Monatsarchiv für November 2012

 
 

Presserückschau (November 2012)

Nachdem in Basel Spaziergänger einen beinahe hummergroßen Signalkrebs aus dem Rhein gezogen hatten, vermeldet nun auch kindernetz.de eine „Krebsjagd am Rhein“. Während das Schweizer Boulevardblatt Blick ganz pragmatisch die kulinarischen Qualitäten des Tiers herausgestellt hatte, berichten die auf Kinder spezialisierten Reporter, daß „der große Krebs gefangen werden müsse, weil er sonst kleineren Krebsen schade“. Weitere bedeutende Rheinnachrichten des Novembers:

1
Der General-Anzeiger berichtet von Diskussionen um einen künftigen Wasserbus auf dem Rhein in Bonn. Die Idee kam aufgrund bevorstehender Großbaustellen zustande: “Nach Auffassung des BDA (Bund deutscher Archtiekten) soll der Rhein unter dem Motto „R(h)ein in die Stadt“ als Natur- und Erlebnisraum zum Kernthema der innerstädtischen Entwicklung werden: Der Rhein also als Vernetzungsraum, der Verbindungen mit unterschiedlichen Qualitäten schafft, und ein Gestaltraum, der die beiden Seiten des Bonner Stadtbildes am Fluss zeigt und die besondere Qualität der „Stadt am Rhein“ zum Ausdruck bringt. Der Wasserbus soll mit zahlreichen kurzen Verbindungen über den Rhein die beiden Bonner Seiten miteinander verweben. Dabei stehen nach der Idee weniger die touristischen Ziele im Vordergrund, als vielmehr „die Verbindung der unterschiedlichen Wohn- und Arbeitswelten“. Im Idealfall soll sogar die Angliederung an den ÖPNV gelingen, was dessen Attraktivität für die Bürger steigern und die Bonner Stadtstraßen entlasten würde.“ Eine unsererseits längst und angesichts des regen Bosporus-Fährverkehrs sogar schmerzlich vermißte Idee, die auszugraben auch anderen Städten am Rhein gut zu Gesicht stünde.

2
„Vier von fünf Vorarlbergern rechnen jederzeit mit einem Hochwasser, geht aus einer Befragung der IRR (Internationale Rheinregulierung) unter 600 Bürgern beidseits des Rheins hervor“, teilt der ORF mit. Und weiter: „Die Hochwassersicherheit am Alpenrhein soll spätestens ab 2017 innerhalb von 20 Jahren bei Kosten von 400 Mio. Euro nachhaltig erhöht werden. Geplant ist, die Abflusskapazität des Rheins zwischen der Illmündung und dem Bodensee von derzeit 3.100 Kubikmeter pro Sekunde auf 4.300 Kubikmeter pro Sekunde zu steigern. Dieser Richtwert entspricht einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen ein Mal in 300 Jahren auftritt. Das Hochwasser-Schadenspotenzial im Rheintal wird allein auf Vorarlberger Seite mit 2,66 Mrd. Euro beziffert.“

3
Erneut der General-Anzeiger berichtet unter dem Titel „Potemkin am Rhein“ über die zweifelhafte Eröffnung des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorabwehrzentrums (GETZ) in Köln, das sich nicht recht vom Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) und dem Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/-terrorismus (GAR) unterscheiden lasse. So sei die politische Prominenz der Eröffnung zahlreich ferngeblieben: „Auch der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, ein CDU-Mann, fehlte. Der improvisierte Zustand des Zentrums legt zusätzlich Zeugnis davon ab, dass da hopplahopp etwas präsentiert werden musste: Potemkin am Rhein. (…) Wer gemeinsam gegen Terror und Extremismus kämpfen will und dann noch nicht mal die Gründungsfeier einvernehmlich hinkriegt, muss sich über Hohn und Spott nicht wundern: “Getz geht´s los”, lautet einer der einschlägigen Sprüche.“

4
„Der Klimawandel wird Deutschland mehr Überschwemmungen und Hitzerekorde über 42 Grad bringen. Eine weitere Folge sei, dass Flüsse wie der Rhein „öfter mal austrocknen“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung“ – berichtet ntv. Eine Meldung, die natürlich wieder gegen regen Fährverkehr spricht.

