Monatsarchiv für September 2013

 
 

Presserückschau (September 2013)

Das nachrichtenarme Sommerloch dehnte sich bis in den September, verabschiedete sich zur Monatsmitte grußlos, womit auch der rheinische Nachrichtenfluß wieder gewährleistet scheint. Die interessantesten Meldungen des Septembers:

1
“Die Rhein Petroleum GmbH, Heidelberg, beginnt (…) ihre erste Probebohrung in Deutschland. Rhein Petroleum wird (…) im südhessischen Riedstadt-Crumstadt bis in eine Tiefe von rund 1.600 Metern bohren. Riedstadt-Crumstadt liegt ca. 50 km südlich von Frankfurt am Main. Die Bohrung endet in den sogenannten „Pechelbronner Schichten“, in denen Rhein Petroleum förderungswürdige Mengen an Erdöl vermutet. Dieses Bohrziel wurde in Folge der umfangreichen seismischen Untersuchungen (…) als vielversprechend definiert. Es liegt im ehemaligen Ölfeld „Stockstadt“, aus dem bis 1994 Öl gefördert wurde und in dem noch signifikante Restreserven erwartet werden. (…) Eine weitere Bohrung, an der die Rhein Petroleum beteiligt ist, hat bereits Anfang August in Karlsruhe-Leopoldshafen begonnen. (…) Die Bohrungen in Riedstadt-Crumstadt und Karslruhe-Leopoldshafen sind die ersten Erdölbohrungen in Hessen bzw. Baden-Württemberg seit 25 Jahren. Im hessischen Teil des Rheingrabens begann schon 1952 die kommerzielle Förderung von Erdöl. Insgesamt konnten bis 1994 aus insgesamt 47 Bohrungen knapp 7 Millionen Barrel Öl gefördert werden. Das Öl sammelte sich in Schichten, die zwischen 1.500 und 1.700 Meter tief unter der Oberfläche liegen.” (Aus einer Pressemitteilung der Deutsche Rohstoff AG)

2
Vage erinnern wir uns einer Bodensee-Schildkröte namens Rheini aus dem Sommerloch vergangenen Jahres. Nun taucht ein neuer Rheini (ein Name, der nicht von ungefähr so originell klingt wie etwa Heini mit vorangestelltem R) auf, erneut aus dem Tierreich, diesmal im Liechtensteiner Vaterland: “Mit dem Projekt “SOS Storch” möchte die Gesellschaft “Storch Schweiz” das Zugverhalten der Weißstörche untersuchen. Mehrere Störche wurden mit Sendern versehen, um ständig ihren Aufenthaltsort zu kennen. Zu diesen Störchen gehört auch “Rheini” aus der Storchenkolonie im Saxerriet. Im Juni verpasste ihm der Verein Rheintaler Storch einen Sender. Derzeit befindet sich “Rheini” in Nordspanien”, etwas präziser: auf einer nordspanischen Müllhalde, welche Rheini und Kumpanen dem Weiterflug nach Afrika neuerdings vorziehen, wie der weitere Artikelverlauf verrät.

3
Wie die bis nächsten März laufende Wittelsbacher-Ausstellung in Mannheim erklärt, warum Bayern am Rhein erfunden wurde, erklärt die Welt: “Was fällt einem zu den Wittelsbachern heute ein? Bayern natürlich (…), wo der “Kini” immer noch eine gewisse nostalgische Verehrung genießt; die Farben Blau und Weiß im Rautenmuster von Wappen und Fahne und idealerweise am Münchner Himmel; Schloss Neuschwanstein. Ja, und natürlich das Oktoberfest, das die Wittelsbacher ihren bayerischen Untertanen schenkten samt Dirndl-Tracht und Lederhosen und Leberkäs’. Doch dieses Bayern mit seiner markanten folkloristischen Physiognomie, es wurde am Rhein erfunden, in der Pfalz. Max IV. Josef, der als erster Bayerischer König von Napoleons Gnaden den Bayern so etwas wie Nationalbewusstsein verordnete, was im Freistaat bis heute kräftig nachwirkt, war Pfalzgraf bei Rhein aus der wittelsbachischen Linie Pfalz-Zweibrücken bis der Reichsdeputationshauptschluss 1803 das Ende der Pfalz als politisches Gebilde besiegelte. Der Metzger, der den Leberkäse erfand, war Hoflieferant in Mannheim und setzte sein segensreiches Wirken im wittelsbachischen Sinne in München fort. So viel zur kernigen Authentizität des Bayerntums.”

4
In den Rheinalpen gedeiht der Hanf am besten “Indoor”, aber illegal, berichtet das Boulevardblatt Blick: “Am Dorfrand von Zizers GR züchtete ein Einheimischer (…) rund 2000 Hanfpflanzen in einem Hühnerstall. Dreissig Wärmelampen sorgten dafür, dass die Pflanzen gut gedeihen konnten. (…) In Hinterrhein GR gingen der Polizei zwei weitere Hanfzüchter ins Netz. Die 23-Jährigen hatten eine Ferienwohnung gemietet und sie zur Indoor-Plantage umgebaut. Wärmelampen, Belüftungs- und Bewässerungsanlagen waren installiert. Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei 460 Pflanzen sicher.”

