Monatsarchiv für August 2013

 
 

Presserückschau (August 2013)

Der August bescherte dem Sommerloch veritable Rheinquallen, doch was passiert? Die Presse berichtet einfach nicht! Überhaupt spielten sich beinahe alle relevanten Rheinmeldungen des Monats in Köln, einer auf mittlere bis ernsthafte Katastrofen spezialisierten Metropole, ab:

1
“Zwei Tage nach der Kollision zweier Schiffe auf dem Rhein steht fest, dass die Ruderanlage des Ausflugsschiffs Willi Ostermann intakt war. Der Kapitän hatte behauptet, das Ruder sei ausgefallen. Das Schiff war am Samstag ungebremst mitten auf dem Fluss gegen den 95 Meter langen belgischen Salz-Frachter Brizo geprallt. Eine Hochzeitsgesellschaft war mit rund 150 Gästen an Bord, acht mussten mit Schnittverletzungen, Prellungen und Schürfwunden behandelt werden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Zwei Darstellungsweisen eines tragischen Vorfalls:
“Ein Angler hat einen britischen Touristen aus dem Rhein bei Köln gerettet. „Der Mann hatte auf einmal heftigen Zug auf seiner Angel“, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstagmorgen. Das sei aber kein dicker Fisch gewesen, der daran gezappelt habe, sondern ein 20 Jahre alter Tourist von der Insel. Der Angler zog den hilflosen Briten daraufhin an Land.” (Focus)
“Aus Zeugenbefragungen ergebe sich nun ein neues Bild vom Ablauf, sagte ein Polizeisprecher. Demnach haben die beiden englischen Touristen (20, 22) im Wasser einen Wettlauf entlang der Buhne Richtung Flussmitte gemacht. An einer Stelle fällt der Untergrund plötzlich steil ab. Die Männer verloren buchstäblich den Boden unter den Füßen und gerieten in Panik. Der 20-Jährige hielt sich geistesgegenwärtig an der Schnur einer Angel fest, die ein Angler auf der Buhne aufgestellt hatte. An der Rute ist eine Glocke befestigt, die bimmelt, sobald ein Fisch anbeißt. Der Angler saß einige Meter weiter und grillte, als er die Glocke klingeln hörte. „Er lief zu der Angel, sah den Mann im Wasser, sprang sofort in den Fluss und zog ihn raus“ (…). Für den 22-Jährigen dagegen kam jede Hilfe zu spät. Er ging unter und trieb vermutlich ab.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

3
“Niedriger Wasserstand, offensichtlich unvorsichtige Schiffsführer und ein Rheinabschnitt in Köln, der als „Deutzer Platte“ dieser Tage traurige Berühmtheit erlangt hat: Nachdem innerhalb von zwei Tagen vier Schiffe auf Grund gelaufen sind, musste die am stärksten befahrene Wasserstraße Europas mehr als 36 Stunden gesperrt werden.” Woher der Begriff Deutzer Platte aufgetaucht ist, bleibt unklar, fest steht jedoch, daß er den Bereich zwischen Severinsbrücke und Deutzer Brücke bezeichnet. (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Die Kölner Nachrichtenfalanx wird von lediglich einer bezeichnenden Meldung des Südkuriers flankiert: „Ein Schwan wurde (…) am Rhein bei Weil am Rhein von einem freilaufenden Hund angegriffen und schwer verletzt. (…) Der Schwan war durch den Angriff des Hundes so schwer verletzt worden, dass er vom zuständigen Jagdpächter von seinen Leiden erlöst werden musste.“

 

Duisburg

duisburg_2 duisburg_3 duisburg_4duisburg Die leicht bearbeiteten Screenshots zeigen den Duisburger Hafen Mitte der 80er Jahre, für einen Schimanski-Tatort inszeniert. Der Fluß dient auch in den übrigen rheinischen Tatort-Städten (u.a. Baden-Baden, Ludwigshafen, Bonn, Köln) als gerne verwendetes Bildmotiv. Am Arbeiterklasse-Standort Duisburg riecht der Rhein gleichermaßen nach Maloche und Naherholung. Die Leiche am Hafenbecken ist voreingestellt. Der Kommissar wechselt die Verkehrsmittel zu Wasser, zu Lande und zur Luft mit beachtlicher Selbstverständlichkeit. Die Wasser des Rheins scheinen die Stadt erst zu ermöglichen und zusammenzuhalten – so wie der Fluß aus den Zapfhähnen und klandestinen Vorräten der Spelunken zu fließen scheint, mittels zuvor zugesetzter Tabletten als “labbriges Pils” oder mehrfach gefiltert als “Schnäpsken”.

