Monatsarchiv für Juli 2012

 
 

Donald und Kohl

Ist es ein „Mitmachmuseum“, eine Art Archiv oder eine ganz neue Form des Veröffentlichens? Seit 2008 betreibt Stan Lafleur ein gewaltiges Internet-Blog, und zwar zum Thema „Rhein“, dem deutschen Fluss schlechthin. Über 1000 Artikel und somit Buchseiten, Hunderte von Fotos und Zitate hat er gesammelt, er hat Artikel, Reportagen und Gedichte selbst geschrieben und Leser kommentieren lassen. „Mein ganzes Leben lang habe ich in Rhein-Städten gewohnt“, sagt der gebürtige Karlsruher, der nun in Köln lebt. „Der Rhein ist Thema, seit es in Europa die Schrift gibt.“

Und so finden sich auf „rheinsein.de“ Texte des römischen Dichters Tacitus neben Meldungen aus Boulevard-Blättern. Vieles nimmt Stan Lafleur ironisch und kritisch aufs Korn: „Ich fand`s lustig, daß der Rheinschwimmer im Frühling bis Disentis zu Fuß marschiert ist und von einer Blasmusikkapelle empfangen wurde.“ In „Rheinsein“ tauchen viele skurrile Figuren auf wie etwa die Skulptur des „Nasentrompeters“ am Freiburger Münster, oder der Steinkleber, eine Wasserschnecke, die tatsächlich am Grunde des Rheins lebt.

„Ich habe eine Vorliebe für Fabelwesen“, sagt Lafleur und gibt schmunzelnd zu, dass er ein paar Gestalten in seinem digitalen Mammutwerk selbst erfunden hat. Spaziergänge am Karlsruher Rheinhafen oder Fahrradtouren, Gedichte über den Karlsruher Stadtteil Rüppurr, ja, sogar Frankenstein, der durchs Rheintal flieht – all das findet sich in Lafleurs Blog. „Rheinsein ist eine Art virtuelles Museum, das immer weiterwächst und nach allen Seiten ausfranst.“

Stan Lafleur ist Schriftsteller und gilt als einer der originellsten lebenden Dichter, der außerdem als einer der ersten deutsche Poetry-Slams durchgeführt hat. Das Dasein des 44-Jährigen wird immer mehr vom Rhein geprägt. Vorträge, Shows, ein Lehrauftrag an der FH Düsseldorf und immer wieder Erkundungen von Rhein-Landschaften bestimmen seinen Alltag. Bis zu 200 Leser täglich verfolgen dieses einzigartige Blog, und auch mindestens einen wissenschaftlichen Aufsatz gibt es über Lafleurs Projekt.

Es lohnt sich, immer wieder in Stan Lafleurs amüsantem, seltsamem und manchmal etwas durchgeknalltem Blog einfach mal zu stöbern und zu schmunzeln über das, was sich hinter Stichwörtern wie „Donald Duck“, „Helmut Kohl“ oder „Sowjetunion“ verbirgt.

(Badische Neueste Nachrichten, von Matthias Kehle, 18. Juli 2012. rheinsein dankt dem Autor fürs Überlassen des Artikels für diese Website.)

Presserückschau (Juli 2012)

Sommerzeit ist Urlaubszeit und selbst rheinsein gönnte sich im gerade vergehenden Juli ein paar Offline-Tage hinter Felsblöcken und auf quellbachdurchzogenen Magerwiesen. Unterdessen schwemmten die Großen elektronischen Ströme reichlich artikelndes Treibgut an unser Laptop-Gatter. Darunter gar einen Beitrag von Matthias Kehle, Vorsitzender des baden-württembergischen Schriftstellerverbands, der sich in den Badischen Neuesten Nachrichten mit rheinsein beschäftigte. (Der Artikel wird nachgereicht.)

Bisher wurden durch die Linse des Sommerlochs keine exaltiert-exotischen Tiere im Rhein ausgemacht – möge der Sommer noch ein Weilchen vorhalten und etwaigen Seeelefanten, Fliegenden Fischen, Flußpferden et al. ihre Rheinchance einräumen. Wir resümmieren unterdessen die un/wichtigsten, informativsten, erstaunlichsten etc. Meldungen des Julis:

1
Der Kölner Express interviewt Bläck Fööss-Mitgründer Ernst „Erry“ Stocklosa zu seinen wilden Jahren am Rhein. Zwei Kostproben: „Schwimmen habe ich im Rhein gelernt. Später sind wir auf die stromaufwärts fahrenden Lastkähne geklettert und bis nach Wesseling mitgefahren, sind da wieder ins Wasser gesprungen und haben uns nach Porz treiben lassen. Irgendwann begannen die Kapitäne daher, die Reeling mit Teer zu beschmieren.“ „Ich weiß noch jenau als ich drückzeh wor, domols bei uns op d’r Wiss, do hammer als Pänz manche Blödsinn jemaat, wie mer als Pänz halt su es. Bei Huhwasser hammeer e Floß uns jebaut, em Sommer de Wiss avjebrannt, un hät uns einer beim Rauche erwisch, Mensch Meier wat simmer jerannt.“

2
„Frühzeitig informiert die Koblenz-Touristik: „Mit dem “Romanticum” ist von 2013 an die Rhein-Mosel-Stadt Koblenz um eine neue Attraktion reicher: Auf mehr als 750 Quadratmetern öffnet im nächsten Jahr eine spektakuläre Dauerausstellung, in der Besucher auf eine romantische wie virtuelle Rheinreise an Bord eines imaginären Dampfers gehen. Präsentiert wird unterhaltsam und kurzweilig viel Wissenswertes zu trutzigen Burgen, einmaligen Bauten, weltberühmten Felsen, grandiosen Rheinsichten und berühmten Rheinreisenden. Untergebracht wird die Schau in einem Neubau, der selbst ein Kunstobjekt ist: Das Kulturzentrum “Forum Confluentes” gilt schon vor seiner endgültigen Fertigstellung als architektonisches Meisterwerk der deutsch-niederländischen Star-Architekten Benthem-Crouwel.“

3
„Was nützt im Kampf gegen die Stechmücken?“ fragt, ein bekanntes Schreckensszenario wortmalend, der Südkurier: „Wenn die Sonne untergeht und sich die Gartenwirtschaften an Rhein und Bodensee füllen, fallen sie über uns her. Die Stechmücken, auch Schnaken genannt, bevorzugen nackte Haut, setzen sich aber auch gern auf Stoff. Sie fahren ihren Rüssel aus und stechen ihn hinein, um das Blut ihres Klienten aufzusaugen. Es sind vornehmlich Weibchen, die ihr Werkzeug so schnell und präzise einsetzen, dass die Hand meist erst viel zu spät niedersaust.“

4
„Der neue Aalkönig mag gar keinen Aal“ titelt die Kölnische Rundschau. Auf den Monarchenfrevel geht der Artikel dann nicht weiter ein: „Willi Schürheck ist neuer Wesselinger Aalkönig. Den größten Fisch hatte der 44-jährige Urfelder bereits vor zwei Wochen aus dem Rhein gezogen. Es war beim ersten gemeinsamen Aalfischen, das der Fischerverein Urfeld in der Vorbereitungsphase für die Aalnacht 2012 organisiert hatte. Stundenlang hatte Schürheck bereits am Ufer gesessen. 15 bis 20 kleine Grundeln hatte er schon gefischt und wieder ins Wasser geworfen, als seine Rute gegen 23.30 Uhr plötzlich massiv ausschlug. Mit Hilfe von Kollegen konnte er schließlich den kapitalen Aal aus dem Rhein holen. Mit gut 70 Zentimetern Länge und einem Gewicht von 830 Gramm gehörte der Aal zu den größten und schwersten Exemplaren, die Vereinsmitglieder in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Rhein fischten.“

5
„Incroyable, mais vrai“ einerseits, sowie „peut étonnant“ andrerseits findet 3-ufer.com, daß und wie der französische Nationalfeiertag im Schwarzwald begangen wird: „La Fête Nationale a traversé le Rhin et samedi, on a rendu hommage à la France et à la Révolution Française au «Bareiss» à Baiersbronn-Mitteltal dans la Forêt Noire. Si le cadre d’une maison cinq étoiles ne se prêtait pas exactement à des activités révolutionnaires, il était parfait pour y fêter l’amitié franco-allemande. Lors de la 18ème edition de sa réception franco-allemande du 14 juillet, la famille Bareiss a réservé un chaleureux accueuil aux voisins français en soulignant l’amitié entre l’Alsace et le Pays de Bade. Peut étonnant que de nombreuses personnalités de part et d’autre du Rhin avaient fait le déplacement samedi dans cette vallée magnifique pour trinquer à ce qui nous unit.“

6
Zahlreiche Medien berichteten von der Havarie bei Lorch, die von einem Matrosen ausgelöst wurde, doch nur der Berliner Kurier taufte den Unglücksraben „Hein Blöd“: „Da war wohl ein echter „Hein Blöd“ am Werk: Ein ungeschickter Matrose hat am Sonntag die Havarie eines französischen Passagierschiffs im Rhein bei Lorch ausgelöst! Der Mann war gerade dabei eine kaputte Sonnenliege zu entsorgen, als es zu dem Missgeschick kam: Als er den Müll verstauen wollte, kam er versehentlich an den Hauptschalter für die Spritzufuhr – und drehte dem Schiff so den Treibstoff ab. Kurz darauf fiel der Motor aus, das Schiff lief auf Grund. Die Folge: 143 Passagiere und 23 Besatzungsmitglieder mussten mit einer Autofähre von Bord gebracht werden.“

7
Andernach verpflegt seine Bewohner und Besucher mit kostenlosen Gemüsen aus den städtischen Grünanlagen. Von solch paradiesischen Zuständen berichtet (natürlich! möchten wir meinen) das Kölner Domradio: „Das Rheinstädtchen Andernach hat sich seit drei Jahren dem Motto „Die essbare Stadt“ verschrieben. Ganz dicht an der wuchtigen Stadtmauer aus dem zwölften Jahrhundert leuchten Gärten mit Stauden und buntem Sommerflor, dazwischen behaupten sich Brunnenkresse und Weinreben, Mandel- und Feigenbäume, Salatköpfe, Zucchini und Zwiebeln.“ „Der 800 Quadratmeter große Nutzgarten gehört der Stadt und ist offen für alle. „Statt „Betreten verboten“ heißt es bei uns ausdrücklich „Pflücken erlaubt““, sagt Barbara Vogt, Verwaltungschefin im Rathaus und eine der Initiatorinnen des Projekts.“

8
Die Internationale Rheinschutzkommission gibt bekannt: „Since the last great flood of the Rhine in 1995 the countries in the Rhine catchment have invested some 10.3 billion € into improved flood protection and have thus increased the protection of people and goods. Such is the result of the balance of the implementation of the Action Plan on Floods until 2010 presented by the International Commission on the Protection of the Rhine (ICPR) in Strasbourg. (…) According to the balance on the implementation of the Action Plan on Floods, and depending on the flood situation, retention areas along the Rhine downstream of Basel for up to 229 million m³ of water may be put into service to lower peak flows. 69 million m³ have been made available during the past 15 years. Due to the relocation of dikes and the deepening of river forelands in the Rhine delta, 55 km² of former floodplains along the Rhine have been regained. In addition, renaturing measures have been implemented along tributaries and smaller waters in the catchment.“

9
Desweiteren warnt die DLRG, es gäbe im Rhein keine sicheren Stellen zum Schwimmen, verschiedene Städte von Emmerich bis Bonn wollen als Initiative Metropolregion Rheinland den Flußgrund vertiefen, um die Betuwe zu entlasten, das „traditionsreiche Bunkerschiff“ Rheintank 4 wird in den Ruhestand versetzt und Kölner Polizeitaucher finden eine im Strom verlorene Dienstwaffe wieder.

Das Lachen der Hühner: Rezension (4)

Die baden-württembergische Literaturzeitschrift allmende fokussiert, dokumentiert und begleitet seit gut drei Jahrzehnten das literarische Geschehen am Ober-, Hoch- und Alpenrhein. In der soeben erschienenen Nr. 89 schreibt Simone Nitsche über Das Lachen der Hühner:
“Auf gut 20 Seiten umweltfreundlichen Papiers entfalten Stan Lafleur und Helena Becker eine gewitzte Bestandsaufnahme ihrer Liechtensteiner Umgebung in Wort und Bild. Elf poetisch außerordentlich komplexe Sonette werden von ebenso vielen Papierschnitten begleitet, die der Bewegtheit der Gedichte als ruhender Pol gegenüberstehen. Die leicht gelbliche Färbung des Papiers verleiht Helena Beckers Arbeiten ein gewisse Sanftheit, wodurch die Radikalität der Landschaftsbilder, die Stan Lafleurs Lyrik entwirft, etwas gemildert wird. Lafleur erfasst punktgenau das Eindringen der Globalisierung in die beschauliche Ländlichkeit des Fürstentums Liechtenstein. Seine mitunter von Dialekt durchsetzte und zugleich poetisch klare Sprache bildet den Soundtrack einer Verzerrung, der Verzerrung des Althergebrachten. Hier, wo die Natur geradezu aufdringlich wirkt – in An Sonntagen dichtet Lafleur: „nach Waschmittel riecht der Wald (…) voll aufgedrehtes Bächleinplätschern“ – inmitten dieser Hochglanzidylle also entwickelt sich die Natur in Anbetracht des nie versiegenden Touristenstroms zu einer Parodie ihrer selbst. Frei nach der Formel: „Tausche Postkartenkulisse gegen Realität“ liefern Helena Becker und Stan Lafleur mit ihrem schmalen Band Das Lachen der Hühner einen aufschlussreichen Einblick in die Art und Weise, in der sich unsere Welt verändert.”

Sommerloch-Walversprechen oder: Wels frißt Dackel (Großeweitewelt-Mix feat. Tagblatt Online)

Die Worte Wels und Waller (Waler, Weller, Wähler, Valant) in der Uferzone beim Rorschacher Hauptbahnhof: es gibt sie eben doch! Sie stammen aus der selben sprachlichen Wurzel wie Wal (Qualfisch, Quellfisch, Quallfisch, Quälfisch), welches aus dem germanischen hwalis herwallt: „Diss scheussliche Thier, zum regionalen Tierstar avanciert, könnte wegen seiner Gestalt ein teutscher Wall genennet werden.“ (Was kann, das muß.) Die wahrscheinlichste Rohrleitung, Einleitung rührt vom altpreußischen kalis, was Wels bedeutet. (Kalle, du unpaarhufer Welsmann. Komma Kippschwänze. Barteldu. Mostkompost und Mehlristfackel.) Zwar habe der Wels keine Zähne, sondern nur Platten zum Zermahlen der Beute, aber allein mit der Bucht seiner Wasse könne er böse Prelllungen ursachen. Sachen machen: Jahr um Jahr wär es Spässchen gewesen, See-unkundigen Fussballkollegen vor dem Nachtschwumm nach dem Abendmatch die Mär vom Monsterwels aufzutischen, einem 5-Meter-Kerl, der hier, nach dem Eindunkeln herumzentnert – und dann und wann als Kameramann mit seinem schwartigen bartfadenbehangenen Riesenmaul nach einem bleichen Schwimmerhoden schnappen würde. (Knappen. Altknappe Kehlkistakeln. Schwattemattacke.) In den Geschichten des Uferschnaps, der Brautbirne und des hämeligen Männleins kommen sie seit der Jahrtausendwende am Rande vor: die beiden Angler und ihre Dackel, Wackeldackel, welsgepackt am Angelhaken, auf Stunden übern See gezogen und nie wieder von einer Menschenseele erblickt. So jagen sie Schnaken auf dem Seegrund dahin, die Dackel wackeln, stöbern im Sediment, schieben sich ihre Legenden rüber, spielern schau für Kulturprogramme, Gruseldokus aus dem Sommerloch, Pokerprofis am Wasserloch, einem Strudeldudeldei. Es gibt Fotos davon im Internet, dh Facebook fordert in einem Schwall all seine guten Freunde auf, anonym mitzuteilen, ob es sich um einen echten Wels handelt oder um einen denunziablen Fakefisch. (Wäre diß nicht egall, gäbtes fast alles, was vorhanden ist.) Denken wir den Waller als Fischvogel. Düsenbartel. Ergonomisch tieffliegendes Klatschgewürm. Klappfilet. In seiner Eigenschaft als Melanderpaste. Welcher der momentane Wels in einer seitlichen Anberaumung von Zukunft begegnet, seinem entseelten kulinar-Ich, der blutgemuth-blinden Entsprechung seines Wesens, des sämtlichen Welswesens, durch die Magie der Wildheit dividiert, in einer dem Glubschauge verschwommen ahnbaren Produktionsstraße, fisselige Frequenzen „du www-Wels du ichdu schchd sch-sch-www-wahwahwahwahwah!“ Die Thesen Worthe vom Rorschacher Hauptbahnhof sind nicht einzigartig. Sie erklingen am Rheydter Schloßgraben wie über den Teichen von Mönchengladbach, dialektgefärbt säumen sie die Tümpel und Flüsse der Republik und ihrer Nachbarstaaten, mit den Passagieren der Mayflower eroberten sie die neue Welt: Catfish eyes and tales, Lagerfeuergeschichten über Pennerwelse „a tenement, a dirty street / walked and worn by shoeless feet / inside it`s long and so complete / watched by a shivering sun / old eyes in a small child`s face / watching as the shadows race / through walls and cracks and leave no trace / and daylight`s brightness shuns“ zu Zeiten Pearly Spencers, des ersten Amerikaners, der verbürgtermaßen von einem blinden Bibelfisch verschluckt wurde.