5
“Mittelerde liegt jetzt in Jenins” titelt die Südostschweiz. Jenins wiederum liegt bekanntlich im Heidiland, das traditionell auch als Bündner Herrschaft bezeichnet wird. Die interessante Landschaftsverschiebung verdankt sich einem neuen Museum, welches J. R. R. Tolkiens Romanwelten gewidmet ist: “Mit über 600 Gemälden, 3000 Büchern und unzäh­ligen Merchandising-Artikeln ist es die international grösste Sammlung zur fiktiven Welt Mittelerde. (…) Die Räume des 300 Quadrat­meter grossen Museums ­beziehen sich alle auf verschiedene Regionen von ­ Mittelerde und sind bis ins kleinste ­Detail aus­geschmückt. (…) Zur Eröffnung waren “neben Gästen in Jeans und Hemden auch Hobbits, ­Elben, Orks und Zwerge zu Besuch. Selbst Gandalf der Graue, der in der Realität Jens Götz heisst und aus Darmstadt in Deutschland stammt (…)” Daß der Alpenrhein eine hohe Mittelerde-Affinität besitzt, bestätigt auch unsere Entdeckung einer originalen Hobbit-Behausung am Übergang der verschlafenen liechtensteinischen Gemeinde Nendeln in die geheimnisvollen Bergwälder.

6
Nicht nur in geografischer Hinsicht verwirrend fällt die Analyse der Bundestagswahl in der Onlineausgabe der WAZ aus: “Duisburg liegt am Rhein und nicht an der Spree: Somit war heute Abend die Stimmung im Rathaus am Burgplatz mal rheinisch ausgelassen, mal preußisch spröde; dort, wo wie immer im Ratssaal die Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 für die Stadt zusammenliefen und wo über TV die spannenden Bundesergebnisse zu vernehmen waren: Die Gewinner am Rhein (SPD) waren gestern Abend die Verlierer in Berlin und umgekehrt (CDU).”

7
Über den Konkurrenzkampf rheinischer Industriegebiete berichtet Blickpunkt Euskirchen: “In Euskirchen war “Haribo” eine Teilfläche im Industriepark am Silberberg (IPAS) angeboten worden, die man unter dem Titel “Prime Site Rhine Region” schon seit mehreren Jahren zu vermarkten sucht – bislang allerdings erfolglos. Die Entscheidung für Grafschaft begründet der Konzern vor allem mit der guten und zentralen Lage. “Der Innovationspark Rheinland ist ein äußerst geeigneter Standort in der Nähe vom Firmenhauptsitz in Bonn. (…) Kapazitäten in Logistik und Produktion könnten dort perspektivisch weiter ausgebaut werden.”

8
Rheinische Rübenbetrübnis: im Rheinland wird, später als üblich, die Zuckerrübe eingefahren, die Rübensüße liegt unter den Werten des vergangenen Jahres. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet: “Die Schornsteine rauchen wieder. Zwar noch nicht alle, aber das ist nur eine Frage von Tagen. Seit Mittwoch werden in Jülich die Knollen angenommen und verarbeitet. Die Zuckerfabrik Euskirchen wird am Montag mit der Verarbeitung der süßen Frucht beginnen. Spätestens ab dann rollen die Traktoren-Gespanne und Sattelauflieger der Maschinenringe wieder durch den Kreis. Teilweise haben die Landwirte bereits Rüben ausgemacht und auf Mieten zum Abtransport bereitgelegt. Das Wetter ist dafür ideal. (…) Im Rheinland und im Rhein-Erft-Kreis liegt die Süße (…) auf dem Niveau des Jahres 2010. Im Norden und Osten würden deutlich höhere Zuckergehalte erwartet, heißt es beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zuckerrübe (Liz) in Elsdorf. Die Rübenkampagne hat mit zwei Wochen Verspätung begonnen.”

