Genius von Westen

Buhlst du noch immer neu um unsre Knaben
Mit Schmeichelgirren und gemalter Huld,
Mit deinen Künsten, giftig schönen Gaben?

Vergessen ward nicht deine Mörderschuld,
Wir wissen dich auf unsre Söhne lauern,
Die töricht heilige unsres Volks Geduld,

Wähnst du, sie werde unausschöpfbar dauern?
Dein künstlich Werk, es wird zu schanden werden.
Denn auf der Warte stehen wir gleich Bauern,

Die ihres Hofes Grund und ihrer Herden
Gegen den ewigen Werwolf verteidigen,
Mit dem noch niemals Friede war auf Erden.

Vergebens sind die Flöten, die geschmeidigen,
Der süße Falsch, der dir im Auge glimmt,
Du wirst das Liebste uns nicht mehr beleidigen,

Denn es will Gott, der auch in uns ergrimmt,
Daß Jeglicher in eigner Seele wohne.
Geh! Diese Seelen sind dir nicht bestimmt,

Und nimmermehr hebst du im Rhein die Krone.

(Der Rhein. Ein Gedenkbuch von Ernst Bertram, München: Georg-Verlag 1922.)


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