Rijndoorst: Sonderausgabe der DW B über den Rhein aus flämisch-niederländischer Sicht

Die Dietsche Warande & Belfort (DW B) erscheint heuer im 158. (!) Jahrgang und ist somit die älteste noch existierende Literaturzeitschrift in niederländischer Sprache. Ob die DW B sich in ihrer langen Geschichte bereits gesondert dem Rhein gewidmet hat, ist uns nicht bekannt. Diesen Oktober erschien mit “Rijndorst” eine Themenausgabe, in der sich belgische, britische und niederländische AutorInnen (sowie rheinsein als deutscher Beiträger) mit rheinischer Geschichte und Gegenwart beschäftigen.

Herausgeber Bas Groes analysiert im Vorwort „Mythologieën van verlies: de Rijn in de eenentwintigste eeuw“ die Rolle des Stroms als europäisches Symbol in Zeiten der „Ökonomisierung, Banalisierung, Balkanisierung und Trivialisierung des kulturellen Erbguts“, stellt Vergleiche mit der Themse an und zieht, mit den AutorInnen der Ausgabe, den Bogen von der rheinischen Sagenwelt um Wagners Rheintöchter bis in die heutige, auf neoliberalistischem Dung gedeihende Gesellschaft.

B. Zwaal schickt einen Wassertropfen aus dem Reno di Lei auf lyrisch-lakonische Reisen. Der „druppel“ „loreleyt niet“, „nibelingt niet“ und verliert sich schließlich Richtung Themse in einem Deltageäder, das bis Calais im nördlichen Süden und in ein Wolgalied im tiefen Osten reicht.

Den Wasserwegen auf Höhe der Merwede widmet Jan van Mersbergen zusammenhängende Miniaturen: „Met de kano peddelde ik over hele grote bladeren die als eilanden in het water lagen. Ik dacht aan de poster die vroeger in mijn kamer an de muur hing. Er stond en doorsnede op van een Hollandse sloot. Met vissen, planten, kleine beestjes. De sloot op de poster leek helemaal vol leven te zitten. Dat kende ik niet, want in de sloten bij ons in de polder leek vooral kroos te groeien. Er zat wel wat vis, kleine visjes, maar dat was het wel. Ik voer ook langs mooie wite waterbloemen. Later heb ik opgezocht hoe ze heten. Ik voer naar het kanaal. Daar tilde ik de kano van het riviertje in het kanaal, bij het betonnen aquaduct. Ik peddelde het recht uitgegraven kanaal uit. Gegraven door machines, hoopte ik, want ik had wel eens gehoord dat werklozen ingezet werden om kanalen te graven en de klei is hier zwaar en na een paar steken zit je hier op het grondwater en dan loopt ieder gat vol en wordt het noog zwaarder. De bruggen hebben gele relingen hier. Betonnen bruggen met asfalt erop. Het geel steekt af tegen de lucht, vanaf het water gezien, en tegen het gras en het water als je op de weg staat. Ik rookte een sjekkie, zittend op die reling.“

Atte Jongstra schickt, frei nach Jan Frederik Helmers, ein Selbstportrait des Rheins „vol liefde“ auf den Weg, verknüpft in seinen Zeilen die Vatereigenschaften des Stroms mit der Loreley mit der Unbefleckten von Lobith mit den schönen Dünen Katwijks, um hernach Joep Leerssens kurze Geschichte der niederländisch-belgischen Rheindichtung (und worin sie sich von der deutschen abhebt) zu skizzieren.

In „Drijfijs“ treibt Miek Zwamborn auf Zeitreise durch Europa, meist entlang des Rheins, läßt sich von getrockneten Blüten und alten Burgen leiten, schlägt mit Franz Reichelt und seinem unzureichenden Fallschirm bei seinem Todessprung vom Eiffelturm ein 14 Zentimeter tiefes Loch in den gefrorenen Boden von Paris und läßt uns am Konstanzer Wasserwunder teilhaben, als der Rhein eines Vormittags rückwärts floss.

In Düsseldorfer Rheinszenarien versetzt uns John Worthen, der Robert Schumanns letzte Tage auf Erden beschreibt, inklusive seines gescheiterten Selbsttötungsversuchs im eiskalten Strom, bevor sechs unserer Liechtenstein-Sonette aus Das Lachen der Hühner, in niederländischer Übertragung von Lucas Hüsgen, den Rheinschwerpunkt beschließen.

Die DW B hat eine schöne Website, die nebst Leseproben aus “Rijndorst” auch die üblichen Bestellmöglichkeiten bietet.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: