige Tiefblau der Unterwasserwelt unterhalb des Falles, das sich in die größte Stille seines noch jungen und von viel Metalmusik begleiteten Lebens verwandelt habe, ein Paradox, das ihn beeindruckt habe, umso mehr, als plötzlich Hendrix erschien, ganz in weiß gekleidet, halb Mensch, halb Schaum (Zitat Limekaro: “Genau wie dieser Bierschaum!”)”, ganz mythische Gestalt, zugleich sichtbar und unsichtbar, und langsam zwischen den Felsen auf- und ablief, die komplett unter Wasser standen, was trotz des eigentlich undurchlässigen Tiefblaus und Hendrix’ partieller Unsichtbarkeit deutlich zu erkennen gewesen sei. Das Herummarschieren des Gitarristen schien sich bereits zur Sinnlosigkeit zu steigern, als plötzlich die Felsen zu leuchten begannen. Sie leuchteten nun immer kräftiger, begannen dabei zu wabern und verwandelten sich in zwei riesige floureszierende 100 Watt Super Lead-Verstärker der Marke Marshall, aus denen Rheingoldtakte dröhnten, die Anfangstakte um genau zu sein, und ganz eindeutig in Hendrix’ typischer Interpretation. Das beste an der Geschichte aber komme am Ende. Es gäbe von Hendrix’ Unterwassersession, behauptete Limekaro, eine Aufnahme, die tatsächlich existiere, was seine Theorie beweise, und von der er Roche eine Kopie beschaffen könne.

Am nächsten Morgen, als Herr Roche mit brummendem Schädel und trockenem Mund in seinem Hotelzimmer erwachte, stellte er fest, daß seine Brieftasche um einige hundert Franken erleichert war. Doch auf seinem Nachttisch fand er ein Audio-Tape, das er eigens für rheinsein digitalisierte:

jimi am rheinfall

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Wie Elvis posthum noch zu einem Rheinkieselanzug gelangte

“Ja wie denn nun? Und wo? Bei welcher Gelegenheit? Besaß er zu Lebzeiten keinen?”
“Fangen wir von hinten an. Der King trug schon sehr ausgefallene Anzüge und viele, ja die meisten davon sind dokumentiert. Von einem Rheinkieselanzug ist der Elvisforschung bis dato allerdings nichts bekannt. Was natürlich trotz aller bedeutenden Errungenschaften dieses Forschungszweigs nicht zwingend heißen muß, daß er keinen besaß. Bilder von Elvis in einem Rheinkieselanzug sind bisher jedenfalls nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Posthum in den Besitz eines Rheinkieselanzugs gelangte Elvis anläßlich des Afrika-Poesiefestivals, das dieser Tage in Köln stattfindet.”
“Aha, ein lyrischer Rheinkieselanzug sozusagen.”
“Ja und nein.”
“Ja, wie denn nun?”
“Der Rheinkieselanzug ist tatsächlich ein Produkt lyrischer Quadratur. In einem ausufernd-interkontinentalen, englischsprachigen Gedicht von Charl-Pierre Naudé aus Südafrika, das in der durchaus, wenngleich eher randständig, noch als rheinisch zu bezeichnenden Metropole Antwerpen seinen Ausgang nimmt, tauchte unter anderem ein Anzug mit Knöpfen aus “rhinestone” auf, ein Begriff, der eigentlich “Straß” bedeutet, der für das Kölner Festival, womöglich aus lokalpatriotischen Gründen, womöglich aus Unkenntnis dieses “false friend” mit “Rheinkiesel” übersetzt wurde, eine Übersetzung mithin, die ihre Wirkung nicht verfehlte, indem sie die Herzen des rheinischen Publikums erwärmte und vor dem inneren Auge einiger Vertreter der zahlreich anwesenden lokalen Dichterschaft sich zu einem symbolträchtigen, in nicht all zu ferner Ferne womöglich als historisch zu bezeichnenden Bild entwickelte. Die Kölner Lyrikproduktion jedenfalls wird künftig kaum um das neue Ornat eines königlichen Rheinkieselanzugs herumkommen.”
“…?!”
“Mhm.”

