Monatsarchiv für April 2013

 
 

Presserückschau (April 2013)

Das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Tier beherrscht die augenfälligste rheinische Berichterstattung des Monats April:

1
Über Zugvogelstau am Rhein berichtet der Deutschlandfunk: „Wildgänse watscheln auf einer Wiese am Rheinufer. Am Rande strecken einige weiß und grau gefiederte Wächter aufmerksam den Kopf nach oben. Sie kontrollieren, was auf dem nahen Wanderweg passiert. In den Rheinauen bei Bingen sind einige hundert Vögel versammelt. (…) Noch sperrt hier niemand ab, um Spaziergänger daran zu hindern, entkräftete Zugvögel aufzuscheuchen, die sich hier zusammendrängen. In diesem kalten Frühjahr landen am vergleichsweise warmen Rhein Vögel, die sonst auf ihrem Weg Richtung Norden keinen Zwischenstopp einlegen. Manche ziehen weiter und kommen zurück, weil es auf ihrem Weg immer kälter wird. An einigen Stellen am Rhein gibt es jetzt einen regelrechten Vogelstau und Stoppschilder für Wanderer – zum Schutz von wintergebeutelten Kranichen und Kibitzen auf ihren Rastplätzen.“

2
Selbst – wenngleich vom Empfänger regulierbarer – Emissionär berichtet der Hessische Rundfunk über den Lärm im Rheintal: „Ein Krach von mehr als 100 Dezibel wird nachts an der Messstation Rüdesheim/Assmannshausen erreicht. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Hessische Umweltministerium (…) vorgestellt hat. Das entspricht ungefähr dem Lärm einer Motorsäge. Und verbessert hat sich noch nichts: Seit drei Jahren habe sich der Bahnlärm im Mittelrheintal nicht verringert, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.“

3
Subtile Kriegsberichterstattung auf morgenweb.de: “Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) ist in die “Saison” gestartet. Am Donnerstag wurde mit einem Hubschrauber und zu Fuß das Bekämpfungsmittel BTI entlang des Rheins ausgebracht – unter anderem in Ludwigshafen. Am Freitag sind laut KABS-Geschäftsführer Dr. Norbert Becker Lampertheim und Worms an der Reihe.” Auch die Badischen Neuesten Nachrichten berichten über Kampfstoffausbringungen in den Rheinauen um Karlsruhe. Mit “Schnake” wird im Regiolekt die Stechmücke bezeichnet, während die Schnake im Badischen als “Reiter” tituliert wird.

4
“Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf (17/13030) zur Änderung des Ausführungsgesetzes zu dem Übereinkommen vom 9. September 1996 über die Sammlung, Abgabe und Abnahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt vorgelegt. Im Zusammenhang mit der Einführung des elektronischen Bezahlsystems sei es notwendig, die im Ausführungsgesetz enthaltenen Ordnungswidrigkeitentatbestände anzupassen. Der Bundesrat macht in seiner Stellungnahme drei Änderungsvorschläge, die die Bundesregierung in ihrer Gegenäußerung teilweise ablehnt.“ (bundestag.de)

5
Ein neues Museum, das nicht nur Herrn Topowski interessieren dürfte, soll in der zweiten Jahreshälfte am Hinterrhein eröffnen, berichtet die Südostschweiz: “Der Verein Erzminen Hinterrhein ist noch jung. Trotzdem hat er in den ersten drei Jahren des Bestehens beachtliche Aktivitäten entwickelt, wie das «Pöschtli» schreibt. Dazu gehört der Aufbau eines Bergbaumuseums in Innerferrera. Hier werden ab Herbst 2013 die früheren Bergbauaktivitäten im Gebiet südlich der Viamalaschlucht dokumentiert. (…) Schliesslich wird für das Jahr 2015 ein internationaler Bergbau-Workshop in Thusis geplant.“ Die gleiche Quelle informiert, daß im Dorf Hinterrhein (als einem von drei Bündner Dörfern) kein Ausländer gemeldet sei. Somit dürfte Hinterrhein das erste und letzte Dorf am Rhein sein, das noch ausschließlich von Aboriginees bewohnt wird.

6
Gleich anschließend ein Schweizer Rechenexempel: über ein Großprojekt mit „bäuerlichem Namen“ berichtet die NZZ: „Rhesi ist die Abkürzung für Rhein, Erholung und Sicherheit. Es steht für ein höchst ambitiöses Vorhaben, das den Hochwasserschutz im unteren Alpenrheintal verbessern soll. Die ETH Zürich schätzt die Kosten in einer Machbarkeitsstudie auf 600 Millionen Franken; sie dürften schliesslich wohl bei einer Milliarde Franken liegen. Noch befindet sich das Projekt im Stand der Voruntersuchung, bereits jetzt aber äussern neben den Bauern auch die vielen betroffenen Gemeinden dies- und jenseits des Rheins Ängste und Vorbehalte. Thema ist neben dem Kulturlandverlust auch die Sicherung des Grund- und Trinkwassers. Frühestens 2017 soll Baubeginn sein, die Realisierung dürfte 20 Jahre dauern. Unbestritten ist, dass der Hochwasserschutz im unteren Rheintal verbessert werden muss; das Schadenspotenzial im Fall von Überschwemmungen wird auf mindestens sechs Milliarden Franken geschätzt.“

