Rheinbesing

Liguster, (der) des — s, im Plur. ungebräuchlich, oder man sagt die Liguster=Arten oder Bäume, von dem Lat. Ligustrum, ursprünglich der Nahme eines Baumes, Ligustrum vulgare Linn., der in den mehrsten europäischen Ländern wächst, und der besonders im Deutschen, wie es gleich unten berührt werden wird, noch eine Menge anderer Nahmen hat. Unter den letztern sind sonst auch Hartriegel und Rheinweide ziemlich bekannt, und der seel. Krünitz hat Rheinweide oder vielmehr Rainweide wählen wollen, wie man es bey Hartriegel sieht. Da die neueren Botanisten jetzt indessen den Nahmen Liguster vorziehen, der unmittelbar an Ligustrum erinnert, um den ewigen Verwirrungen, die aus der großen Menge der Synonymen entstehen, so viel es seyn kann, ein Ende zu machen: so halte ich es für billig, diesen zu folgen.

Liguster und Ligustrum, welches sich sonst nur auf eine Art bezog, die durch abweichende Kennzeichen von den übrigen Gewächsen getrennt war, und eine eigne Gattung ausmachte, begreift jetzt wenigstens zwey Arten unter sich. Die Gattungs=Charaktere dieser Gewächse sind folgende:
Der Kelch ist einblättrig, röhrenförmig, sehr klein: seine Mündung vierzähnig, aufgerichtet, stumpf.
Die Blumenkrone einblättrig, trichterförmig. Die Röhre walzenförmig, länger als der Kelch. Der Rand derselben viertheilig, offen; die Einschnitte eyförmig.
Die zwey Staubfaden gegenüberstehend, einfach. Die Staubbeutel aufgerichtet, beynahe von der Länge der Blumenkrone.
Der Fruchtknoten rundlich. Der Griffel sehr kurz. Die Narbe zweytheilig, stumpf, etwas dick.
Die Beere kugelförmig, glatt, zweyfächerich.
Linné nennt sie einfächerig, welches aber gegen die Wahrnehmung der neueren Pflanzenforscher ist.
Die Samen 4 an der Zahl, auf der einen Seite erhaben, auf der andern eckig.
Als einen wesentlichen Auszug davon kann man folgenden Charakter ansehen:
Der Kelch vierzähnig. Die Blumenkrone trichterförmig, mit viermahl getheiltem Rande. Die fleischichte Fruchthöhle etwas kugelförmig, zweyfächerig; die Fächerchen zweysamig.

Die Arten sind folgende:
1) Ligustrum vulgare. Gemeiner Liguster. (Auch Rainweide, Rheinweide, Rheinbesing, Rheinbeerbaum, Rheinwunder, Rainwunder, Rheinholz; Hartriegel, weißer Hartriegel, unächter Hartriegel, Zaunriegel, Hartreder, Härtern; Beinweide, Beinholz, Beinhölzle, Beinhülsen, Bauholz, Geisholz, Geißhülsen; Glashülse, Haushülse; Hollholz, Heckholz, Heckenbaum, Kehlholz; Kerngerten, Kiengerten, Kengerten, Kerngerste; Klingertenholz; Mundweide, Röhrweide, Schulweide, spanische Weide, wilde Weide, Zaunweide, Casselische Weide; Weidenhülse, Röhrenhülse, Gaishülse; Grünbaum, Grünselbaum; grüner Faulbaum, Eisenbeerbaum; Gümpelbeerstaude; Tintenbeere, Hundsbeere, Hennebeere, Scheißbeere; Bräunholz, Kehlholz, Mundholz; deutsches Braunheil; Kleinweidenholz, Weinbeinholz. In der Schweitz Chingert, Holländisch Liguster; Rynwilgen; Keelkruid; Mondhout. Dän. Liguster. Schwed. Ligusten. Engl. The common Privet; Prim; Primprint; primeprint. Wälsch. Gwyros; Cwyros. Franz. Troëne commun; Fresillon; Puine blanche. Ital. Ligustro; Rovistico, Ruistico; Otivello. Venet. Conestrela. Bresc. Cambrosen, Camprosel. Span. Alhena; Alhena jermanica. Port. Altena; Alfeneiro; Ligustro. Russ. Schost. Am Terk. Birjutschina. Pohln. Ptasza zab. Böhm. ptacj zoba. Ungr. Faggal-sa; Madar hur. Georg. Kankara. Japan. Ibata.) (…)

(aus: Johann Georg Krünitz, Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, 1773-1858)


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Ein Kommentar zu “Rheinbesing”

  1. Stan Lafleur
    18. Oktober 2013 um 12:38

    Und weil Krünitz zum Rheinbesing noch etliches mehr mitzuteilen hat, hier die Fortsetzung:

    Beschreibung.
    Der gemeine Liguster ist ein kleiner strauchartiger Baum, der hier zu Lande vier, sechs, acht, höchstens zehn Fuß hoch wird, in England unter andern aber die Höhe von 15 – 16 Fuß erreicht. Die Wurzel läuft schief oder flach aus, und hat viele Fasern. Der Stamm treibt viele Seitenzweige. Diese sind glatt, braun, mit zerstreuten weißen Punkten. Die Blätter stehen gegen einander über, zuweilen sind sie auch dreyfach, dabey 1 1/2 bis 2 Zoll lang, über einen halben Zoll breit, gestielt, lanzettförmig, stumpf und kurz zugespitzt, am Rande ganz, von fester Substanz, auf beyden Seiten vollkommen glatt und ziemlich dunkelgrün. Sie bleiben öfters auch bey uns bis gegen Weihnachten sitzen; alsdann verändern sie ihre Farbe und fallen ab. Die Blumen sind weiß, haben einen nicht sehr starken, und wenigen Leuten angenehmen Geruch. Sie kommen im Junius und Julius in einer Rispe hervor, deren Zweige dicht zusammen gedrängt sind, so daß das Ganze eine eyförmige Gestalt hat. Diese Blumenrispen stehen immer an den Spitzen der Zweige. Die Beeren sind rund und schwarz, haben 4, zuweilen auch nur 3 Samenkörner von oben beschriebener Gestalt, und ein braunrothes sehr saftiges Fleisch, von eben dem bitteren Geschmacke, wie die Blätter. Sie werden schon im October reif, bleiben oft aber den ganzen Winter hangen. Sie sind etwa von der Größe großer Erbsen, oder fast wie die Wachholderbeeren. Man hat einige Mahle auch weiße Beeren gefunden, wie dergleichen Varietäten im Pflanzenreiche wohl vorzukommen pflegen.

    Vermehrung.
    Die Fortpflanzung dieses Baums geschieht leicht durch Ablegung der zarten Zweige im Herbst, welche in Jahresfrist so gut einwurzeln, daß sie zum Versetzen tauglich werden. Alsdann kann man sie an diejenigen Orte bringen, wo sie bleiben sollen; oder man kann sie auf zwey bis drey Jahre in eine Pflanzschule setzen, woselbst sie zu dem Gebrauche, wozu man sie bestimmt hat, gezogen werden können.
    Man kann den Liguster auch aus den Nebenschossen fortpflanzen, deren er in großer Menge treibt. Allein solche Stämme treiben gern wieder viele neue Nebenschosse aus den Wurzeln, so daß sie nicht leicht eingeschränkt werden können. Auch werden diese Stämme nicht so hoch, als diejenigen, die man aus den Ablegern ziehet.
    Die leichteste Art der Vermehrung ist die aus abgeschnittenen kleinen Zweigen, die man im Herbst nur auf eine schattige, etwas lettige Stelle ein paar Zolle in die Erde stecken darf. Diese wurzeln, so wie die Zweige der Weiden, leicht ein, und lassen sich hernach verpflanzen.
    Die stärksten und besten Pflanzen aber sind wohl diejenigen, die man aus dem Samen zieht, obgleich diese Methode etwas mühsam und langwierig ist, indem der Same gewöhnlich ein Jahr in der Erde liegt, ehe er aufgehet. Will man diese Art anwenden, so muß man die Samen sammeln, so bald sie reif sind, sie in einen Topf mit Sand legen, und den Topf in die Erde graben, wie solches bey den Stechpalmen (Ilex) und dem Hagedorn geschehen muß. Haben sie ein Jahr gelegen, so hebt man sie aus, und legt sie in eine Rabatte, die gegen Morgen liegt, woselbst die Pflanzen im folgenden Frühlinge aufgehen. Diese Pflanzen pflegen, wenn sie etwas erstarkt sind, gerade in die Höhe zu wachsen, und keine Nebenschossen, wie die andern, zu treiben.
    Es gibt ein paar Spielarten von diesem Strauche mit schäckigen Blättern. Diese lassen sich nur durch Ablegen der Zweige, durch Stecklinge und durch oculiren, nicht aber durch den Samen fortpflanzen, wie es bey den mehrsten Spielarten der Fall ist, die nur eine zufällige Entstehungsursache haben.