Austerlitz am Rhein

”Ja und dann, fuhr Austerlitz fort, irgendwo hinter Frankfurt, als ich zum zweitenmal in meinem Leben einbog ins Rheintal, ging mir beim Anblick des Mäuseturms in dem sogenannten Binger Loch mit absoluter Ge­wißheit auf, weshalb mir der Turm im Stausee von (an dieser Stelle ist im Buch eine Schwarzweißfotografie des Rheins mit Mäuseturm eingefügt; Anm.: rheinsein) Vyrnwy immer so unheimlich gewesen war. Ich konnte nun meine Augen nicht mehr abwenden von dem in der Dämmerung schwer dahinfließenden Strom, von den Lastkähnen, die, anscheinend bewegungslos, bis zur Bordkante im Wasser lagen, von den Bäumen und Gebüschen am anderen Ufer, dem feinen Gestrichel der Rebgärten, den deutlicheren Querlinien der Stützmauern, den schiefergrauen Felsen und den Schluchten, die seitwärts hineinführten in ein, wie ich mir dachte, vorgeschichtliches und un­erschlossenes Reich. Während ich noch im Bann war dieser für mich, sagte Austerlitz, tatsächlich mvtholo­gischen Landschaft, brach die untergehende Sonne durch die Wolken, erfüllte das ganze Tal mit ihrem Glanz und überstrahlte die jenseitigen Höhen, auf de­nen, an der Stelle, die wir gerade passierten, drei rie­sige Schlote in den Himmel hinaufragten, so als sei das östliche Ufergebirge in seiner Gesamtheit ausgehöhlt und nur die äußere Tarnung einer unterirdisch über viele Quadratmeilen sich erstreckenden Produktions­stätte. Man weiß ja, sagte Austerlitz, wenn man durch das Rheintal fährt, kaum, in welcher Epoche man sich befindet. Sogar von den Burgen, die hoch über dem Strom stehen und die so sonderbare, irgendwie un­echte Namen tragen wie Reichenstein, Ehrenfels oder Stahleck, kann man, wenn man sie von der Bahn aus sieht, nicht sagen, ob sie aus dem Mittelalter stammen oder erst gebaut wurden von Industriebaronen im letzten Jahrhundert. Einige, wie beispielsweise die Burg Katz und die Burg Maus, scheinen zurückzu­gehen in die Legende, und selbst die Ruinen wirken auf den ersten Blick wie eine romantische Theaterkulisse. Jedenfalls wußte ich auf meiner Fahrt das Rheintal hinab nicht mehr, in welcher Zeit meines Lebens ich jetzt war. Durch den Abendglanz hindurch, sah ich das glühende Morgenrot, das sich damals über dem anderen Ufer ausgebreitet und bald den ganzen Himmel durchglüht hatte, und auch wenn ich heute an meine Rheinreisen denke, von denen die zweite kaum weniger schrecklich als die erste gewesen ist, dann geht mir alles in meinem Kopf durcheinander, das, was ich erlebt und das, was ich gelesen habe, die Erinnerungen, die auftauchen und wieder versinken, die fortlaufenden Bilder und die schmerzhaften blin­den Stellen, an denen gar nichts mehr ist. Ich sehe diese deutsche Landschaft, sagte Austerlitz, so wie sie von früheren Reisenden beschrieben wurde, den gro­ßen, unregulierten, stellenweise über die Ufer getre­tenen Strom, die Lachse, die sich im Wasser tum­meln, die über den feinen Flußsand krabbelnden Krebse; ich sehe die dusteren Tuschzeichnungen, die Victor Hugo von den Rheinburgen gemacht hat, John Mallord Turner, wie er unweit der Mordstadt Bacharach auf einem Klappstühlchen sitzend mit schneller Hand aquarelliert, die tiefen Wasser von Vyrnwy sehe ich und die in ihnen untergegangenen Bewohner von Llanwyddyn, und ich sehe, sagte Au­sterlitz, das große Heer der Mäuse, von dem es heißt, daß sein graues Gewimmel eine Landplage gewesen sei, wie es sich in die Fluten stürzt und, die kleinen Gurgeln nur knapp über den Wogen, verzweiflungs­voll rudert, um auf die rettende Insel zu gelangen.”

(aus: W. G. Sebald, Austerlitz, S. 321-323, Hanser Verlag, München 2001)

Der Autor W. G. Sebald integrierte Bilder in seine Texte. Das Bild im obigen Abschnitt aus Austerlitz, das genau zwischen Binger Loch und dem Stausee von Vyrnwy zu liegen kommt, somit die Landschaften von Wales und des Mittelrheins auch visuell verbindet, kann rheinsein hier nicht adäquat wiedergeben. Sebalds Landschaftsüberblendung globalisiert das unheimliche Wasser, durch einen urtümlich benamten walisischen Stausee dividiert ergibt der Rhein nurmehr die pure Natur erdbedeckenden Wassers, die schaurigen Aspekte fügen der menschliche Genius, Bau- und Raubwille, allesamt aus der Geschichtsschreibung bestens bekannt, hinzu. Das Foto gibt der beschriebenen Landschaft Echtheit zurück. Oder ist doch der Text realer als der schwarzweiß abgebildete Turm? Die fotografischen Aufnahmen, die er seiner Figur Jacques Austerlitz zuschreibt, stammen von Sebald selbst, oder es handelt sich um (bearbeitete) Fundstücke. Doch wer hat Sebald die Fundstücke zugesteckt? Mixed media-Techniken und Verwirrspiele, wie gemacht für das elektronische Zeitalter, an dessen Eingang Sebald sie verwandte, jedoch im Rahmen der klassischen Medien. Auch wenn der Text eher zufällig das Rheintal zu streifen scheint, weil es als Kulisse für eine literaturgeschichtlich längst unterfütterte, pittoresk-schaurige Erinnerung taugt, enthält er geradezu exemplarisch einige Gedanken, derer sich auch rheinsein bedient: Überblendung von Räumen und Zeiten samt Querverweisen über sämtliche Grenzen hinweg, Überblendung von Realität und Fiktion, Kombination von Bild und Text sowie Verdichtung durch literarische Spekulation bzw. fantastische Einsprengsel. Das Werk W. G. Sebalds, längst kein Geheimtip mehr, sei hiermit von rheinsein ausdrücklich empfohlen.