7
„Im Dorfgemeinschaftshaus von Götterswickerhamm sind die Kinder schon kreativ tätig. Mit Bunt- und Filzstiften bemalen sie eifrig Blätter. Es sind kleine Werke des Protestes, welche die jungen Künstler aufs Papier bringen – ein Protest gegen die Hundehaufen, die sich entlang des Leinpfades am Rhein in Massen finden lassen. “Der Hundekot nimmt überhand, und das nicht nur direkt am Rhein, sondern im ganzen Dorf”, erklärt Anneliese Rühl, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft “Unser Dorf hat Zukunft” in Götterswickerhamm.“ (Rheinische Post)

8
„Vorarlberg hat ein neues Naturschutzgebiet am Alten Rhein in Hohenems. Der 4,8 Hektar große Abschnitt besteht überwiegend aus seichten Wasserflächen und Röhrichten und ist Lebensraum von über 20 teils stark gefährdeten Libellenarten sowie von einer Vielzahl von Schmetterlingen, Käfern und Reptilien. (…) Der Alte Rhein der “Hohenemser Kurve” ist der letzte naturnahe Rest von einst vielfältigen Feuchtgebietsabfolgen mit Stillgewässern zwischen der Mündung der Ill und dem Rheindelta. Er ist als Biotop und Erholungslandschaft von überregionaler Bedeutung ausgewiesen, mit einer besonders wichtigen Funktion als Brut- und Aufzuchtsgebiet für Vögel. Außerdem befindet sich dort eines der letzten Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel in Vorarlberg.“ (Der Standard)

Reisen am Mittelrhein

mittelrhein

So nah die weinbestandenen Felsen dem Mittelrhein auch kommen, Platz für Landstraße und Bahntrasse findet sich immer. Die Aufnahme stammt aus einem Eurocity-Zug und soll die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen Bahntrasse, Fahrbahn und Wasserweg vermitteln. Das Auto (in Fließrichtung des Rheins) ist gerade dabei, Zug und Fluß zu überholen. Die Fahrgeschwindigkeit des Wagens provoziert eine Unschärfe, welche auch das Geländer befällt. Der Fluß scheint sich gegenzustauen und unter seiner Oberfläche bergauf zu fließen. Rein von der Geschwindigkeit her zwischen diesen Fänomenen, tatsächlich aber als auktorialer Betrachter oberhalb des Szenarios angesiedelt, verliert der Zugpassagier kurzfristig das Bewußtsein für Raum und Zeit: “Ich glaube, wir sind hier irgendwo an der Elbe.” Dann schießt er in einen Tunnel. Der Mobilfunk-Empfang versiegt. Am Ende des Tunnels wartet die Loreley. Das Gelächter der Mitreisenden hallt in der Tunnelröhre nach.

Rheinschlamm und Treibholz

Land Art besteht ursprünglich aus künstlichen künstlerischen Eingriffen in die Natur: mehr oder minder verblüffende Umgestaltungen (z.B. die bekannten Spiralgrabungen), bis hin zu architektonischen Skulpturen aus in der Landschaft vorgefundenem Material. Viele Werke entstehen in Geduldsarbeit, andere brachial, alle bleiben zugleich den natürlichen Verfallsprozessen preisgegeben. So werden auch die von manchen dem Werk Außerirdischer zugerechneten Kornkreise gelegentlich als Land Art interpretiert. Falls Sie in der freien Natur eine ungewöhnliche, sortiert erscheinende Materialansammlung erblicken, halten Sie sie bitte gerne für Kunst! Um Land Art in Museen und Galerien zu präsentieren, bedarf es zumeist der Dokumentation: Fotos, Videos, Skizzen. Der britische Land Art-Veteran Richard Long greift nicht nur selbst in erwanderte Landschaften ein, sondern läßt auch unbehandeltes Naturmaterial in Ausstellungsräume schleppen. Derzeit stellt er am Niederrhein in Kleve und Duisburg aus: „Schlamm, Matsch aus dem Rhein hat der britische Künstler Richard Long auf die Wand des Museums Kurhaus gesetzt. Halbbögen fügen sich über schwarzem Grund zu einem Labyrinth. Der mit den Händen aufgemalte Matsch zieht Schlieren. Flecken, Spritzer sitzen, von den ausholenden, kreisenden Bewegungen, mit denen Long das Labyrinth aufgetragen hat, verworfen auf der weißen Wand, tropfen über die Fußleisten auf den Boden. (…) Long installierte das “Rhine Mud Labyrinth” dann auch da, wo er 2001 bei seiner großen, viel beachteten Einzelausstellung in Kleve mit Treibgut aus dem Rhein eine große Bodenarbeit legte.“ Gleichzeitig zeigt Long im Museum DKM in Duisburg seine „Rhine Driftwood Line“: „Sie besteht aus angeschwemmtem Treibholz, das am letzten deutschen Rheinkilometer bei Emmerich um das Jahr 2000 gefunden wurde. Die 15,70 mal 2,50 Meter große Fläche ist geometrisch angeordnet und nur von der Struktur her vom Künstler vorgegeben. Die Anordnung im jeweiligen Ausstellungsraum übernimmt dann das Museum vor Ort.“ (Zitate: Rheinische Post)