5
Ob die folgende Meldung über eine Spezies namens Hulecoeteomyia japonica bezeugt, daß der Klimawandel bereits im Gange ist? Über das unerwüscht zugewanderte Insekt berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die aggressive asiatische Buschmücke vermehrt sich in Deutschland immer stärker. In NRW erstreckt sich die Population bereits über ein großes Territorium zwischen Köln und Koblenz. Die Mücke gilt als Überträger des gefährlichen West-Nil-Fiebers.“ Am Oberrhein ist die Mücke indessen schon etwas länger bekannt.

6
Die Rhein-Zeitung über tierische Migration und ihre Effekte: „Im Rhein lebten heute bereits allein mehr als 45 Arten wirbelloser Einwanderer, heißt es. Die Neuankömmlinge verdrängen dabei die heimischen Arten. Angesichts der bedrohten Artenvielfalt spricht Stefan Stoll von einer „McDonaldisierung“. „Überall gibt es nur noch das gleiche Angebot“, erklärt der Biologe.“ Das gleiche, aber ein anderes, oder etwa nicht? Schwingt hier das angestammte Verdammen terrestrischer Migrationsbewegungen aus Angestammtenmund mit? Und wo landen die verdrängten Arten? In Mägen? Oder drängen sie anderswo hin?

7
Eine bauplanerisch-neoromantische Meldung hat der Südkurier parat. Sie betrifft Rheinfelder Pläne für die Internationale Bauausstellung 2020: „Das Rheinfelder Rheinuferprojekt mit Pavillon, Fischaufstieg, naturnahen Uferabschnitten mit Kiesbänken und Felsen auf der deutschen Seite und zeitgenössischer Landschaftsarchitektur mit Stadtpark auf Schweizer Seite ordnet sich in diese Leitidee ein. Der Rhein zwischen beiden Rheinfelden soll bei der Bevölkerung „Liebe“ wecken mit Erlebnissen und Ausblicken, die ans Wasser locken.” Der Gedanke des Rheins als “Verführer”, fährt der Artikel fort, sei seitens der Rheinfelder als verpflichtender Anspruch aufzufassen.

8
Daß Thomas Gottschalk seinen Wohnsitz Schloß Marienfels verkaufen will, war vielen Zeitungen, darunter der Frankfurter Rundschau, eine quasi-makelnde Nachricht wert: „Allerdings müssen Interessenten bedenken, dass alle Räume von Thea Gottschalk höchstpersönlich gestaltet wurden. Thea Gottschalk suchte ihrem Mann stets die Kleider für seine „Wetten, dass ..?“-Moderationen aus. Man kann sich also die Pseudo-Prunk-Melange in den Gemächern vorstellen. Andererseits hat der Käufer die Chance, demnächst auf den Touristenschiffen genannt zu werden. Wenn auch nur als Besitzer des Schlosses, das mal Thomas Gottschalk gehörte.“

9
Der Duisburger Kriminalpolizei gelang es, einen kuriosen Vermißtenfall aufzuklären. Nachdem vor knapp einem Jahr bei Rees-Mehr (Oberkörper) und im Emmericher Yachthafen (Unterkörper) ein männlicher Torso aufgetaucht war, konnte dieser zunächst nicht identifiziert werden, denn: „die Polizei (kam) aus einem wesentlichen Grund nicht auf (einen bekannten, Anm.: rheinsein) Vermissten: Er war etwa 1,70 Meter groß. Die Gerichtsmedizin hatte aber errechnet, dass die Leiche im Rhein zu einem Mann mit der Größe von fast 1,90 Metern gehören müsse. Sie war einer fehlerhaften Formel in der Neuauflage eines verwendeten Lehrbuchs aufgesessen“, berichtet die Rheinische Post.

Last but not least: wurde im November entlang des Rheins und einiger seiner Nebenarme der Karneval ausgerufen (so gut wie alle lokalen Tageszeitungen berichteten), und in Köln, meldet der Kölner Stadt-Anzeiger, werden kommende Hochwasser ab sofort „in den Rhein zurückgepumpt“.

Tulla über den Rhein (2)

(…) Bey der Wiederaufgrabung der Ruinen bey Ettlingen, im Jahr 1802, nahe an der Straße von Ettlingen nach Durlach, fand man vor dem untern, etwas kleinen Thor, eine schiefe mit Quadern hergestellte Britsche, deren starke Neigung weder das Fahren noch das Gehen erlaubte. Diese Britsche, so wie der weitere Umstand, daß die Ruinen am ehemaligen Flußufer liegen, und daß in der Nähe desselben das Bild des Neptuns, welches die Stadt Ettlingen besitzt, gefunden wurde, werden die Behauptung rechtfertigen, daß gedachtes Thor für die Ausladung der Schiffe bestimmt, und jene sogenannte Villa, eigentlich eine Ausladestätte der Römer war.