Rheinkiesel (4)

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(Bilder: Heidi Starck)

Rheinfische (4)

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Numeriertes, aus dem Rhein gefischtes Exemplar eines Fischerfischs. Der rote Rennfisch stammt ursprünglich aus der Murg und wurde eigens für das “Erste Rastatter Fischrennen” gezüchtet. Das Badische Tagblatt berichtet am 15. September 2013, warum das Fischrennen nur mit Verspätung stattfinden und weshalb Nummer 2055 in den Rhein gelangen konnte: “Grund war die von der Jugendfeuerwehr eingerichtete Ölsperre kurz hinter der Schließerbrücke, die die Fische wieder auffangen sollte. Ein Unterfangen, das sich wegen des erhöhten Wasserstands und der damit verbundenen Strömung als gar nicht so einfach herausstellte. Und tatsächlich gelang es einigen Plastikfischen, über das Ziel hinauszuschießen und sich den Weg in Richtung Rhein zu bahnen.” Auch wurde bereits eine ökologische Auswirkung der neuen Art beobachtet: “Ein nettes Bild bot sich den zahlreichen Zuschauern auf beiden Seiten der Murg (…), als die roten Fische einigen Vögeln auf dem Fluss begegneten, die allerdings respektvoll auswichen und ihr Glück an Land versuchten.” (Bild: Stefan Mittler)

Hobbithöhle in Nendeln

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Eingeborne zuerst

“Der Chef sprach Elsässisch, trug ein Hitlerbärtchen und einen Hut mit einer Banderole in den Farben Frankreichs auf dem Kopf. Die Art, in der er mich musterte, sagte mir, dass die Würfel schon gefallen waren. Monsieur mochte offensichtlich keine wandelnde Schokolade. Ich rang mich zu einem Lächeln durch und sagte zu ihm:
“Guten Tag, ich komme wegen der Stellenanzeige.” (…)
“Jo, jo, schwätzt du denn’s bizzeli El-säs-sisch?”
In der Anzeige stand ja tatsächlich: “Dialekt erwünscht”. Den konnte ich auch vorweisen, allerdings meinen, nicht seinen. Ich hatte geglaubt, Franzosen würden mindestens so gut Französisch sprechen wie diejenigen, die einst von ihnen kolonisiert worden waren. Doch in sprachlicher Hinsicht war ich französischer als ein Landsmann von Victor Hugo. Als wäre das nicht genug, verlangte der Bäcker von mir, ich solle zwischen Kunden und Geschäft eine elsässische Brücke bauen. Da gab ich ihm die Antwort, die er erwartete und erhoffte:
“Nein, Monsieur.”
Obwohl ich erst seit zwei Jahren Gugelhupf aß, forderte er doch tatsächlich von mir, ich solle schon dieselbe Sprache sprechen wie er. (…) Als wollte er im selben Atemzug seine Absage rechtfertigen und mich demütigen, fragte er mich:
“Àwer warum schaffe Sie denn nit dahem?”
Dieses “Sie” hatte nichts mit Höflichkeit zu tun, denn zuvor hatte er mich ja geduzt, eher mit einer Tüte, genauer gesagt einer Mülltüte. In die stopfte er alle Ausländer rein, die er noch lieber in den Rhein geschmissen hätte. Deswegen hatte ich das Recht, ja die Pflicht, unhöflich zu werden. Ich explodierte innerlich:
“Du solltest mich fragen, wie es so weit kommen konnte, dass ich sogar nach deinem Drecksjob lechze. Zwei Jahre hat meine Vagina einem Schwanz wie deinem die Ehre erwiesen, einem französischen Glied mit Gummiüberzug, das mir nichts als Schamläuse hinterlassen hat. Hätte sich auch nur ein einziges seiner Spermien in meine Gebärmutter verirrt, die Familienkasse hätte einen Grund gehabt, um für meinen Lebensunterhalt zu sorgen, oder vielmehr um ein Kind mit französischen Genen zu ernähren. Für mich wären da schon noch ein paar Überlebenskrümel übrig geblieben. Doch es ist anders gekommen. Meine Gefühle haben mich ins Exil getrieben, und das Prinzip “Eingeborne zuerst!”, dem auch meine Schwiegereltern frönten, hat über meine Freiheitsträume die Oberhand gewonnen. Wiedersehen Monsieur. Ihr habt unsere Böden ausgelaugt. Ihr habt uns aus Eigennutz Erdnüsse und Zuckerrohr anbauen lassen. Ihr habt unsere Phosphat- und Aluminium- und Goldvorräte geplündert. Ihr habt euch auf unsere Kosten bereichert. Zur Krönung des Ganzen habt ihr meine Landsleute zu senegalesischen Infanteristen gemacht, zu Kanonenfutter für einen Krieg, der nicht der ihrige war. Ihr habt sie töten lassen. Im Namen der Freiheit! Auf ihrem eigenen Boden habt ihr sie ihnen verweigert, die Freiheit. Der Krieg hat auf weißem Boden gewütet. Dort ruht das Auge meines Großvaters. Ein Granatsplitter hat es ihm geraubt. Dieses Auge, Monsieur, es ist immer noch da. Es sieht euch an, spiegelt eure damaligen Scheußlichkeiten, schaut, was ihr mit den Unsrigen macht, die gekommen sind, es zu holen. Was mich hergeführt hat, war der Blutgeruch der Meinen. Diese hatten ihre fruchtbaren Frauen zurückgelassen und wurden trotz ihrer Tapferkeit in Dünger für eure hochmütige Erde verwandelt. Ich bin gekommen, weil ich die Melodien des Kriegs hören konnte, die den vielen Kreuzen Verduns entströmen und bis nach Afrika dringen. Ich bin gekommen, der Wahrheit genüge zu tun. Ihr habt mir das Lied “Unsere Vorfahren, die Gallier” beigebracht. Doch ich begriff, dass die Wahrheit anders klingt. Ich will Ihren Kindern das Lied “Unsere Stützen, die senegalesischen Infanteristen” beibringen. Frankreich gleicht einem Kornspeicher auf Pfählen und manche von ihnen sind afrikanischen Ursprungs.”