    Nutzen.
    Man gebrauchte diesen kleinen Baum vordem häufig zu Hecken und Lusthäusern, und die geschäckten Varietäten machen in den englischen Parthien eine angenehme Abwechselung. Seitdem indessen so viele ausländische Sträucher, zum Theil von großer Schönheit, eingeführt sind, wird der einheimische Liguster in dieser Rücksicht ziemlich zurückgesetzt. Sein starker Wuchs macht übrigens auch etwas Mühe, ihn in Ordnung zu halten.
    Das Holz des Ligusters ist weißlich, hart und zähe, und kann zu allerley Drechslerarbeiten benutzt werden, da es eine gute Politur annimmt. Wegen der Härte nehmen es die Schuster gern zu ihren hölzernen Nägeln oder Pflöcken. Es läßt sich, wenn es ganz trocken ist, aber schwer bearbeiten, und wird übrigens, der Kleinheit des Baums wegen selten über ein Paar Zoll im Durchschnitt gefunden. Die daraus gebrannten Kohlen sollen zu der Verfertigung eines guten Schießpulvers dienen.
    Die Zweige werden ihrer Biegsamkeit wegen von einigen Korbmachern zu kleinen Flecht=Arbeiten genommen.
    Das Holz so wie die Rinde geben der Wolle eine gelbliche Farbe. Da sie übrigens eine adstringirende Kraft besitzen, so werden sie, so wie die Blätter zuweilen im Scorbut, dem Durchlauf und andern Krankheiten (…) angewendet.
    Die Blätter werden von dem Rindvieh, den Schafen und Ziegen gefressen, aber von den Pferden und Schweinen nicht. Die spanischen Fliegen, (Meloe vesicator Linn.) fallen im Junius zuweilen in unbeschreiblicher Menge auf die Liguster=Büsche, und nagen die Blätter an. Zu einer solchen Zeit muß man sich hüten, Wäsche zum Bleichen oder Trocknen auf die Hecken zu hängen, weil der Unrath der spanischen Fliegen sie voll brauner Flecken macht, die sich selbst durch öfteres Beuchen (Bücken) nur sehr langsam vertreiben lassen.
    Das abgekochte Wasser der Blätter, so wie der Blumen, wird, außer den vorhin angegebenen Fällen, auch zum Gurgeln bey geschwollenem Halse gebraucht, weil es zusammenziehend ist.
    Die Beeren dienen den Amseln und Krammetsvögeln zur Nahrung. Sie enthalten einen rothen Saft, welcher durch verschiedene Zusätze sich aber in andere Farben verwandelt. Die sauren rothen Weine werden zuweilen damit gefärbt, wovon sie dunkler und zugleich herber werden. Vermischt man den Saft mit einem sauren Salze, so erhält man eine schwarze, durch das Glauberische Salz und den Salmiak Geist eine purpurartige, und durch Eisen=Vitriol eine grüne Farbe. Wenn man die Beeren in Wasser einweicht und Weinsteinsalz dazu setzt, erhält man einen blauen Saft, welcher durch ungelöschten Kalk noch blauer wird. Die Kartenmacher gebrauchen den dunkelvioletten Saft um purpur und dunkelviolett zu färben. Mit Zusatz von Vitriol hat Weißmann (…) eine schwarze Farbe erhalten, und vermuthet, daß Tragus seine schwarze Tinte daraus bereitet habe.
    Diese Beeren geben nicht nur eine schöne Saft= und Wasserfarbe, sondern ihr Saft färbt auch die Wollenzeuge auf verschiedene Art, wie solches die Sieffertschen Versuche beweisen; man muß hierzu aber nicht getrocknete, sondern ganz reife und frische Beeren gebrauchen.

