Monatsarchiv für Februar 2013

 
 

Presserückschau (Februar 2013)

Die Schlagzeilen des Februars beherrschte in rheinischer Hinsicht erwartungsgemäß der Karneval, der sich, inklusive diverser alkoholkatalysierter Sprünge und Stürze in den winterkalten Fluß, allerdings nicht maßgeblich vom Karneval der Vor-, Vorvor- und Vorvorvorjahre unterschied, weswegen wir auf diesbezügliche Pressezitate verzichten.

1
Was der Rhein so alles schluckt: „Im BASF-Werk (Ludwigshafen) sind 600 Kilogramm der Chemikalie Trilon B in den Rhein geflossen. Die Substanz gelangte durch eine undichte Stelle in das Kühlwasser und darüber in den Fluss. Sie kann schwere Augenreizungen und Gesundheitsschäden beim Einatmen hervorrufen. Das Unternehmen geht aber davon aus, dass in dem Fluss keine Schäden entstehen, weil die Menge gering gewesen und verdünnt worden sei.“ (Bild)

2
Über die invasiven Grundeln ist in den letzten Monaten viel berichtet worden. Neueste Feldforschungen ergaben, daß die Grundeln ihr Futter, Flohkrebse und einen Parasiten, den Plattwurm Pomphorhynchus tereticollis, gleich aus der ponto-kaspischen Region mitgebracht haben: „Die Grundel und ihre Lieblingsspeise, der Höckerflohkrebs, fungieren dabei für den Parasiten als Zwischenwirte: Den Flohkrebs benötigt er zur Entwicklung, die Grundel nutzt er als Transportwirt zur Verbreitung. Der Zielwirt dieses Parasiten sind jedoch größere Fische. Das aber bedeutet: Raubfische, die im Rhein die kleineren Grundeln fressen, infizieren sich dadurch ebenfalls mit dem Wurm. So verbreitet sich der Wurm stetig weiter“ schreibt das Wissensmagazin scinexx.de.

3
Die Havarie des Säuretankers „Waldhof“ auf Höhe der Loreley ist nach zwei Jahren und vielen Computeranimationen aufgeklärt, meldet die Frankfurter Rundschau: „Unter dem Säuretanker „Waldhof“ brodelte in der Nacht zum 13. Januar 2011 eine bedrohliche Strömung. Als er unterhalb der Loreley in die scharfe Kurve geht, sich zur Seite neigt und sich die flüssige Schwefelsäure in Bewegung setzt, kommt aus der Tiefe der entscheidende Stoß. Das Kentern des Schiffes kostet zwei Matrosen das Leben und zählt damit zu den folgenschwersten Unfällen am Rhein seit Jahrzehnten. Akribisch haben die Experten der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe das Rheinbett im Computer nachgeformt, das an dieser Stelle bis zu 22 Meter tief ist. (…) Auf einer dreidimensionalen Grafik sieht man schnelle rote und langsamere gelbe Strömungsstreifen unter dem Schiffsrumpf hindurchflitzen. Sie haben eine Art Unterdruck erzeugt und damit das bereits schrägliegende Schiff endgültig zum Kentern gebracht.“

4
„Aale fahren mit dem Taxi zum Rhein“ titelt die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Gemeint sind Main-Aale, die bei ihrer Wanderung zur Sargassosee im Rahmen des Programmes „Catch & Carry“, aufgelegt vom Fischerverband Unterfranken und der Rhein-Main-Donau-AG, vor den Turbinen der Main-Wasserkraftwerke gerettet und in Bottichen auf dem Landweg zum Rhein transportiert werden. Ähnliche Programme existieren an Mosel und Neckar. Ab dem Rhein ist der Weg der Aale turbinenfrei: „Für die Fischer war das neue Programm eine erlösende Nachricht. Seit 2008 dürfen sie keinen Aal mehr verkaufen, weil das fetthaltige Fleisch des Fisches EU-Grenzwerte bei Umweltgiften wie Dioxin überschreitet.“