Infrarot-in flagranti

infraInfrarotstill des Rheins (in gelb und rot) mit Frachtschiff “Titanja-Star” (blau) aus dem Jahre 1984. Die aus einem Hubschrauber gefilmte Aufnahme der Duisburger Polizei überführt den Schiffskapitän des Verklappens von hochgradig krebserregenden Giftstoffen in den Fluß. In wenigen Sekunden wird Kommissar Schimanski sich an die Kufen des Hubschraubers hängen und aus mehreren Metern Höhe auf das Dach des Führerstands fallen lassen, um den Kapitän zur Rede zu stellen.

Vom Mittelmeer verwöhnte Froschmänner

Von einem Geheimnis, das der Rhein hüte, handelt ein Artikel in der Zeit von 1957. Zugrunde lag ein Streit zwischen einer französischen Reederei und der Wasserstraßendirektion Koblenz. Er ging um das Motorgüteschiff „Caillac“, dessen Planken in der Rheinschleife am Unkelstein von einem unbekannten Gegenstand aufgeschlitzt worden waren und um die Sicherheit der Passage, denn bereits zwei Jahre zuvor war dort ein deutscher Frachter gegen ein Hindernis geprallt. Versicherungen bezahlten bei Zusammenstößen mit natürlichen Hindernissen nicht, aber ein Mann namens Albert Krahe wußte von einer Geschichte, welche die Franzosen ermutigte, auf Schadensersatz zu klagen:

„Dieser Albert Krahe hatte zu jenen Einwohnern gehört, die zu Beginn des Jahres 1945 aus der zerschossenen Stadt Remagen evakuiert worden waren. Albert Krahe fand damals Zuflucht in der Villa Heimann am Unkelstein und hielt sich just zu jener Stunde des 8. oder 9. März am Rheinufer auf, in der eine Gruppe deutscher Kampfmaschinen einen Angriff auf die Remagener Brücke flog – die einzige Rheinbrücke, die den Alliierten unversehrt in die Hände gefallen war. Während sich Albert Krahe vor den Splittern der amerikanischen Flakgeschosse duckte, sah er, wie zwei Flugzeuge in den Rhein stürzten: eine Ju 88 und eine Ju 87. Albert Krahe konnte den Typ ganz genau angeben, denn er hatte drei Jahre lang Junkers-Maschinen repariert.“

Die Reederei verlor den Prozeß, entsandte jedoch einige Spezialisten, um die Flugzeugmotoren ausfindig zu machen. Das Unternehmen scheiterte, der Artikel gibt schönen Aufschluß über die damaligen Arbeitsweisen.

„Mitte Dezember brachte ein Kombi-Wagen vier Froschmänner an den Rhein, Mitglieder der Société Generale de Traveaux Maritimes et Fluviaux, einer Art Genossenschaft von etwa 80 ehemaligen Amateurtauchern, die aus ihrer Neigung im Lauf der Zeit ein gutes Geschäft gemacht haben. Froschmänner, beweglicher als die herkömmlichen Taucher mit ihren schweren Bleischuhen, so mutmaßten die Franzosen, müßten das Strombett spielend durchkämmen können. Das war nun freilich eine Fehlspekulation. Die Rheintaucher arbeiten gewöhnlich im Schutz eines schweren Schildes, der sie davor bewahrt, von den mit zwei bis drei Meter je Sekunde dahinströmenden Fluten abgetrieben zu werden. Die Froschmänner, ans Meer gewöhnt, versuchten es mit einem Unterwasserschlitten namens Aquaplan. In der ersten Nacht (um die Schiffahrt nicht zu stören, wurde nachts gearbeitet) trieben die Markierungsbojen ab, und das Unternehmen wurde verschoben. In der zweiten Nacht, in der das Tauchen dann glückte, brach sich der Lichtstrahl der Stablampen im aufgewirbelten Schlamm. Die Froschmänner, vom Mittelmeer verwöhnt, konnten statt fünfundzwanzig Meter kaum einen einzigen Meter weit sehen. In der dritten Nacht lief das Aquaplan auf eine heimtückische Felsnase – die nun allerdings in der Schiffahrtskarte eingezeichnet ist.“

