Das 19te unterthänigst

I
Mitte des 19ten erscheint dann eine Schrift
des Titels „Der chemische Ackermann“
derweil der Rhein begradigt wird
Herr Tulla verscheucht die dicken Schnaken
Das Fräulein Loreley schaut trübe auf die Kähne
Die Dampfmaschinen für die Schiffe springen
morgen schon aus heißgelaufenen Fabriken
und jagen auch als Eisenbahnen
mit dreißig Kilometern durch das Land
Es fehlt an jeder Eisenbahnstation
ein kaltgemachter Passagier
Tribut für den Herrn Ziegenfuß
(so flüstert man sich´s unter Bauern zu)

II
Die Feuerungen der Fabriken verbrennen
den nächtlichen Beischlaf, das tägliche Saufen
Blaugemacht wird nicht im Jahre ´39
sonst wird die Hand zerrissen in der Transmission
wenn sie vom Rotweinkater zittert, die Hand
Und außerhalb vom Rotlichthaus
zahlt auch das Ficken sich nicht aus
Dort draußen in der aufgeräumten Welt
gibt es nurmehr fischbeinverstärkte Schnürkorsette
Was folgt ist Hysterie zur gefälligen Behandlung
durch den Herrn Doktor Freud am Ende des Jahrhunderts

III
„In der Berliner Fickanstalt
werden die Mädchen
auf die Betten geschnallt
Hose runter – Beine breit
Ficken ist ne Kleinigkeit“

Ein Gastbeitrag von Florian Voß, der in seinem noch relativ jungen Blog Verbotene Zone Einblicke in seine Gedankenwelt und die Berliner Lyrikszene gewährt. Es finden sich aber auch rheinisch konnotierte Betrachtungen, etwa über den Schloßgarten und die Musikszene Ende der 80er in Karlsruhe, wo der Autor seinerzeit aufwuchs.

Der obige Text erschien in: Dattenschatten Datenströme Staub im Verlagshaus J. Frank. rheinsein dankt dem Autor für die Publikationsgenehmigung!

Dattenschatten Datenströme Staub
Gedichte: Florian Voß, Illustration: Nicole Riegert, Quartheft 28, Edition Belletristik, 80 Seiten, Softcover, Erschienen im Mai 2011
Preis: 13,90 €
ISBN: 978-3-940249-46-3


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