Malocher

rheinische transportarbeiter

Gesehen in Vaduz. Zwei Arbeiter stemmen demonstrativ einen gewaltigen Malbuner Fleischriegel, um ihn aus dem ewig changierenden Hintergrundbraun ins Hier und Jetzt zu transportieren (evtl auch umgekehrt). Es handelt sich bei den fleißigen Malochern augenscheinlich um Ausländer, nicht um Einheimische und insgesamt um einen dem liechtensteinischen Alltag entnommenen Akt:

Daß Fremde in Liechtenstein sich erst einmal mittels hartem Anpacken bewähren müssen, lautet im auf bäurischem Treu und Glauben fußenden Staatsgefüge des Fürstentums das ungeschriebene Gesetz. Ob das Prinzip der Vorläufigkeit für Staatsfremde jemals ausläuft, ist dabei ungewiß und letztlich eine Geldfrage. Bis vor wenigen Jahren lebten mittellose Ausländer in Liechtenstein sogar höchst gefährlich. Beredtes Zeugnis davon gibt der erste Immigrant aus dem Reich der Waschbären, ein unbedarfter Wandergesell, der heute ausgestopft im Nationalmuseum in Vaduz zu betrachten ist und der nur wenige Minuten nach seiner Entdeckung in einem Schaaner Vorgarten exekutiert wurde.

Die beiden Malocher hingegen sind gewissermaßen willkommen, weil sie um geringen Lohn bereit sind, tagein tagaus das vielfache des eigenen Körpergewichts zu schleppen, wohin der Chef (ein Einheimischer, nicht im Bild) befiehlt. Immerhin stecken die Transportarbeiter in gummierten, modischen, der Landestracht nachempfundenen Knautschanzügen, was ihre Arbeit zwar nicht erleichert, jedoch einen funktionalen Unfallschutz hergibt.

Für oder gegen das Vetorecht (nicht im Bild, siehe hier) des Fürsten (ebenfalls nicht im Bild) durften die Zuzüglinge nicht stimmen. Die spontane Vaduzer Demonstration, während derer vier fleischriegeltragende Fabrikarbeiter mit Migrantenhintergrund (zwei davon im Bild) der liechtensteinischen Bevölkerung symbolisch am Arsch vorübergingen, fand vorvergangenen Dienstag statt und in der lokalen Presse keine Resonanz.


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