    Kenntniß der Pflanzen für Mahler.
    Denso (…) hat auch von dem Farbestoffe dieser Beeren gehandelt, und unter andern angemerkt, wie zwischen diesem und dem Indigo sich eine Aehnlichkeit zeigt. Er zerrieb die Beeren in einem Serpentin=Mörser gröblich, und ließ sie ein ganzes Jahr offen stehen. Die Masse verhärtete sich sehr, verschoß aber nicht. Hieraus folgert derselbe, daß wenn solche nach der Vermoderung in ordentliche Klumpen geschlagen würde, sie nicht nur die, einem Färbestoffe so nöthige Eigenschaft der Dauerhaftigkeit haben, sondern sich auch gemächlich verführen lassen würde. (…)
    Die Kerne geben ein gutes Oehl. (…)

    Miller und andere Botanisten unterscheiden noch eine Varietät von der vorstehenden Art, die man gewöhnlich Ligustrum italicum, im Deutsch. immergrünen oder italienischen Liguster nennt. Miller legt ihr lanzettförmige spitze Blätter bey, und Plukenet Blätter, die größer und spitzer sind als bey der gemeinen Art, und das ganze Jahr dauern.
    Neuere Botanisten, z. B. Pott, der Verbesserer der Harbkeschen wilden Baumzucht, und Willdenow, in seiner Berlin. Baumzucht, behaupten aber, daß sie keinen wesentlichen Unterschied zwischen beyden entdecken können. Daß der italienische Liguster immer grün bleibt, kommt auf seinen Standort an. Wenn er von andern Gebüschen umgeben ist, so bleiben seine Blätter den ganzen Winter über am Stamme sitzen; hat er aber eine freye offene Lage, so verliert er sie, und dieses ist auch bey unserem der Fall. Die Merkmahle, welche Millerbey den Blättern angibt, treffen auch nicht zu. Unser gewöhnlicher Liguster hat lanzettförmige, etwas spitzige Blätter, der italienische stumpfe, die einen kleinen krautartigen Stachel haben. Man findet aber bisweilen beyde Blätterarten an einem Stamme, und wenn man aus dem Samen welche erzieht, so kommen beyde Sorten in einer Aussaat vor. Man kann sie also nicht als bestimmte Arten, kaum als bestimmte Abarten ansehen. (…)
    Bey der Anlage von Lustgärten pflegt man indessen die italienische Abart unserer gemeinen vorzuziehen, weil sie aus ihrem wärmeren Vaterlande einen etwas üppigeren Wuchs mitgebracht hat. Auch hält sie unsere Winter ziemlich gut aus, und man kann sie an alle diejenigen Orte setzen, wo die gemeine Art auch fortkommt. Miller sagt, er hätte sie insgemein unter die großen Bäume gepflanzt, wo sie besser, als irgend ein anderer Strauch treiben soll.
    Diese italienische Spielart ist übrigens in Italien die gemeinste, und das Ligustrum des Virgils, dessen er in seinem zweyten Hirtenliede erwähnt. Sie treibt einen etwas stärkern Stamm, als die andere; die Zweige sind weniger beugsam, und wachsen gerade. Ihre Rinde hat eine glänzende Farbe. Die Blätter sind viel größer und endigen sich mit einem krautartigen Stachel. Sie haben auch ein glänzenderes Grün, und bleiben bey uns nur unter den vorhin bemerkten günstigen Umständen den Winter über sitzen. Die Blumen sind etwas größer; die Beeren werden hier zu Lande aber selten reif.
    Das Holz und die übrigen Theile haben ganz die Beschaffenheit, wie bey der gemeinen Art.
    Die Nahmen, die diese Spielart endlich noch führt, sind: Die immergrüne Rainweide; die italienische Rainweide. Engl. The ever green Privet. Franz. Le Troëne d’Italie toujours verd.

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