Türkischer Rhein: Türkenbund

türkenbund

Die Bezeichnung des Türkenbunds geht vermutlich auf seine turbanförmige Blüte zurück und könnte insgesamt ein Lehnwort sein (das türkische Wort tülbent bedeute Turban, behauptet der aktuelle deutsche Wikipedia-Artikel über das Gewächs; wir fanden unter tülbent die Begriffe “Seihtuch” bzw. “Gazetuch mit gehäkelter Borte wie es türkische Frauen auf dem Lande tragen” bzw. “Batist” bzw. “Musselin” bzw. “Mull” bzw. “Tulpe” bzw. tatsächlich auch veraltet “Turban”). Am Rhein steht die gefleckte Lilie, “eine der schönsten Pflanzen unserer heimischen Wälder” (Natur-Lexikon.com), gern und oft, am liebsten in Höhenlagen. Das fotografierte Exemplar fand sich in deutlich über 1000 Metern Höhe am Alpenrhein.

“Die Zwiebel des Türkenbunds reguliert sich mit Hilfe von Zugwurzeln auf eine bestimmte Tiefe im Boden ein. Die Fleckung der Blütenblätter ist erblich, nicht aber das Muster, das die Flecken bilden. Kein Blütenblatt gleicht deswegen haargenau dem anderen. Die Farbflecken entstehen vielmehr durch Bildung schwerlöslicher Farbstoffverbindungen in beieinanderliegenden Zellen nach einem ähnlichen Prinzip, wie sich Eisblumen am Fenster bilden. Deshalb sind die Farbstoffflecken oft mit einem helleren Hof umgeben.” (D. Aichele/M. Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas)

Wikipedia weiß: “Die Alchimisten glaubten, mit Hilfe der Goldwurz (die Zwiebel des Türkenbunds; Anm.: rheinsein) unedles Metall in Gold umwandeln zu können. Der Türkenbund wird in der Volksheilkunde gegen Hämorrhoiden (goldene Ader) gebraucht und wurde im Mittelalter als Allzweckheilmittel angesehen. Auch glaubte man, dass die Zwiebeln als Futter für Kühe eine schöne gelbe Butter ergeben würden.”

Wörterbuch: Bedecktsamer, Blattquirl, Blütenhüllblatt, Blütenstandsachse, dreizählig, Einkeimblättrige, fleischrosa, Frischezeiger, Glattrandigkeit, Hochstauden-Gesellschaft, krautreich, lanzettlich, Lilienhähnchen, Nektarrinne, pflanzensoziologische Einheit, Schatten-Mönch, Scheibenflieger, Scheinquirl, Schlotterhose, taillierte Schuppe, Selbststerilität, sickerfrisch, Staubblatt, Staunässe, Tierstreuer, trübviolett, verzögert-hypogäisch, Vorwarnliste, Wasserhaftausbreitung, Windstreuer, Zugwurzel

Falsche Loreley

moselloreley

In Ermangelung einer vollrheinisch-echten haben die Moselaner gegenüber Niederemmel, um präzise zu sein, gegenüber dem Café mit dem bezeichnenden Namen Alt-Reinsport, sich eine eigene Loreleykopie zurechtgedacht und -gepinselt. Die Moselloreley beherberge “Europas einzigen Weinberg, der nur mit einem Boot zu erreichen ist”, und der Felsen habe “in älteren topographischen Karten den Namen Rotlei” geführt – heißt es verschiedentlich im Netz. Das Bild nahm Stefan Mittler aus dem Faltboot auf. rheinsein dankt!

Mythos Rhein

Was ist das Mythos Rhein? Ist das etwas, was in Büchern verstaubt und Akademien, aufgegrellt dann in Ausstellungen und Dissertationen?

Oder ist das etwas, was lebt in jedem, der hier sein Leben am Strom verbringt ? Unbewußt zwar, aber doch da.

Gibt es den alten Vater Rhein, den Flußgott, in dessen Bart wir alle schwimmen wie zappelnde Fische?

Fische, die alle gründeln, um in der Tiefe irgendeine Krone zu finden aus Eisen, Gold, Teer oder Blech?

Was haben sie alle hier in dem Rhein gesucht? Die Arnims, Brentanos, die Kronenwächter, Müller Radlaufs, warum wimmelt es von Loreleyen, Felsen- und Feuerhexen?

Mein Sohn zieh nicht an den Rhein.

Der Rhein gibt Richtung. Hat Anfang und Ende. Fließt immerzu. Und ist doch da.

An seinen Ufern gibt er Platz zum Leben. Gründet Burgen, Klöster und Städte.

Nahrung gab er. Salme, Aale, Fische. Schiffahrtsstraße war er und ist er.

Doch ist weggeblieben der Zoll, der hier Geld und Reichtum jahrhundertelang gebracht.

Den Schiffern und Flößern gab er wie den Fischern Einkommen und Beruf.

An seinen Hängen die Reben, Trauben speichern die Sonne, deren Kraft sich im Schiefer verstärkt noch spiegelt. Gekeltert die Trauben schenken sie jedem den Rausch, ohne den das Leben phantasieloser, eintöniger und ärmer. Wein reimt sich auf Rhein.

Mythos Rhein sind das all die Burgen, Ruinen, Ritter, Felsenriesen, Gespenster, Sagen, Legenden, Staffage steil aufragender Berge?

Tief versunkener Nibelungenschatz.

Ist es das Gezanke um Ländergrenzen, Hoheitsrechte, Gebiete? Sie sollen ihn nicht haben und haben ihn doch nie, den keltisch freien deutschen? rhenus fluvius.

Mythos Rhein. Ist das der Massentourismus? Kraft durch Freude? Das Weltkulturerbe?