Zu Muggensturm, welches in dem Bette des deutschen Rheins liegt, dürften die Römer eine Wasserburg, oder ein Castell, oder wenigstens ein Landungsplatz zwischen der Mündung des Thals, in welchem die Stadt Baden liegt, und zwischen der vorgedachten Ausladestätte unterhalb Ettlingen gehabt haben, und es ist dieses um so mehr wahrscheinlich, als die Entfernung von gedachter Mündung bis Ettlingen groß ist, und von Rauenthal bis diesseits Malsch das Flußbett äußerst wenig veränderlich und ungetheilt, folglich zur Anlegung eines Landungsplatzes ganz geeignet war.

Zu Durlach dürfte ebenfalls ein solcher Landungsplatz für die Schiffe bestanden haben, und es ist wahrscheinlich, daß bey genauen Nachforschungen, längs dem deutschen Rhein noch mehrere Ueberreste von römischen Anlagen gefunden, und ihre Landungsplätze bekannt werden dürften.

Oberhalb der Spitze des Kaiserstuhl-Gebirges hat der Rhein seinen Lauf mannigfaltig geändert, wie das zwischen den Hochgestaden liegende Spielraums-Gebiet beweist. Altbreysach, welches zum Theil auf Felsen steht, lag in verschiedenen Zeitperioden auf dem rechten, auf dem linken Ufer und auf einer Insel.

Mehrere Zusammenwirkungen, Verkürzungen des Laufs des großen Rheins und zugekrümmte Eingänge in den deutschen Rhein, dürften verursacht haben, daß sich die Wassermasse mehr in den großen Rhein warf, die Mündung des deutschen Rheins verschüttet, und durch die Natur, oder vielleicht auch der Natur nachhelfend, durch Kunst, geschlossen wurde.

Nach diesem Ereigniß war der deutsche Rhein nur noch der Strom der Gewässer des Schwarzwaldes von der Dreysam abwärts. Vermindert in seiner Wassermasse, konnte er das früher bestandene Bette nicht mehr ganz behaupten, und es mußten sich die Anschwemmungen, Moräste, Sümpfe und Brücher vermehren, und die Bewohner der Ufer in eine unangenehme Lage setzen. Eine entgegengesetzte Wirkung hatten die vorgedachten Stromänderungen auf den großen Rhein, dessen Wassermasse und Vermögen sich so vergrößerte, daß er dadurch in den Stand gesetzt wurde, sich ein tieferes und geräumigeres Bett zu verschaffen.

Die Ueberschwemmungen, die Brücher, Moore etc. im ehemaligen Spielraums-Gebiete, und die üppige Vegetation auf den angeschwemmten Inseln des deutschen Rheins, die nicht allzuausgedehnte Breite der zwischen ihm und dem großen Rhein gelegenen großen Insel und der aus lockerem Kies und Sand bestehende Grund derselben, die augenfällige tiefere Lage des großen Rheins, und vielleicht auch eine von Zeit zu Zeit entstandene leichte Uebertretung der Gewässer des deutschen Rheins in den großen, haben die Uferbewohner des erstern dahin führen müssen, durch möglich kurze, oder zur Ersparung der Kräfte, kleinen Vertiefungen folgende, Abzugs-Gräben, dem deutschen Rhein einen Abzug in den großen Rhein zu verschaffen, und sein Ueberschwemmungsgebiet trocken zu legen.

Quelle: Wikisource

Über das Radio hinaus – 25 Jahre Kunstradio – Radiokunst

lautet der vollständige Titel einer seit 10. November 2012 laufenden Ausstellung in Bremen, auf die wir gerne hinweisen möchten.  Aus dem Ankündigungstext:

“In den 25 Jahren seines Bestehens hat das KUNSTRADIO vielen internationalen KünstlerInnen im Kontext von bildender Kunst, Literatur, Medienkunst, Musik, Performancekunst und Netzkunst die Möglichkeit geboten, verschiedenste Radiokunstwerke in unterschiedlichsten Kontexten sowie unter Verwendung diverser Technologien zu realisieren. Das KUNSTRADIO ist in diesem Sinne auch ein Experimentierlabor, indem es Raum für das Austesten der zumeist nicht nur im Kunstkontext noch neuartigen Technologien und deren teilweise ungewöhnliche Nutzung und Kombination gegeben hat. Das Medium Radio wird dabei in seinen unterschiedlichen Ausprägungen erforscht und zum Gegenstand der künstlerischen Reflexion, zum Instrument und Kommunikationsraum.”

