Alpenrhein und Konstanz: Alda ist der allerwunsamst see

Costnitz ist ein statt teuetscher land nit fast groß sunder habehaftig vnd wolgestalt. Bey diser statt fleueßt der Rhein auß dem See vnd kuembt wider in seinen fluss. Alda ist ein prugk von der statt pforten vber den rhein. Jhenßhalb derselben prugken am andern gestadt des fluss sind vil gepewe. Alda ist der allerwunsamst see. der hatt allenthalben an seinen gestadten vil castel vnd zufart. auch ein lawters wasser durchsihtig bis auff den stainigen grund. darinn sind mancherlay vnd vil fisch. Aber nach groeße des wassers nicht fast vberfluessig. Diser see ist .xxm. schritt lang. vnd ettwo .x. vnd ettwo .xvm. schrit prayt. dann der Rhein fleueßt durch die curiensischen gegent vnd so er in die Costnitzischen art raicht so macht er zwen see. der einer haißt der podensee vnd ist der oeber. den andern nennt man den vndern oder celler see. Zwischen den ligt costnitz am vndern ort des obern sees. Zu anzaygung des alters vnd vrsprungs diser statt find man ein marmorstaynine tafel mit alten buochstaben daselbst. auß den erscheint das dise statt von Constantio. des Constantini vater der von Dyocletiano vnnd Maximiano kaiser genant ist den namen empfangen hab. die dauor Vitudura genant worden sey. Dieselben tafel kuenden wenig Costnitzer lesen. Das gemain volck helt dieselben tafel fuer ein heylthumb. die frewlein vnd das ander vnerfarn volck hat mit beruerung irer hend vnd mit bestreichung irer antlitze dieselben buochstaben yetzo schier gantz von der tafel abgetilgt. wiwol doch daselbst geschriben sind die namen nit der heilligen cristi. sunder der verfolger cristenlichs glawbes. Alle iar wirdt einer auß den burgern erkorn der hat oebersten gewalt vnd macht. der wonet nit an eim gemainen ende sunder in seiner aignen sundern behawsung. Wenn er durch die statt geet so hat er bey ime die zuechtiger ruoten in der hand tragende. Diser hat gewalt vnd macht ein yeden zestraffen. So man von todschlag. diebstal. rawberey. eebruch vnd andern vbeltaten handelt so sitzen bey ime die die ime die statt zugeordnet hat. vnd so denn die schuldigen fuergefuert werden so gibt man den anclagern vnd beschirmern erlawbnus wider den schuldigen vnd fuer ine zereden. vnd nach verhoerung alles fuerbringens wirdt denn vrteil gefelt. Die kunnst vnnd schicklichkeit der redsprechlichkeit ist an dem ennde fast achtwirdig vnnd angeneme. Also wo ettwen treffenlich redner gefunden werden. die werden daselbst zu aduocaten vnnd beystenndern in burgerlichen vnd ernstlichen sachen auffgenomen vnd in großen wirden vnd eren gehalten. Dise gantz statt ist in zway volck getailt. Ettliche sinnd eins rewterischen erbern stands. ettliche der gemaynde. die der gemaynde geprauchen sich der kawfmanschaft vnd handwercke. die erbern betragen sich irer erblichen gueetere. vnnd handhaben iren stand. also wo einicher auß der gemaynde zu reichthuemern vnd guoter narung koeme vnnd in die zal der erbern geschlecht zekomen begeret so maynen sie ime solchs in keinen weg zegezymen. also ist yeder stand lang zeit in seinem zil bliben. Aber gemayne statt wirdt von beden stennden gemaynclich geregirt.
Syben meyl von Costnitz vnd .xxm. schrit von dem gepirg ligt ein habhaftige vnd huebsche statt. Veldkirchen genant. die hat schoene wolgestalte gepew. weingewachs vnd pawmgarten. Der Rhein entspringt in dem gepirg nicht weit von demselben ende so man auß welschen landen zeueht zur lingken hand. aber er fleueßt alßpald zur rechten hand. vnnd wirdt mit seinselbs vnd auch mit andern darein fallenden flueßen sere groß vnd starck. vnd lawft zwischen dem orient vnd mitternacht in seinen gestrackten wassergang hinab. Diser fluoß hat die mittel zwischen schwertzelter vnnd gruener farb vnd einen schnellen zuckenden lawff vnd einen sandigen poden. der ist doch also fest das man keinen fuoßtrit darinn mercken kan.

(Aus der Schedel’schen Weltchronik von 1493)


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