Rhine Mud Labyrinth, Museum Kurhaus, Tiergartenstraße 41, 47533 Kleve
21.04.2013 bis 30.06.2013 (Di-So 11–17 Uhr)

Rhine Driftwood Line, Museum DKM, Güntherstraße 13-15, 47051 Duisburg
20.04.2013 bis 06.01.2014 (Mo und Fr-So 12-18 Uhr)

Vom deutschen Rheinstrom

“Heilige Wasser rinnen von Himmelsbergen – singt die Edda, das uralte Götterlied, so auch der Rhein, des deutschen Vaterlandes heiliger Strom, rinnt vom Gottesberge (St. Gotthard), aus Eispalästen, aus dem Schoße der Alpen nieder, als Strom des Segens. Schon die Alten sagten von ihm: Die Donau ist aller Wasser Frau, doch kann wohl der Rhein mit Ehren ihr Mann sein – und die Urbewohner der Stromufer erachteten seine Flut für also wunderbar, daß sie neugeborene Kinder ihr zur Prüfung echter oder unechter Geburt übergaben. Rechtmäßige Abkömmlinge trug die Stromflut sanft zum Ufer, unrechtmäßige aber zog sie mit ungestümen Wellen und reißenden Wirbeln als ein zorniger Rächer und Richter der Unreinigkeit unter sich und ersäufte sie. Andere Anwohner brachten dem heiligen Strome ihr Liebstes, Pferde, zum Opfer dar. Durch Hohenrätiens Alpentalschluchten stürzt sich der Rhein mit jugendlichem Ungestüm, frei und ungebunden, umwohnt von einem freien Bergvolke, das in Vorzeittagen hartlastende, schwerdrückende Fesseln brach. Da zwang ein Kastellan auf der Bärenburg die Bauern, mit den Schweinen aus einem Trog zu essen, ein anderer zu Fardün trieb ihnen weidende Herden in die Saat, andere übten noch andere Frevel. Da traten Hohenrätiens Männer zusammen, Alte mit grauen Bärten, und hielten Rat im Nachtgraun unter den grauen Alpen. Auf einer felsenumwallten Wiese ohnfern Tovanosa will man noch Nägel in den Felsenritzen erblicken, an welche die Grauen, die Dorfältesten, ihre Brotsäcke hingen. Und dann tagten sie in Bruns vor der St. Annenkapelle unter dem freien Himmel, unter der großen Linde, nach der Väter Sitte, und beschwuren den Bund, der dem alten Lande den neuen Namen gab, den Namen Graubünden, und daß der Bund solle bestehen, solange Grund und Grat steht. Davon gehen im Bündnerlande noch alte Lieder. – Kaiser Maximilian nannte scherzweise den Rheinstrom die lange Pfaffengasse, wegen der zahlreichen und hochberühmten Bistümer und Hochstifte an seinen Ufern, und nannte Chur das oberste Stift, Konstanz das größte, Basel das lustigste, Straßburg das edelste, Speier das andächtigste, Worms das ärmste, Mainz das würdigste und Köln das reichste.”

(aus: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch 1853)

Dondorf am Rhein

Der Fernsehzweiteiler Teufelsbraten von Hermine Huntgeburth nach einer autobiografischen Kindheits- und Jugenderinnerung der Dichterin Ulla Hahn (Filmname: Hilla Palm) ist angesiedelt in den proletarischen Nachkriegsbaracken von Dondorf am Rhein. Gestern liefen beide Teile auf Arte und die verblüffenden Bilder ließen uns eine Weile rätseln, wo dieses Dondorf denn genau zu liegen käme. Auf jeden Fall am Niederrhein. Die Brücke, unter der die kleine Hilla gerne am Flußufer spielt, an dem sie einen magischen Buchstein findet, einen gebänderten Kiesel, der alle möglichen und unmöglichen Geschichten enthält, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Uerdinger Brücke sein. Der zugehörige Uferstreifen wiederum könnte an verschiedenen Stellen liegen, in Krefeld, bei Düsseldorf oder Duisburg, wäre aber auch weiter südlich denkbar. Die im Matsch dümpelnde Arbeitersiedlung sieht nach eigens erbautem Kulissendorf aus und ist kaum zu verorten. Industrie muß sich in der Nähe befinden. Bisweilen wird Köln als nächste Großstadt erwähnt. Auch der im Film gesprochene Dialekt, in dem reihenweise starke Zitate purzeln („Mir sin kejn Prolete, mir sin kathollisch“), läßt sich nicht konkret zuordnen: halb klingt er kölsch, dann wieder eher wie das Niederrheinisch aus dem Schützenfestgürtel. Dieses Dondorf scheint letztlich zwischen Bonn und Wesel zu oszillieren, mal liegt offenbar Düsseldorf ganz in der Nähe, mal sogar Wuppertal. Bald war aufgrund dieser Ungereimtheiten klar, daß es sich um eine fiktive Ortschaft handeln mußte: ein derart verschlammt-zurückgeblieben-ubiquitäres Dondorf wäre ansonsten längst eine bekannte Touristenattraktion. Aus den Mündern der Schauspieler klang der Ortsname im Übrigen auch nach „Dorndorf“ bzw „Mondorf“. Und während Hilla vom Kindergartenkind zur Oberstufenschülerin heranwuchs und sogar ihren seltsamen Dialekt ablegte, veränderte sich die Siedlung im Matsch kein Stückchen. Was die Möglichkeit offenläßt, daß dieses seltene Dondorf vielleicht doch real existiert, allerdings für immer in den 50er Jahren gefangen bzw diese, als statisches Mahnmal aus Nachkriegsgrau, Hühnerstall und Gartenkohl, durch sich hindurchlaufen lassend, sodaß es heute nur noch im Film oder sehr weit hinter den Rübenfeldern angetroffen werden kann.