Im Rahmen dieser Ausstellung, die zugleich als kulturwissenschaftlich-kunsthistorisches Forschungsprojekt der Universitäten Köln und Bremen fungiert, sind drei unterschiedliche Themenräume mit Dokumenten zur Geschichte der Radiokunst und natürlich hörbarer Radiokunst selbst ausgestattet. Unter den zu hörenden Stücken befindet sich auch die auf dieser Website vorhandene und gern angeklickte ORF-Produktion Am Alpenrhein, allerdings unter ihrem offiziellen ORF-Titel Im Alpenrhein – und zwar im Projektbereich “curated by…”

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Februar 2013
im Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg – Museum für Moderne Kunst, Teerhof 20 in 28199 Bremen

Tulla über den Rhein

Der Rhein ist einer der merkwürdigsten Ströme in Europa, wegen seiner Größe, seiner Verbindung mit den Glätschern, und den meisten Seen der Schweiz, seiner Wasserfälle bey Schaffhausen und Laufenburg, der Veränderungen seines Laufs in ältern und neuern Zeiten, der Verschiedenheit seines Gefälles und seiner Geschwindigkeiten, wegen seiner Mündungen in das Meer, und seiner Benutzung zur Flößerey und Schifffahrt.

Der Rhein hat durch seine Geschiebe das Becken des ehemaligen, von Zürich bis Konstanz ausgedehnten Sees von Wallenstadt bis Rheinek, und die Linth von Wesen bis Schmerikon theilweise ausgefüllt, wodurch der ehemalige See in drey Seen, den Bodensee, Wallenstadter und Züricher-See, getheilt wurde.

Vom Bodensee bis Hüningen ist der Spielraum des Rheins größtentheils durch die Gebirge eng begrenzt, und die merkwürdigsten Veränderungen seines Laufes, sind nur die Einschneidungen oder tiefere Bettung, welche Veränderungen durch terrassenförmig übereinander liegende Hochgestade erkannt werden.

So wie der Rhein in das zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald liegende Thal tritt, hat derselbe mehr Spielraum, er serpentirt in dem Bett des ehemaligen – nicht problematischen – zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bestandenen Sees, führt jährlich eine große Masse von Kies, Sand und Erde bis zu seinen Ausmündungen in das Meer in Holland, welches Land größtentheils durch den Absatz des Rhein gebildet wurde.

Die Geschichte des Rheinlaufes in den ältern Zeiten liegt bey den Geschichtsschreibern sehr im Dunkeln. Mehr Licht geben die sichtbaren alten Flußbette, die Hochgestade und die alten Inseln.

Nachdem der See sich, durch die allmählig, vielleicht auch plötzlich, entstandene Vertiefung seines Durchflusses, durch die Gebirge zwischen Bingen und Königswinter größtentheils, abgelaufen war, muß das verlassene Bett desselben zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald, ziemlich eben gewesen seyn, und jede fortlaufende regelmäßige Vertiefung in dem Seebett, kann nur durch Ausflößung oder Ausschwemmungen, oder endlich durch Ausgrabung und nachherige Ausflößungen entstanden seyn.

Die Breite und die Größe der Krümmungen derartiger Vertiefungen, so wie ihre Vertheilung in mehrere Zweige, lassen immer auf das ehemalige Bestehen eines Flusses, auf seine Größe und seine Geschwindigkeit schließen, wenn gleich diese Vertiefungen nun trockenes Land sind.

Der Rhein theilte sich in den ältern Zeiten oberhalb dem Kaiserstuhl-Gebirge in drey Theile. Der eine ging links in dem jetzigen Gebiet der Ill, der andere längs dem Kaiserstuhl-Gebirge auf der linken Seite, und der dritte rechts dem Kaiserstuhl, längs dem Fuß desselben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch.