5
Unsere liebste rheinische Mauer, die der Schleuse von Vogelgrun, wurde von einem niederländischen Tanker funktionsuntüchtig gerammt, vermeldet das Nachrichtenportal von t-online: „Ein Tankschiff hat eine Rheinschleuse bei Breisach in Südbaden gerammt und so stark beschädigt, dass sie nicht mehr funktioniert. Damit können Schiffe den Rhein bei Kilometer 224,54 erst einmal nicht mehr passieren. (…) Das Schiff geriet außer Kontrolle und krachte bei der Einfahrt erst gegen die Schleusentore und dann gegen die Mauer. Dabei wurde auch der Tanker schwer beschädigt (…). Menschen wurden nicht verletzt. Die Höhe des Schadens lässt sich bislang schwer schätzen. Die Ermittlungen führt die deutsch-französische Wasserschutzpolizei.“

6
„Irrer Architekten-Plan“ titelt in gewohnter Manier der Kölner Express. Der zur Überschrift gehörige Artikel handelt von ausrangierten Rheinschiffen, die zu schwimmenden Kindergärten umgebaut werden sollen: „Alte Kutter werden schicke Kitas – erste Entwürfe liegen der Stadtverwaltung bereits vor. Demnach soll der Bauch des Schiffsrumpfs als Grün- und Spielfläche dienen. Im Heck und Bug sollen helle Räume für die Pänz entstehen. Ein besonderer Clou des Konzeptes ist: Die Kita-Schiffe sind entlang des Rheins flexibel einsetzbar. Sie können dort vor Anker gehen, wo sie gerade gebraucht werden, etwa wenn in Rodenkirchen der Betreuungsbedarf akut wird.“

7
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet zum Abriß des Düsseldorfer Tausendfüßlers vom „Marsch der 35.000“: „Mit einem Spaziergang über die Hochstraße haben (…) rund 35 000 Menschen Abschied von dem abrissbereiten „Tausendfüßler“ in Düsseldorf genommen. Das Denkmal mitten in der Stadt war zuvor für den Autoverkehr gesperrt worden. Über die nächsten Monate soll der „Tausendfüßler“ (…) Stück für Stück abgetragen werden. Düsseldorfer und Auswärtige nutzten die Gelegenheit, über die skurrile Stelzenstraße zu flanieren und sich mit Hammer und Meißel einen Teil des außergewöhnlichen Bauwerks herauszuschlagen.“

Der Rhein fließt sich selbst zu

“Der Rhein entspringt westlich von Dodenom. Er fließt zunächst in östlicher Richtung, wechselt dann bei Dodenom nach Süden und vereinigt sich schließlich mit dem Altbach zur Boler. Der Rhein wird oft auch als Zufluss der Boler betrachtet. Die Boler fließt zunächst in südöstlicher, dann in südlicher Richtung bis sie Haute Parthe erreicht. Dort wird sie auf ihrer rechten Seite vom Klingelbach gespeist. Die Boler schlägt nun einen kleinen Bogen, fließt Basse Parthe kurz nach Norden und wendet sich dann in Richtung Osten, wobei sie stark mäandert. Sie passiert nun das gleichnamige Dorf Boler, fließt danach südlich an Breistroff-la-Grande-Évange vorbei. Kurz bevor sie in Fixem ankommt, fließt ihr auf ihrer linken Seite der aus Nordwesten kommende Faulbach zu. Sie umfließt Fixem von Norden und wird kurz darauf auf ihrer linken Seite vom Beyren gestärkt. Die Boler fließt nun südwärts, läuft dann am Westrand von Gavisse entlang und mündet schließlich auf der gegenüberliegenden Seite von Malling auf einer Höhe von etwa 146 m in die Mosel. Die Mosel entspringt nahe dem Col de Bussang in den südlichen Vogesen auf 715 Meter Höhe und mündet nach 544 Kilometern am Deutschen Eck (59 m ü. NN) in Koblenz von Westen in den Rhein.”
(Quellen: Wikipedia, Wikipedia, Stand: jeweils 27. Februar 2013)

Raum – Zeit – Rhein (4)

(XV)
Wo der Rhein überall auftaucht, ist erstaunlich. Nicht erst das Internet hat die Verbreitung des Rheins gefördert. Sein krampfgeädertes (und entsprechend bekämpftes) Ästuar hat zwar als Sternbild am Himmel noch keine namentliche Entsprechung, auch wird das Weltall meist nicht als Fluß (die Sterne nicht als Fische) dargestellt: die flußistische Denk- und Glaubensfase steht der Menschheit erst noch bevor: ihre maßgeblichen Vordenker werden elektronische Filosofen sein, die der menschlichen Selbstbewichtigung entbehren.
Auf Erden indes verströmt sich der Rhein, indem er über sich hinaus weist, in Pfützen, Städten, Büchern. Wenn Guillaume Lejean in den 1860er Jahren Victor Hugos illustrierten Rhein mit ins abyssinische Hochland schleppt, wovon spricht das? Schafft ein deutscher Dichter unweigerlich einen symbolischen Akt, indem er seine Rheinverse in den Bosporus wirft? Modern wirkende Überlagerungen müssen nicht auf romantischen Sehnsüchten basieren. Sie sind viel länger schon modern als gedacht, bereits die Romantik war zu erheblichen Teilen ein virtuelles Produkt, und nicht zuletzt unterliegt jede Deutung von Moderne und Moden, in deren Kern das Verb modern wirkt, aktuellen Moden.