Johanna Schopenhauer stellt mitten auf dem Rhein fest, daß die Welt immer näher zusammenrückt

„(…) Da lag es nun vor uns, im hellsten Sonnenschein, auf dem prächtig wogenden Strome, das zierlich schlanke Ungeheuer, das ohne Mast und Segel, wie von Zauberkraft getrieben, mit Vogelschnelle, tosend und dampfend über die Fluten hinläuft, die, in ihren tiefsten Tiefen aufgeregt, schäumend und brausend es noch lange scheltend verfolgen. Wohl ist es ein Schiff, aber nicht allein durch den dampfenden hohen Schornstein, sondern auch in der ganzen Bauart und allen seinen Verhältnissen von allen andern Schiffen sehr verschieden. Regungslos lag er da, der Friedrich Wilhelm, so heißt das Schiff, während drei bis vier Reisewagen hinaufgeschoben wurden, die man auf dem Verdeck kaum bemerkt, denn es ist weit größer, als es vom Lande aus gesehen erscheint; ein Gang von einem Ende desselben bis zum andern ist wirklich eine kleine Promenade, auf welcher es an unterhaltender Abwechslung nicht leicht fehlt. Ein Paar unglückliche Pferde standen schon neben den Wagen, in einem für sie eingerichteten Käfig eingesperrt, denen man es deutlich ansehen konnte, daß sie den Weg weit lieber zu Fuße zurückgelegt hätten. Das heulende Gerassel, mit welchem der Dampf aufsteigt, so lange das Schiff stille liegt, schien die armen Thiere zu beängstigen; auch hat dieser unangenehme Lärm etwas Betäubendes, der sich allemal wiederholt, so oft das Schiff anlegt; wenn es im Gange ist, merkt man weit weniger davon.

Wer nicht sehr krank, oder sehr vornehm, oder ein leutescheuer Engländer ist, lasse doch ja nicht durch das Wort »erster Platz« sich verleiten, Billets für den Pavillon zu nehmen. Mit dem theuerern Preise erkauft er nur das Vorrecht, sich einsam in einem etwas eleganteren Zimmer im Vordertheile des Schiffes zu langweilen, während die übrige Gesellschaft sich in der sogenannten zweiten Kajüte versammelt. Für anspruchslosere Reisende gibt es eine dritte Kajüte, in welcher ebenfalls recht anständig für sie gesorgt ist. Auch gibt es noch einen vierten, sehr wohlfeilen Platz, vermuthlich ganz unten im Schiffsraum, wo die Waarenballen liegen, deren Transport, wie man mir sagte, dem Unternehmer den größten Vortheil bringt. (…)

Ein einziger Mann, dem die Leitung des Schiffes anvertraut ist, steht hoch am Steuer und dreht mit fester, sicherer Hand, bald kaum bemerkbar, bald sehr schnell, mit sichtbarer Anstrengung das Rad, welches auf der rechten Bahn es erhält. Der schweigende Ernst, mit dem er sein wichtiges Geschäft betreibt, hat etwas wundersam Feierliches, er wendet nie den Blick, er beantwortet keine an ihn gerichtete Frage, und ein neben ihm angebrachter Anschlagezettel bittet die Reisenden, auf keine Weise, durch Sprechen mit ihm, in der Ausführung seines Amtes ihn zu stören. Unten im Raum wird mit gleicher Aufmerksamkeit über die Verwaltung des Feuers und des Dampfkessels gewacht, und der Anblick der großen Ordnung, die überall vorherrschend sich zeigt, muß auch den Furchtsamsten ermuthigen und jeden Gedanken an mögliche Gefahr verbannen.
So glitten wir denn an dem unsäglich lieblichen Rheingau vorüber; die Thürme von Mainz verschwanden hinter uns; durch das frische Grün seiner Linden leuchtete im Morgenstrahl das schöne Schloß von Biebrich über den hier sehr breiten Rhein uns aus der Ferne entgegen. Dann kommen Walluf, Eltville mit seinem ehrwürdigen alten Thurme, die blühende Petersaue, alle die schönen merkwürdigen Punkte, die Jeder, auch der sie nicht gesehen, aus zahllosen Abbildungen und Beschreibungen zu kennen glaubt, und von denen doch weder Pinsel noch Feder ein ganz getreues, genügendes Bild zu geben vermögen. Im bezauberndsten Wechsel drängten sie sich uns entgegen, kaum sahen wir sie aus der Ferne auftauchen, so befanden wir uns auch schon ihnen gegenüber, und dennoch geht die Fahrt nicht so schnell, daß man nicht Zeit behielte, die Rheinufer in aller ihrer malerischen Schönheit aufzufassen. Das große Bilderbuch der Natur liegt gleichsam aufgeschlagen vor uns da, und langsam schonend wendet eine unsichtbare Hand ein Blatt desselben nach dem andern vor unsern Augen um, bis diese, geblendet von all’ der Herrlichkeit, sich ermüdet auf einige Zeit abwenden müssen.