Man wird den erstern den gallischen Rhein, den zweiten den großen Rhein, oder auch nur Rhein ohne Beinamen, und den dritten den deutschen Rhein, nennen können.

Wegen Mangel an Localkenntnissen kann eine nähere Beschreibung des gallischen Rheins nicht gegeben werden. Die Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürften auf dem linken Ufer desselben, und Straßburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten Gebirges erbaut ist, bey der Vereinigung des gallischen Rheins mit dem großen Rhein, stehen.

Wann der gallische in einen Altrhein überging, und ob er noch zur Zeit, als die Römer an den Rheinufern waren, schiffbar war, ist unbekannt.

Der deutsche Rhein floß längs dem Fuße des Schwarzwald-Gebirgs, parallel mit dem großen Rhein, so wie gegenwärtig die Ill, und nahm in seinem Lauf die Flüsse Dreysam, Elz, Schutter, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz und alle die kleinen Flüsse und Bäche des Schwarzwaldes, vielleicht auch den Neckar auf.

Der deutsche Rhein änderte seinen Lauf in einzelnen Distrikten wenig, in andern sehr bedeutend, letzteres zwischen der Kinzig und der Murg, und unterhalb Malsch, wo er in mehrere Arme sich theilte, bis gegen den Neckar. Da wo bedeutende Flüsse aus dem Gebirge treten, wurde sein Lauf durch den Ausschub dieser Flüsse vom Fuße der Gebirge abgetrieben, wie sehr deutlich an der Murg und der Alb zu ersehen ist.

Sein linkes Ufer war nur längs dem Kaiserstuhl mehr als das rechte, sonst aber das rechte Ufer bey weitem mehr, als das linke, bewohnt. Ein Beweis hiefür ergibt sich aus der Thatsache, daß noch gegenwärtig in der Strecke von Schwarzach bis Karlsruhe nur die Orte Sandweiher und Beyertheim am linken Ufer liegen. Die Ursache dieser Ungleichheit der Bewohnung läßt sich sehr leicht aus der Fruchtbarkeit des rechten, und Unfruchtbarkeit des linken Ufers, und der geringen Entfernung des rechten Ufers des großen Rheins von dem deutschen, erklären.

In vielen Gegenden sind die alten Läufe, die bestandenen Inseln, die Hochgestade sehr deutlich zu erkennen, in andern sind ihre Spuren mehr oder weniger durch Anschwemmungen der Flüsse des Schwarzwaldes ausgelöscht; häufig folgt das Wasser im ungezwungenen Zustand dem alten Lauf.

Wie lange der deutsche Rhein bestanden, und zu welchen Zeiten bedeutende Aenderungen mit ihm vorgefallen sind, dürfte schwerlich in der Geschichte aufgefunden werden. Indessen läßt sich mit Zuverläßigkeit behaupten, daß er zur Zeit, als die Römer ihre Herrschaft bis an den Rhein ausgedehnt hatten, noch ein schiffbarer Strom war. (…)

Quelle: Wikisource

Rheinische Agglomeration

Eine kleine rheinische Verklumpung bzw Verdichtung fanden wir dieser Tage auf Kulturnotizen – Grenzüberschreitende ArtIQlationen. Dort finden sich unter den Überschriften Am Rhein, Rheinsein und Ethnische Schmelztiegelpraxis Texte aus den Federn bzw Tastaturen der Herren Hagedorn, Lafleur und Zuckmayer. Klickens auf den Link und schauens (öfter) mal nebenan vorbei!

Ermittlung der Rheinlänge durch Ockhart (2)

Nähere Bestimmung der verschiedenen Distanzen, welche der Rhein von seinem Ursprunge, bis zu seiner Theilung in Holland, und von da bis zu dem Ausflusse seiner verschiedenen Arme in das Meer durchläuft.

A) Allgemeine Distanzen nach dem Laufe des Flusses

1. Von den Quellen bis nach Chur ohngefähr 20 Stunden
2. Von da bis zu dem Eintritt in den Bodensee 24
3. Lauf durch den Bodensee bis Constanz 9
4. Von Constanz bis Schaffhausen 9
5. Von da bis Basel 33
6. Von da bis Strasburg 32
7. Von da bis Neuburg 15
8. Von da bis Schröck 6
9. Von da bis Mannheim 18 1/2
10. Von da bis Mainz 15 1/2
11. Von da bis Caub 9 1/2
12. Von da bis Coblenz 10 1/4
13. Von da bis Andernach 5 1/4
14. Von da bis Linz 4 1/2
15. Von da bis Cöln 12 1/4
16. Von da bis Düsseldorf 10 1/2
17. Von da bis Homberg 7 1/2
18. Von da bis Wesel 7
19. Von da bis Emmerich 9 3/4
20. Von da bis Lobith 3
21. Von da bis Nimwegen 4
22. Von da bis Rossum 9 1/2
23. Von da bis Gorcum 9
24. Von da bis Dortrecht 5 1/2
25. bis zum Meer 14

303 1/2

Nach dieser möglichst genauen Bestimmung der Distanzen, die der Rhein in seinem Laufe zurücklegt, sieht man, mit wie wenig Grund Norrmann in der 6ten Auflage der Büschingischen Vorbereitung zur Europäischen Länder- und Staatenkunde Seite 103, die Länge des Laufs dieses Flusses, wie wir oben schon gesagt haben, auf 350 Meilen hat angeben wollen, und dass Fabri eben so Unrecht hat, wenn derselbe in seinem Abriss der natürlichen Erdkunde Seite 450 behauptet, dass der Rhein in seinen Laufe einen Weg von 360 Meilen zurücklege.

(aus: Josef Franz Ockhart – Der Rhein, nach der Länge seines Laufs und der Beschaffenheit seines Strombettes, mit Beziehung auf dessen Schifffahrtsverhältnisse betrachtet: Ein Beitrag zur nähern Kunde der deutschen Flußschifffahrt, 1816)

Der Schiffer auf dem blanken Rhein

Der Schiffer auf dem blanken Rhein, tratiketiketom,
bist du der Meine, komm!
Er fährt die Bahn jahraus, jahrein, tratiketiketom.
Bist du der Meine, komm!
Er hat ein Schatz auf jeder Seit, jedwede ist die schönste Maid
und weiß er selbst nicht, die er freit, tratiketiketom,
bist du der Rechte, komm!

Ich leg mein Ruder in den Kahn, tratiketiketom,
bist du der Meine, komm!
Ich will den Nachen treiben lahn, tratiketiketom,
bist du der Meine, komm!
Treibt er mich rechts, treibt er mich links,
das soll mir sein ein guter Wink;
dann will ich geben schon den Ring, tratiketiketom,
bist du die Rechte, komm!

Der Kahn, der geht nicht links, nicht rechts, tratiketiketom,
bist du der Meine, komm!
Nach Holland geht es geradewegs, tratiketiketom,
bist du der Meine, komm!
Nach Holland und dem Niederland,
da sind die Mädel wohlbekannt,
dahin ich auch mein Herz gewandt, tratiketiketom,
bist du die Rechte, komm!

(Volkslied, 19. Jahrhundert)

Einkehr unterhalb des Rheinfalls

Da rauscht das grüne Wogenband
Des Rheines Wald und Au entlang:
Jenseits mein lieb Badenserland,
Und hier schon Schweizer Felsenhang!

Da zieht er hin, aus tiefer Brust
Mit langsam stolzem Odemzug;
Und über ihm spielt Sonnenlust
Und Eichenrauschen, Falkenflug!

Kein Schloß, kein Dom ist in der Näh,
Nur Wälder schauen in die Flut;
Von Deutschland schwimmt ein zitternd Reh
Herüber, wo es – auch nicht ruht!

Und in der Stromeseinsamkeit
Vergeß ich all den alten Span,
Versenke den verjährten Streit
Und hebe hell zu singen an:

“Wohl mir, daß ich dich endlich fand,
Du stiller Ort am alten Rhein,
Wo ungestört und ungekannt
Ich Schweizer darf und Deutscher sein!

Wo ich hinüber rufen mag,
Was freudig mir das Herz bewegt,
Und wo der klare Wellenschlag
Den Widerhall zurück mir trägt!

O steigt zum Himmel, Lied und Wort!
Schwebt jubelnd ob dem tiefen Rhein!
Hier ist ein stiller Freiheitsport,
Hier sind wir mit dem Rhein allein!”

Da raschelt`s drüben, und der Scherg
Lauscht zweigefärbt durchs dunkle Grün –
Ich fliehe schnell hinan den Berg:
Du stiller Ort am Rhein – fahr hin!

(aus: Gottfried Keller – Sämtliche Werke in acht Bänden, Band 1, Berlin 1958–1961; gefunden bei und zitiert nach zeno.org)

Rheinisch Moos

rheinisch-moos

Gesehen und sogleich abgelichtet von Rainer Vogel auf dem Pflaster der Inselstraße nahe des Standesamts Düsseldorf. rheinsein dankt!

Das böhmische Meer – eine rheinische Zuglektüre

“Der Zwang, unter dem ich mich befand, legte sich erst, als der Zug in den Heidelberger Bahnhof hineinrollte, wo derart zahlreich die Menschen auf den Bahnsteigen standen, daß ich sogleich annahm, sie seien auf der Flucht aus der untergehenden oder bereits untergegangenen Stadt. Die letzte der neuzugestiegenen Fahrgäste, die in das nur noch zur Hälfte besetzte Abteil hereinkamen, war eine junge Frau mit einem braunen Samtbarett und lockigem Haar, in der ich auf den ersten Blick und, wie ich mir sagte, ohne den allergeringsten Zweifel, Elizabeth, die Tochter James I., erkannte, die, nach den Berichten der Geschichtsschreiber, als Braut des Pfälzer Kurfürsten nach Heidelberg gekommen und, während der kurzen Zeit, in der sie dort glänzend Hof gehalten hat, als die Winterkönigin bekannt geworden ist. Diese junge Frau aus dem englischen siebzehnten Jahrhundert war, kaum hatte sie Platz genommen und in ihrer Ecke sich eingerichtet, auf das tiefste versenkt in ein Buch, welches den Titel Das böhmische Meer trug und verfaßt war von einer mir unbekannten Autorin namens Mila Stern. Erst als wir den Rheinstrom entlangfuhren, schaute sie manchmal von ihrer Lektüre auf und seitwärts durch die Scheiben des Abteilfensters auf das Wasser und die steilen Abhänge des jenseitigen Ufers hinaus. Es mußte ein starker Nordwind aufgekommen sein, denn die Heckflaggen der stromaufwärts die graue Flut durchpflügenden Lastkähne wehten nicht nach rückwärts, sondern wie auf einer Kinderzeichnung nach vorne zu, was dem ganzen Bild etwas ebensosehr Verkehrtes wie Rührendes gab. Das Licht draußen hatte zusehends abgenommen, bis nur mehr eine fahle Helle das Stromtal erfüllte. Ich trat hinaus auf den Gang. Die wie mit einer Kaltnadel gezeichneten schiefer- und violettfarbenen Weinberge waren stellenweise mit türkisgrünen Netzen abgedeckt. Als nun ein allmählich eintretendes Schneetreiben diesen im Vorbeigleiten fortwährend sich verschiebenden, im wesentlichen aber unverändert bleibenden Prospekt mit einer feinen, fast waagrechten Schraffur überzog, war es mir auf einmal, als seien wir auf dem Weg hinauf in den hohen Norden, als näherten wir uns bereits der äußersten Spitze der Insel Hokkaido. Die Winterkönigin, von der ich insgeheim vermutete, daß sie diese Verwandlung der Rheinlandschaft bewirkt hatte, war gleichfalls auf den Gang herausgekommen und stand, das schöne Schauspiel betrachtend, bereits eine längere Weile neben mir, bis sie mit einem kaum wahrnehmbaren englischen Tonfall in der Stimme und, wie es mir schien, ganz für sich allein die folgenden Zeilen sagte:

Rasen weiß verweht vom Schnee
Schleier schwärzer als die Kräh`
Handschuh weich wie Rosenblüten
Masken das Gesicht zu hüten.

Daß ich darauf damals nicht zu erwidern wußte, nicht wußte, wie er weiterging, dieser Wintervers, daß ich, aller inneren Bewegung zum Trotz, nichts herausbrachte, dumm und stumm nur stehenblieb und weiter hinausschaute auf die nahezu vergangene Dämmerwelt, das hat mich seither schon oft sehr gereut und gedauert. Bald weitete das Rheintal sich aus, in der Ebene erschienen die glitzernden Wohntürme, und der Zug rollte hinein nach Bonn, wo die Winterkönigin, ohne daß ich noch etwas zu ihr hätte sagen können, ausgestiegen ist. Seither habe ich immer wieder und bislang vergebens versucht, wenigstens das Buch Das böhmische Meer ausfindig zu machen; es ist aber, obschon zweifellos für mich von der größten Wichtigkeit, in keiner Bibliographie, in keinem Katalog, es ist nirgends verzeichnet.”