(XVI)
Wenn bei BASF eine Chemikalie namens Trilon B in den Rhein einläuft, erweckt das eine ganze Mindmap unguter Bezugspunkte. Die Namensnähe zu Zyklon B, die Herstellergenealogie, der rote Rhein bei Basel, die B-Bezüge wie Brunnenvergiftungslegenden. Und sausendes Gift aus tausend Lüften. Gorrhs toter Atem. Intravenöse Leitungen. Trilon B, das könnte auch der Name für einen Klonlurch sein, der gollumsch aus dem Wasser klettert, rasch evolviert und mit paßbildartigen Gesichtszügen die heikle Entwicklungsabteilung eines Farmakonzerns leitet.

(XVII)
Der Ursprung des Rheins liegt jenseits wissenschaftlicher Meßtechniken. Er liegt mitten im System, das er speist, seine Koordinaten sind rhetorisch eingrenzbar, bleiben im Kern mythisch. Anders gesagt, wenngleich hoch gepokert: der Rhein entspringt aus Gott.

Rheinische Küche (3)

Rheinischer Sauerbraten wird traditionell aus der Oberschale vom Pferd zubereitet.

Für vier Personen
:
1 kg Pferdefleisch

Für die Beize:
1/2 Liter Wasser
1/2 Liter Kräuteressig
1-2 Möhren
1-2 Zwiebeln
Gewürznelken
Wacholderbeeren
Senfkörner
Lorbeerblätter
nach Geschmack auch Majoran, Rosmarin
Salz

Für die Soße:
150 Gramm Rosinen
2 Eßlöffel Korinthen
1 Zwiebel
1 Eßlöffel Apfelkraut
Salz
Schwarzer Pfeffer
Sahne
3 Aachener Printen

Zubereitung:
1 Zunächst wird die Marinade aus fein gewürfeltem Gemüse mit den Gewürzen aufgekocht. Die Marinade erkalten lassen und anschließend über das Fleisch gießen. Das eingelegte Fleisch sollte nun sieben Tage unter gelegentlichem Wenden an einem kühlen Ort den Geschmack der Beize aufnehmen.
2 Das Fleisch gut abtropfen lassen und in einem Bräter in geschmacksneutralem Fett scharf anbraten. Rosinen, Korinthen und Zwiebel zugeben und mitbrutzeln lassen, dann einen Teil der Marinade zugießen.
3 Nun den Braten unter gelegentlichem Angießen zwei Stunden schmoren lassen.
4 Apfelkraut, Salz, Pfeffer, Sahne und geriebene Printen zugeben, bis die Soße schön sämig ist.
Eine typisch rheinische Beilage dazu sind Reibekuchen mit Apfelmus.

(Quelle: Herrn Topowskis Lieblingsrezepte aus aller Welt)

Aufm Drachenfels (3)

drachenfels_graffito

Achtung, Steinschlag! (Bild: Roland Bergère)