Mythos Rhein sind das die D-Züge, Überschallflugzeuge, das Getöse und der Lärm auf engster Fläche ?

Als ich als Kind das erste Mal vom Rhein weit weg war in einer fremden Stadt, wollte ich zum Rhein. Aber es gab ihn da nicht. Ich konnte mir keine Stadt ohne Rhein vorstellen. Ich war richtungslos. Orientierungslos. Verloren.

Der Rhein, das ist immer, da weißt du, wo du bist. Ist Nähe ganz, Ankunft, Ufer, Strom, Richtung und Welle. Und doch Ferne. Ferne und Nähe zugleich.

Ufer, an dem du stehst. Ufer, das nie du erreichst. Fernes Meer, wo deine Spucke hinfließt, Weite der Welt, Ozean, wohin er fließt uns ist doch ganz in der Enge des Tals.

Er ortet die Welt. Links und Rechts. Linkes und rechtes Ufer. Quelle und Mündung.

Stromkilometer wieviel?

Mal flach und mal tief.

Der Kauber Pegel weiß es genau.

Fremde zieht er her. In die Fremde läßt er dich träumen.

Und schenkt dir doch seine Nähe, seinen Geruch, spiegelt den Mond, tanzt mit den Wellen. Deren Strömung und Schlag hörst du wohltuend gleichmäßiges Rauschen in den stillen Stunden des Abends und der Nacht.

Die Nixen sie singen.

Im Element des Wassers löst deine Seele sich auf und wird wieder frei. Aus aller Starre, allem Stillstand heraus.

Abends gehen sie hier an den Rhein, sehen auf die gegenüberliegenden Berge, in die Weite des Flusses nach Bingen, an den Lichtern von Lorch vorbei zum Franzosenkopf hin, atmen die Frische des Wisperwinds.

Im Zickzack umfließt er die Felsen rheinabwärts, verschwindet plötzlich am Berg, an einer scharfen Biegung, taucht dann wieder auf. Insel und Pfalz thronen in ihm.

Treibholz schwemmt er heran und anderes Strandgut.

Über ihn gehen kannst du nicht mehr. Keine aufgeschichteten Berge und ausgetretene Pfade aus Eis.

Doch lehrt er dich noch immer, was es heißt Widerstand, mit oder gegen die Strömung zu ziehen, zu kämpfen, zu stehen.

In deinen Träumen fließt er der Rhein. In deinen Träumen, die noch nie die Lahn gesehen.

Ein- zweimal war er dir nah, sehr nah. Du dachtest nie wieder ein Ufer zu sehen. Doch fandst du doch noch dann Grund.

Auch deine Cousine, deren Auto in den Rhein schoß, trotz ihres Alters tauchte sie aus den Fluten wieder auf.

Die Nixen sie ziehen. Grundlos bleibt wer die Tiefe erblickt.

Meide Feuer und Wasser, gab mein ostwestfälischer Großvater meiner Mutter mit auf den Weg. Sie zog zum Rhein, zu der Stadt, die den Feuerwein schuf.

Es ist besser, Kindern keinen Rat zu geben.

Mein Vater, selbst im hohen Alter, mit Krücken gar, mit einem Geist, von dem man nicht mehr wußte, was er erfaßt und was nicht, so oft es ging, ging er abends zum Rhein. Saß auf der Bank, wo gegenüber das Wahrschauerhäuschen einst krönte die scharfe Biegung, die nun eher glatt wie ein Kanal dahinzieht, wegradiert ohne Grund diese einsame Sicht und Behausung des Wahrschauers.

Mein Vater, als er starb, ein neues Grab suchten wir aus auf dem Friedhof, wo in steiler Lage alle Gräber zum Rhein hin schauen, ein Grab auf einem kleinen Plateau. Als der Sarg in die Erde versenkt werden sollte, sagte meine Mutter, er liegt falsch, er sieht ja den Rhein nicht und tatsächlich ausgerechnet nur hier war das Grab zum Berg hin angelegt. Wir merkten es erst da. Wir mußten entscheiden. Legen wir den Sarg andersrum, daß er zum Rhein hin blickt? Der Bürgermeister zeigte Verständnis. Der rheinfremde Pfarer, dessen Ehefrau Pfarramt, Partei und Presse zugleich war, verbissen sein Gesicht, zeigte keinerlei Verständnis dafür. Ich entschied, er lag im Leben oft falsch, warum nicht im Tod. Mein Bruder versöhnte mich, wir bringen ihm einen Rückspiegel an, dann kann er den Rhein sehen.

Mythos Rhein.

Haben die Romantiker es erahnt?

Hat George es streng in Form gefaßt?

Blüht am hange       nicht die rebe?
Wars ein schein nicht       der verklärte?
Warst es du nicht       mein gefährte
Den ich suche       seit ich lebe?

Der größte der Dichter, Friedrich Hölderlin, hat es in seiner Rheinhymne erfaßt:

Ein Rätsel ist Reinentsprungenes. Auch
Der Gesang kaum darf es enthüllen. Denn
Wie du anfingst, wirst du bleiben

(Ein Gastbeitrag von Friedrich G. Paff, auf dessen Website weitere mittelrheinische Trouvaillen zu entdecken sind. rheinsein dankt!)