Le Styx des Alpes (2)

(…) Au-dessus des bains commence la gorge proprement dite de la Tamina ; point d’autre bruit que le grondement sourd des eaux ; plus de trace de créature vivante ; parfois seulement peut-être un petit oiseau voyageur vient, comme un troubadour égaré, passer dans cette solitude, pour la fuir aussitôt épouvanté. Munis du billet qu’il faut prendre pour visiter la Tamina, nous avonçons sur la rive droite : tout ce que nous avons vu jusqu’à ce moment n’est qu’un prélude.
Cependant la petite route a fini ; il nous faudra suivre l’espace d’un démi-kilomètre un sentier formé par de solides madriers soutenus par les rochers qui pendent au-dessus du gouffre. On rampera, pour ainsi dire, le long de l’affreuse paroi : c’est un paysage de Dante, c’est un château de l’enfer ; mais quelle terrible architecture! Le site est grandiose et terrifiant, unique et incomparable. Il me semble lire sur les sombres rochers la parole désolante : Laissez là l’espérance!
L’obscurité se fait : à dix pas je ne reconnais pas mon compagnon, et les personnes qui nous précèdent s’agitent comme des spectres. On se parle peu ; on sent et on admire en frissonnant. Les vagues écumantes roulent sous les voûtes sombres avec un murmure lugubre, ou frappent avec éclat, jaillissent et relentissent sur le roc, et ruissellent des saillies aiguées, puis retombent dans les fonds ténébreux, et s’écoulent, grondant en tonnèrres prolongés.
À mesure qu’on avance, la voix du torrent, renforcée par l’écho, nous absorbe davantage ; le plancher qui nous porte est trempé de l’eau dégouttant des rochers. À chaque endroit particulièrement saillant et terrible nous nous disons : Que deviendrions-nous si un madrier manquait sous nos pieds? C’est ici un vrai Styx, dont les eaux réduites par des nombreuses chutes en tourbillons d’écume, peintes en noir par les débris enlevés aux rochers, aident par leur sombre aspect à rendre le site plus funêbre. Que d’années aura-t-il fallu au torrent pour se frayer un passage à travers cet affreuse crevasse!
Mais éloignons un moment le regard des profondeurs pour voir au-dessus de nous. L’oeil, le plus souvent, n’aperçoit que les parois des rochers qui semblent se joindre à deux cent mètres de hauteur ; d’autre fois un petit espace de firmament, quelques parcelles du bleu d’azur planent au-dessus du gouffre, et sourient au voyageur qui se meut au fond du noir abîme. Les rochers eux-mêmes dessinent dans la voûte du ciel des curieuses mosaîques, des figures géométriques, des lacs, des pelouses dont les fleurs sont les étoiles. J’aimerais à contempler ces bouches au moment d’un orage, lorsque l’éclair y glisse sa lumière ardente, et fait resplendir d’un feu sinistre et les rochers et les flots bouillonnants.
Quoiqu’il ne soit pas possible de voir d’un seul coup d’oeuil tout le passage, il y a néanmoins un endroit où la plus grande portion en est visible ; on fait bien de s’y arrêter un moment, pour concentrer et graver les impressions ressenties. Ça et là nous rencontrons un voyageur ; en voici un devant nous qui brandit sa canne ; on dirait Télémaque écartant de son épée les ombres aux enfers. Les touristes les plus timides se penchent en marchant vers le rocher, comme s’ils y cherchaient un refuge ; les plus hardis, cramponnés à la balustrade, s’amusent à voir le cours tourmenté de la Tamina ; la plus grande largeur du torrent n’est que de dix mètres.
Cependant, vers les hauteurs, les rochers se sont rapprochés de plus en plus ; enfin, à deux cent cinquante mètres au-dessus de nos têtes, ils se sont joints pour former ce que l’on appelle le “pont naturel” (Naturbrücke).
En cet endroit se trouve la grotte d’où s’échappe la source renommée de Pfaeffers. Un jeune homme est là et sert de guide. La lumière est toujours prête pour éclairer l’étranger à travers cette galerie latérale longue de trente mètres.