Alexandre Dumas über den Drachenfels

Au village de Rhungsdof, au bord du Rhin, nous trouvâmes plusieurs barques à l’affût des voyageurs ; en quelques minutes encore nous fûmes transportés à Koenigswinter, joli petit bourg situé sur l’autre rive. Nous nous informâmes de l’heure à laquelle passait le bateau à vapeur, on nous répondit qu’il passait à midi. Cela nous donnait une marge de près de cinq heures ; c’était plus de temps qu’il n’en fallait pour visiter les ruines du Drachenfelds.
Après trois quarts d’heure de montée à peu près, par un joli sentier qui contourne la montagne, nous arrivâmes au premier sommet, où se trouvent une auberge et une pyramide.
De cette première plate-forme, un joli chemin tournant et sablé comme celui d’un jardin anglais conduit au sommet du Drachenfelds. On arrive d’abord à une première tour carrée, dans laquelle on pénètre assez difficilement par une crevasse ; puis à une tour ronde, qui, entièrement éventrée par le temps, offre un accès plus facile. Cette tour est située sur le rocher même du Dragon. Le Drachenfelds tire son nom d’une vieille tradition qui remonte au temps de Julien l’Apostat. Dans une caverne que l’on montre encore, à moitié chemin de la montagne, s’était retiré un dragon énorme, si parfaitement réglé dans ses repas que lorsqu’on oubliait de lui amener chaque jour un prisonnier ou un coupable, à l’endroit où il avait l’habitude de le trouver, il descendait dans la plaine et dévorait la première personne qu’il rencontrait. Il est bien entendu que le dragon était invulnérable.
C’était, comme nous l’avons dit, au temps où Julien l’Apostat vint avec ses légions camper sur les bords du Rhin. Or, les soldats romains, qui n’avaient pas plus de vocation pour être dévorés que les naturels du pays, profitèrent de ce qu’ils étaient en guerre avec quelques peuplades des environs pour nourrir le monstre sans qu’il leur en coûtât rien. Parmi les prisonniers, il se trouva une jeune fille si belle que deux centurions se la disputèrent, et qu’aucun des deux ne voulant la céder à l’autre, ils étaient près de s’entrégorger, lorsque le général décida que, pour les mettre d’accord, la jeune fille serait offerte au monstre. On admira fort la sagesse de ce jugement, que quelques-uns comparèrent à celui de Salomon, et l’on s’apprêta à jouir du spectacle.
Au jour dit, la jeune fille fut conduite, vêtue de blanc et couronnée de fleurs, au sommet du Drachenfelds : on la lia à l’arbre, comme Andromède à son rocher ; seulement elle demanda qu’on lui laissât les mains libres, et l’on ne crut pas devoir lui refuser une si petite faveur.
Le monstre, nous l’avons dit, avait une vie très régulière, il dînait comme on dîne encore en Allemagne, de deux heures à deux heures et demie. Aussi, au moment où il était attendu, sortit-il de sa caverne et monta-t-il, moitié rampant, moitié volant, vers l’endroit où il savait trouver sa pâture. Il avait l’air, ce jour-là, plus féroce et plus affamé que d’habitude. La veille, soit hasard, soit raffinement de cruauté, on lui avait servi un vieux prisonnier barbare, fort dur et qui n’avait que la peau sur les os ; de sorte que chacun se promit un double plaisir de ce redoublement d’appétit. Le monstre lui-même, en voyant quelle délicate victime on lui avait offerte, en rugit de joie, fouetta l’air de sa queue écaillée et s’élança vers elle.
Mais lorsqu’il était prêt à l’atteindre, la jeune fille tira de sa poitrine un crucifix et le présenta au monstre. Elle était chrétienne.
À la vue du Sauveur, le monstre resta pétrifié ; puis, voyant qu’il n’y avait là rien à faire pour lui, il s’enfuit en sifflant dans sa caverne.
C’était la première fois que les populations voyaient fuir le dragon. Aussi, tandis que quelques-uns couraient à la jeune fille et la déliaient, le reste des habitants poursuivit le dragon, et encouragé par sa frayeur, introduisit dans la caverne force fagots sur lesquels on versa du soufre et de la poix résine, puis on y mit le feu.
Pendant trois jours la montagne jeta des flammes comme un volcan ; pendant trois jours on entendit le dragon se débattre en sifflant dans son antre ; enfin les sifflements cessèrent : le monstre était rôti.
On voit encore aujourd’hui la trace des flammes et la voûte de pierre, calcinée par la chaleur, s’écraser en poussière aussitôt qu’on la touche.
On conçoit qu’un pareil miracle aida fort à la propagation de la foi chrétienne. Dès la fin du IVe siècle, il y avait déjà force sectateurs du Christ sur les bords du Rhin.

(Le rocher du dragon aus Alexandre Dumas: Divers contes)

Virtueller Rhein (2)

crysis_cologne

“Stürze dich erneut als Prophet in den Kampf! Der Nanosuit-Soldat will die Welt von den Ceph-Invasoren und der korrupten CELL Corporation befreien. Passe dich mit den Tarn- und Panzerungsfähigkeiten deines einzigartigen Nanosuits an jede Situation an (…)! Entfessle die Feuerkraft deines brandneuen Hightech-Bogens und zahlreicher Alien-Waffen, um sowohl menschliche als auch außerirdische Feinde zu jagen! Enthülle außerdem die Wahrheit über den Tod deines Trupps, während du in einer raffinierten Story voller aufregender Wendungen die Macht des menschlichen Willens wiederherstellst!”