Abenteuer Rhein

Das ZDF dreht dieser Tage eine Dokumentation über den Rhein „von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in Rotterdam“. Als „die Quelle“ fungiert dabei der Tomasee. Weil Rheindokumentation dieser Art Legion sind und das ZDF, vertrauen wir seiner Pressemitteilung, im Vergleich zu den vielen vielen vielen vielen anderen und doch so sehr ähnlich gestrickten Rheindokus dem Fluß kaum neue Informationen abgewinnen wird (immerhin geht es „zu einem Ranger im (längst nicht mehr existenten; Anm. rheinsein) Kanton Säntis“), dient dem Team von Andreas Ewels und Christine Elsner ein zehn Meter langer, mit Helium gefüllter Zeppelin als Alleinstellungsmerkmal. Der Zeppelin wird an einer Leine am Rhein entlang spazierengeführt: „Unter dem Zeppelin hängt eine hochauflösende Spezialkamera, die Bilder der vorbeiziehenden Landschaft einfangen soll. Dabei wird an verschiedenen Stationen “gelandet”, um besondere Naturschönheiten filmisch vorzustellen. Es werden Menschen besucht, die diese Naturschönheit durch ihre Arbeit prägen und formen und einen wichtigen ökologischen Beitrag zu ihrem Erhalt leisten.“ Denn der Zweiteiler will zeigen, was jeder weiß: „dass der Rhein, der in den 70er Jahren ein totaler Problemfluss war, heute wieder unter vielen Aspekten eine intakte Flusslandschaft ist.“ Zwar lautet der Filmtitel „Abenteuer Rhein“, doch ist die Doku weniger entdeckungsfreudig angelegt als vielmehr detailliert geplant. So berichtet das ZDF vorab von Äskulapnattern unterm Niederwalddenkmal und davon, daß der Zeppelin in Köln „spektakulär zwischen den Türmen der Kathedrale hindurch fliegt“. Fliegen wird, bzw fliegen soll, müßte es eigentlich heißen. Seit vergangenen Donnerstag ist das ZDF-Team samt Zeppelin unterwegs, und wird, soweit das Wetter mitspielt, dieser Tage an folgenden Orten anzutreffen sein: 10. Juli: Schaffhausen, 11. Juli: Istein, 12./13. Juli: Taubergießen, 14. Juli: Speyer oder Worms, 15. Juli: Mainz (Dom), 16. Juli: Rüdesheim/Niederwalddenkmal, 17./18. Juli: Bingen/Mittelrheintal/Koblenz, 20. Juli: Neuwied/Drachenfels, 21. Juli: Köln (Rodenkirchen und Dom), 22. Juli: Duisburg, 23. Juli: Kalkar, 24./25. Juli: Rotterdam

Ausgestrahlt wird das Endprodukt an den Sonntagen des 19. und 26. Augusts 2012 um jeweils 13.30 Uhr in der Reihe planet e.

Quo non ascendet

quo_non_ascendat

Für seine überraschend fahrlässigen Bildausschnitte, seine wohlintendierte Farbgebung und seinen Humor ist Ricardo Pollegra in der Kunstwelt ein stehender Begriff (“Pollegrismus”). Wir freuen uns außerordentlich, daß der bekannte Fotograf seine Aufnahmen von Johannes  Paul II. (selig, aber noch nicht heilig) rheinsein zur Verfügung stellt. Der langjährige Papst, der hier in aller Demut, doch unter distanzierter Beobachtung von Ausflüglern und Presse, den ziehenden Wassern zu predigen scheint wie der durchaus heilige Franziskus einst bescheiden den Vögeln, hatte, bevor er es zu Gottes Stellvertreter auf Erden brachte, unter dem Namen Karol Józef Wojtyła als Dichter angefangen, was seiner Deklamationshaltung bis ins hohe Alter anzumerken war.

Malocher

rheinische transportarbeiter

Gesehen in Vaduz. Zwei Arbeiter stemmen demonstrativ einen gewaltigen Malbuner Fleischriegel, um ihn aus dem ewig changierenden Hintergrundbraun ins Hier und Jetzt zu transportieren (evtl auch umgekehrt). Es handelt sich bei den fleißigen Malochern augenscheinlich um Ausländer, nicht um Einheimische und insgesamt um einen dem liechtensteinischen Alltag entnommenen Akt:

Daß Fremde in Liechtenstein sich erst einmal mittels hartem Anpacken bewähren müssen, lautet im auf bäurischem Treu und Glauben fußenden Staatsgefüge des Fürstentums das ungeschriebene Gesetz. Ob das Prinzip der Vorläufigkeit für Staatsfremde jemals ausläuft, ist dabei ungewiß und letztlich eine Geldfrage. Bis vor wenigen Jahren lebten mittellose Ausländer in Liechtenstein sogar höchst gefährlich. Beredtes Zeugnis davon gibt der erste Immigrant aus dem Reich der Waschbären, ein unbedarfter Wandergesell, der heute ausgestopft im Nationalmuseum in Vaduz zu betrachten ist und der nur wenige Minuten nach seiner Entdeckung in einem Schaaner Vorgarten exekutiert wurde.

Die beiden Malocher hingegen sind gewissermaßen willkommen, weil sie um geringen Lohn bereit sind, tagein tagaus das vielfache des eigenen Körpergewichts zu schleppen, wohin der Chef (ein Einheimischer, nicht im Bild) befiehlt. Immerhin stecken die Transportarbeiter in gummierten, modischen, der Landestracht nachempfundenen Knautschanzügen, was ihre Arbeit zwar nicht erleichert, jedoch einen funktionalen Unfallschutz hergibt.

Für oder gegen das Vetorecht (nicht im Bild, siehe hier) des Fürsten (ebenfalls nicht im Bild) durften die Zuzüglinge nicht stimmen. Die spontane Vaduzer Demonstration, während derer vier fleischriegeltragende Fabrikarbeiter mit Migrantenhintergrund (zwei davon im Bild) der liechtensteinischen Bevölkerung symbolisch am Arsch vorübergingen, fand vorvergangenen Dienstag statt und in der lokalen Presse keine Resonanz.

ist es am rhein so schön

stand in der Betreffzeile der Mail, die Rolf Persch schickte, nachdem wir ihn um seine Rheingedichte gebeten hatten. Kein Fragezeichen, kein Ausrufezeichen, nur Wellengang der Worte.  Et voilà: fünf Texte von Rolf Persch. (rheinsein dankt!)

fluss eins

heute in der früh
mit dem rad fuhr ich am fluss entlang
ein kalter schwerer dunst lag über allem
das ergab einen geheimnisvollen klang

was ihr stellenweise gelang
die ehrgeizige sonne versuchte
folgend einem zwang
durchzudringen

sie war mir nicht minder lieb
wo sie fahle scheibe blieb

***

er sagt rhein

reglos sitzt ein hund
die schwarze aktentasche
neben dem mann
unter der brücke

der mann steht da
und ergeht sich
in einer rede
an den fluss

er sagt rhein
und wie es scheint
manches mehr
von strömen umtost

***

versuch einer verführung

komm, spring, wir reisen.
badehose ist nicht nötig.

wohin ist meine reiselust?
fluss, unermüdlich bist du.

komm, dem meer entgegen,
tauch ein, ich bins, der rhein.

och nee, später vielleicht, noch
gilt, so weit die füße tragen.

