Türkischer Rhein: rheinischer Döner

„Wie der Döner an den Rhein kam“ ist ein Dokumentarfilm von Katja Duregger, der vergangenen Freitag vom WDR ausgestrahlt wurde. Weil wir zu diesem Zeitpunkt gerade Richtung Bosporus flogen, hatten wir keine Gelegenheit, den Film anzuschauen. Dem WDR-Infotext zufolge habe sich der Döner zeitgleich mit den Industriekrisen im Rheinland etabliert. Unter den in den 70er Jahren entlassenen Arbeiten seien viele Türken gewesen, die in Deutschland bleiben wollten und auf die Lösung kamen, Imbisse mit heimatlichen Speisen zu betreiben. Anders ausgedrückt kam der Döner also an den Rhein, als er schon längst da war. Seine Idee war im Herzen des türkischen Gastarbeiters mit eingereist, es brauchte nur die Industriekrise, bis sie sich entfalten durfte. Zutaten wie Weiß- und Rotkohl gehörten, weiß der Text zum Film zu berichten, in der Türkei nicht in den Drehspießfladen (was wir bestätigen können). Ein Kölner Imbißbetreiber erklärt, Kraut sei nur deswegen im rheinischen Döner „weil die Deutschen so gern Kohl essen“. Comedian Fatih Çevikkollu bringt die Wortschöpfung „Hochkantschaschlik“ ins Spiel. (Am Bosporus wiederum gibt es ähnlich häufig wie Döner auch ein Horizontal- oder Längskantschaschlik namens Kokoreç, das sich in Deutschland auch mit Kohlbeilage bisher nicht durchsetzen konnte, vielleicht weil es aus Lammdarm besteht.) Aus den Tiefen der Industriekrise entwickelte sich die Dönerbude zum Erfolgsmodell. Der Infotext: „Vor allem junge Leute probierten und fanden es lecker. So lecker, dass Kemal Asçioglu, der mit einem Imbisswagen durch Duisburg fuhr und Döner anbot, seinen 26-jährigen Sohn Dursun zur Unterstützung aus der Türkei holte. “Mit Zwiebeln, Tomate und scharf” waren lange die einzigen deutschen Worte, die er konnte. Heute betreibt er erfolgreich sein Geschäft in Duisburg-Marxloh.“ (Der ein oder andere Leser dürfte noch wissen, daß wir der oben  beschriebenen Kultur einst mit einem Chapbook des lapidaren Titels grills sind ok huldigten. Der Wettbewerb um die originellsten rheinischen Imbißnamen, vor geraumer Zeit auf diesen Seiten eröffnet, läuft selbstredend weiter…)


 
 
 

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