Das indessen recht lebendig sich gestaltende Treiben auf dem Verdecke bot zur Erholung ein recht angenehmes Zwischenspiel; kleine gesellige Gruppen hatten überall sich zusammengefunden, denn nirgends knüpft eine augenblickliche Bekanntschaft sich leichter an als hier, wo man sicher sein kann, sie im schlimmsten Fall in wenigen Stunden wieder aufgelöst zu sehen. Um einem der Tische hatte eine Gesellschaft stickender und strickender Damen sich niedergelassen, die, ohne sich um das Bilderbuch der Natur viel zu bekümmern, so unbefangen ihr häusliches Wesen trieben, als wären sie zu Hause. Einige Engländerinnen hatten auf dem Dache der zur Kajüte hinabführenden Treppe sich etablirt, wurden aber, ihrer aufgespannten Parasols und ihrer großen Hüte wegen, sehr bald gebeten, sich wieder hinunterzubegeben, indem sie dem Steuermann die Aussicht benahmen. Nahe dabei lag ein wenige Wochen altes Kind, auf einem Koffer weich gebettet, und neben demselben saßen die Aeltern Hand in Hand, den kleinen Schläfer zu bewachen. Wer dieser Gruppe sich nahte, trat leiser auf und konnte nicht unterlassen, sie theilnehmend zu betrachten. Der Vater, ein junger, rüstiger Mann, war ein Kaufmann aus dem nördlichen Deutschland und jetzt mit seiner Frau und ihrem Erstgeborenen auf dem Wege nach London begriffen, von wo er nach Amerika überschiffen wollte, um in jenem fernen Welttheil sich niederzulassen. Freilich ist dieser uns wenigstens um die Hälfte näher gerückt als er unsern Vätern es war, denn die Welt wird in unserer erfindungsreichen Zeit immer enger. (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828, Kapitel 4: Das Dampfschiff)

Johanna Schopenhauer wagt sich, obschon früher vieles besser war, auf einen Rheindampfer

“Die Luft mit ihren Stürmen ungerechnet, mit Wasser und Feuer zugleich es aufnehmen? mit den beiden in ihrer Zerstörungskraft furchtbarsten Elementen? Nimmermehr! Das wäre ein Wagstück ohne Noth, während die schönste Chaussee in Deutschland auf die sicherste und angenehmste Art mich zum Ziel meiner Reise bringen kann. So sprach ich oft, und die mehresten meiner Freunde, die, wie ich eben auch, noch kein Dampfschiff gesehen, stimmten mit mir ein.

Sind doch alle Augenblicke die Zeitungen mit Nachrichten von Unglücksfällen angefüllt, die bei der Dampfschifffahrt sich zugetragen. Ja, wäre es noch die alte ehrliche Wasserdiligence von Mainz, die freilich ein wenig langsam geht; aber sie ist jetzt aus der Mode gekommen, von der Neuheit verdrängt, wie vieles an und für sich gute Alte. Sie setzt zwar ihren gewohnten Lauf noch immer rüstig genug fort, doch die Gesellschaft, die man auf ihr antrifft, ist jetzt anderer Art, als wol früher; auch soll sie, wenigstens im Aeußern, etwas gebrechlich geworden sein. (…)

In Frankfurt kam es aber Niemand in den Sinn, daß man anders als mit dem Dampfschiff den Rhein hinunterreisen wollen könne, und es fehlte nicht viel, so hätten meine dortigen Freunde über meine von der Zerstörungskraft der beiden mächtigsten Elemente hergenommenen Gründe gegen diese Art zu reisen geradezu gelacht. Auslachen ist eine der kräftigsten Waffen gegen Vorurtheil, und Beispiel übt über Jung und Alt eine unwiderstehliche Gewalt. Täglich sah ich Freunde und Bekannte, die mehreremale blos zum Vergnügen das große Wagniß mit dem Dampfschiffe zu gehen ganz ungefährdet überstanden hatten; kommen so Viele glücklich davon, dachte ich endlich, nun so werde ich allein doch nicht bestimmt sein, mit der Geschichte meines traurigen Unterganges einen Zeitungsartikel füllen helfen zu müssen.

Das kleine frankfurter Dampfschiff, welches nach Mainz führt, war eben einer nothwendigen Reparatur wegen nicht im Gange, doch habe ich späterhin die Fahrt mit demselben versucht. Ich fand es höchst zierlich und bequem, zu einer Lustfahrt trefflich geeignet; aber schneller als zu Wagen gelangt man mit demselben nicht nach Mainz, und fällt dann sogleich beim Aussteigen, gewöhnlich in der Abenddämmerung, der Mauth in die unbarmherzigen Hände, muß halb im Dunkeln, unter freiem Himmel, von der Straßenjugend und andern zudringlichen Zuschauern auf das unverschämteste umdrängt, Koffer und Kisten öffnen lassen und läuft Gefahr, mit sinkender Nacht die halbe Stadt durchwandern zu müssen, ehe man in einem der vom Strom nicht zu weit entfernten Gasthöfe ein erträgliches Unterkommen findet, denn diese sind gewöhnlich alle von den das Dampfschiff erwartenden Reisenden überfüllt. Ich legte diesesmal den wirklich sehr angenehmen Weg von Frankfurt nach Mainz mit einem Miethwagen in kaum vier Stunden zurück. Der unbeschreiblich prächtige Anblick des Zusammenflusses der beiden mächtigen Ströme und der in der Abendsonne wunderbar leuchtenden Thürme von Mainz entzückte mich von Neuem, so oft ich ihn auch schon genossen. Die lustige Ceremonie am Mauthhause, der man nun einmal nicht entgehen kann, läßt sich im Wagen weit bequemer und ruhiger abmachen; man ist dabei wenigstens des unangenehmen Gefühls überhoben, dem neugierigen Pöbel ein Schauspiel geben zu müssen, und braucht nicht auf dem schlechten Steinpflaster von Mainz sich müde zu laufen, wenn man nicht sogleich in einem guten Gasthofe Platz finden sollte. (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828, Kapitel 4: Das Dampfschiff)