(aus: Fatou Diome, Eingeborne zuerst, Sujet Verlag, Bremen 2012. Aus dem Französischen von András Dörner)

Kvnst der truckerey hat sich erstlich in teuetschem lannd in der statt Mayntz am Rhein gelegen ereuegt

Kvnst der truckerey hat sich erstlich in teuetschem lannd in der statt Mayntz am Rhein gelegen im iar Cristi M.cccc.xl. ereuegt. vnnd fueroan schier in alle oerter der werlt außgespreueßt. dardurch die kostpern schetze schrifftlicher kunst vnd weißheit so in den alten bueechern langzeit als der werlt vnbekant in dem grabe der vnwissenheit verborgen gelegen sind herfuer an das liecht gelangt haben. also das vil treffenlicher vnd menschlichem geprauch nottuerftiger vnd nuetzlicher bueecher so ettwen nicht on kleine kostung zeerzeuegen waren. nw zur zeit mit wenig gelts zeerobern sind. vnd wo dise kunst zeitlicher erfunden worden vnnd in wissenheit vnnd geprauch gewesen wer so wern vngezweifelt ettwieuil bueecher Titi liuij Tullij vnd Plinij. vnd andrer hohgelerter lewt auß boesschicklichkeit der zeit nicht verlorn worden. Vnd so nw die erfinder yezuzeiten handwercklicher kunst nit wenig lobs wirdig sind. wer kan denn außsprechen mit was lob. preyse. eren vnd ruom die teuetschen zeerheben seyen die auß irer erleuechten synnreichen schicklichkeit ertrachtet vnd erfunden haben. Dise kunst der truckerey durch die der lang verschloßen prunn vnaußsprechlicher weißheit menschlicher vnnd auch goetlicher kunst in die gemayne außgelaytet wirdt.

(Schedel’sche Weltchronik von 1493)

Unbekannte Stadt am Niederrhein

aelbert cuyp_unidentifizierter rheinAelbert Cuyp zeichnete diese Szene auf seiner Reise von Südholland nach Norddeutschland von 1651/52. Der genaue Ort konnte bisher nicht identifiziert werden. Sehr wahrscheinlich dürfte es sich um eine Ansicht handeln, die in den Niederlanden oder am Niederrhein angesiedelt ist: tiefliegender Horizont, darüber ein blanker, Endlosigkeit andeutender Himmel. Auf der Rückseite des Blattes konnte eine Ansicht der Heideberger Mühle bei Kleve identifiziert werden.

Rheinkiesel (3)

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Försters Pucki auf Hochzeitsreise am Rhein

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“Pucki, nun schon zwanzigjährig, ist als junge, glückliche Ehefrau auf der Hochzeitsreise an den schönen Rhein. Wohin sie auch kommt, entzückt sie durch ihre sprudelnde Fröhlichkeit alle Menschen. Selbst das Herz eines alten, griesgrämigen Mannes weiß sie endlich umzustimmen und für sich zu gewinnen. Freilich geht nicht alles ohne Zwischenfälle ab, denn auch als junge Frau spielt ihr unbedachtsamer Sinn und ihr lebhaftes Temperament ihr manchen Streich. Aber an der Seite eines gereiften und klugen Mannes wächst sie schnell in den Kreis neuer Aufgaben hinein, die sie als Frau eines Arztes zu erfüllen hat. So wird sie ihm im Beruf bald Helferin und Kameradin. Wenn sie auch manchen Streich als junge Frau noch begeht, ihr gutes Herz weiß doch alles wieder auszugleichen. Was aber wirklich an guten Kräften in ihr steckt, beweist sie im Augenblick ernster Gefahr und rettet durch schnelle und kluge Überlegung bei einem Brand viele Kinder geistesgegenwärtig aus Feuersnot, ohne auch nur einen Augenblick auf sich selber bedacht zu sein. Im liebevollen Zusammenwirken mit einem reiferen Manne findet auch Pucki ihre Lebensform, und unsere jungen Mädchen erfahren aus diesem Buch, wie ein empfängliches Frauengemüt in hingebendem Vertrauen sich formen läßt. So ist auch dieser Band nicht nur eine unterhaltsame Lektüre, es ist auch ein Buch von großer erziehlicher Wirkung.” (Klappentext)

“Ihr sehnlichster Wunsch, einmal den schönsten deutschen Strom zu sehen, war endlich in Erfüllung gegangen.” (Zitat)

Der Donnerstein von Ensisheim (2)