(F. A. Robischung, Un touriste alpin à travers la forêt de Bregenz et la Via Mala (1881))

Le Styx des Alpes

À ma gauche coule le Rhin ; au delà c’est le canton des Grisons ; je suis entré dans celui de Saint-Gall. On a cru reconnaître que le Rhin n’a pas toujours suivi le cours actuel : les terrains d’ alluvion du pays de Wallenstadt, et en général de la vallée de la Limmat, tendent à démontrer que, il y a une vingtaine de siècles, le fleuve se jetait dans le lac de Wallenstadt, couloit ensuite dans celui de Zurich, et finalement se confondait avec l’Aar, à partir de Brugg (Suisse). Le silence des Romains à l’endroit de la cataracte de Schaffhouse est très significatif à cet égard. Suivant des sérieuses observations hydrographiques, le Rhin se serait donc frayé peu à peu un passage à travers les rochers pour prendre une direction nouvelle vers le nord. Ce serait un de ces caprices qu’il s’est déjà permis ailleurs : du temps de Philippe-Auguste, la ville de Vieux-Brisach, batie sur de haute rochers, était alsacienne ; mais le Rhin, changeant de cours au moment d’une grande inondation, rejeta la ville sur la rive droite, et depuis lors elle est badoise.
En roman le mot “Rhin” signifie eau courante : ne faudrait-il pas trouver l’origine de ce nom propre dans le verbe grec (…), qui signifie couler, et rapprocher de cette étymologie les mots Rhône et Rha (l’ancien nom du Volga)?
Le pays où je suis est vaste et large ; il est dominé par les montagnes du canton de Glaris.
À Ragatz je descendis avec mon compagnon. Il me suffira de dire que cinquant mille personnes visitent anuellement Ragatz et la Tamina, pour donner une idée de l’animation qui règne en cet endroit. Nous entendons les couchers de toute livrée nous crier: “Hôtel Ragatz, hôtel Quellenhof (hôtel des sources), hôtel Rosengarten (jardin des roses), hôtel Freieck, hôtel Schweizerhof, hôtel Tamina, etc.” Reste à savoir si les notes de consommation sont aussi poétiques que les noms des hôtels.
Nous nous dirigeons aussitôt vers le joli bourg de Ragatz (1 900 habitants) : nous approchons de l’un des passages les plus fameux et les plus terribles des Alpes. Ce n’est point de la gorge de la sauvage Tamina, un affluent du Rhin, soit dangereuse pour le touriste ; mais, par le fait même qu’il n’a point à se soucier de sa conservation, il peut mieux sonder de l’oeil le gouffre, et jouir en frissonnant d’un site peut-être sans pareil.
Déjà nous avons dépassé Ragatz ; déjà la vallée se resserre, et les rochers font place à la nature cultivée. Ça et la une petite voiture marche au pas sur la route ; mais la plupart des touristes préfèrent s’enfoncer à pied dans l’étroit passage.
Les rochers cependant se resserrent ; la portion de ciel dont on jouit devient plus étroite ; seule la nature brute et morte accompagne le voyageur vers les autres profonds. La vallée n’est plus que le cours torrentueux et effrayant de la Tamina.
La route serpente le long de la rive gauche ; à mes pieds se précipitent les caux, dont je ne suis séparé que par un talus cacarpé et toujours vertigineux ; à droite je remarque quelques traînées de maigre végétation sur un sol escarpé, halayé par chaque pluie d’orage ; mais enfin les rochers perpendieulaires font aussi leur apparition de ce côté, et occuperont désormais sans partage les deux rives du torrent. Il nous arrive donc souvent de voir les blocs énormes suspendus au-dessus de nos têtes, tandis que les eaux mugissantes exécutent leur valse éternelle sous nos pieds. La lumière devient plus rare ; le rayon de soleil, même en plein midi, est un luxe ; quelques mousses, quelques herbes souffreteuses poussent encore à des rares intervalles sur les parois humides, hautes de deux cent cinquante à trois cent mètres.
Continuons à suivre cet effroyable ravin dont l’embouchure se trouve à Ragatz, à environ quinze lieues du lac de Constance. Le chemin, encore accessible aux voitures, s’enfonce complètement dans le roc vif, comme s’il voulait fuir les abîmes inévitables. Maint touriste ne voit qu’avec terreur le fond où se précipitent les eaux, sur un lit formé de cailloux noirâtres, complètement différent des parois calcaires, veinées de quartz, qui forment le gouffre. Lorsque le torrent tombe perpendiculairement, l’écume jaillit jusqu’aux pieds du passant. La route est étroite ; si donc deux voiture s’y rencontrent, il faut que l#une d’elles approche de l’abîme, et que l’autre frise les rochers pendants ; ceux-ci se touchent, est c’est un moment d’émotion à subir. Je conseille à tout voyageur de ne passer qu’à pied en de tels lieux.