Heute übernimmt solche Einsätze in der Regel das Tauchglockenschiff  ”Carl Straat”, das auf Rhein und Mosel pendelt, um den Flußgrund nach Hindernissen abzusuchen, Bodenproben zu entnehmen oder dem Tatort als rare Showdown-Kulisse zu dienen. In der mit Überdruck versehenen Tauchglocke der “Carl Straat” läßt sich trockenen Fußes über den Rheingrund schreiten. Alle paar Monate berichten die Medien über das Schiff, aktuell das Wiesbadener Tagblatt:

“Meist sind es abgerissene Anker, aber die Carl Straat hat zusammen mit dem Kampfmittelräumdienst auch schon Bomben geborgen oder Autowracks. Durch die starke Strömung verändert sich das Kiesbett des Rheins – und Gegenstände damit ihre Position. Hier zwischen Rüdesheim und Bingen geht es vor allem um die Kontrolle der Tonnenverankerungen, die die Fahrrinne für die Rheinschifffahrt markieren. Über GPS weiß die Besatzung genau, wo die Verankerung liegt. Auch die Hindernisse werden der Carl Straat von den Peilbooten der Wasser- und Schifffahrtsämter mit GPS-Daten übermittelt.”

(Und sollten wir eine Prognose über orthografische Veränderungen der deutschen Sprache wagen, so dürfte sich Schifffahrt in ca. 60 bis 500 Jahren, so sich die deutsche Sprache bis dahin hält, mit vier “f” in der Mitttte schreiben.)

Harro haut Rhein

Parallel zu Chris Leys Paddelsurf-Weltrekordversuch läuft derzeit eine lustige Rheinaktion der ProSieben-Wissenssendung Galileo. “Extremreporter” Harro Füllgrabe will „den Vater aller deutschen Flüsse für sich erobern. Auf dem Rhein will der “Galileo”-Abenteurer innerhalb einer Woche quer durch die Bundesrepublik schippern. Start der Reise ist Weil am Rhein, Ziel Emmerich an der holländischen Grenze. Auf seiner 680 Kilometer langen Fahrt darf der Reporter sich von Schiffen, Booten, Frachtern und Wassergefährten aller Art transportieren lassen – und auch von Ufer aus gezogen werden, z.B. mit einem Fahrrad. Aber: Der “Galileo”-Weltenbummler darf jedes Gefährt nur einmal für höchstens 100 Kilometer verwenden. Harro Füllgrabe muss auf dem Rhein reisen und auf dem oder direkt am Wasser essen und schlafen. “Galileo” berichtet jeden Abend ab 19:05 Uhr über seine neusten Erlebnisse.

Um die Herausforderung zu meistern ist Harro Füllgrabe auf die Hilfe seiner Fans angewiesen. Über Facebook erfahren die jederzeit, wie der Abenteurer die letzte Etappe hinter sich gebracht hat, wo er gerade ist und was er braucht.“ Das trifft zu, wie rheinsein bestätigen kann: während der Paddelsurfweltrekordanwärter Ley vom Social Media-Radar verschwunden ist, lädt das Team von  TV-Reporter Füllgrabe zahlreiche Bilder des “verrückten Harro” auf diversen Rheinfahrzeugen ins Netz. Abends dann wohl auch im Fernsehen:

“Harro, hau Rhein!” – Die “Galileo”-Sommeraktion von Montag, 26. bis Freitag, 30. August 2013 um 19:05 Uhr auf ProSieben.

