Bodenseefischerei

Es wimmelt anbey dieser See von allerhand Arten Fische. Denn man fängt darinnen Hechte, Forellen, Karpfen, Aale, Schleyen, Grundeln, Raupen, Braßen, Barben, bis zu dreyßig Pfund schwer; ferner Burlinge, welche ziemlich groß werden, und Rinken, auch Rauchigel, so gar klein bleiben. Nichtweniger findet man darinnen Logeln, Aßeln, Fürnen und Ringeln, welche schier den Häringen gleichen. Desgleichen Alanden, welche samt den Drieschen bis zu vier Pfund anwachsen, aber nicht sonderlich gut sind. Hingegen sind die Langen, oder sogenanten Rheinlangen, eine Art von Lachsforellen, sehr wohl zu essen. Diese werden nicht nur in dem See selbst gefangen, sondern steigen auch den Rhein hinauf bis nach der Gegend Chur, wo sie bis auf vierzig Pfund schwer angetroffen werden. In der Gegend von Lindau und Bregenz werden diese Fische sonderlich gefangen. Sie wachsen in eine Länge von anderthalb bis zwey Ehlen, und zu einem Gewichte, wie schon gedacht, von dreyßig bis vierzig Pfund, da sie denn den Namen Rheinlanken, Innlanken oder Rheinlacher bekommen. Weil nun die Fischer ein so grosses Stük nicht allezeit auf einmal mit Vortheil loßwerden können, so befestigen sie ein kleines Stückgen Holz an einen Strik, ziehen diesen bis an das Holz durch des Fisches Ohren oder durch den hintersten Theil des Kopfs, und binden das andere Ende des Striks an einen Pfahl, der am Ufer des Sees, nahe bey ihren Fischerhäusern, stehet. Auf diese Art können sie ohne Gefahr dem Fisch einen Platz von dreyßig bis funfzig Schritte zu schwimmen vergönnen, und ihn so lang lebendig erhalten, bis sich eine Gesellschaft von Käufern zusammenfindet, oder etwa eine Hochzeit und andere grosse Mahlzeit vorfällt, bey welcher man eines so grossen Fisches auf einmal benöthiget ist. Gleichwohl sollen sie über fünf Jahr nicht leben, und nebst ihnen alle Arten obiger Fische im See jeden Monat ihre Natur verändern. Es giebt in diesem See auch Prächse, so an etlichen Orten Blicken heissen. Diese werden zehen Pfund schwer darinnen gefischet. Imgleichen hegt er Truschen, Aalruppen oder Quappen, so in Oesterreich Rutten heissen. Von diesen Fischen wird in einem gewissen alten Fischbuch gelesen, daß die Wirthe zu Rheinek, ohnweit dem Bodensee, ihren Gästen die Lebern aus den Aalruppen gekocht auftrügen, die Aalruppen selbst aber in dem Fischbehalter noch vierzehen Tage gehen liessen. Johnston bezeiget, daß dieses auch in Savoyen geschehe. Ferner findet man im Bodensee die Schaider oder Welse, deren einer oft mehr als einen Centner wieget, und von Geßnern ein deutscher Wallfisch genennet wird. Allda benamet man sie Wälinen, oder gleichsam Balänen. Sie werden jedoch selten gefangen, weil diese Fische gern in der Tiefe bleiben, und also sehr langsam hervorkommen. Man hält es sonsten auch nicht für gut, wenn sie gefangen werden. Den es soll sich alsdann jedesmal etwas sonderliches am Bodensee zutragen.

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)


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