“Weit wichtiger und lehrreicher aber als die seither angeführten Beispiele ist der berühmte Steinfall, der sich am 7. November 1492 zu Ensisheim im Elsaß zutrug. Es fiel daselbst ein keilartig dreieckiger Stein von 260 Pfund nieder, der in der Kirche aufbewahrt wurde; es ist der erste Meteorit, dessen Niederfallen man beobachtete, und von welchem noch jetzt viele Bruchstücke vorhanden sind. Ueber die dabei beobachteten Begebenheiten erhalten wir durch mehrere Urkunden genaue Auskunft. Eine derselben ist die Inschrift auf einer Tafel neben dem Stein und lautet: „A. D. 1492 uff Mittwochen nechst vor Martini den siebenten Tag Novembris geschah ein seltsam Wunderzeichen; denn zwischen der eilften und der zwölfften Stund zu Mittagzeit kam ein großer Donnerklapff und ein lang Getöß, welches man weit und breit hört, und fiel ein Stein von den Lüfften herab bei Ensisheim in ihrem Bann, der wog zweihundert und sechzig Pfund, und war der Klapff anderswo viel größer, dann allhier. Da sahe ihn ein Knab in eim Acker im oberen Feld, so gegen Rhein und Ill zeucht, bei dem Gisgang gelegen, schlagen, der war mit Waitzen gesäet und thet ihm kein Schaden, als daß ein Loch innen würd. Da führten sie ihn hinweg und ward etwa mannich Stück davon geschlagen: das verbot der Landvogt. Also ließ man ihn in die Kirche legen, ihn willens dann zu einem Wunder aufzuhencken und kamen viele Leut allher den Stein zu sehen, auch wurden viel seltsam Reden von dem Stein geredet. Aber die Gelehrten sagten, sie wissen nicht was es wär, denn es wär übernatürlich daß ein solcher Stein sollt von den Lüfften herabschlagen, besonders es wäre ein Wunder Gottes, denn es zuvor nie erhört, gesehen noch geschrieben befunden worden wäre. Da man auch den Stein fand, da lag er bei halb Manns tief in der Erden, welches jedermann dafür hält, daß es Gottes Wille war, daß er gefunden würde. Und hat man den Klapff zu Lucern, zu Pfillingen und sonst an viel Orten so groß gehört, daß die Leut meinten es wären Häuser umgefallen. Darnach uf Montag nach Catharinen gedachten Iahrs, als König Maximilian allhier war, hieß ihre königliche Excellenz den Stein, so jüngst gefallen, ins Schloß tragen, und als man ihn darein brachte, hielt er Excellenz viel Kurzweil mit dem Stein, und da er lange mit den Herren davon redt, sagte er, die von Ensisheim sollten ihn nehmen und in die Kirche heißen aufhencken, auch niemands davon lassen schlagen. Doch nahm er Excellenz zwey Stück davon: das Ein behielt sein Excellenz, das Andere schickte er Herzog Sigmunden von Oesterreich. Und war eine große Sage von dem Stein, also hinck man ihn in den Chor, da er noch henckt. Auch kam eine große Welt den Stein zu sehen.” In einer anderen Inschrift heißt es u. A.:

„Tausend vierhundert neunzig zwei
Hört man allhier ein groß Geschrei
Daß zunächst draußen vor der Stadt
Den siebenten Wintermonat
Ein großer Stein bei hellem Tag
Gefallen mit einem Donnerschlag
An dem Gewicht dritthalb Centner schwer
Von Eisenfarb bringt man ihn her.”

u. s. w. Eine neuere, die beste Inschrift kann als Motto für alle Feuermeteöre dienen und lautet: „De hoc lapide multi multa, omnes aliquid, nemo satis.” In einem Aufruf Kaiser Maximilians d. d. Augsburg 12. Nov. 1503 an alle Unterthanen zu einem Zug wider die Türken werden allerlei Zeichen aufgeführt, durch welche der Himmel die Christenheit heimgesucht und ermahnt habe. Zu diesen gehört auch der Ensisbeimer Stein. Es heißt da: „Anfänglich so hat der Allmächtig Uns als das Obrist Haupt der Christenheit vor etlichen Iahren mit einem harten Stein, ungeverlich zweyer Centner schwehr, der auf einem weiten Feld mit großer Uugestümmigkeit für uns, als wir an unserm Heerzug zu Widerstand der Franzosen mutwillig Fürnemen gewesen sein, gefallen ist; den wir auch in die Kirche in unserer Stadt Insißheim, dabey er sich niedergelassen hat, und da unser Regiment der vordern Lande gehalten wird, haben hencken lassen; ermanet und erfodert daß wir die Christenheit von ihren schweren Sünden und Unordnungen leiten und in ein erkenntliches seliges Leben gegen seine Gnade kehren, und da durch seinen heiligen Glauben mehren, erretten und behalten sollen; hat uns auch das zu einem Exempel, damit wir in demselben also fortfahren, zu der Zeit, als solcher Stein gefallen ist, in unserem Fürnehmen wider die Cron Frankreich Sieg und Glück gegeben” u. s. w.
Noch vielfach finden sich Notizen und Berichte über dieses merkwürdige Ereigniß und geht daraus hervor, daß der Stein bei sonst klarem Himmel aus einer feurigen Wolke unter fürchterlichem Krachen niederfiel, daß er eine dreieckige Form hatte, ursprünglich über 2OO Pfund wog, daß er beim Niederfallen in zwei Stücke zerbrach, und das größte derselben von 171 Pfund an einer Kette in der Kirche zu Ensisheim aufgehängt wurde. Während der Französischen Revolution kam es nach Colmar, viele Stücke wurden davon abgeschlagen, so daß der Rest, welcher sich jetzt wieder an seiner alten Stelle in der Ensisheimer Kirche befindet, nur noch 70 Pfund wiegt. Er ist graubläulich, durch hellere Stellen breccienartig, durch zahlreiche schwarze, glänzende Ablösungsflächen fast schieferig und leicht spaltbar, mit eingesprengten Theilchen von gelblichem Olivin; ferner enthält er etwas Eisenkies und nickelhaltiges Eisen; er ist nicht hart, giebt am Stahl keine Funken und läßt sich leicht zerreiben.”

