Das römische Köln

Mit dem Hauptstadtwechsel von 1990 ging auch für Köln ein kräftiger Bedeutungsverlust einher. So fiel infolge der Abwanderung großer Teile der Kunstszene nach Berlin mit dem Status der “Welthauptstadt der Kunst” die letzte Spitzenposition im internationalen Vergleich. In seiner 2000-jährigen Geschichte hat Köln bereits viele Aufs und Abs zwischen Prunk und Bräsigkeit, Ambition und Fahrlässigkeit, Wahn und Witz gesehen. Die aktuellen Lokalkatastrofen werden selbst innnerhalb der Stadt häufig als “typisch kölsch” bewertet, ordnen sich jedoch, läßt der Kölner, was er ungern tut, den Blick über den eigenen Nabel hinausschweifen, einem starken Geist, der durch weite Teile des Kontinents weht, unter, ein Geist, den die einen als “spätrömisch-dekadent” definieren, die andern als “neofeudal” oder “turbokapitalistisch” – und vielleicht ein paar Seelen weniger als “beste aller Zeiten”. Auffällig zeitgemäß scheint die Häufung “provinziell” anmutender Entscheidungen in unseren Millionenstädten; dieweil in mancher Provinz die Innovation zu leiser Blüte gelangt. Was spätrömische Verhältnisse betrifft, hat Köln als Römergründung Erfahrungsvorsprünge gegenüber Berlin. Unter der Stadt liegt eine Stadt, die Auskunft zu geben imstande ist. Im Römisch-Germanischen Museum sprechen solche Funde aus Kölner Boden, kommentierte Grabmäler, Fresken, Büsten, Bodenmosaike und kunstfertige Alltagsgegenstände, vom Gleiten der Zeiten und ihrer möglichen Wiederkehr. Eine interaktive Leinwandprojektion zeigt die Anlage der alten Römersiedlung Colonia Claudia Ara Agrippinensium als Modell (Bild oben), dem der Besucher per Touchscreen die heutige Stadt überlagern kann. Mit dem Eifel-Aquädukt (zweigeteiltes Bild unten) gehörte zum römischen Köln das größte antike Bauwerk nördlich der Alpen, ein früher verlorener Rekord, denn das Aquädukt, das auf rund 100 Kilometern Baulänge frisches Bergquellwasser an den Rhein führte, ist nurmehr in wenigen, gelegentlich von Rekonstruktionen ergänzten Originalteilen vorhanden und offengelegt.


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