Crysis 3, der neue Crytek-Shooter aus dem Hause Electronic Arts, spielt eigentlich im New York des Jahres 2047. Um die deutschen Fans des morgen erscheinenden Spiels anzusprechen, hat Electronic Arts auf Facebook auch Grafiken hiesiger Städteszenarien im Crysis-Endzeit-Stil eingestellt. (Bild: Crytek/EA)

Rheinische Küche (2)

fleischwurstpokal

Es darf gekalauert werden, denn skandalöserweise ist Pferdefleisch, eine traditionelle Spezialität des Rheinlands (oben zertifiziert von der ehemaligen Umweltministerin NRWs, Bärbel Höhn), in aller Munde geraten. Erste Forderungen, ha!, nach PS-Angaben auf Tiefkühl-Lasagne werden laut, Lipizzaner(-haha!)-Pizza bereichert das kulinarische Basisangebot und “Geiz ist Gaul” gilt, hahaha!, als Top-Slogan des noch jungen Jahres. Die seinerzeit mit Silber ausgezeichnete Pferdefleischwurst gibt es in Moers zu erstehen, und auch im rechtsrheinischen Köln existiert eine reine Pferdemetzgerei, welche die Vorzüge von Pferdefleisch mit “wohlschmeckend und gesund, enthält reichlich Vitamin A und C und Kalzium und ist weniger fett als Rind und Schwein, deshalb kalorien- und cholesterinärmer” bewirbt.

Mit dem Faltboot von Karlsruhe nach Köln (2)

3_strand

Selvatisch-unberührt wirkt diese auenwaldbestandene Strandbucht südlich von Ginsheim. Von einem Altrheinarm umschlossen ist der Flecken nur übers Wasser zugänglich.

3_urwald

Bei dem üppigen Baumschwamm könnte es sich um den Gemeinen Schwefelporling handeln.

3_linker schuh

Völlig unberührte Natur ist rheinlängs nahezu auszuschließen. So hat der Fluß, der vieles Geheimnisvolle in sich trägt, etwa diesen linken Schuh ins Uferidyll gespuckt. Beachtlich vor allem, daß hiermit ein linker Schuh beweiskräftig ans rechte Ufer fand. Unsere Theorie bezüglich der rheinischen Schuhdrift bedarf offenbar einer Erweiterung.

3_walking-on-the-water

Auf Höhe Oppenheim gelang dem Fotografen dieses Zeugnis eines Nachahmungsversuchs der historischen Wandelgänge Jesu über den See Genezareth. (Bilder: Stefan Mittler)

Virtueller Rhein

rhine-valley-v1.1Wir sehen einen Trecker über eine Rheinbrücke knattern, aus dem Auspuff stoßen stilecht Stichflamme und schwarzer Qualm. Der Fluß wirkt ein wenig gestaucht. Es handelt sich um einen Screenshot aus Rhine Valley V1.1, einem am Rhein angesiedelten Computerspiel, bei dem es darum geht, einen unrentablen Bauernhof wieder auf die Beine zu stellen. Die Landschaft sei ein wenig derjenigen des Bonner Ostens nachempfunden, es gibt u.a. ein Fachwerkdorf und mancherlei landwirtschaftliche Maschinen zu bestaunen und einzusetzen. Hier geht es zur ausführlichen Spielbeschreibung und zum Download.

Wem gehört Paradise Island?