Johanna Schopenhauer quert das Rheinland im Eilverfahren und setzt zu einigem Westfalenbashing an

“(…) In Lille ließ ich ein paar Tage von unsern Freunden wie ein verzogenes Kind mich pflegen; in Lüttich, wo keine uns bekannte Seele lebte, mußte ich zum ersten Mal seit wenigstens zehn Jahren einen ganzen Tag im Bette zubringen, weil das schnelle Reisen meine Kräfte erschöpft hatte. Dann ging es nach dem nahen Aachen. Dort verbrannte ich in einem frisch aus der heißesten Quelle geschöpften Glase Wasser aus kindischer Neugier mir die Finger und verlor darüber einen nicht kostbaren, aber mir sehr werthen Ring; weiter weiß ich für diesmal von der uralten berühmten Kaiserstadt nichts zu bemerken.

Von der vortrefflichen Kunststraße, die jetzt von Köln nach Mainz längs dem Rhein durch das Paradies von Deutschland führt, war vor fünfzig Jahren noch keine Spur vorhanden; der Weg war theils unfahrbar, theils gefährlich und in keinem Fall uns zu empfehlen. Wir wandten uns also von Aachen geradezu nach Düsseldorf, um von dort aus durch Westphalen den kürzesten Weg nach Berlin einzuschlagen, ohne das wegen seiner Düsterheit damals verschrieene Köln mit seinen dreihundert Kirchthürmen, welche die Sage der frommen Stadt zuschrieb, zu berühren.

So viel ich von Düsseldorf, das ich seitdem nicht wieder gesehen, mich erinnere, machte die Stadt einen recht freundlichen Eindruck auf mich; die berühmte, damals noch nicht nach München abgeführte Bildergallerie war die erste bedeutende, die ich seit Berlin und Potsdam, oder vielmehr überhaupt gesehen, und staunend über den Reichthum, der hier sich mir offenbarte, schlich ich langsam durch die weiten Räume, bis ich vor Rubens’ jüngstem Gerichte stand. Auch dieses weltberühmte Gemälde habe ich seitdem nicht wieder erblickt, aber den gewaltsamen, ich kann sagen fürchterlichen Eindruck, den es auf mich machte, haben die fünfzig Jahre, die seitdem verstrichen sind, nicht völlig auslöschen können.

Alle diese wunderseltsam in einander verschlungenen nackten Leiber verzweifelnder oder zu Paradiesesseligkeit entzückter Menschen, die wilden Teufelsfratzen, die holden Engelsbilder, die alle zusammen rings um das kolossale Gemälde zu einem schauerlichen Kranz sich gleichsam verflechten! ich konnte vor innerem Grauen den Anblick kaum ertragen und auch nicht mich davon abwenden. Lange hat er wachend und im Traume mich verfolgt. Ich wünsche, das Gemälde jetzt wieder zu sehen, um es in der Wirklichkeit mit dem zu vergleichen, das noch immer meiner Phantasie davon vorschwebt.

Aber wie soll ich es anfangen, um die tragikomischen, oft unüberwindlich, oft unaushaltbar scheinenden Mühseligkeiten unserer ferneren Reise durch Westphalen gebührend zu beschreiben? diese mit großen rohen Feldsteinen überschütteten Straßen, welche die Leute Chausseen nannten, auf welchen wir Tage lang uns fortschleppen lassen mußten, wollten wir nicht zur Abwechselung auf dem daneben hinlaufenden sogenannten Sommerwege bis über die Achse in Koth versinken! (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Jugendleben und Wanderbilder)

Ah quel chien de pays!, schimpft die Schopenhauer gleich im Anschluß an obigem Textausschnitt auf Westfalen und berichtet wortreich über die Unbill dieses Landstrichs. rheinsein hingegen zieht sich vornehm aus der Berichterstattung zurück und verweist Interessenten an frühem Westfalenbashing auf das Projekt Gutenberg.

Coleridge über Köln

Cologne
In Köln, a town of monks and bones,
And pavements fang’d with murderous stones,
And rags, and hags, and hideous wenches;
I counted two and seventy stenches,
All well defined, and several stinks!
Ye Nymphs that reign o’er sewers and sinks,
The river Rhine, it is well known,
Doth wash your city of Cologne;
But tell me, Nymphs! what power divine
Shall henceforth wash the river Rhine?