(F. A. Robischung, Un touriste alpin à travers la forêt de Bregenz et la Via Mala (1881))

Seltenes Rheinbuch

“Das Edle Fluß-Perle, Oder Der Gold-trächtig- und Fürtreffliche Ströme-Printz, Der Rhein, Bewandelt und vorgestellet in etlichen Lust-Gängen; Das ist: Kurtze und Kern-reiche Beschreibung, Von dieses herrlichen Flusses Ursprung, Wachsthumb, Vermehrung, Zertheilung, auch Vorbey- und Durchfliessung vieler schönen und namhafften, ja theils der Welt berühmtesten Städte, Schlösser und Vestungen, mit Beygethaner Anmerckung derselben Situation, und sonderbarsten Denckwürdigkeiten; Wobey noch eine accurate Land-Charte des Rhein-Stroms mit hinzugefüget”

lautet der Titel eines offenbar seltenen Rheinbuchs, das ziemlich viel für seine 116 Seiten verspricht, das von Hübner erwähnt wird und bisher nur an wenigen Stellen im Internet als verfügbar aufgelistet wird: im Katalog für die Bibliotheken der Universität Heidelberg (HEIDI), als in den Lesesaal bestellbares Exemplar, bei den University of London Research Library Services, Institute of Germanic and Romance Studies in Leeds, und in der Dartmouth College Library, Hanover, New Hampshire.

Rheinzitat (25)

“Die häufig gemachte Aussage, der Rhein münde in die Nordsee, ist faktisch unrichtig, weil er eigentlich nirgendwo mündet.”

(Manfred Schmidt: Geographische Kuriositäten, München 2013)

Unter-Föhn-ein-Fluß

“Fluß, Du fließt in alter Weise / durch Dein programmiertes Tal” beginnt ein Ohrwurm aus den frühen Achtzigern (1). Gemeint ist der Rhein, nicht nur nach David Hume schönster Fluß der Welt (2), der auf immerhin gut zwanzig Kilometern als schlingernder Rebell, die Taschen voller Steine (3) das Fürstentum tangiert, bedrängt und mit seiner eigenartig-eingezwängten Rheinheit bestäubt. Es mag am Föhn oder der gerade aufkeimenden Leichtigkeit des klimawandelnden, bisher noch ewig wiederkehrenden Frühlings liegen, auch dürfte die Übersichtlichkeit Liechtensteins dazu beitragen, daß im Spannungsfeld dahingeträllert-erinnerter Liedzeilen und literarischer Zitate ganze Utopien und Dystopien für diesen Landstrich entstehen und zerfallen. So zeichnete bereits vor zwei Jahrhunderten der notorische Rheinromantiker Brentano ein kirmesartig überdrehtes “Vadutz” als Mischung aus verlorenem Paradies, Eldorado und Schlaraffenland, dessen Fluß die ganze Woche ein unzugängliches Steinmeer ist und nur am Sabbath seine Wogen bewegt (4), ein Land voller Absonderlichkeiten wie Schlüsselblumen-Champagner und wasserdichten Lobzetteln, ein Land aber auch des “Alles, wie es seyn soll und nie seyn wird” (5).