Aufgrund eines Berechnungsfehlers an den Führungsdämmen der Vorarlberger Rheinmündung entsteht im Areal Rorschach-Bregenz-Lindau eine neue Bodenseeinsel von der anderthalbfachen Größe der Reichenau. Weil auf dem Bodensee, ein völkerrechtliches Unikum, keine Landesgrenzen gezogen sind, erwächst mit der neuen Insel, die bereits Flora und Fauna anlockt, zugleich ein Eldorado für Aktivisten und Spekulanten verschiedener Couleur. Während die ratlosen, weil nicht zuständigen Länderregierungen das Fänomen mittels Verschweigen zu kontrollieren trachten, taufen Naturschützer das unbedingt vor der Menschheit zu schützende Neuland vom Festland aus auf den Namen Wildau. Doch schon bald ist die Niemandsinsel von Menschen besetzt: eine Gruppe junger Leute will mitten im Bodensee, “auf Glückau”, ihre Gesellschaftsutopien austesten. Aus Protest gegen diese Okkupation setzen sich nun auch die Naturschützer auf der Insel fest, die, ihrer ursprünglichen Wildheit beraubt, kurzerhand in Schönau umbenannt wird. Alsbald werden beide Aktivistengruppen von Baulärm überrascht: in einer Nacht- und Nebelaktion läßt der für seine Beziehungen zu den Emiraten bekannte Baulöwe Wildgruber Fundamente für die Hochhäuser einer ganzen Bankenstadt auf “Paradise Island” anlegen. Denn Wildgruber spekuliert auf das Ende des Schweizer Bankgeheimnisses und setzt auf gigantische Geschäfte mit einer neuen Steueroase.

Die gesamte Geschichte von Udo Zindel über das wundersame Auftauchen von Neuland im Bodensee ist nachzuhören unter dem Titel Wem gehört Paradise Island? im Archiv der SWR2-Sendung Wissen.

Des Pudels Kern

vernet_le-chienUnd gleich im Anschluß noch das von Dumas erwähnte Gemälde Vernets: Le chien du régiment. Es zeigt den titelgebenden Regimentsbarbet, wie er im Schlachtgeschehen von zwei Kugeln verwundet von seinen Waffenbrüdern notversorgt wird.
Dumas nahm offenbar den Barbet aus Vernets Gemälde zum Vorbild für seinen St. Goarer Regimentspudel. Grund für die Rassenverschiebung mag gewesen sein, daß der Barbet zu Zeiten Dumas` allmählich aus der Mode gekommen und vom äußerlich recht ähnlichen Pudel abgelöst worden war; ob es sich bei Dumas` literarischer Pudelisierung um Nachlässigkeit, Verwechslung oder bewußte Umdeutung handelt: wir werden es wohl nie erfahren.
An St. Goar erinnert auf Vernets Gemälde desweiteren das, bei Dumas von Pistolenkugeln durchlöcherte, Holzfaß, sonst aber wenig: St. Goar fiel 1794 kampflos an die französischen Revolutionstruppen.
Um ihn mit der Aura des Abenteuers zu umgeben, versetzt Dumas (Vernets Gemälde datiert nach Dumas auf 1809, nach anderer Quelle, die uns wahrscheinlich dünkt, auf 1819) seinen St. Goarer Pudel also literarisch-leichtfertig, gleichsam im Schnelldurchlauf, in die napeoleonische Epoche mit ihren Schlachten und dichtet ihm schließlich den Kältetod auf dem Rückzug des napoleonischen Rußlandfeldzugs an.

Saint Goar le batelier (2)

Effectivement, quelques semaines après le passage de l’empereur, saint Goar reçut les deux objets promis. Tous deux étaient l’ouvrage de l’enchanteur Merlin, et avaient chacun une propriété particulière. Le tonneau, tout au contraire de celui des Danaïdes, était toujours plein, pourvu qu’on n’en tirât le vin que par le robinet ; quant au collier c’était bien autre chose.
Dans l’épanchement du tête-à-tête, saint Goar s’était plaint à Charlemagne de la mauvaise foi des infidèles, qui maintenant qu’ils savaient les habitudes de saint Goar, au lieu d’avouer leur hérésie, répondaient tout bonnement qu’ils étaient chrétiens, traversaient le fleuve, protégés par ce titre, et, quand ils étaient sur l’autre rive, buvaient son vin et s’en allaient en lui faisant des cornes. Il n’y avait pas de remède à cela, rien ne ressemblant à un chrétien comme un infidèle qui fait le signe de la croix.
C’était à cet inconvénient que l’empereur Charles avait promis d’obvier, et c’était pour tenir sa promesse qu’il envoyait le collier préparé par Merlin.
En effet, le collier avait une vertu particulière. À peine avait-il touché la peau qu’il sentait à qui il avait affaire : si c’était à un chrétien, il restait dans son statu quo, et laissait tranquillement passer le vin de la bouche à l’estomac ; si c’était à un infidèle, il se resserrait immédiatement de moitié, de sorte que le buveur lâchait le verre, tirait la langue et tournait de l’oeil. Alors, saint Goar, qui se tenait près de lui avec une tasse pleine d’eau, le baptisait lestement, et la chose revenait au même. C’étaient donc deux cadeaux inappréciables et bien faits pour aller ensemble que celui du tonneau et du collier.
Saint Goar sentit la valeur de ce don ; aussi, non seulement pendant toute sa vie en fit-il usage, mais encore ordonna-t-il aux moines, qui s’étaient réunis à l’entour de lui, et qui de son vivant avaient fondé une abbaye dont il était le supérieur, d’en faire usage après sa mort. Les moines n’y manquèrent pas, et le collier et le tonneau miraculeux traversèrent les siècles en conservant leur puissance.
Malheureusement, en 1794, les Français s’emparèrent de Saint-Goar tellement à l’improviste que les moines n’eurent point le temps de sauver leur tonneau. En entrant au couvent, le premier soin des vainqueurs fut de descendre à la cave, et comme par un seul robinet le vin ne coulait pas à leur soif, ils employèrent l’expédient en usage en pareil cas, et lâchèrent trois ou quatre coups de pistolet dans la bienheureuse futaille, sans se donner la peine de boucher le trou des balles. Le soir, le régiment était ivre, mais la tonne, dont le charme se trouvait rompu, était à tout jamais vide.
Quant au carcan, le tambour-maître l’avait pris pour en faire un collier à son caniche, et les amateurs d’archéologie peuvent le voir tel qu’il était encore en 1809, dans le joli tableau d’Horace Vernet, intitulé le Chien du régiment.
Mais depuis 1812 on ne sait pas ce qu’il est devenu, le pauvre caniche ayant été gelé avec son maître dans la retraite de Russie.

(Alexandre Dumas: Divers contes. Lohnenswerte Quelle: Ebooks libres et gratuits)

Saint Goar le batelier

Saint Goar est non seulement un débarcadère, mais encore un pèlerinage. Autrefois un beau château fortifié veillait sur la ville, mais en 1794 nous en avons fait sauter les murailles. Un aubergiste est entré par la brèche et y a bâti une auberge.
Quant au vieux saint qui avait donné son nom à la ville, il a bien perdu matériellement quelque chose aussi au passage des Français ; mais moralement, il a conservé une influence encore fort raisonnable pour le XIXe siècle.
Voici comment saint Goar a mérité cette grande réputation qui, de nos jours encore, s’étend depuis Strasbourg jusqu’à Nimègue.
Saint Goar était contemporain de Charlemagne, et par conséquent assistait à la lutte du grand empereur contre les infidèles. Pendant longtemps le saint regretta amèrement de ne pouvoir aider le fils de Pépin autrement que par ses prières. Saint Goar était non seulement ermite, mais encore batelier. Il se livrait à ce regret tout en allant prendre sur la rive droite du Rhin un voyageur qui lui avait fait signe de le venir chercher, lorsque tout à coup il lui vint une idée qui lui parut être tellement une inspiration du ciel qu’il résolut de la mettre à l’instant même à exécution.
En effet, à peine saint Goar se trouva-t-il avec le voyageur au milieu du Rhin, c’est-à-dire à l’endroit où le fleuve est le plus rapide et le plus profond, que, cessant tout à coup de ramer, il demanda à son passager de quelle religion il était, et ayant appris qu’il avait affaire à un hérétique, il quitta la rame, se jeta sur lui, le baptisa en un tour de main, au nom du Père, du Fils et du Saint-Esprit, et aussitôt, de peur qu’un baptême ainsi administré perdît de sa vertu, il jeta le nouveau converti dans le fleuve, qui l’emmena tout droit dans le paradis. La même nuit, l’âme du noyé apparut à saint Goar, et, au lieu de lui faire des reproches sur la manière tant soit peu brutale dont il l’avait forcée de sortir de ce monde, elle le remercia de lui avoir procuré la félicité éternelle. Il n’en fallut pas davantage au saint, avec les dispositions naturelles qu’il avait, pour le lancer dans cette nouvelle voie convertissante ; aussi, à partir de ce moment, y eut-il peu de jours qui ne fussent marqués par une conversion nouvelle. Quand il avait affaire à un chrétien, au contraire, saint Goar ne se contentait pas de lui faire traverser le Rhin, il le conduisait à son ermitage, et là il partageait avec lui les dons que la piété des fidèles y entassait avec une prodigalité qui, en s’augmentant d’heure en heure, prouvait que la réputation du saint grandissait à vue d’oeil.
Or il arriva que cette grande réputation parvint jusqu’à Charlemagne, qui, en sa qualité de connaisseur, appréciait le moyen de conversion adopté par saint Goar, et résolut de ne point laisser un si puissant auxiliaire sans récompense. Il vint donc comme un simple étranger pour passer le Rhin, et ayant fait le signe accoutumé, il vit venir à lui le bon ermite ; mais son désir de passer le fleuve incognito fut sans résultat, car Dieu avait empreint sur sa face une telle majesté, que saint Goar le reconnut avant même qu’il n’eût mis le pied dans la barque.
Un pareil hôte devait laisser trace de son passage ; aussi, arrivé à l’autre bord, et ayant bu d’un petit vin qui lui parut agréable, Charlemagne demanda des renseignements sur la terre qui le produisait, et, ayant appris qu’elle était à vendre, il l’acheta et en fit don à l’ermite, lui promettant de lui envoyer de plus un tonneau et un collier.

