Wildes Köln

Rheinische Tierwelt im Bewegtbildformat: aktuelle Tierarten des Kölner Großstadtdschungels präsentiert eine bieder-niedliche, perfekt den Alltag abbildende, derzeit bei Arte auffindbare dreiviertelstündige Doku von Herbert Ostwald aus dem Jahr 2012.
Die Hauptparagrafen des Kölschen Grundgesetzes bilden die Leitlinien des Off-Kommentars zum Mit- und Gegeneinander von Nilgans, Schwan und Schmuckschildkröte im Mediapark. Der städtische Autoverkehr unterdessen zwingt Amseln und Meisen zu immer früherem und lauterem Gesang. (An die Anfangssequenzen aus Koyaanisqatsi gemahnende Aufnahmen beweisen die kölsche Jroßstädtischkeit.) Doch auch der Vogelfreund rüstet hoch: wir beobachten eine ältere Dame beim Abspielen einer Mauerseglerrufe-CD über die Außenlautsprecher an ihrer Hauswand.
Unterdessen bewohnen Füchse die Friedhöfe und Grünoasen. Erpel ertränken bei der Balz ihre Enten. Kaninchen allenthalben. Die Idee einer innenstädtischen Hoteldachimkerei findet Nachahmer. Eine Blaumeise nistet in einer Verkehrsampel. Seit wenigen Jahren ist der Mäusebussard zugewandert, auch gibt es nach geraumer Abwesenheit wieder eine Handvoll Wanderfalkenpaare in der Stadt. Nicht jedoch am Dom, der nurmehr Tauben und Krähen als Wohn- und Brutfels dient und dessen Schwarztönung von Blaualgenbewuchs rühren soll, falls wir diese Aussage des Sprechers nicht halluzinierten, denn bisher gingen wir fest davon aus, daß die Domschwärze eine Folge der megalopolen Luftverschmutzung sei. Nicht fehlen dürfen natürlich die Alexander- und Halsbandsittiche, die berühmten “kölschen Papageien”. Mittlerweile wird deren Leben sogar im Stile der „Fußbroichs“ als Realdoku an die Wände der U-Bahnhaltestelle Breslauer Platz projiziert.
Die Rothirsche aus dem Königsforst, die „größten Tieren Deutschlands“, sollen über eine Hirschbrücke über die Autobahn näher Richtung Stadtzentrum gelockt werden. Wir sehen Wollhandkrabben beim Dreikantmuschelnknacken im Rhein. Natürlich darf die beliebte, hier gelegentlich wiedergekaute Anekdote, daß diese eingeschleppten Krabben mit ihren Scheren Fischernetze durchzuschneiden in der Lage seien, nicht fehlen. Schließlich der Höhepunkt: ein nächtlicher Waschbär beim Kölschschlürfen in den Resten einer Thomas Klingschen Schrebergartenparty.


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