Der Utopie wohnt die Dystopie wohl zwangsläufig inne – und umgekehrt. Und ein nur feiertags fließender Fluß gibt Grund zu grübeln. Was, wenn der Rhein, zum Eingewöhnen gerne zunächst nur unter der Woche, schließlich aber komplett vor Balzers Richtung Walensee abflösse? Eine Programmierung gewissermaßen, die schon einmal zum Einsatz gekommen sein soll, in einer Zeit allerdings, bevor es Menschen gab, die davon Zeugnis hätten ablegen können – während heute keine halbe Stunde verginge, bis eine solche Sensation im Internet stünde, mit Videobeweis und jeder Menge abstruser Äußerungen in der Kommentarspalte. Nicht nur würden wir derartige Wunder heute postwendend nachweisen, wir hätten sie wahrscheinlich selber bewerkstelligt, eben: programmiert. Es muß schließlich immer weitergehen. Daß ein Flußlauf sich korrigieren, stauen und angesichts des entstandenen Schlamassels hübsch renaturieren läßt, gehört längst zum kulturellen Repertoire der Menschheit.

Was die Schweizer mit dem neuen Flußverlauf anfingen, sei an dieser Stelle außen vor. Schauen wir auf die Chancen für das Fürstentum. Ohne Rhein würde es etwas trockener in Liechtenstein, gewiß, doch ließe sich mit dem gewonnenen Areal Begeisterndes beginnen. Das Rheingold entpuppte sich neuerdings als Bauland, auf den Kiesbänken wüchsen zunächst, was ihnen umgangssprachlich ohnehin innewohnt: Banken. Statt des Rheins strömte einfach noch mehr Geld durchs Land. Welchem ernstzunehmenden Menschen gilt heute die Metafer vom Leben, das als Wasserlauf betrachtet werden sollte (6)? Vielmehr liest sich ein modernes Leben in Kontoauszügen und Börsendiagrammen. Im Rheintal entstünde, Kapital zieht Kapital an, mit Kapital wird gebaut, wo gebaut wird kommen ungelernte Kräfte, die sich bekanntlich rasend vermehren, Schaan, Vaduz und Triesen machen es derzeit ganz zaghaft vor, eine Megalopole mit Angeboten weit über Brentanos nicht selten kindliche Vorstellungen hinaus, das planierte Rheinbett diente, endlich, als International Airport, die neuerdings animierten Bergzacken leuchteten als wechselnde Tageskurse ins Tal, die riesigen Fußballstadien von Ruggell und Triesenberg wären weithin gefürchtete Festungen, vermutlich in Planken siedelte unter einem überdimensionierten Schriftzug die Filmindustrie und das Fürstenhaus wäre tägliches Thema im deutschen Fernsehen. Klingt das phantastisch oder realistisch? Spinnerei und Business liegen viel näher beieinander, als allgemein angenommen wird. „Unsere Geldsorten schnitten wir aus Goldpapier“ (7) schrieb Brentano über sein Traumland Vadutz, als Liechtenstein Bauernland war – von seiner Vorstellungskraft läßt sich bis heute lernen.