(Alexandre Dumas: Divers contes. Lohnenswerte Quelle: Ebooks libres et gratuits)

Mainz, wie es schunkelt

Als Netzfund der Kategorie “semi-bizarrer Beifang” möchten wir das Lied Mainz, wie es schunkelt bezeichnen, das im Dritten Reich als “Schunkelschlager mit militärischen Bläsereinsätzen” offenbar zum Karnevalsrepertoire des Mainzer Lokalmatadors Ernst Neger gehörte. (Nebenbei: welch großartiger Name: Ernst Neger! Dazu kommt uns unvermittelt die jüngste Diskussion um den Austausch vorgeblich diskriminierender Begriffe in Kinderbuchklassikern von Otfried Preußler und Astrid Lindgren vermittels modernerer, vorgeblich wertneutraler Formulierungen in den Sinn. Sollte die political correctness einst auf breiter Front siegen, wird dann auch Ernst Neger umbenannt werden müssen/dürfen? Und was ist mit dem noch viel berühmteren Fall Arnold Schwarzenegger? Anfang der 90er machten uns ghanaische Kommilitonen und Fans des testosterongeladenen Actiontrashs freudestrahlend auf dessen “Pseudonym” aufmerksam: “Weißt du, warum der sich “Schwarz-Neger” nennt? Wow, ist das cool!” Schwarzeneggers Name wurde von unseren Freunden, nicht ohne einen kräftigen Spritzer Humor, als Anbiederung an sein afrikanisches Publikum aufgefaßt. Diskriminierung scheint immer eine Frage der Perspektive, die selbstredend wechseln kann, sei es, z.B., durch gesellschaftlichen Auf- oder Abstieg, Nationalitätenwechsel oder Umpigmentierung. Quod licet Iovi non licet bovi, läßt sich die wohlmeinende Perspektive der Korrektheitsmahner zusammenfassen, die zumeist von einer mißgeleiteten und somit zu brechenden männlich-weiß-europäischen Mehrheits- und Machtperspektive ausgehen, deren Sinn für einseitige Filisterei kein geringer und deren Humorverständnis bisweilen komplexen, selbst erstellten Paragrafenwerken zu folgen scheint. Die Debatte lasen wir ergo, einmal mehr, als eine, die in erster Linie der Deutungshoheit und erst in zweiter, dritter oder garnicht schwerwiegenden persönlichen Erfahrungen, die nach Wandel schrieen, gewidmet war.) Unsere Quelle datiert das Lied, um das es hier eigentlich, wenngleich nur als Beifangausstellung geht, drei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Im Text, der grob mit dem “Der Wacht am Rhein” verquirlt wurde, heißt es in einer für den Landstrich typischen Melange aus rheinischem Fatalismus und zugleich einer mitläuferisch-subtilen Anpassung an tausendjährige Ideen:

“Die Welt, die geht rauf und geht runter
Es knallt und es kracht auch mitunter
Wenn alle die Nerven verliern
Uns kann doch gar nix passiern!

Die Lorelei hält immer noch jahraus, jahrein
Die Wacht am Rhein, die Wacht am Rhein!
Den großen Fels, den kriegen die auch niemals klein
Die Wacht am Rhein, der Wacht am Rhein!

Der Stein der Lorelei wird nie im Rhein versinken
Das wird in tausend Jahren noch wie heute sein”