Fehlfarben: Rhein in Flammen

“Die Plakate am Zaun sagen die Zeit bleibt stehn
Die Mahnungen zu Haus das Gegenteil
Musik will niemand mehr hören, nur noch sehn
15 Minuten sind schnell vorbei”

Amerikanische Bands entdecken neuerdings den Rhein, indem sie seine Wellen ein paar Jährchen nach der Hauptromantik zu Neofolk genannten musikalischen Hippiemoden verklären. Rheinische Bands hingegen kennen den Rhein schon etwas länger und haben ihm sein Hippietum im Rahmen von Punk und Elektro mit Schmackes ausgetrieben. Eine der innovativsten rheinischen Bands war zu Beginn der 80er Jahre Fehlfarben aus Düsseldorf, deren “Monarchie und Alltag”-Album (1980) neue Maßstäbe für deutschsprachige Popalben setzte. “Wir sind die Türken von morgen” heißt es dort verwirrend hellsichtig und verstörend nostalgisch: “Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat”. Die Fehlfarben gibt es bis heute, auf dem Album mit dem großartigen Schröderära-Titel “Knietief im Dispo” (2002) hört man die Band sich selbst zitieren, wofür sie nichtmal eine Extraportion Ironie benötigt, allwo rotzig vorgetragene Mehrdeutigkeit seit jeher als Stärke der seinerzeit im Ratinger Hof gezüchteten Truppe gilt. Im Lied “Rhein in Flammen” variiert Sänger Peter Hein den Tod der Menschheit über die Gesundheitsaspekte des Euros und der unter Düsseldorfer Dealern grassierenden Angewohnheit, ihre Geschäfte in die Straßenbahn zu verlegen.


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