Wie bitte, Sie würden den Rhein vermissen? Dieses eingedeichte Abziehbild von einem Fluß? Ist nicht nötig, noch ist er ja da. Besonders gut zu betrachten aus den höheren Warten. Im aktuellen Energiekonzept der Landesregierung wird er demnach als potentieller Energielieferant geführt. Das klingt nach Staustufen und Kraftwerksbauten und Rückfall in die Zukunft. Noch hat niemand die Verklappung des Flußlaufs unter eine Asfaltdecke vorgeschlagen, ein Projekt, welches Energie- und Siedlungspolitik sinnvoll vereinen könnte. Nutzen Sie also, falls Sie den Rhein wirklich vermissen würden, den Mai, machen Sie einen Ausflug auf den Damm, nehmen sie Bruce Springsteen im Kopfhörer mit, der unvergleichlich von Lügen gewordenen Träumen orakelte und ausgetrockneten Flüssen (8) und schauen Sie sich den Rhein nochmal in seiner jetzigen Form an. Wer weiß – Warnungen gibt es zuhauf (9) – wie lange das noch möglich ist.

1 Rheingold: Fluß
2 „the finest river in the world“ (David Hume: The Letters)
3 Richard Pietraß: Mit einem Bein in Liechtenstein
4 Clemens Brentano: Gockel, Hinkel und Gackeleia
5 Ebd.
6 „An individual human existence should be like a river“ (Bertrand Russell: Portraits from memory and other essays)
7 Clemens Brentano: a.a.O.
8 Bruce Springsteen: The River
9 Golgowski-Quartett: Am dreißigsten Mai ist der Weltuntergang

(Aktuelle Kolumne für das Monatsmagazin KuL des Liechtensteiner Vaterlands)

Petrarca über Köln, den Rhein und die Rhône

Franciscus Petrarca Iohanni Columnae Cardinali salutem plurimam dicit

Aquis digressum, sed prius, unde ortum oppidi nomen putant, aquis Baiano more tepentibus ablutum, excepit Agrippina Colonia, quae ad sinistrum Rheni latus sita est: locus et situ et flumine clarus et populo. mirum in terra barbarica quanta civilitas, quae urbis species, quae virorum gravitas, quae munditiae matronarum! forte Iohannis Baptistae vigilia erat, dum illuc applicui: et iam ad occidentem sol vergebat. confestim amicorum monitu (nam et ibi amicos prius mihi fama pepererat, quam meritum) ab hospitio traducor ad fluvium, insigne spectaculum visurus. nec fallebar: omnis enim ripa praeclaro et ingenti mulierum agmine tegebatur. obstupui. Dii boni! quae forma! quae facies! quis habitus! amare potuisset quisquis eo non praeoccupatum animum attulisset. in loco paulo altiore constiteram, unde in ea, quae gerebantur, intenderem. incredibilis sine offensione concursus erat: vicissimque alacres, pars herbis odoriferis incinctae, reductisque post cubitum manicis, candidas in gurgite manus ac bracchia lavabant, nescio quid blandum peregrino murmure colloquentes. vix nunquam clarius intellexi quod Ciceroni (Cic., Tusc. V, 116) placet, et veteri proverbio dici solet: inter linguas incognitas omnes propemodum surdos ac mutos esse. unum mihi solatium gratissimorum interpretum non deerat. nam et hoc inter cuncta mirabere, coelum illud spiritus Pierios alere. itaque dum miratur Iuvenalis (Iuv., sat. 15, 111), quod “Gallia causidicos docuit facunda Britannos”, miretur itidem ”docta quod argutos aluit Germania vates”. at, ne me auctore fallaris, scito ibi nullum Maronem esse, Nasones plurimos; ut dicas verum fuisse praesagium, quod in fine libri Metamorphoseos multum vel posteritatis gratiae vel ingenia suo fidens ponit. siquidem qua Romana potentia, seu verius, qua Romanum nomen domito orbe se porrigit, plausibiliter nunc faventis populi ore perlegitur. his ego comitibus ubi quid audiendum, seu respondendum incidit, pro lingua et pro auribus usus sum. unum igitur ex eo numero admirans. et ignarus rerum percontatus Vergiliano (Verg., Aen. VI, 318 sq.) illo versiculo: ”quid vult concursus ad amnem, quidve petunt animae?” responsum accepi: pervetustum gentis ritum esse, vulgo persuasum praesertim femineo. omnem totius anni calamitatem imminentem fluviali illius diei ablutione purgari et deinceps laetiora succedere. itaque lustrationem esse annuam inexhausto semper studio cultam colendamque. ad haec ego subridens: “o nimium felices”, inquam, “Rheni accolae, quorum ille miserias purgat: nostras quidem nec Padus umquam valuit purgare nec Tibris. vos vestra mala Britannis, Rheno vectore, transmittitis; nos nostra libenter Afris atque Illyricis mitteremus. sed nobis (ut intelligi datur) pigriora sunt flumina”. commoto risu, sero tandem inde discessimus. proximis aliquot diebus a mane ad vesperam civitatem iisdem ducibus circumivi: haud iniucundum exercitium, non tam ob id, quod ante oculos erat, quam recordatione nostrorum maiorum, qui tam procul a patria monumenta Romanae virtutis tam illustria reliquissent. in primis autem occurrebat Marcus Agrippa coloniae illius auctor, qui licet multa domi, multa foris praeclara construxerit, illam tamen ex omnibus dignam censuit. cui suum nomen imponeret, aedificator ac bellator egregius, dignusque habitus, quem Augustus in generum ex toto orbe deligeret, qualiscumque filiae virum, sed dilectae, sed unicae, sed augustae. vidi tot simul trunca millia sacrarum virginum, et terram generosis dicatam reliquiis, ac degenerum (ut aiunt) cadaverum expultricem. vidi Capitolium, effigiem nostri; nisi quod pro senatu, illic pacis ac belli consilia agitante, hic formosi iuvenes ac puellae mixtim nocturnas laudes Deo concinunt aeterna concordia: ibi rotarum et armorum strepitus ac gemitus captivorum; hic quies et gaudium et iocantium voces; denique illuc bellicus, huc pacificus triumphator ingreditur.