Weltrekordversuch mit Übermensch-Methode

Polyfasische Schlafmuster und Übermensch-Methode: es läuft seit heute mal wieder ein Weltrekordversuch auf dem Rhein. Ein solcher braucht nicht nur monatelange Vorbereitung, sondern, um von den Medien wahrgenommen zu werden, vor allem einen Slogan: „Erfolgreich auf der Welle deines Lebens!“ lautet der von Chris Ley, der auf einem sogenannten Stand Up Paddle Board (SUP), einer Art Surfbrett, den Rhein „von der Quelle bei Chur“ (wie der WDR recht großzügig berichtet) bis zur Mündung bei Hoek van Holland in sieben Tagen und Nächten stehend mit einem Stechpaddel bewältigen möchte. Das wäre die schnellste Zeit, in welcher die Distanz offiziell von einem Paddler durchmessen wäre.

Stand Up Paddling gilt unseren Medien als „Trendsport aus Hollywood“. Die Ursprünge des Sports, weiß Wikipedia, seien tahitisch bzw hawaiianisch: Hoe he’e nalu lautet die hawaiianische Bezeichnung für das Stehendpaddeln auf dem Brett. Das allerdings als langwieriger gilt als das Paddeln etwa im Kajak.

Leys Start ins Weltrekordabenteuer war heute (geplant für 6.30 Uhr) irgendwo in Chur. Sein Brett sollte geeignet sein, die Schnellen des Alpenrheins gleichsam surfend zu bewältigen. Das Tagebuch des Rekordversuchs gibt für heute noch keine Auskünfte über den Start und die ersten Kilometer. Überhaupt ist der letzte Eintrag bereits drei Tage alt. Etwas näher am Geschehen sind Leys Facebook-Einträge. Ob die im Vorfeld antrainierte „Übermensch-Methode“ (nämlich pro Rekordversuchtag nur zwei Stunden zu schlafen und ansonsten durchzupaddeln), dem Sportsmann wirklich Zeit freischaffen wird, noch Tagebuch zu führen, werden wir jedenfalls mit nicht geringem Interesse verfolgen. Auch ein Kitetracker auf Leys Website, mit dem seine Position (“rheinchallenge”) zu verfolgen sein soll, liefert derzeit keine Daten.

Rheinzitat (17)

„Was wir sehen, ist eine völlig durchgeknallte, typisch rheinländische Serie, hinter der nicht umsonst RTL steht. Rheinischer Surrealismus. Diddle-Maus-Figuren, für die das Wort „Charaktere“ eine maßlose Übertreibung wäre, mit losem Mundwerk in einer modelleisenbahnartigen Landschaft, die sich gar nicht wirklich verorten lässt (daher spricht hier auch niemand irgendeinen Dialekt). Es könnte halt überall sein. Überall in Deutschland.“

(René Hamann über die neue RTL-Serie „Doc meets Dorf“)

Hydrometrischer Flügel

„(…) Der Pegelstand des Vorderrheins wird kontinuierlich mit zwei Sonden gemessen. Eine Pneumatiksonde ist seitlich am rechten Ufer angebracht. Sie ermittelt den Pegel durch eine Druckmessung unterhalb des Wasserspiegels. An einem Auslegerbalken ist eine Radarsonde montiert. Sie bestimmt den Pegel durch eine Distanzmessung von oben. Die Doppelmessung erlaubt eine ständige Kontrolle der Messwerte.
Als Abfluss bezeichnet man die Wassermenge, die einen Flussquerschnitt pro Sekunde durchfliesst. In Ilanz wird der Abfluss entweder mit Hilfe eines hydrometrischen Flügels gemessen, an dem ein rotierender Propeller die Fliessgeschwindigkeit anzeigt, oder es kommt ein Akustik-Doppler-Gerät zum Einsatz, das die Fliessgeschwindigkeit mittels Schallwellen bestimmt. Durch die Messungen werden das Flussquerprofil und die Fliessgeschwindigkeiten detailliert aufgenommen. Aus diesen Angaben kann der momentane Abfluss berechnet werden. Da die Gewässersohle sich durch Geschiebe oder Ablagerungen laufend ändert, müssen die Abflussmessungen periodisch wiederholt werden.
Abflussmessungen können nicht automatisch und kontinuierlich durchgeführt werden. Zwischen Pegelstand und Abfluss besteht aber eine direkte Beziehung. Mit der sogenannten Pegelstand/Abfluss-Beziehungskurve können die Pegelstände in Abflussmengen umgerechnet werden. (…)“

(Quelle: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Umwelt)

[SIC]-Sonderheft: Heimat Schweiz/Deutschland

Mit drei Rheingedichten eröffnen wir das just erschienene Sonderheft HEIMAT – Schweiz / Deutschland der transnationalen Literaturzeitschrift [SIC]. Im Strömen und Fallen des legendären Grenzflußes mögen sich Aspekte beider Nationen spiegeln bzw. verschwemmen. Wer die Schweiz durch Deutschland dividiert und noch ein wenig Österreich davon abzieht, erhält zumeist Liechtenstein. Das auch in der Heimatliga mitspielen darf.

