Der asiatische Laubholzbockkäfer attackiert den Friedlinger Hafen

Aus Weil am Rhein wird heute von der Badischen Zeitung eine Invasion des asiatischen Laubholzbockkäfers gemeldet. Als trojanisches Pferd stehen fremde Holzkisten mit Granitsteinen aus „einem Importcontainer“ in Verdacht. Der feindliche Käfer eroberte die Platane auf dem Mitarbeiterparkplatz der Rheinhafengesellschaft mitten im Hafengebiet. Ob der Feind weitere Stellungen bezogen hat, ist noch unklar. Das Landratsamt ordnete an, unverzüglich die Überwachung des Gebiets zu intensivieren und stellte rigides Vorgehen in Aussicht: „In der Europäischen Union und in der Schweiz hat der Laubholzbockkäfer den Status eines Quarantäneschädlings, das heißt, daß seine Ausbreitung im europäischen Raum strikt verhindert werden muß.“ Ein mögliches Horrorszenario: Die Larven des Laubholzbockkäfers bohren sich in gesunde Laubbäume und bringen sie zum Absterben. „Bei ungehemmter Ausbreitung können die Bohrlöcher sogar dazu führen, daß Äste abbrechen und so Personen gefährden.“ Um das Killerinsekt ist bereits eine Quarantänelinie gezogen, doch die Taktik des Schädlings stiftet offenbar Verwirrung: „Die Zone soll einen Radius von zwei Kilometern haben, möglicherweise ist aber ein Durchmesser von zwei Kilometern gemeint, also ein Radius von nur einem Kilometer.“ Das Landratsamt als untere Landwirtschaftsbehörde will, ist aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu erfahren, in Kürze eine „Allgemeinverfügung zur Verhinderung der Verbreitung“ des Schädlings veröffentlichen. Das dreifache „-ung“ der Formulierung lasse auf höchste Behördenaktivitäten schließen. Das Frontgebiet umschließt nach aktuellem Stand einen Großteil des Stadtteils Friedlingen mit dem Rheinpark an der Dreiländerbrücke. Im Osten endet die Kampfzone noch vor der Bahnlinie. Der Haltinger Grünschnittannahmeplatz beim Rumänenfriedhof liege „definitiv nicht mehr im Quarantänegebiet“. Streng ausgebildete Gehölzaufklärer aus der Pflanzenbeschaudivision des Regierungspräsidiums sind seit dem frühen Morgen im Einsatz. Die Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten, etwaige Sichtungen des Feindkäfers unverzüglich zu melden. Befallene Bäume sind behördlich zur Sofortrodung freigegeben.


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5 Kommentare zu “Der asiatische Laubholzbockkäfer attackiert den Friedlinger Hafen”

  1. Aktuelle Zwischenstände des Kampfgeschehens
    16. August 2012 um 15:17

    Ausweitung der Quarantänezone: was wie ein Buchtitel von Michel Houellebecq klingt, soll im Raum Weil am Rhein/Basel der Invasion des Asiatischen Laubholzbockkäfers im Rahmen der Kriegsberichterstattung der Lokalpresse gelten. Anfang August 2012 meldete die Badische Zeitung („Von diesem Käfer geht Gefahr aus“, „Hunde spüren in Weil am Rhein den Laubholzbockkäfer auf“), daß die totale Vernichtung des Feindes bisher mißlungen sei. Der für die Überwachung bereits eruierter feindlicher Stellungen zuständige Mitarbeiter des Landratsamts scheiterte bei seiner „Begutachtung per Augenschein“: „Erst der Einsatz eines speziell ausgebildeten schwäbischen Spürhundes führte zur Entdeckung (weiterer Käferlarven in den isolierten Baumstämmen; Anm.: rheinsein).“ Desweiteren sollen nun „professionelle Baumsteiger“ die Bäume in der Quarantänezone untersuchen. Die Invasion des Asiatischen Laubholzbockkäfers in Mitteleuropa fand, wie inzwischen bekannt wurde, schubweise an verschiedenen Orten statt. Der erste Angriff erfolgte auf das österreichische Städtchen Braunau (Hitlers Geburtsort) im Jahre 2001. Weitere Attacken auf Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz fanden seither in loser Folge statt und ließen bisher kein systematisches Muster erkennen. In Weil am Rhein soll der Feind durch eine Vorschriftslücke bzw eine lückenhaft umgesetzte Vorschrift eingedrungen sein. Außer dem Specht besitze der Käfer „in unseren Breiten“ keine natürlichen Feinde. Einen Ring von Spechtdivisonen um Weil am Rhein und Basel zusammenzuziehen, steht derzeit trotz aller Besorgnis nicht offiziell zur Debatte. Entsprechende Zusammenarbeiten beider Armeen diesseits und jenseits des Rheins verliefen traditionell „schwierig“. Inzwischen liegen auch Zahlen über den potentiellen Geländegewinn des Asiatischen Laubholzbockkäfers vor: seine tägliche Flugdistanz betrage durchschnittlich 270 Meter, maximal sogar anderthalb Kilometer, wobei „während seines 60tägigen Lebens mehrere Flugschübe möglich seien“. Unklar bleibt, ob es sich bei diesen Angaben um schlichte Landratsamtspropaganda handelt. Ungenannt bleiben wollende Quellen berichteten rheinsein von der angeblich „extremen Flugfaulheit“ der „als übertrieben gefährlich hochgejubelten“ Invasoren. Unterdessen kochen in der Region die Gerüchte: der Asiatische Laubholzbockkäfer habe sich längst mit dem Buchsbaumzünsler verbündet und verständigt, den gesamten Hochrhein zu entlauben; in Anspielung auf das im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange sei bei der Bevölkerung bereits von Bio-Orange und Krabbel-Orange die Rede.