(Christian Ludwig Otto Buchner, Die Feuermeteore, insbesondere die Meteoriten, historisch und naturwissenschaftlich betrachtet, Gießen 1859)

Der Donnerstein von Ensisheim

meteorit von ensisheim
“S wundert sich mancher frömder geschicht
Der merck vnnd leß auch diß bericht
Es seind gesehen wunder vil
Im lufft. comet. vnnd feuerm spyl
Brennend fackeln. flammen. vnd kron
Wild kreyß. vnd zyrckel vmb den mon
Am hymel. bluot. vnd feuerm schilt
Regen nach form der thier gebildt
Stöß. brych. des hymels vnd der erd
Unnd ander vil selczam gebärd
Trotzlich zerstiessendt sich zwen berg
Grueßlich tromet. vnd harnsch werck
Ysen. milch. regen. stahel. korn
Zyegel. fleysch. woll von hymels zorn
Und vil ander der wunder glich
Dann bey dem ersten friderich
Nach erdpydem. vnd fynsternuoß
Sach man treyg sunn vnd mon gewiß
Unnd vnter keyser Friderich
Dem andern. Fyel ein stein greueßlich.
Sein form was groß ein kreuetz var jnn
Ein ander geschrifft vnd heimlich synn
Bey weyle des dritten Friderich
Geborn herr von österreych
Fyel ab jns Sundgaw. sein eigen land
Der stein der hye leyt an der wand
Da man zalt vierzehenhundert jar
Uff sant Florentzen tag ist war
Neuntzig vnd zwey vmb mittentag
Geschach ein grawsam donnerschlag
Dreyg zentner schwär fyel diser stein
Hye jnn dem feld vor Ensißheim
Dreygk egk hat er verschwerczet gar.
Wye ercz gestalt vnd erdes far
Ouch ist gesehen jnn dem lufft
Schleymmes fyel in erdes clufft
Clein stuck seind kommen (?) vnd har.
Und weyt zerfuort. sunst sichst jn gar
Tonaw. Necker. Arh. Jll. vnnd Reyn.
Schweicz Ury hort den klapff darein
Ouch dönt er den Burgundern verr
Jn forchtend die Frantzosen seer
Rechtlich sprich ich das es bedeuet
Ein besunder plag der selben leuet
(…)”
(Sebastian Brant, von dem donnerstein gefalle jm xcij. iar vor Ensisheim)

“ALs hieuor an manchen enden von vil vnd mancherlay seltsamen dingen die sich amm himel ereuegt haben gemeldt worden ist vnd sunderlich dz ein stayn mit eim creuetz gezaichnet zu den zeiten kaiser Friderichs des andern von oben herab gefallen sey also ist zu den zeiten kaiser Friderichs des dritten in dem iar cristi. M.cccc.xcij. am. vij: tag des monats nouembris in mytten tag ein großer stayn bey eim zentner schwer. ein wenig kleiner dann ein saltzscheyb. gestalt wie ein kriechisch D. vnd dreyegket von oben herab auß den lueften bey Ensißheim in dem Suntgew nider gefallen vnnd zu anzaigung seltsamer geschihten noch vorhanden.” (Schedel`sche Weltchronik)

“Am 7. November 1492 schlug der ”Meteorit Ensisheim” in einem Acker vor den Toren der Stadt ein. Er gilt als der älteste gesicherte und ausführlich dokumentierte Meteoritenfall Europas, von dem bis heute Material erhalten geblieben ist. Die erste Beschreibung dieses Naturschauspiels durch Sebastian Brant Ende des Jahres 1492 erlangte große Verbreitung. Sein „Donnerstein von Ensisheim“ gilt als eines der ersten Flugblätter im heutigen Sinne, das kurz nach dem Ereignis in größerer Stückzahl und sogar in mehreren Auflagen gedruckt wurde.” (Wikipedia)

Keine Nebensache – die Nebenflüsse

Die Dreisam

1.1 Name und Definition

„Dreisam“, so sagt man, bedeute in der Mundart unvordenklicher Zeiten „die Fließende“.
Das mag stimmen oder nicht.
Vielleicht heißt das auch „glückliche Vagina“ oder sonst irgendwas.
Dieses Gewässer entwässert ein bestimmtes Segment des SCHWARZWALDES talwärts.
Durch das ebenso benamte DREISAMTAL werden die Wasser vermittels eines sehr stark regulierten, mithin also denaturierten, Bachlaufes dem VATER RHEIN, unser aller Schicksalsfluss, zugeführt.
Handelt es sich im eigentlichen Sinne doch um kaum mehr als einen munteren, etwas größer gestrickelten BACH, so kann im Falle ergiebigerer Niederschläge doch daraus durchaus ein WILDWASSER werden.
Der Volksmund munkelt, am SANDFANG (1) seien schon Pegelstände jenseits der Zweimetermarke beobachtet worden.
Auf jeden Fall reicht kinetische Energie, Wasserlauf und –menge dazu, Radfahrer und anderes Gesindel in die (zu den meisten Jahreszeiten) eiskalte Flut zu reißen.
Schon mancher entstellte Leichnam musste vom Unratgitter des LEOPOLDKANALES (worin die DREISAM mündet – für die restlichen Kilometer zu VATER RHEIN) entfernt werden …
„Trutz – Blanker Hans!“ (…)

