Malen nach Zahlen: Borges am Rheinfall

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Häufig wiederkehrenden, aufmerksamen Besuchern dürfte rheinseins lose Reihe mit Kunstwerken aufgefallen sein, die sich mit prominenten Rheinfallbesuchern auseinandersetzt, für die viele Beiträge, teils auf Anfrage, teils aus eigenem Antrieb aus den verschiedensten Ländern eintreffen und aus der meist zu Monatsbeginn ein neues Bild erscheint. Die künstlerische Beschäftigung mit Prominenz im Zusammenhang mit dem Rheinfall ist jedoch deutlich älter als diese Website.

Im Jahre 1967 schuf Karl von Willensbach das hier präsentierte Werk (Malen nach Zahlen: Borges am Rheinfall, Öl auf Leinwand, 240 x 170 cm), ein höchst imposantes Stück teils aleatorisch gestützter, ironisierter Konzeptkunst, das auf eine Erzählung von Jorge Luis Borges rekurriert. Karl von Willensbach übermittelte uns die Entstehensgeschichte des Bildes aus dem Gedächtnis:

„Ich suchte seinerzeit nach einem guten Buch und da meine Bibliothek  nicht alfabetisch geordnet war, suchte ich auf gut Glück nach einem Autor, der mit S begänne. Ich landete dann wegen der Unordnung schnell bei einem Autor, der mit D begann, woneben eben Borges auftauchte. Ich stieß auf Fiktives, blätterte ein wenig darin, las dies, las jenes, und kam schließlich zu besagter Erzählung Die Bibliothek von Babel. Dieser erzählten Bibliothek entnahm ich ihre Zahlenwerte, jedoch nicht, um die Bibliothek selbst darzustellen, sondern zu malen, was Borges hätte sehen können, hätte er die Rheinfälle besucht, die ich in jungen Jahren mehrfach besucht und gemalt hatte.
Auf jedem Regal der Bibliothek von Babel stehen 32 Bücher. Das war meine Zeitvorgabe: das Bild mußte 32 Tage in Anspruch nehmen. Jedes Buch der Bibliothek hat 410 Seiten. Mit einem Nagel stach ich 410 Löcher in die 32 Farbschichten des Bildes. Jede Buchseite der Bücher in der Bibliothek hat 40 Zeilen mit jeweils 80 Buchstaben. Die 40 Zeilen tauchen im Bild wieder auf, als Linien, jedoch geteilt: einmal 16, einmal 15, einmal 9 Linien. Für die 80 Buchstaben drückte ich 80 schwarze Pfefferkörner in die Farben hinein. In den Bibliotheksräumen befinden sich 5 Regale. Ich benutzte 5 Paar Latex-Handschuhe. Undsoweiter. Unter den täglich neu aufgetragenen Farbschichten verschwanden alle diese Zahlenhinweise sowie andere Dinge von meinem Arbeitsplatz. Für mich war das eine Art, nach Zahlen zu malen.“

rheinsein dankt Karl von Willensbach fürs Überlassen des Digitalfotos und seine Erinnerungen!


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