    Wörterbuch: Allgemeinverfügung, Anstellleiter, Augenschein, Ausbohrloch, Baumkataster, Baumkontrolleur, Baumpfleger, Baumsteiger, Befallort, Begutachtung, Flugfaulheit, Flugschub, Genagsel, Grünschnittannahmeplatz, Hubsteiger, Landratsamt, Mitarbeiterparkplatz, Präventivrodung, Quarantäneschädling, Quarantänezone, Reifungsfraß, Rumänenfriedhof, Spürhundeführer

  2. Stan Lafleur
    5. Juni 2013 um 12:51

    Es ist noch nicht ausgestanden! Von der Laubholzbockkäferfront erfuhren wir dieser Tage aus der Badischen Zeitung folgende Neuigkeiten mit unterschwelligem Horrorpotential: „Im vergangenen Jahr sorgte der Asiatische Laubholzbockkäfer – ein Schädling, der gesunde Bäume befällt und auf Dauer zerstört – für Aufregung“, erinnert das Blatt. Und zwar nicht nur am Weiler Rheinhafen. Die chinesische Käferangst kroch durch ganz Deutschland. Womöglich ist die Gefahr noch nicht ausgestanden, denn nun befürchten die zuständigen Behörden, das gefräßige Insekt könnte im Weiler Rheinpark überwintert haben. Daher hätten sie ihre Kontrollen wieder aufgenommen und verfielen auf einen – wohl ebenfalls im langen Winter ausgedachten – Trick: „Darüber hinaus ließ das Landratsamt im Hafengebiet sieben sogenannte “Fangbäume” pflanzen, die neu eingeschleppte Käfer anlocken sollen. Die sieben Fangbäume stehen in Windschneisen in der Nähe der Entladeplätze. Es handelt sich um drei Meter hohe, großblättrige Ahornbäume, die zu den Lieblingsspeisen des Schädlings zählen, die aber gleichzeitig leicht zu kontrollieren sind.“

  3. lotta continua
    3. Januar 2014 um 10:46

    Die Schlachten gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer sind geschlagen, doch der Feind ist nicht ausgerottet, sondern schläft. Bevor er erwacht, gilt es, neue Kriegsmittel und -taktiken zu entwickeln. Das Landratsamt Lörrach hat die Ausweisung der Quarantänezone rund um den Friedlinger Hafen um zwei Jahre verlängert und im Hafengebiet 28 “Fangbäume” pflanzen lassen, zehn davon in transportablen Kübeln. Die beweglichen Biofallen – Ahornbäume, die vom Feind besonders gerne angeflogen werden – sollen überall dort zum Einsatz kommen, wo in Weil am Rhein Chinaimporte anlanden. Sichtungen ausgewachsener, kampffähiger Feinde waren in den vergangenen Monaten zwar negativ, doch wurden Feindlarven gelegentlich in frisch angelieferten Paletten erspäht und aufgerieben.

  4. Stan Lafleur
    25. März 2014 um 11:23

    Die Amerikaner gaben dem Vietcong den Spitznamen Charlie (von Victor Charlie für Vietcong). Nun erhielt auch der Asiatische Laubholzbockkäfer in Weil ein kriegerisches Namenskürzel: ALB. Die Nähe des Kürzels zu Albtraum ist augenfällig. Je länger der Feind sich am Hochrhein versteckt, desto besser werden seine Verhaltensweisen bekannt: neben dem Ahorn gelten nun Birken, Pappeln, Eschen und Kastanien als die Lieblingsbäume des ALB. Vereinzelt sind auch Buchen oder Robinien betroffen, Eichen hingegen verschmäht das Tier. Die Quarantänebestimmung, Importholz mit Hitze oder Mikrowellen zu behandeln, könne nicht durchgehend umgesetzt werden, schreibt nun die Weiler Zeitung, die auch davon berichtet, daß der ALB über den Rhein zu fliegen imstande sei, was die Vermutung nährt, daß er sich im Schweizer Hinterland neue Stellungen aufbauen könnte.

  5. Stan Lafleur
    17. Januar 2016 um 11:33

    Dreieinhalb Jahre währt der Krieg gegen den migrantösen Käfer, der nun seinem Ende entgegensehen könnte. Der Südkurier berichtet von augenscheinlich regenerierten Schauplätzen: “Ruhig geworden ist es in den letzten Monaten um den Asiatischen Laubholzbockkäfer im Rheinhafen. Momentan ruht der gefährliche Schädling – sollte er sich noch in der Quarantänezone aufhalten – zwar ohnehin, aber auch im Verlauf des vergangenen Jahres hat sich die Situation in Weil am Rhein etwas entspannt. (…) Das sogenannte Monitoring, also die regelmäßige Überwachung des Baumbestandes in der Quarantänezone durch Baumkontrolleure, Baumkletterer und Spürhunde, brachte keine konkreten Hinweise mehr auf den Asiatischen Laubholzbockkäfer (…). 2016 werden die Einfuhrkontrollen und das Monitoring im Rheinhafen und im Rheinpark fortgesetzt, im Landratsamt wurde sogar eine zusätzliche, zeitlich befristete Stelle dafür geschaffen.” In Weil herrsche indes das aus jüngsten Erfahrungen destillierte Bewußtsein, daß die Lage schlagartig sich ändern könne, falls im Frühjahr Käfer aus den befallenen Bäumen schlüpfen sollten.

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