2.2 Schifffahrt und Schicksal

Die DREISAM durcheilt mehrere Dörfer sowie Kleinstädte.
Doch auch die Kleinmetropole BOBBELELOCH wird von ihr durchflossen.
Anders als beispielweise zu JECKENSTEDT trennt sie nicht arm&reich, richtig&falsch etc., sondern einfach nur NORD und SÜD.
Zu BOBBELELOCH besorgt das die ebenso verlaufende EISENBAHN.
Arm und reich gliedert sich in „östlich“ und „westlich“ der BAHNLINIE.
Die DREISAM kann rein gar nichts dazu.
Der verdiente vorzeitliche Bürgermeister WINTERER sah das Gedeihen, Werden und Wachsen von dem RHEINSTROME anliegenden Gemeinwesen – das brachte ihm die göttliche Eingebung, auch sein aufstrebendes BOBBELELOCH bedürfe der Anbindung an den Schicksalsfluss.
Also müsse die DREISAM schiffbar gemacht und dem Gemeinwesen ein Binnenhafen angegliedert werden.
Jedoch verhinderten kleinkrämerische Geringgeister die Verwirklichung dieses kühnen Plans.
Der Versuch, das Gerücht zu streuen, HAGEN VON TRONJE habe den sagenhaften Sagenschatz der NIBELUNGEN nicht bei Worms in den RHEIN gekippt, sondern bei BOBBELELOCH in die DREISAM (diese sei dazumals eben noch durchaus schiffbar gewesen und gewissermaßen seitdem verlandet – ) verbracht worden, wusste nicht zu fruchten.
Statt der erhofften elementaren Ausbaggerung in Eigenarbeit stellten sich nur vereinzelte Irr- und Wirrköpfe ein, die lediglich dem BACHBETT einen gewissen Schaden zuzufügen vermochten.

3.1 Binnenseefahrer und Schicksal

Auf Grund der ausbleibenden Schiffbarkeit blieben die Binnenschiffer sitzen.
Gezwungenermaßen sitzen sie bis auf den heutigen Tag in der Hafenkneipe ohne Hafen, der Gaststätte REICHSADLER.
Die Umbenennung in GOLDENER ANKER wurde abgeschmettert, eine Lokalität für fußballbegeisterte Studienräte in einem der besseren Bürgerviertel kam diesem Ansinnen zuvor.
So warten die Binnenschiffer bis zum Ende aller Tage bzw. deren Anfang (2), wobei sie, gar nicht dumm, sich das beschwerliche Warten mit Produkten der alkoholischen Gärung und den Mädchen mit den losen Schenkeln fachmännisch zu verkürzen wissen.
Aber auch wenn Hopfen, Malz und Gerste, nicht zu vergessen das milde Brauwasser des SCHWARZWALDES, noch so fachmännisch zusammengerührt wurden und sich die Schenkel der lustigen losen Mädchen noch so wollüstig grätschen – spätestens wenn die Silberglocke der Wirtin die LETZTE RUNDE einläutet, damit ankündigt, so kommt Trauer und Schmerz in die Herzen der Fahrensleute.
Und ein Gefühl vom Vergehen des ERSTEN TAGES DER EWIGKEIT (3). (…)

3.3 Ausblick und Sendung

Mächtiger noch als die GÖTTER und GÖTTINNEN von Ebbe und Flut, Werden und Vergehen, sind die WASSERWIRTSCHAFTSÄMTER.
Und eben diese haben verfügt – „in Jahren mit gerader Zahl wird der BACH begradigt – in Jahren mit ungerader Zahl wird der BACH verkrümmt!“
Und also muss es geschehen in EWIGKEIT:
In Jahren mit gerader Zahl wird das Gewässer begradigt, in solchen mit ungerader Zahl gekrümmt.
Einzige Abwechslung im unaufhörlichen Auf und Ab der Zeiten: weil das vereinigte EUROPA fordert, dass der FISCH im Binnengewässer zu fördern sei, wurden geeignete Maßnahmen zur Verkehrstauglichkeit des Gewässers für ebendiese Lebensformen ergriffen – selbige, so hört man, dienen der Jugend aber auch den reiferen Bevölkerungsschichten gerne zur Ergetzung zu Sommerszeiten (Sitzbäder!).

Anmerkungen
(1) Eine Stauvorrichtung mithilfe derer die RUNZMEISTER die Wasser der DREISAM auf die örtlichen GEWERBEKANÄLE zu verteilen pflegten
(2) vgl. Kaiser BARBAROSSA im KIFFHÄUSER etc. usw. usf.
(3) vgl. das MÄRCHEN VOM VÖGELEIN, DAS WO SEINEN SCHNABEL AM GEBIRGE WETZT

Ein Gastbeitrag zum Wesen der Dreisam von Bdolf. rheinsein dankt!

Offenburg

offenburg“Als beliebigste aller rheinischen Städte empfand ich bei meinen dankenswert kurzen Aufenthalten, oder, noch lieber, im Vorbeifahren, stets Offenburg.” (Heinard van Campen, Die Maus ist aus, Braunschweig 1983)

Rheinkiesel (2)

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