On My Joyful Departure from the Same City
As I am rhymer,
And now at least a merry one,
Mr. Mum‘s Rudesheimer
And the church of St. Geryon
Are the two things alone
That deserve to be known
In the body and soul-stinking town of Cologne.

(Samuel Taylor Coleridge, 1828)

Bad RagARTz (2)

bad-ragartz

Das alpenrheinische Kurörtchen Bad Ragaz ist dank seiner dauerhaften und extensiven Skulpturenausstellung im öffentlichen Raum auch bekannt als Bad Ragartz. Dieses Ensemble mit dem Titel “Da geht mir der Hut hoch” fand sich vergangenen Sommer in der Nähe eines weiteren Werkes, des vielbeachteten “Fondueautomat”. Künstler leider unbekannt. (Hinweise willkommen.)

Manfred Schmidt in der Drosselgass

Manfred Schmidt, Autor und Zeichner der Nick Knatterton-Strips, wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. Die Zeit bringt in ihrer aktuellen Ausgabe Schmidt zu Ehren einen längeren Auszug aus seinen Reisereportagen, die dieses Jahr im Lappan-Verlag neu aufgelegt wurden. Schmidt beschreibt seine Teilnahme an einer typischen Schiffstour in den 60er Jahren, mit Abstecher ins Zentrum der kulissierten Rundumdieuhrrheinromantik: in die Drosselgass. Von Damen- und Herrenkegelvereinen ist die Rede und von Japanern, die ihrer rheinischen Freude mit „Deutschland über alles“ Ausdruck geben. Schmidt läßt sich auf seiner in Rüdesheim absolut sinnlosen Flucht vor den großen Rheinklischees von ausländischen Touristen den Gemütlichkeitsbegriff erklären, gerät von einem Massenbesäufnis ins nächste und landet schließlich, um darüber zu meditieren, warum die Rheintöchter ausgerechnet „Wigalaweia“ singen, mit einer persönlichen Bouteille oberhalb Rüdesheims in den von spontanen Sangestruppen durchzogenen Weinbergen, die nach Fisch riechen, weil die Winzer zwischen den Reben Heringe aufgehängt haben, um die Stare zu vertreiben.

“Als wir am Schloss Johannisberg vorbeifuhren, der Heimstätte eines der berühmtesten deutschen Weine, rief uns der Gong in den Salon. Dort gab es nicht etwa, wie ich im Stillen gehofft hatte, einen erlesenen Tropfen, sondern Tee und Kaffee. Ein diskret zuschlagender Pianist servierte Lieder, in denen »Rhein« sich immer wieder so glücklich auf »Wein« und »Mägdelein« reimt. Wie froh können wir sein, dass bei der Namensgebung der Wasserwege die Bezeichnung »Neiße« auf einen weiter östlich liegenden Fluss fiel und nicht auf Deutschlands rebenumsäumten Renommier-Strom.“

Manfred Schmidt: Reisereportagen, Lappan Verlag, Oldenburg 2013
346 Seiten, 19,95 Euro.

Cologne is one of the best cities in Germany

“Cologne is one of the best cities in Germany, seated upon the river Rhine; the streets are large, the houses high, the churches and monasteries great and numerous. The town-hall is a stately building; over the portal are written several Latin inscriptions, expressing the occasion of the building of this city by Agrippa, cousin to Augustus Caesar, scilicet, to hinder the incursions of the Suevi into the lower parts of Germany.
In the lower rooms are kept the courts of guards; in the first story the senate doth assemble; the second story contained a great number of Roman arms, distributed into several chambers; as also the third, scilicet, bucklers, some of which are whale-bone; cross-bows, and a great number of bolts. Amongst others there was one of those machines used by the Romans for a battery, called Ballista (…)
From the top of this house is an easy and pleasant prospect of the whole town, it being higher than any steeple there.
The cathedral is a fair church, but imperfect, neither the steeple nor body of the church being brought to their first intended height.
There they show several reliques; among others the bones of eleven thousand virgins of this country, who, for the more easy practice of their Christian religion, followed a king of England`s daughter to Cologne, and were all there martyrized with their leader, by a king of the Hunns.
The tombs of the three kings that came to worship our Saviour, first buried at Milan, and afterwards translated hither upon a certain day, which they observe as the greatest festival of the whole year. Their bodies, dried like mummy, are that day exposed to public view, the tomb being uncovered. One of them (they tell you) is much blacker than the rest, which they take to be the King of Aethopia. All the pilgrims (whose devotions lead them thither), that day, are treated and waited on at meat by the senators barefooted.
Near to this tomb lies a vast stone, which they tell you the devil threw in at the top of the church to destroy it, which heaven miraculously diverted; showing a round place in the repair of the roof, where it should enter. (…)
The next church of note is that of the Jesuits, built after the modern use: in the middle alley, going up to the choir, stand fourteen excellent statues, our Saviour`s with six of the apostles on one hand, our Lady`s with the other six, on the other side. (…)”
Der Zufall wollte, daß wir heute mit einem Kölner Stadtführer verabredet waren. Weil wir nichts von Reresbys Kölner “Jesuitenkirche” wußten, fragten wir bei derart passender Gelegenheit, ob es eine solche noch gäbe und er führte uns kurzerhand zu St. Mariä Himmelfahrt. Da wachen sie nach wie vor, die “fourteen excellent statues”. Gemeinsam klapperten wir weitere Innenstadtkirchen ab, erfuhren wo Karl Marx seine Schokolade trank, wie Georg Weerth in der Rheinischen Zeitung den Wortlaut offizieller Verlautbarungen im Feuilleton abdruckte und somit zur Satire umwertete und schlenderten durch längst verschwundene Gassen. Doch weiter im Reresby:
“The greatest part of the inhabitants of this city are Romanists, none being allowed the public practice of their religion but those; nor, by a late law, can any marry and settle amongst them, that is a protestant; which severity, with others in that kind, gives it the name of Roma Germanica.
The women here follow much the mode of Brabant, wearing upon their foreheads a round peak like unto a saucer, of black velvet; from the middle rises a black stalk of the size and length of a man`s finger, tufted with silk at the end; from the back of their heads there falls a black veil down to their heels, like widows. (…)
Here was born Bruno, the founder of that strict order of the Chartric, by the rules of which establishment the monks are never allowed to eat flesh, or to speak one to another, except at certain times, and those but few.”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