vidi templum urbe media pulcherrimum quamvis inexpletum, quod haud immerito summum vocant. magorum ibi regum corpora ab ortu ad occasum tribus saltibus transvecta, quos aethereum quondam regem ad praesepia vagientem cum muneribus venerates legimus, venerabundus aspexi. parumper hic, pater optime, et pudoris mei metas excessisse videor et plura collegisse, quam necesse erat.

utrumque fateor; sed mihi nil tam necesse est, quam ut imperio tuo paream. inter multa sane, quae abeunti iusseras, hoc fuit extremum: ut de terris, ad quas ibam, et de singulis, quae vidissem audivissemque, perinde te certiorem scripto facerem ac verbo solito, nec calamo parcerem, nec brevitati vel ornatui studerem, neve floridiora decerperem, sed cuncta complecterer. denique Tulliano (Cic., ad Att. I, 12, 4) verbo usus “scribe”, dixisti, “quidquid in buccam venerit!” promisi me facturum; promissum crebris ex itinere litterulis implesse videor. si iussisses loqui de altioribus, temptassem. nunc epistolae officium reor, non ut scribentem nobilitet, sed ut certificet legentem. quodsi omnino videri volumus, ostendamus nos in libris, in epistolis colloquamur.

procedo. ad II. Kalendas Iulias Colonia discessi tanto sole ac pulvere, ut saepe “Alpinas nives ac frigora Rheni” a Vergilio (Verg., Bucol. 10, 47) requirerem. inde Arduennam silvam, scriptorum testimonio pridem mihi cognitam, sed visu atram atque horrificam, transivi solus, et (quod magis admireris) belli tempore. sed incautos, ut aiunt, Deus adiuvat. ac ne longum iter vix equo peractum calamo remetiar, multis ego regionibus ambitis, hodierno die Lugdunum perveni. nobilis et ipsa Romanorum colonia est paululumque vetustior Agrippina. duo hic noti amnes in nostrum mare currentes, Rhodanus Ararisque conveniunt: Sonnam incolae appellant. sed de his nihil amplius: iuncti enim ad te properant, alter cogenti, alter coacto similis, et Avenionem, ubi te nunc ac genus humanum Romanus Pontifex detinet, permixtis vadis abluunt. huc ego cum mane pervenissem, et intranti forte familiaris hic tuus occurrisset, mille eum quaestiunculis (ut mos est peregre redeuntium) aggredior.