***

bordfest, treib gut

an bord der autofähre
rolandseck und zurück
gehört zu den festen mitarbeitern
ein dreizeiler
der weiß was er will

Fahrer im Auto bleiben.
Licht und Motor aus.
Feststellbremse fest.

bordfest
treib gut
drei zeilen gehen baden

musiker an bord
Jeff Beck

***

wellengang

ich weiß nicht
was soll ich
bedeuten

Ecco

ecco

“Ecco” lautet der Titel dieses stellvertretend göttlichen, gelassenen Rheinfallbesuchs, den uns Ricardo Pollegra aus Italien übermittelte. Eine fröhliche Erinnerung an damals, als es noch veritable Wunder und tolle Farben gab.  rheinsein dankt!

Diesseits und jenseits des Rheins

Sanftes Rasen, wildes Kosen,
Tändeln mit den glühnden Rosen,
Holde Lüge, süßer Dunst,
Die Veredlung roher Brunst,
Kurz, der Liebe heitre Kunst -
Da seid Meister ihr, Franzosen!

Aber wir verstehn uns baß,
Wir Germanen, auf den Haß.
Aus Gemütes Tiefen quillt er,
Deutscher Haß! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelberger Faß.

(Heinrich Heine)

Nicolas Boileau: Le passage du Rhin (2)

Ce discours d’un guerrier que la colère enflamme
Ressuscite l’honneur déjà mort en leur âme;
Et, leurs cœurs s’allumant d’un reste de chaleur,
La honte fait en eux l’effet de la valeur.
Ils marchent droit au fleuve, où Louis en personne,
Déjà prêt à passer, instruit, dispose, ordonne.
Par son ordre Grammont le premier dans les flots
S’avance soutenu des regards du héros:
Son coursier écumant sous son maître intrépide,
Nage tout orgueilleux de la main qui le guide.
Revel le suit de près: sous ce chef redouté
Marche des cuirassiers l’escadron indompté.
Mais déjà devant eux une chaleur guerrière
Emporte loin du bord le bouillant Lesdiguière,
Vivonne, Nantouillet, et Coislin, et Salart;
Chacun d’eux au péril veut la première part:
Vendôme, que soutient l’orgueil de sa naissance,
Au même instant dans l’onde impatient s’élance:
La Salle, Béringhen, Nogent, d’Ambre, Cavois,
Fendent les flots tremblants sous un si noble poids.
Louis, les animant du feu de son courage,
Se plaint de sa grandeur qui l’attache au rivage.
Par ses soins cependant trente légers vaisseaux
D’un tranchant aviron déja coupent les eaux:
Cent guerriers s’y jetant signalent leur audace.
Le Rhin les voit d’un œil qui porte la menace;
Il s’avance en courroux. Le plomb vole à l’instant,
Et pleut de toutes parts sur l’escadron flottant.
Du salpêtre en fureur l’air s’échauffe et s’allume,
Et des coups redoublés tout le rivage fume.
Déjà du plomb mortel plus d’un brave est atteint:
Sous les fougueux coursiers l’onde écume et se plaint.
De tant de coups affreux la tempête orageuse
Tient un temps sur les eaux la fortune douteuse;
Mais Louis d’un regard sait bientôt la fixer:
Le destin à ses yeux n’oserait balancer.
Bientôt avec Grammont courent Mars et Bellone;
Le Rhin à leur aspect d’épouvante frissonne:
Quand, pour nouvelle alarme à ses esprits glacés,
Un bruit s’épand qu’Enguien et Condé sont passés:
Condé, dont le seul nom fait tomber les murailles,
Force les escadrons, et gagne les batailles;
Enguien, de son hymen le seul et digne fruit,
Par lui dès son enfance à la victoire instruit.
L’ennemi renversé fuit et gagne la plaine;
Le dieu lui-même cède au torrent qui l’entraîne;
Et seul, désespéré, pleurant ses vains efforts,
Abandonne à Louis la victoire et ses bords.

Du fleuve ainsi dompté la déroute éclatante
A Wurts jusqu’en son camp va porter l’épouvante.
Wurts, l’espoir du pays, et l’appui de ses murs;
Wurts… Ah! quel nom, grand roi, quel Hector que ce Wurts!
Sans ce terrible nom, mal né pour les oreilles,
Que j’allais à tes yeux étaler de merveilles!
Bientôt on eût vu Skink dans mes vers emporté
De ses fameux remparts démentir la fierté;
Bientôt… Mais Wurts s’oppose à l’ardeur qui m’anime.
Finissons, il est temps: aussi bien si la rime
Allait mal à propos m’engager dans Arnheim,
Je ne sais pour sortir de porte qu’Hildesheim.