some laden mules falling down not long before we passed, were broken in several pieces

“(…) Three hours further we came to Weizen on horseback, and in the afternoon embarked upon another lake of the same name with the town, which at night brought us to Wallenstaff. From Wallenstaff we had very ill way (amongst hills covered with snow) to the town where we dined, called Regats; and in two hours from thence we passed the famous river of Reines, where it was not above half a yard deep nor eight yards over, within a mile of its first spring.
This river separates Switzerland from Roethia, or the country of the Grisons, which lies much among the Alps.
Roetia is a commonwealth of itself, governed much after the same manner as that of Switzerland, being with it joined in a perpetual league and friendship since the year 1489. The first canton is called Liga Grisa, or the Upper League; the second, Liga cas di Dio, or that of the House of God; the third, Liga delle Diex Communitate, or that of the Ten Communities; of which it consists.
In three hours after we had passed the Reine we arrived at Chur, the first town of this country, and indeed the only walled town of all the cantons, the rest being sufficiently fortified by nature amongst those craggy hills where they lie scattered. (…)
They hold that the first person that converted that country from paganism to christianity was one Lucius, an Englishman, in commemoration of whom there is a chapel, long since built on the side of the hill, where once a year they go in procession to pay their devotions.
From Chur we had ten hours to Borgon, where we rather chose to lie upon benches than in nasty beds. Here they began to speak a corrupt Italian mixed with Dutch. It stands at the foot of one of the highest Alps, called Albula. We were a great part of the next morning climbing of it; when we arrived at the top we happily found not much snow, and better weather, but the descent very dangerous and slippery, having lately thawed and frozen the night before, so that the passage was a continual ice, steep withal, and not a yard broad in some places. On the left hand of the way was the rise of the hill, on the right a steep descent, and so armed with the points of rocks, that some laden mules falling down not long before we passed, were broken in several pieces ere they came to the buttom. Here Mr. Berry, of our company, not willing to light as the rest did, fell down, horse and all; where he had certainly perished, had he not miraculously stopped upon a great stone ere he fell two yards, which saved them both from much harm. In seven hours we passed this hill, and about two in the afternoon came to Lepante, where we refreshed ourselves, and in three hours more came save to our lodging at Pontrazin, a very mean one, seated at the foot of the mountain Bellina. (…)”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

a word or two of the Suiss

“(…) But here a word or two of the Suiss. That they came originally from the Gauls, was the opinion in Caesar`s time, for he says, that they exceed the rest of the Gauls in deeds of arms. Suetonius also calls them Gens Gallica turbidi ingenii, an unquiet or troublesome sort of French, which two characters of stout and boisterous may not unfitly be applied to them at this day. Besides this, they are believed very faithful and trusty, which reputation (with that of their courage) prefers them before others to the service of the Pope, the King of France, and many other princes, as guards to their persons, and soldiers in their wars. But this fidelity is no longer binding than they are well paid, believing it no defamation of a true mercenary to mutiny for his pay, which gave rise to the proverb, point d`argent, point de Swisse; no pay, no Swiss.
They are of little stature, spread and strong, fair, hardy and inured to labour from their infancy; they never change their mode, which is great trunk breeches, slashed and laced with silk lace, the lining of some coloured stuff appearing underneath; they have doublets with long skirts and bonnets, for in towns the hats are forbidden.
What gentlemen may except from democrazy sufficiently appears in this, where there is none left that dare pretend to a better quality, one than another. A person of quality I met with at Chur, of that country, assured me, that though his ancestors had been barons, and himself seised of a good estate, as also of a castle which had formerly the privilege of a county palatine, he was forced to comply and associate himself with the meanest peasants, to avoid the jealousy and prejudice of his neighbours. The best man in town is commonly mine host, and should a traveller think himself imposed upon, or notoriously cheated in his reckoning, as strangers commonly are there, and go to complain to the chief magistrate, he would find his host the first man on the bench. They drink excessively, and the greatest affront you can do them is not to pledge them. Their festivals last hole days, none rising except it be for evacuation, till they be taken up. They lie between two feather beds, and use no hearths, but stoves. Their women are esteemed chaste, the coldness of the country rather inclining them to good fellowship than venery, which may be some reason why their country is most clear of the French pox, though others impute it to some occult quality in the air. (…)”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)