Jm wasser aber kein mensch mag / Natürlich wohnen einen tag.

(…) Der Mensch auff der Erd lebt und gaht,
Die Hell, wie man sagt, mitten drin staht,
Doch wil ich nicht darnach gründen,
Es wirdt sie mancher zeit gnug finden,
Gott behüt darfür all dies begerten,
Das wasser ist rings umb die erden,
Darinn Fisch, Perlen, und Meerthier,
Würm, Biber, Otter, wasser Stier,
Seehund, Walfisch, Stör, und Ballenen,
Sonst manch art Fisch, Krebs und Sirenen,
Corallen roth, weiss, andre Stein,
Gold fürt Tagus, Reuss, Aar, und Rhein,
Emma, Funtan, Etsch, und Rodan,
Jll, Vadock, Saw, Phrath, und Pisan,
Und andre Wasser, die gold treiben,
Auch Edelgestein, auswerffen, scheiben,
Und sonst von Muschlen, gwechs und schnecken,
Dies Meer und wasser voll thun stecken,
Die lufft der Erden nahet bey,
Des region reich an Himmel frey,
Darinn die geister familiar
Hoch wohnen, auch offt umb uns har
Schweben gut, böss, Jn der region
Gros heimligkeit der Natur stahn,
Von donner, blitz, reyff, hagel, schnee,
Gwülck, regen, tunst, ander farb meh,
Und nechst bey uns die vogel faren,
Fliegen, sich mehren, und tun baren.
Jm Himmel ob dem Gstirn helts wesen
Gott, mit sein Engeln ausserlesen,
Die in neun Chör teilt geordnet sind,
Patriarch, Propheten, und Gotts fründ,
Apostel, Mertrer, Heiligen all,
Fromm, Grecht, Gleubig in der zal,
Beichtiger, Witwen und Jungfrawen,
Gott geb das wir jhn auch beschawen,
Darunter sGstirn welchs steiff und stet,
Unbeweglich und nicht umbgeht,
Darnach Planet, Stern, die sich andern,
Am Himmel hin und wieder wandern,
Sind beweglich wie Sonn und Mohn,
All tag, jahr, zeit, jhr ordnung gahn,
Schwimmen am Himmel wie im Meer,
Die Fisch, doch ohn als wasser her.
Die Element han unterscheid,
Jn Natur würckung, art allbeyd.
Auff Erd der mensch geht, steht, bleibt, lebt,
Der Fisch im wasser schwimpt und schwebt,
Jm wasser aber kein mensch mag
Natürlich wohnen einen tag.
Durch Lufft der mensch lebt, und sich neert,
Fewr alle ding frist und verzehrt,
Derhalb ist es kein Element,
Sondern viel mehr ein accident. (…)

(Leonhard Thurneyssers Quinta essentia 1574: ein alchemisches Lehrbuch in Versen)


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: