Wolken bauen

(bâtir des nuages – building clouds) lautet der Titel der kommenden Samstag eröffnenden neuen Ausstellung von Roland Bergère in Neuss. Monsieur Bergère ist nicht nur von Beginn an als rheinsein-Chefkorrespondent für frankorheinische Angelegenheiten unermüdlich tätig, sondern mindestens ebenso und noch sehr viel länger als in Köln und weit darüberhinaus wohlbekannter Künstler. Mit Wolken bauen bezieht Bergère sich auf ein Zitat Ludwig Wittgensteins: „Wolken kann man nicht bauen. Und darum wird die erträumte Zukunft nie wahr.“ Eine Aussage, die tatkräftigen Widerspruch geradezu herausfordert.

Nebst dem Wolkenbau widmet sich die Ausstellung u.a. den universellen Prinzipien der Expansion und des Auseinanderdriftens. Bergères Ausstellungen sind von langer Hand vorbereitet. In den Planungen für die aktuelle Präsentation spielte auch der Rhein eine maßgebliche Rolle. So werden Bilder von Anschwemmseln aus der Serie “Strandgüter des Hubble-Flusses” zu sehen sein, die Bergère während eines Jahres bei seinen Uferspaziergängen fotografierte, auf handgeschöpftes Papier bannte und wiederum vom Rhein beschwemmen ließ.

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Zwei Einsichten in den Rheingüter-Produktionsprozeß Höhe Rodenkirchen.

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Die Ausstellung findet vom 26. Januar bis zum 6. April 2013 im ebenfalls rheinverbundenen amschatzhaus, Hauptstr. 18, Neuss-Holzheim statt.
Vernissage ist am 26. Januar um 16.30 Uhr.


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Ein Kommentar zu “Wolken bauen”

  1. Stan Lafleur
    19. Januar 2013 um 01:44

    Und hier der Ankündigungstext der Galerie:

    Die Feiertage sind vorbei und das neue Jahr wirft seine Schatten voraus. Am Samstag, den 26. Januar 2013 präsentiert die Galerie amschatzhaus zum zweiten Mal den in Köln lebenden, französischen Künstler Roland Bergère. Sein Werk ist wie kaum ein zweites mit Poesie verwoben und philosophisch grundiert. Seit Jahren schon arbeitet er an seinem „schweigenden Archiv“, das eine buchstäblich paradoxe Methode verfolgt. Archive sind der Inbegriff des Gedächtnisses, des Bewahrens, aber auch der Zugänglichkeit von Erinnerung. In diesem Sinne sind Archive höchst beredt, liefern uns einen lebendigen Zugang zur Geschichte.

    Roland Bergères künstlerisches Archiv implementiert das faktische Gegenteil: Hier werden zahlreiche Ideen, Skizzen, Zeichnungen und Gedanken miteinander verklebt, dadurch unkenntlich, unleserlich gemacht, aber in dieser skulpturalen Form auch bewahrt, also durchaus „archiviert“ – nur dass niemand mehr dieser Informationen teilhaftig werden kann. Dieses Archiv verschweigt sie, enthält sie dem Betrachter bewusst vor. Auch seine aktuelle Ausstellung „Wolken bauen“ stellt sich in diese Denk- und Arbeitsrichtung, die hier gezeigten Arbeiten bezeichnet Bergère gewissermaßen als „Wolken“, also scheinhafte Wesensformen, die das Archiv umschweben: Man kann sie, wie er selber sagt, „anschauen, interpretieren, emotional nach- oder umformen, sie als sinnvoll loben oder als sinnlos brandmarken, man kann über sie lachen und sie beweinen, sich danach sehnen und sie daher auch kaufen!“ Man kann sie verfluchen, ablehnen, bewundern, das alles tue der Betrachter angesichts des ästhetischen Scheins. Dieser aber sei notwendig, so Bergère, denn die Entwicklung, die sich darin ausdrückt, die Methode, diese Arbeit durchzuführen ebenso wie die Durchführung selbst, sie erzeugen ein Gefühl von Zeit, das der Künstler zu erkunden und wahrzunehmen versucht, den „Duft der Zeit“ (Meister Eckhart). Dabei fallen eine Menge von Nebenprodukten ab, Schrift, Zeichen, Figuren, die in das Archiv übergehen. Je mehr das Archiv wächst, desto näher rücke, so Bergère, die erträumte Zukunft, nämlich das Archiv selbst.

    Konkret wird die Ausstellung unter anderem zeichnerische Exerzitien beinhalten, wie „Chaque jour est une montagne à descendre“ (Jeder Tag ist ein Berg, den es herabzusteigen gilt) – insgesamt 694 seriell angefertigte Zeichnungen des Berges, ähnlich den japanischen Darstellungen des Fujihamas. Allerdings ist das Vorbild, dem Bergère sich mit gleicher Leidenschaft widmet wie die alten japanischen Aquarellisten nur ein Handtuch, anti-künstlerisch, nihilistisch und doch genauso ernst wie Zen-Malerei. Außerdem werden digitale Arbeiten zu sehen sein, Fotos und Künstlerbücher, von denen Bergère seit vielen Jahren eine enorme Menge gestaltet hat – hier u.a. sein Werk über „hasard et nécessité“ (Zufall und Notwendigkeit), das sich auf Stephane Mallarmés berühmtes Gedicht „Ein Würfelwurf“ bezieht. Außerdem werden verschiedenste Mischtechniken und Installationsbestandteile in der Ausstellung zu sehen sein. Die Vernissage ist am Samstag, den 26. Januar um 16.30 Uhr. Der Künstler ist anwesend.

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