Das Heft ist also sehr zur Aneignung eines etwas anderen Schweizblicks zu empfehlen: Ron Winkler dekonstruiert die Alpenlandschaft, Ralf Schlatter nihilisiert mehr oder minder gängige Alltagssituationen und Michael Stauffer öffnet ein riesiges Faß Rechthaberei. Christoph Oeschgers Fotografien zeigen die Schönheit der Freiheit und ihre Rahmenbedingungen in schwarzweiß. Insgesamt rund 20 Autorinnen und Autoren auf 90 Seiten.

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit auf der Verlags-Website.

Rheinzitat (16)

“Der Rhein war über die Ufer getreten. Sie nannten das die Jahrhundertflut. Ich habe schon immer schreckliche Wetterverhältnisse ausgelöst, wo ich auftauchte. Einmal hatte ich in Illinois eine Lesung, und tags darauf wurde der Staat von dem schlimmsten Tornado seiner Geschichte heimgesucht, und einen Monat später starb der Dichter, der die Lesung organisiert hatte. Das ist der Grund für meine hohen finanziellen Forderungen für solche Lesungen: Ich weiß nie, ob ich da wieder heil rauskomme.”
(Charles Bukowski anläßlich eines Besuchs in seiner Geburtsstadt Andernach Mitte der 70er Jahre)

Andernach

andernach_rolandstatueRolandstatuen gibt es in vielen Städten. Die Schwertritter symbolisieren die jeweilige städtische Souveränität. Dieser Roland in Andernach genießt einen perfekten Rheinblick. Eine Besonderheit ist die Möwe auf seinem Kopf. Sie besteht aus Gips und Farbe, unbekannte Spaßvögel hatten sie auf der Statue Haupt verankert, wo sie einige Tage verweilte, bis sie, vermutlich von Amts wegen, wieder entfernt wurde. Schreibt uns Marcel Crépon, der diesen Monat in Andernach weilte. Zunächst habe er, so direkt am Rhein, die Rolandstatue für eine Siegfriedstatue gehalten, da er mit der Person des Roland unverbrüchlich die Schlacht von Roncevalles (mit Rolands Tod, so wie er im Manuel d‘Histoire de France seiner Kindheit abgebildet war) in Verbindung bringen würde, nicht aber Andernach. Später, beim Wein mit Einheimischen über seinen Statuenirrtum aufgeklärt, habe er dann vom Rolandsbogen erfahren, der zwar mit “seinem” Roland nichts zu schaffen habe, den er jedoch unverzüglich aufsuchte, um, von Versen Apollinaires flankiert, tiefer in die rheinische Geschichte einzutauchen und weitere Aussichten zu genießen.
andernach_bollwerkDer Totentanz auf diesem Bild (Fotos: Marcel Crépon) ist Teil eines von der Natur angegriffenen Bodenreliefs namens “Apokalypse” (von Udo Weingart). Er findet statt im Andernacher Bollwerk, einer Rotunde aus dem 17. Jahrhundert, die einst zur Zollkontrolle der Rheinschifffahrt diente und heute als Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Wer das Bollwerk betreten möchte, kann nicht umhin, sich dem Totentanz einzufügen.

Marcel Crépon schreibt desweiteren begeistert von kostenlosen Gemüsen, die in Andernach für jeden pflückbar “zwar nicht in Wundergärten hängen wie in Babylon”, sondern einfach am Fuße einer Burgmauer lägen, wo sie, so mitten in der Stadt, dennoch einen bleibenden Eindruck hinterließen. Gleich nebenan stünde auch “Gemüse fürs Hirn”: ein gläserner Büchertauschschrank wie er ihn erstmals erblickt habe.

Victor Tissot über Düsseldorf, Heinrich Heine und Herrn Kinz (2)

C’est de ces fenêtres que Heine vit la marche des troupes françaises, “cè joyeux peuple de la gloire qui traversa le monde en chantant et en faisant sonner sa musique les visages graves et sereins des grenadiers, les bonnets d’ours, les cocardes tricolores, les baïonnettes étincelantes, les voltigeurs pleins de jovialité et de point d’honneur, et le grand tambour-major tout brodé d’argent, qui savait lancer sa canne à pommeau doré jusqu’au premier étage et ses regards jusqu’au second aux jeunes filles qui l’admiraient, penchées aux fenêtres.”

Le jeune Henri se réjouissait fort d’avoir des soldats à loger à la maison, ce qui ne faisait pas précisément le bonheur de sa mère.

A l’arrivée des Français, il courut à la place du Marche. Là, il lui sembla que l’univers avait été badigeonné à neuf; un nouvel écusson pendait à l’hôtel de ville, les balcons étaient recouverts de draperies de velours brodé; des grenadiers français montaient la garde, messieurs les vieux conseillers avaient revêtu des visages souriants et leur habit des dimanches; ils se regardaient à la française et se disaient “Bonjour!” De toutes les fenêtres regardaient les dames; des bourgeois curieux et des soldats bien luisants couvraient la place et lui, ainsi que d’autres enfants grimpés sur le grand cheval de l’Electeur, regardaient toute cette foule tumultueuse. Le balcon se remplit de messieurs bariolés, de drapeaux, de trompettes, et M. le bourgmestre, dans son habit rouge, lut un discours dans lequel on disait qu’on voulait rendre tous les Allemands heureux. A ces mots, les trompettes sonnèrent, les drapeaux s’agitèrent, les tambours roulèrent et les vivats retentirent de toutes parts. Le petit Heine, lui aussi,cria: “Vivat!” tout en s’accrochant à la perruque du vieil Electeur.

Cette précaution lui était nécessaire, car la tête lui tournait. “Je croyais, dit-il, voir tous ces gens marcher sur la tête, parce que le monde était sens dessus dessous, lorsque le vieil Electeur me dit tout bas : ”Tiens-toi ferme à la vieille perruque.” Et ce ne fut qu’au bruit du canon qui résonnait sur les remparts, que je revins à moi et que je redescendis lentement du cheval électoral.”

De retour à la maison, il dit à sa mère “On veut nous rendre tous heureux, c’est pourquoi il n’y a pas d’école aujourd’hui.”

M. Kinz ne nous fit grâce ni d’un coin, ni d’une fenêtre. Après nous avoir montré la maison donnant sur la rue, il nous conduisit par une sorte de couloir dans un pavillon à droite du jardin : “Voyez ce peuplier, regardez comme il est grand, s’écria-t-il, c’est le père Heine qui l’a planté le jour même de la naissance de son Henri!”

M. Kinz, heureux d’avoir sous la main un admirateur de “son poète”, nous abreuvait de citations, et en nous reconduisant jusqu’à la porte, il se plaignit de la froideur et de l’ingratitude des gens de Dusseldorf, qui avaient toujours montré une grande indifférence pour l’enfant glorieux de leur cité.

La conversation ayant glissé peu à peu sur le terrain politique, M. Kinz nous rappela que Henri Heine avait fait ses études en partie en français au lycée de Dusseldorf, dont les maîtres allemands avaient été congédiés à la suite de l’occupation française. Quand les internes sortaient, ils portaient le chapeau à la Bonaparte et étaient habillés d’une tunique grise avec le collet rouge.

Heine était externe; grâce à cette heureuse circonstance, il se lia avec le tambour Legrand, dont il a raconté la touchante histoire.

“Parbleu, dit-il, que ne dois-je pas au tambour français qui logea si longtemps chez mon père par billets de logement, qui avait la mine d’un diable et qui était bon comme un ange et surtout qui tambourinait si bien. C’était une petite figure mobile avec une noire et terrible moustache, sous laquelle s’avançaient fièrement deux grosses lèvres rouges, tandis que ses yeux de feu tiraillaient de tous côtés.”

