Der Düsseldorfer Kartoffelkönig

Hiraga Tomomi, ein verirrte japanische Touristin, die wir vor einigen Jahren bei Remagen kennenlernten, erzählte rheinsein vom bedeutenden Düsseldorfer Brauch des „potato king“, des Kartoffelkönigs. Die Geschichte der Hiraga Tomomi ging etwa wie folgt: „An einer Hauswand in Düsseldorf ist eine riesige bekrönte Kartoffel mit Gesicht (der Kartoffelkönig) angebracht. Der Kartoffelkönig symbolisiert eine im Grunde völlig ordinäre Kartoffel, die jedoch vor langer Zeit den schon hoffnungslos verlorenen Düsseldorfern in einer Schlacht auf wundersame Weise den Sieg gebracht hat. Seither wird sie von den Düsseldorfern als Kartoffelkönig verehrt. Mehr noch: die gekrönte Kartoffel muß immer in Richtung der bei der Schlacht unterlegenen Stadt schauen und an jedem Jahrestag des Sieges wird die Position der Kartoffel vom Bürgermeister Düsseldorfs eigenhändig nach vorgeschriebenem Ritus justiert. Denn wenn der Kartoffelkönig nicht mehr wacht, wird Düsseldorf untergehen.“ Wir ließen Hiraga Tomomi nicht merken, daß ihre schöne kleine Brauchtumsanekdote wohl vor allem in Japan kursieren dürfte und in Düsseldorf selbst noch wenig bis keinen Bekanntheitsgrad besitzt. Es hatte eine geraume Weile gedauert, bis wir die Erzählungen der jungen Dame über den „Kartoffelkönig“ recht zweifelsfrei dem gleichnamigen langjährigen Kartoffelpuffer-Imbiß auf der Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt zuordnen konnten, einer heutigen, insbesondere bei Touristen beliebten Partymeile, in der einst, “zufällig” wie er einmal schrieb, Heinrich Heine (der in Japan vielleicht bekannteste aller deutschen Dichter) geboren wurde. Diese Imbißbude hatte als Werbemaßnahme tatsächlich eine überdimensionale Kartoffel an ihrer Fassade montiert. Erwähnte Schlacht läßt sich mit hoher Sicherheit als die Schlacht bei Worringen (1288 n. Chr.), einem in Düsseldorf gern rund um die Uhr zitierten geschichtlichen Ereignis einordnen, die unterlegenen Angreifer als Einwohner Kölns. (Welche sich im übrigen ebenfalls als Sieger der Schlacht bei Worringen empfinden, diese aber weit seltener zitieren, was an anderer Stelle einmal genauer aufgedröselt werden soll.) Der Kartoffelkönig auf der Bolkerstraße existiert heute nicht mehr. Konkrete Auswirkungen seines Verschwindens auf die Existenz Düsseldorfs gibt es bisher keine. Wie es Hiraga Tomomi ergehen würde, kehrte sie nochmals nach Düsseldorf zurück, um den Kartoffelkönig aufzusuchen, von dem sie voller Freude, sogar mit Anflügen von Stolz erzählt hatte? Vermutlich würde sie ihren Augen nicht trauen, von einer Ortsverwechslung ausgehen und sich schnurstracks auf die Suche machen, ähnlich wie in Mündungsnähe der Ahr südlich Remagens, wo wir uns kennenlernten, indem wir der sympathischen Dame den Weg zum Drachenfels, den sie verpaßt haben mußte, erklärten und darüber ein wenig ins Plaudern verfielen.


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Ein Kommentar zu “Der Düsseldorfer Kartoffelkönig”

  1. merbecker kartoffelkönig
    30. Juni 2015 um 13:15

    wenn es in düsseldorf keinen kartoffelkönig mehr gibt, können wir helfen: in wegberg-merbeck, ca. 40 km von düsseldorf, gibt es noch einen kartoffelkönig!
    der wird am beim merbecker kartoffelfest am 19. und 20. september ermittelt. merbecker kartoffelkönig wird, wer die ungewöhnlichste und größte Kartoffel mit eigenem selbstgewähltem namen nach merbeck bringt.
    Ausserdem gibts in Merbeck alles von der Kartoffel und vom Leben auf dem Lande. Viele ganz leckere Kartoffelgerichte, eine große Landmaschinenschau, die ungewöhnlichste und größte Kartoffel und die Wahl des Kartoffelkönigs, eine Tierschau mit Kuh, Schwein, Huhn und Gänsen und mit Produkten vom Land.
    Gutes aus der Kartoffel. Marktfrisches von Merbecker Bauern, vom Landmetzger und vom Grill. Gefeiert wird auf den Festwiesen, im Pfarrheim, dem Pfarrgarten und rund um die historische St. Maternus Kirche Merbeck.

    Wegberg-Merbeck ist einfach zu finden.
    Wegberg-Merbeck liegt im Tal der Mühlen zwischen Wegberg und Niederkrüchten. A52, Düsseldorf-Roermond, Abfahrt Schwalmtal-Waldniel. An der Lüttelforster Mühle gehts vorbei, dann links Richtung Wegberg über die L 126 fahren.

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