ille autem nihil ad reliqua: sed praeclarissimum fratrem tuum, ad quem maxime properabam, sine me Romam petiisse narravit. quo audito. quaerendi veniendique ardor repente deferbuit. hic igitur expectare in animo est. donec et aestas ipsa deferveat. quam hucusque non senseram, et me vegetiorem quies faciat, qui me fessum esse hoc ipso primum loquente perpendi. nulla quidem fatigatio maior quam animi est; quod si reliqui itineris taedium subierit, Rhodanus mihi pro vehiculo erit. interim, ut noris, ubi sum, haec tibi festinante nuntio transcurrere (sic) non piguit. de fratre item tuo, duce olim, nunc (da dolori veniam) desertore meo. nusquam alibi quam apud ipsum conqueri visum est. quam querelam ut sibi quam primum mitti iubeas, oratus facito. et vale nostri memor.

Lugduni, V. Idus Augusti.

Rheinische Tierwelt (15)

Kölns kleinster, stets herbstlich anmutender und innerhalb Kölns wohl unbekanntester Stadtteil Mauenheim bietet, so unscheinbar er auf den ersten Blick wirkt, bei längerem Verweilen kurzfristig auftauchende, irritierende und meist zügig wieder abklingende Erscheinungen, nicht selten aus dem Tierreich. So sehr beide Aufnahmen eine gemeinsame Szene nahelegen: die obere stammt aus der Neusser Straße, die untere aus der Eckewartstraße.

Basel

basel_kl

brasserie, Basel SBB, vormittags an einem februar

(1 fluchtentwurf mit einem dichter sprechend)

das verlorene, verborgene gedicht im kaffee-
satz auf
gelesen das mündel sprache & 1 mund-
harmon harmonikaverspielt er wand- wie zaungast / die atemmelodie
der sanfteren kälte
draußen
vor der tasse in seinen händen schnee-
restrythmen & schneeton-
stille
1 schneeverlust 1 wörter-
schnee dem ungereimten fingerpaar 1 schnee
rest
schnee : die übrig gebliebenen schneemannkugelweisen
aus poesie & kindsillusioniertem & von der wärme tau-
verschluckt / & dennoch

noch die sehnsucht nach dem w:ort, den an die hand genommenen ort das
in die hand genommene wort & aufgegriffen die fernen
spiele
die traumbehausten wege & noch 1 liedfein der atlantenkrieger
1 fingerauf
bruch seinerzeit/ fingerfahren & bereiste abenteurer, nicht
das immerher, das nimmermehr neu zu bereisen heuer
nicht zu besingen der RHEIN, der irgendwo kaum & doch

für Rolf Hermann

(Ein Gastbeitrag von José F.A. Oliver. rheinsein dankt!)

Wonnemonat

costa_leyberg_blick auf remagen_klBlick vom Leyberg übers Rheintal auf Remagen. Die Idee der Liebesschlösser, von denen an den Zäunen der Kölner Hohenzollernbrücke Tausende hängen, äußert sich vereinzelt auch in der Provinz. In Köln schmeißen die Liebespaare nach Anbringen ihres gravierten Schlosses die Schlüssel von der Brücke in den Rhein, auf dessen Grund sie symbolträchtig auf ewig verschwinden sollen, damit Liebesschwur und Treue ebenso lange halten mögen. Die Wurfkünste von Bubi und Pups sind nicht bezeugt, der Rhein dürfte von der mitten in romantischem Gebiet gelegenen Stelle nicht ohne Weiteres zu treffen gewesen sein. (Bild: Costa “Quanta” Costa)