“Moi, petit enfant, je tenais à lui comme un grateron, et je l’aidais à rendre ses boutons luisants comme des miroirs, et à blanchir son gilet avec de la craie, car M. Legrand voulait plaire. Et je le suivais au corps de garde, à l’appel, à la parade ce n’était alors que joie et retentissement des armes!…”

Henri Heine était devenu sujet de Napoléon Ier ; plus tard, il s’amusait à appeler Napoléon III “son légitime souverain, qui, n’ayant jamais abdiqué, ne cesse d’être le maître de droit de ses Etats occupés par la Prusse”

Allons, dis-je à M. Kinz, je vois bien que vous autres Rhénans, vous ne serez jamais que des demi-Prussiens!

- Oh ça, c’est vrai, c’est vrai, me répondit le boucher en riant, mais nous sommes Allemands, très bons Allemands, cela suffit. A Dusseldorf, à Cologne, à Bonn, à Heidelberg même, il n’y a pas chez le peuple cette haine brutale du Français, qui rend si pénible et si humiliant le séjour de ceux qui ne parlent pas cette langue à Berlin et dans les autres villes de la Prusse. Les Rhénans ne sont pas passionnés en politique, et ils ne peuvent effacer l’histoire, oublier ce que leur pays était avant l’arrivée des Français.

Il y avait des villes d’empire gouvernées par des patricien rapaces et ignorants, qui pressuraient le peuple et la bourgeoisie; il y avait des villes ecclésiastiques comme Cologne, où les rues étaient encombrées de tas de fumier, où, la nuit, on allait à tâtons, sans éclairage, comme dans une cave, et où des compagnies de mendiants faisaient irruption dans les maisons particulières quand les aumônes avaient été trop parcimonieuses il y avait encore des fiefs de chevalerie exploités par de vrais chevaliers d’industrie. Entre tous ces petits Etats, c’étaient des querelles, des combats continuels. On se rencontrait dans les foires et les marchés, qui dégénéraient en sanglantes bagarres.

A l’arrivée des Français, tout ce monde archéologique s’écroule, et la fête de “l’Union fraternelle avec la nation française” est solennellement célébrée dans toutes les villes du Rhin. Les jeunes gens et les jeunes filles adoptèrent les couleurs tricolores, ces couleurs que la Prusse interdit aujourd’hui de porter aux Français de l’Alsace.

Dusseldorf, surtout, a été agrandi et embelli par les ordres de Napoléon Ier. On voit encore son portrait dans beaucoup de maisons, faisant pendant à celui de Frédéric-le-Grand.

Cela ne veut pas dire cependant qu’en temps de guerre les Rhénans ne se battraient pas moins vigoureusement contre la France que les Prussiens mais, en temps de paix, il est facile ici de vivre en bon accord.”

(aus: Victor Tissot, De Paris à Berlin : mes vacances en Allemagne (1886))

Victor Tissot über Düsseldorf, Heinrich Heine und Herrn Kinz

Si Cologne est la métropole du pays rhénan, une capitale un peu sombre et un peu triste avec ses vieilles rues gothiques, Dusseldorf est la ville aimable et gracieuse, la ville artiste par excellence, le Paris de l’art en Allemagne.

Les peintres de Dusseldorf ont fait d’aussi bonnes affaires que les peintres de l’avenue de Villiers ils exportent dans les deux Amériques, et tout chevalier de la palette de quelque renom possède aujourd’hui son hôtel à pignon bariolé.

Plus avancée même que celle de Paris, l‘Association des artistes de Dusseldorf est depuis 1842 dans ses meubles, et quels meubles! Un palais princier, un monument qui n’a pas son égal. Ce n’était qu’un modeste pavillon il y a une quarantaine d’années, au milieu d’un terrain immense situé aux extrémités de la ville, où la Dussel promenait sous les arbres ses eaux paresseuses.

(…)

Henri Heine, le plus français des Allemands, naquit à Dusseldorf.

