Rheinkiesel (6)

Digital StillCameraDer Rheinverlauf als Abbild seiner selbst auf einem Kiesel. Insbesondere der junge Rhein legt zahlreiche Informationen in seinen Mitführseln, den Kieseln, an und frei. Die wandernden Kiesbänke des heute begradigten Alpenrheins lassen sich demnach als ständig im Wandel begriffene Mosaiken betrachten, als Lithotheken, in denen der Fluß sein Wissen bewahrt, ausstellt, aufbahrt. Diese Autokartografie, die einen unbekannten Abschnitt zeigt, wurde auf einer Triesner Kiesbank entdeckt, was nahelegt, daß sie eine alpine Passage weit vor der Zeit der Flußbegradigung darstellt. (Bild: Heidi Starck)


Stichworte:
 
 
 

5 Kommentare zu “Rheinkiesel (6)”

  1. Stan Lafleur
    28. Oktober 2013 um 17:17

    Auch wenn – abgesehen von der grundsätzlichen Frage, was Verständnis sei und wofür es ggf. tauge – Kategorisierungen nur bedingt zum “Verständnis” von “Sachverhalten”, insbesondere von Naturerscheinungen beizutragen vermögen, ist es reizvoll, die Flußwissen speichernden Rheinkieselvorkommen einmal zu kategorisieren, zumal diese Arbeit – erstaunlicherweise – wissenschaftliches Neuland wäre.

    Wer häufiger über die Kiesbänke des Alpenrheins streicht, entdeckt bald, daß die Informationen, welche die Kiesel preisgeben, gewissen Wiederholungen unterliegen, die sich für menschliche Zwecke systematisieren lassen.

    Einmal grob aus dem Handgelenk gäbe es da:
    - Gebänderte
    - Linierte
    - Umnetzte
    - Pflanzenartige
    - Kreiswerfende
    - Terrassenbildende
    - Schneeflockenbenetzte
    - Buchstaben-, Zahlen- und Runentragende
    - Menschen, insbesondere historisch relevante Personen Darstellende
    - eher mythologische Wesen Darstellende
    - wirres Zeug Bergende
    - Kartografische etc etc.

    Nebst den sich ergebenden Misch- und Subkategorien wären zahlreiche weitere Aspekte beachtenswert: Alter, Form, Größe, Farben, Dichte, Härte, Klang, Feuchtigkeit/Mehligkeit, Lochfraß, Wander- und Flugeigenschaften, Anziehungskraft auf Schatten und Tiere, auch Fotogenität, um nur einige maßgebliche zu nennen.

    Bildeten wir die Enzyklopädien der Kiesbänke dergestalt mit unseren Maßstäben ab, erhielten wir im Übertrag eine Enzyklopädie des Flußspeichers, die aus unzähligen steingerahmten Buchstaben, Silben, Hieroglyfen bestünde, von denen auszugehen wäre, daß sie im Ganzen eine Geschichte erzählen, welche den menschlichen Geist zu ertränken imstande sein müßte. Weswegen eine solche Enzyklopädie nur ausschnittsweise und am besten zu “Kunst” reduziert verfügbar sein sollte.

  2. Yrsa Isaksson
    14. November 2013 um 13:02

    Guten Tag! Ihre Idee mit der “Kunst” habe ich dankend aufgenommen und ein wenig weitergesponnen. Denkbar wäre eine Ausstellung mit nahezu naturgetreuen Nachbildungen einiger zehntausend aussagekräftiger Kiesel. Der Ausstellungsraum müßte dafür rundum lückenlos mit den Kunstkieseln ausgestattet werden, sodaß der Eindruck einer totalen Schotterbank entsteht. Aus verschiedenen Einlässen wird diese Umgebung aleatorisch mit Rheinwasser bespült. Klanglich erfährt die Ausstellung eine Mischung aus allgegenwärtigem Autobahnrauschen, das mit der Zeit in das Rauschen alpiner Wasserstürze übergeht, gelegentlich werden Unterwassergeräusche aus Kiesritzen hervorgequetscht. Die Besucher erhalten je nach Jahreszeit die Möglichkeit in der Ausstellung zu grillen, zu fischen, Müll zu entsorgen oder Schlittschuh zu laufen. Die Schwerkraft des Raumes wird periodisch aufgehoben. Das Geschehen in der Ausstellung wird aufgezeichnet und als Projektion über eine reale Kiesbank gelegt, eine hochgradige künstlerische Potenzierung des Schotterwesens und seiner geistigen Nutzbarkeit. Kennen Sie geeignete Örtlichkeiten für eine solche Installation?

    Mit freundlichen Grüßen
    Yrsa Isaksson, Berlin

  3. Stan Lafleur
    15. November 2013 um 12:14

    Darf ich fragen, welches Ihr Konzept zur Aufhebung der Schwerkraft wäre?

    Schöne Grüße
    Stan Lafleur

  4. Yrsa Isaksson
    15. November 2013 um 20:21

    Liebe. Das ist sogar sehr einfach. Liebe kann Schwerkraft wesentlich leichter aufheben, als alle mechanischen Konzepte.

    Herzlich
    Yrsa Isaksson, Berlin

  5. Stan Lafleur
    17. November 2013 um 12:55

    Ich habe darüber nachgedacht und lasse Ihnen gerne eine Liste geeigneter Lokalitäten mit genauen Positionsangaben per E-Mail zukommen. Schöne Grüße!

Kommentar abgeben: