Zur Namensbedeutung des Rheins

“Was sonst den Namen Rhein anlanget, so wird derselbe von verschiedenen Scribenten unterschiedlich ausgelegt. Denn einige leiten ihn von dem alten Deutschen Wort Reyn, welches so viel heissen soll, als hieherwärts fliessen; andere hingegen von rein, weil man nemlich vorzeiten diesen Fluß zu Prüfung der ehlichen Reinigkeit oder Keuschheit gebraucht habe. Denn dieser Strom soll vorzeiten mit einer solchen wunderbaren Natur und Eigenschafft begabt gewesen seyn, daß er der Celten oder alten Deutschen junge Kinder, wenn sie dieselben nach der Geburt, zur Untersuchung ihrer ehrlichen Erzeugung hinein geworffen, mit einem sonderbaren sanfften Lauff ohnverletzt an das Ufer wieder angetrieben; diejenigen aber, welche in unreiner und befleckter Ehe erzeuget worden, mit ungestümen Wellen und reissenden Wirbeln, als ein zorniger Richter und Rächer der Unreinigkeit, unter sich gezogen und ersäufft habe, welches wir an seinen Ort wollen gestellet seyn lassen. Ein gleiches kan hiervon bey dem Virgilio lib./Eneid. IX, v. 113 nachgelesen werden.“

(aus: Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden: Darinnen so wohl die Geographisch-Politische Beschreibung des Erd-Kreyses, nach allen Monarchien, Kayserthümern, Königreichen, Fürstenthümern, Republiquen, freyen Herrschafften, Ländern, Städten, See-Häfen, Vestungen, Schlössern, Flecken, Aemtern, Klöstern, Gebürgen, Pässen, Wäldern, Meeren, Seen, Inseln, Flüssen, und Canälen; samt der natürlichen Abhandlung von dem Reich der Natur … Als auch eine ausführliche Historisch-Genealogische Nachricht von den Durchlauchten und berühmtesten Geschlechtern in der Welt, Dem Leben und Thaten der Kayser, Könige, Churfürsten und Fürsten, grosser Helden, Staats-Minister, Kriegs-Obersten … Ingleichen von allen Staats-Kriegs-Rechts-Policey und Haußhaltungs-Geschäfften des Adelichen und bürgerlichen Standes … Wie nicht weniger die völlige Vorstellung aller in der Kirchen-Geschichten berühmten Alt-Väter, Propheten, Apostel, Päbste, Cardinäle, Bischöffe, Prälaten und Gottes-Gelehrten … Endlich auch ein vollkommener Inbegriff der allergelehrtesten Männer, berühmter Universitäten, Academien, Societäten…, Band 31, Halle, Leipzig 1742)


Stichworte:
 
 
 

Ein Kommentar zu “Zur Namensbedeutung des Rheins”

  1. J. Jager
    6. Oktober 2013 um 11:41

    Das halte ich für nicht unbedingte Blödsinn, aber wie ein berühmter Vorfahre von mir viel nachvollziehbarer geschrieben hat: “In der Schreibart dieses Nahmens haben die Deutschen die Schreibart der Griechen und Römer Rhenus beybehalten, zumahl da manche rauhe oberdeutsche Mundarten dem r ohnehin gern einen Hauchlaut zugesellen, daher man diesen in den ältern Zeiten auch Hrein geschrieben findet. Indessen ist er ächten deutschen Ursprungs, und als ein naher Abkömmling von dem Zeitworte rinnen, und dessen Stammworte reinen, fließen, Griech. ρεειν, eigentlich eine allgemeine Benennung eines jeden Baches oder Flusses. In Graubünden, dem Vaterlande des Rheinstromes gibt es unzählige Bäche und kleine Flüsse, welche daselbst Rhein genannt werden. Uebrigens muß man diejenigen Wörter, welche mit Rhein zusammen gesetzt werden, nicht mit denjenigen verwechseln, welche Rain und Rein vor sich haben, obgleich solches sehr häufig geschieht.” Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Jager

Kommentar abgeben: