Expedition zur Rheinquelle (3)

Wer zum Tomasee aufsteigen möchte, muß eine günstige Wetterlage abpassen. Sowieso ist die einfache Wanderung dorthin nur im Sommer möglich. Nachdem wir beim spontanen Aufsuchen der Hinterrheinquelle ziemlich genau drei Jahre zuvor einen glücklichen Tag erwischt hatten (das Wetter stimmte und das Gelände, das militärisch genutzt wird, durfte betreten werden), den Gletscheraustritt des Hinterrheins jedoch ohne Schneeausrüstung unmöglich erreichen konnten und über die zahlreichen, namenlosen, womöglich saisonalen Quellbäche staunten, die dem „Rhein“ geradewegs aus dem Himmel, jedenfalls über die Bergkuppen hinweg zuzutosen schienen, studierten wir vor dem Aufstieg zum Tomasee über Tage hinweg mögliche Wanderrouten, lokale Wettercams und allerlei Prognosen, konsultierten Trekking-Ausrüster und unterzogen uns sogar der schamanischen Tierbefragung, um für unser Vorhaben den günstigsten Termin zu ermitteln. Am 23. Juli schließlich verließen wir Vaduz mit dem Ziel, die Rheinquelle zu besichtigen.

Wie schwierig dieser Quellbegriff ist und wie gerne Quellorte mittels fragwürdiger Etikettierung für die Tourismusförderung okkupiert werden, haben wir verschiedentlich bereits ausgeführt und wird im Laufe des Berichts erneut anzusprechen sein. Und wo wir im Gewebe der Hinterrheinquellarme noch ziemlich einsam und frei herumstapfen konnten, waren wir vor gänsemarschartigen Situationen beim Aufstieg zum Tomasee gewarnt. Die Rundwanderung, hatten wir gelesen, solle fünfeinhalb Stunden Fußmarsch in Anspruch nehmen, doch fanden wir vorort eine stark frequentierte Abkürzung, die drei Stunden sparte.

Daß man nicht eben so einfach zum Tomasee hinaufkommt erfuhr diesen Sommer ein ZDF-Filmteam, das die x-te Rheindoku bekannter Machart (Abfilmen markanter Rheinpassagen, Interviews mit Anwohnern) vor allem wohl mit dem Einsatz ungewöhnlicher/neuer Technik (ein ferngesteuerter kameratragender Zeppelin, Optokopter) rechtfertigte. Sursilvanischer Nebel machte der Crew einen Strich durch die Rechnung. Ob die neblig zustande gekommene Planabweichung beim Dreh ein Grund ist, daß die ursprünglich für vergangenen Sonntag angesetzte Ausstrahlung auf September verschoben wurde? Im hier abrufbaren Kurzfilm über Umstände des Drehs ist die Antwort nicht zu finden, dafür einige Eindrücke von Tschamut, Oberalppaß und Tomasee (unserem aktuellen Schwerpunkt), sowie den fliegenden Kameras.

Unser Einstieg zum Wanderweg Richtung Tomasee fiel auf eine Stelle an der Paßstraße in ca 2000 Metern Höhe. Damit waren bis zum See noch über 300 Höhenmeter zu überwinden. Es heißt, daß die Luft ab 2000 Metern anfinge, dünn zu werden. Davon war jedoch nichts zu bemerken und unser früher Aufbruch bewirkte, daß wir dem gröbsten Gänsemarsch entgingen. Zwar ist Tujetsch (so lautet der romanische Name für die die Ortschaften in der oberen Surselva zusammenfassende Gemeinde, deutsch: Tavetsch) eher eine Winterferienregion, doch an schönen Sommertagen ist die Vorderrheinquelle bzw der Bergsee ein beliebtes Ziel. Unterwegs trafen wir auf Quellenpilger aus unterschiedlichen Schweizer Regionen, auf Deutsche und Niederländer. (Fortsetzung folgt)


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