reizen

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Zur Fortsetzung des kräftig bebilderten rheinsein-Januars eine typisch kölnische Rheinuferstimmung, aufgenommen im Rahmen einer mehrstündigen Fußwanderung durch die vor leichtem Schneefall in Schockstarre gefallene Metropole. Während allenorten Autos im Schritttempo kollidierten, Bahnen und Züge sich enorm verspäteten oder gleich ganz ausfielen, Radfahrer beim Queren der eisglatten Straßen grotesk tarierte Stürze hinlegten und die Stadt erfüllt war vom Klang der Polizei- und Ambulanzwagensirenen, kurzum: während bei drei Zentimetern Neuschnee der Kölner Verkehr zum Erliegen kam, stapften wir unbeteiligter Miene an auspuffdampfenden Staus vorüber und bogen alsbald durch blattloses Gesträuch in wintergeweißte Grünflächen, folgten dort Bobtail-, Kaninchen- und Krähenspuren und gelangten derart geleitet schließlich an den Fluß mit seinen dahinschwappenden, ostinativ sich überlagernden Songzeilen (“Now those memories come back to haunt me, they haunt me like a curse, is a dream a lie if it don`t come true… Heidewitzka, Herr Kapitän!”), an dessen Ufer Joggerinnen und Jogger hinter ihren Anstrengungen zu Strichen in der Landschaft mutierten und dazu aufforderten, sie als mathematische Zeichen des Verschwindens zu deuten, in einer diesigen Atmosfäre voller Minusgrade, beschirmt von der dunstverhangenen, angeblich neuerdings zitternden Kathedrale, in deren Magen sich die Spiritualität der Stadt um- und umzuwälzen schien. Lange betrachteten wir den Fluß. Ein paar Enten quakten. Aus der Ferne drangen die dumpfen Geräusche des stillstehenden Verkehrs. Da drehten wir uns, einer nicht näher bestimmbaren Eingebung folgend, um 180° vom einlullend dahinströmenden Wasser weg und blickten direkt auf obig dokumentierte Ansicht. Am Riehler Ufer stehen die Touristenbusse gerne unauffällig Stoßstange an Stoßstange – womöglich lassen sich dort Parkgebühren umgehen. Dieses Exemplar jedoch stand frei und war, wegen des winterlichen Tarnkleids, auf den ersten Blick garnicht so leicht von seiner Umgebung zu unterscheiden. Wir fixierten den dominanten Schriftzug: alk reizen. Das mußte belgische Nomenklatur vorstellen! Es waren jedoch in gesundem Umkreis um das Gefährt weder (etwaig starkbiertrunkne) Flamen noch Wallonen noch Deutschbelgier zu lokalisieren.  Mochten sie alle im Businnern stecken, eine Schlafenspause goutierend? Weil uns ungelöste Rätsel bisweilen die interessantesten dünken und weil Reisende sich nicht aufhalten sollen, stapften wir, ohne die Angelegenheit näher zu klären, dem überwiegend zuverlässigen Richtungsvektor unserer Nase folgend, von dannen…


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