Oh! que le ciel, soigneux de notre poésie,
Grand roi, ne nous fit-il plus voisins de l’Asie!
Bientôt victorieux de cent peuples altiers,
Tu nous aurais fourni des rimes à milliers.
Il n’est plaine en ces lieux si sèche et si stérile
Qui ne soit en beaux mots par-tout riche et fertile
Là, plus d’un bourg fameux par son antique nom
Vient offrir à l’oreille un agréable son.
Quel plaisir de te suivre aux rives du Scamandre;
D’y trouver d’Ilion la poétique cendre;
De juger si les Grecs, qui brisèrent ses tours,
Firent plus en dix ans que Louis en dix jours!
Mais pourquoi sans raison désespérer ma veine?
Est-il dans l’univers de plage si lointaine
Où ta valeur, grand roi, ne te puisse porter,
Et ne m’offre bientôt des exploits à chanter?
Non, non, ne faisons plus de plaintes inutiles:
Puisqu’ainsi dans deux mois tu prends quarante villes,
Assuré des bons vers dont ton bras me répond,
Je t’attends dans deux ans aux bords de l’Hellespont.

Nicolas Boileau (1636-1711)
Le passage du Rhin, Teil 2

Nicolas Boileau: Le passage du Rhin

En vain, pour te louer, ma muse toujours prête,
Vingt fois de la Hollande a tenté la conquête:
Ce pays, où cent murs n’ont pu te résister,
Grand roi, n’est pas en vers si facile à dompter.
Des villes que tu prends les noms durs et barbares
N’offrent de toutes parts que syllabes bizarres;
Et, l’oreille effrayée, il faut depuis l’Issel,
Pour trouver un beau mot courir jusqu’au Tessel.
Oui, partout de son nom chaque place munie
Tient bon contre le vers, en détruit l’harmonie.
Et qui peut sans frémir aborder Voèrden?
Quel vers ne tomberait au seul nom de Heusden?
Quelle muse à rimer en tous lieux disposée
Oserait approcher des bords du Zuiderzée?
Comment en vers heureux assiéger Doèsbourg,
Zutphen, Wageninghen, Harderwic, Knotzembourg?
Il n’est fort, entre ceux que tu prends par centaines,
Qui ne puisse arrêter un rimeur six semaines:
Et partout sur le Whal, ainsi que sur le Leck,
Le vers est en déroute, et le poète à sec.

Encor si tes exploits, moins grands et moins rapides,
Laissaient prendre courage à nos muses timides,
Peut-être avec le temps, à force d’y rêver,
Par quelque coup de l’art nous pourrions nous sauver.
Mais, dès qu’on veut tenter cette vaste carrière,
Pégase s’effarouche et recule en arrière;
Mon Apollon s’étonne; et Nimégue est à toi,
Que ma muse est encore au camp devant Orsoi.
Aujourd’hui toutefois mon zèle m’encourage:
Il faut au moins du Rhin tenter l’heureux passage.
Un trop juste devoir veut que nous l’essayons.
Muses, pour le tracer, cherchez tous vos crayons:
Car, puisqu’en cet exploit tout paraît incroyable,
Que la vérité pure y ressemble à la fable,
De tous vos ornements vous pouvez l’égayer.
Venez donc, et sur-tout gardez bien d’ennuyer:
Vous savez des grands vers les disgrâces tragiques;
Et souvent on ennuie en termes magnifiques.

Au pied du mont Adule, entre mille roseaux,
Le Rhin tranquille, et fier du progrès de ses eaux,
Appuyé d’une main sur son urne penchante,
Dormait au bruit flatteur de son onde naissante:
Lorsqu’un cri tout-à-coup suivi de mille cris.
Vient d’un calme si doux retirer ses esprits.
Il se trouble, il regarde, et par-tout sur ses rives
Il voit fuir à grands pas ses naïades craintives,
Qui toutes accourant vers leur humide roi,
Par un récit affreux redoublent son effroi.
Il apprend qu’un héros, conduit par la victoire,
A de ses bords fameux flétri l’antique gloire;
Que Rhinberg et Wesel, terrassés en deux jours,
D’un joug déjà prochain menacent tout son cours.
Nous l’avons vu, dit l’une, affronter la tempête
De cent foudres d’airain tournés contre sa tête.
Il marche vers Tholus, et tes flots en courroux
Au prix de sa fureur sont tranquilles et doux.
Il a de Jupiter la taille et le visage;
Et, depuis ce Romain, dont l’insolent passage
Sur un pont en deux jours trompa tous tes efforts,
Jamais rien de si grand n’a paru sur tes bords.

Le Rhin tremble et frémit à ces tristes nouvelles;
Le feu sort à travers ses humides prunelles.
C’est donc trop peu, dit-il, que l’Escaut en deux mois
Ait appris à couler sous de nouvelles lois;
Et de mille remparts mon onde environnée
De ces fleuves sans nom suivra la destinée!
Ah! périssent mes eaux! ou par d’illustres coups
Montrons qui doit céder des mortels ou de nous.

A ces mots, essuyant sa barbe limoneuse,
Il prend d’un vieux guerrier la figure poudreuse.
Son front cicatrisé rend son air furieux;
Et l’ardeur du combat étincelle en ses yeux.
En ce moment il part; et, couvert d’une nue,
Du fameux fort de Skink prend la route connue.
Là, contemplant son cours, il voit de toutes parts
Ses pâles défenseurs par la frayeur épars:
Il voit cent bataillons qui, loin de se défendre,
Attendent sur des murs l’ennemi pour se rendre.
Confus, il les aborde; et renforçant sa voix:
Grands arbitres, dit-il, des querelles des rois,
Est-ce ainsi que votre âme, aux périls aguerrie,
Soutient sur ces remparts l’honneur et la patrie?
Votre ennemi superbe, en cet instant fameux,
Du Rhin, près de Tholus, fend les flots écumeux:
Du moins en vous montrant sur la rive opposée,
N’oseriez-vous saisir une victoire aisée?
Allez, vils combattants, inutiles soldats;
Laissez là ces mousquets trop pesants pour vos bras:
Et, la faux à la main, parmi vos marécages,
Allez couper vos joncs et presser vos laitages;
Ou, gardant les seuls bords qui vous peuvent couvrir,
Avec moi, de ce pas, venez vaincre ou mourir.

Nicolas Boileau (1636-1711)
Le passage du Rhin, Teil 1, Fortsetzung folgt