februarnotat in Essen, Hbf.

1 taschentuch in taubennähe
des reisens müde
auf dem bahnsteig not-­

gewürfelt mensch & koffer
die spuren aufgerieben
aus den augen wiederwährend, welch

w:ort und welche worte noch die über rom
die redensarten führten
wer´s glaubt wird abschied, wurm-­

beatmet. Es schlängelt sich, es raupt
das altbild „Zeit“, einst tempus fugit, & das memento
reimt sich doch auf den entwurfsballast des todes.

(José F.A. Oliver)

Inwiefern Städte als “rheinisch” oder “rheinländisch” zu charakterisieren sind, bleibt eine an den Rändern offene Frage. Die Einzugsgebiete des Rheins reichen bis in Länder, die sein Lauf nicht berührt und es gibt Städte mit rheinischem Selbstverständnis, die seinen Ufern deutlich ferner liegen als andere Städte wie Essen, deren Selbstverständnis kaum auf rheinischen Gegebenheiten beruht. Dennoch sind die ehemaligen Kohle- und Stahlstädte des Ruhrgebiets ohne ihre Kanäle und Zuflüsse zum Rhein als Transportweg undenkbar. Letztlich lassen sich, zumindest von Rheinländern, an beinahe allen Orten, die von einem Wasserlauf durchzogen sind, “rheinische” Elemente entdecken. Essen gehört gegenwärtig zur am Verwaltungsschreibtisch ersonnenen Metropolregion Rhein-Ruhr, klassischerweise mit deutlich prägnanterem Ruhranteil. Wir wollten Materialien zu Städten des Ruhrgebiets, die nicht direkt an den Rhein grenzen, ursprünglich von rheinsein aussparen, bis uns José Oliver seine wunderbaren Essen-Gedichte schickte; das zweite folgt morgen. Mehr von José Oliver gibt es unter anderem in der edition suhrkamp, wo seine Bände Mein andalusisches Schwarzwalddorf und fahrtenschreiber erschienen sind.


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