On a mis une toute petite plaque sur la façade de la maison paternelle du grand poète, qui appartient aujourd’hui à un boucher, M. Kinz. (Ob “Herr Kinz” eine Kunstfigur vorstellt, die für Tissot die Versingularisierung von Hinz und Kunz repräsentieren soll, konnte noch nicht geklärt werden; Anm.: rheinsein)

Ce boucher est un lettré, et sa femme, quand elle n’inscrit pas sur ses livres les côtelettes, les biftecks et les aloyaux vendus, est plongée dans la lecture de quelque ouvrage de Heine.

C’est elle qui fait habituellement les honneurs dela maison aux admirateurs de son poète de prédilection.

Les visiteurs sont toujours les bienvenus, les époux Kinz sont heureux de trouver là une occasion toute naturelle de montrer leurs prédilections littéraires.

- Ah ! monsieur, s’écria M. Kinz, en m’arrêtant en bas de l’escalier, voyez-vous, ce qui doit arriver arrive. Voila vingt ans que je me suis dit que j’aurais la maison de Heine; j’ai fini par l’avoir.

J’aime les poètes et les philosophes, je les mets bien au-dessus des peintres et des artistes car, vous et moi, monsieur, nous pourrions aisément, en nous appliquant bien, peindre un tableau ou faire une statue, mais jamais nous n’arriverons à écrire un beau livre ni à formuler des pensées profondes, si nous n’avons pas l’inspiration. Henri Heine l’avait! Inclinons-nous devant son génie.

Voilà vingt ans, comme je vous l’ai dit, que l’idée d’avoir cette maison me tourmentait. L’autre jour, Mme Friedlander, l’ancienne propriétaire, me fit appeler et me dit: “Kinz, avez-vous toujours l’intention d’acheter la maison de Heine? – Si j’en ai l’intention, madame, mais c’est une envie folle!”

“Et nous voilà tombant aussitôt d’accord sur le prix, courant chez le notaire, dressant l’acte séance tenante, de sorte que le soir même, en soupant, je dis à ma femme que nous allions déménager. D’abord elle fit la grimace, nous venions d’acheter la maison que nous habitions mais lorsqu’elle sut qu’il s agissait de la maison de Henri Heine, elle fut toute joyeuse. Tenez, voici la porte brune dont parle le poète et sur laquelle sa mère lui apprenait à écrire les lettres avec la craie. “Si je suis devenu écrivain, dit Henri Heine, dans le Tambour Legrand, cela a coûté assez de peine à ma mère!” Et cependant la brave femme n’avait pas la main légère; Henri était un enfant terrible, la seule chose qui l’empêchait de jouer quelque méchant tour aux voisins, c’était la crainte d’être fouetté.”

Pendant ce discours, nous étions montés jusqu’au premier étage.

Ici, nouvelle allocution émue :

- Tenez, Monsieur, la pièce où nous sommes servait de chambre d’étude au poète. Voyez cette petite armoire dont l’intérieur est divisé en compartiments, c’est Heine qui l’a rangée ainsi pour y serrer ses livres, ses cahiers, ses jouets; il avait dix ans alors et quel esprit d’ordre il n’a rien oublié, pas même une petite cachette pour ses économies… La voici !…

La religion juive était suivie à la lettre dans la maison, Henri avait un respect tout particulier pour le jour du sabbat, qui est un jour de repos.

Un samedi toute la rue est en émoi, le feu s’est déclaré chez un voisin, les pompes arrivent, tout le monde fait la chaîne. Notre poète, qui est parmi les curieux; répond, quand on lui présente un seau. “Je n’y toucherai pas, c’est le jour du sabbat..”

Cependant il savait comment s’y prendre pour éluder la loi. Il raconte que ses amis et lui étant allés se promener, arrivèrent devant de belles grappes de raisin qui pendaient sur la route lui s’élança sur la treille et mordit les raisins à belles dents, les uns après les autres.

“Que fais-tu là? lui crièrent ses camarades, c’est aujourd’hui le jour du sabbat!

- Mais je ne fais pas de mal, riposta Henri; si le Talmud me défend de prendre quoi que ce soit avec les mains, il ne m’interdit ni de mordre ni de manger!”

Un bureau de placement est installé aujourd’hui dans la partie de la maison qui servait de comptoir à M. Heine, le père du poète qui, de marchand de grains, s’était fait négociant en draps de Lyon. (…)

(aus: Victor Tissot, De Paris à Berlin : mes vacances en Allemagne (1886))