Mitten durch fließt der Rhein, und man sieht ihn fließen

(…) Es hangt dieses Städtchen an einem ziemlich steilen Hügel am Bodensee , und ist für izt der Sitz und die gewöhnliche Wohnung des Bischofes von Costanz. Die Lage ist überaus angenehm, wiewohl fast kein ebnes Flecken im ganzen Stadtchen ist. Man sieht hier einen Thurm, der vom Könige Dagobert als ein Leuchtethurm vom Hafen des Sees soll gebauet worden seyn. Ich hielt mich nicht lange dabey auf, sondern fuhr über den See gerade der Stadt Costanz zu. Ich sage Ihnen: diese Gegend mag wohl eine der angenehmsten Gegenden in der Welt seyn. Vor sich hat man einen sechs bis sieben Meilen langen Spiegel vom Gewässer. Rings herum sind die angenehmsten Hügel, die allenthalben mit Städten, Dörfern, Schlößern und Kirchen besitzt sind. Mitten durch fließt der Rhein, und man sieht ihn fließen. Rückwärts ragen die schweizerischen Gebirge herüber, die doch noch so ziemlich leidlich sind. Wann Sie zu Costanz oder Costniz ankommen, so können Sie Sich einige Merkwürdigkeiten voll der berühmten Kirchenversammlung zeigen lassen, die allhier vom Jahr 1414. bis 1418. gehalten worden. Sie können noch die Gastherberg der vornehmsten Häupter sehen, die gegenwärtig waren, wie auch die Oerter der gehaltenen Zusammenkünfte sowohl der besondern, als der allgemeinen Versammlung und des geschlossenen Zimmers, in welchem Otto von Colonna zum Pabste erwählet worden. Man kann Ihnen auch die Wohnung und den Ort zeigen, an welchem Johann Huß offentlich abgesetzet, und den Platz, wo er verbrannt worden. Von Costanz können Sie aus dem Rheine zwischen lauter Weinbergen sehr bequem nach Schafhausen, und von Schafhausen wiederum auf der Post nach Zürch kommen. (…)

(Heinrich Brauns Briefe, Augsburg 1768)


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