Andernach

andernach_rolandstatueRolandstatuen gibt es in vielen Städten. Die Schwertritter symbolisieren die jeweilige städtische Souveränität. Dieser Roland in Andernach genießt einen perfekten Rheinblick. Eine Besonderheit ist die Möwe auf seinem Kopf. Sie besteht aus Gips und Farbe, unbekannte Spaßvögel hatten sie auf der Statue Haupt verankert, wo sie einige Tage verweilte, bis sie, vermutlich von Amts wegen, wieder entfernt wurde. Schreibt uns Marcel Crépon, der diesen Monat in Andernach weilte. Zunächst habe er, so direkt am Rhein, die Rolandstatue für eine Siegfriedstatue gehalten, da er mit der Person des Roland unverbrüchlich die Schlacht von Roncevalles (mit Rolands Tod, so wie er im Manuel d‘Histoire de France seiner Kindheit abgebildet war) in Verbindung bringen würde, nicht aber Andernach. Später, beim Wein mit Einheimischen über seinen Statuenirrtum aufgeklärt, habe er dann vom Rolandsbogen erfahren, der zwar mit “seinem” Roland nichts zu schaffen habe, den er jedoch unverzüglich aufsuchte, um, von Versen Apollinaires flankiert, tiefer in die rheinische Geschichte einzutauchen und weitere Aussichten zu genießen.
andernach_bollwerkDer Totentanz auf diesem Bild (Fotos: Marcel Crépon) ist Teil eines von der Natur angegriffenen Bodenreliefs namens “Apokalypse” (von Udo Weingart). Er findet statt im Andernacher Bollwerk, einer Rotunde aus dem 17. Jahrhundert, die einst zur Zollkontrolle der Rheinschifffahrt diente und heute als Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Wer das Bollwerk betreten möchte, kann nicht umhin, sich dem Totentanz einzufügen.

Marcel Crépon schreibt desweiteren begeistert von kostenlosen Gemüsen, die in Andernach für jeden pflückbar “zwar nicht in Wundergärten hängen wie in Babylon”, sondern einfach am Fuße einer Burgmauer lägen, wo sie, so mitten in der Stadt, dennoch einen bleibenden Eindruck hinterließen. Gleich nebenan stünde auch “Gemüse fürs Hirn”: ein gläserner Büchertauschschrank wie er ihn erstmals erblickt habe.


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