(aus: W. G. Sebald, Schwindel. Gefühl)

W. G. Sebald ist längst kein Geheimtipp mehr. Dennoch möchte rheinsein Sebalds Werk jedem, der es noch nicht kennt, wärmstens zur Lektüre empfehlen. Die kleine Reiseszene durchs Rheintal mag exemplarisch für den Stilmix Sebalds stehen, der in magischer Weise zwischen Realia und Fiktivem oszilliert und sich vor gereimten Einstreuseln nicht scheut.

Tod auf dem Rhein

1903: Dr. Watson folgt einem Hilferuf von Luzia Bylandt, jetzt Mrs. Jones, nach Ägypten. Bei Ausgrabungen im Tal der Könige häufen sich die mysteriösen Vorfälle. Um in den Besitz eines altägyptischen Amuletts zu gelangen, geht eine obskure Bande von Grabräubern offenbar über Leichen. Sogar in Cairo, bei ihrem alten Kölner Freund Baron Oppenheim, ist Luzia nicht sicher. Eine gefährliche Flucht quer durch Europa beginnt. Erst in Köln kommt das wahre Ausmaß der Affaire ans Licht. Sherlock Holmes und Dr. Watson stellen sich einem übermächtigen Gegner und müssen erfahren, dass es im romantischen Rheintal genauso tödlich zugehen kann wie an den Ufern des Nils.

(Buchbeschreibung zu Stefan Winges: Tod auf dem Rhein, Köln 2004)

Ausgebautes Fragment

Das Gelichter & Gelächter
an der unteren Uferpromenade
angeschienen ist ein bedeutungs-
loser Ort
ich rufe deinen kristallklaren
Namen
schaukelnd schlägt es zur
Brücke hoch
der Summton bricht nicht ab.

(aus: Adrian Kasnitz – Reichstag bei Regen, Lyrikedition 2000, 2002. rheinsein dankt dem Autor für die Überlassung des Gedichts.)

Kamelopedischer Rhein

Rhein
(aus Kamelopedia, der freien Kamel-Enzyklopädie)

Der Rhein ist so eine Art Nil, nur nicht in Ägypten, sondern in der Schweiz, in Deutschland, in Frankreich und in Holland, wo er schon mal anders heißt und mündet dann nach einem gewagten Schlenker in Höhe des Kamelner Kreuzes irgendwo in den Nord-Ostsee-Kanal und drückt sich so vor der Begegnung mit dem wahren Egypten.

Über Jahrzehnte war der Rhein bei allen Fotografen sehr begehrt, als man noch an jeder seiner Biegungen Filme und Fotos in seinem Wasserlauf entwickeln konnte. Seitdem die Industrie aber so geizig geworden ist, und ihm keine Chemikalien mehr in diesem Umfang zuleitet, hat der Rhein seine Entwicklungsfähigkeit gänzlich eingebüßt.

Auch die Rheinschiffer haben sehr unter den Auflagen der Umweltbehörden zu leiden. Entgegen alter Traditionen und verbriefter Naturgesetze werden auch diese nun auf moderne Toiletten gezwungen, dürfen nicht mehr öffentlich schiffen und schon gar nicht meer in den Rhein rein. Seither ist auch nichts mehr mit groß Rheine machen, was den Schiffern besonders stinkt.

Köln liegt am Rhein, Kairo nicht und Bielefeld erst recht nicht (liegt ja noch nicht mal am Nil, dann schon eher an der Biele.)

Das Spiegelbild der Rhein ist natürlich der Rhaus.

Salmanlandung

Einen Fasnachtsbrauch der Narro Alt-Fischerzunft von 1386, einer der ältesten Gruppierungen dieser Art in Europa, gelegen in Laufenburg am Hochrhein, zeigt dieses Video, das hier einzubetten leider mißlang. Der Lachs, einst in rauhen Mengen gefangen, denn Laufenburg und Umgebung waren lange das größte Lachsfanggebiet Europas, wird mit einem Weidling auf dem Wasser des Rheines gebracht und anschließend mit der Tschättermusik durch die Stadt getragen.  rheinsein sagt danke an Roland Kroell, den Autor und Kommentator des Videos.