Gorrh (17)

„Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt, Gorrhus gorrhus (das Männchen heißt vom September an auch G. musculus, das Weibchen G.a schizopulcherrima), ist ein höchst sonderbarer Wandergott, halb Wald-, halb Stadttier, halb aus reinem Nichts gesponnen, Dividende des Unnatürlichen, Nenner der Menschheit, Elektrospacke, manche sagen: Befall aus dem All. Aus dem Asfalt, wo er besonders entlang der Rheinschiene hinstreicht, steigt er oft im April schon, oft später, in langsamen Zügen in spitzwinkeligen Linien, die schwersten Gedanken voran, alle Flüsse Deutschlands hinauf, kommt im Mai bei Basel durch den Rhein her, schnellt sich mit kräftigem Schwanzschlag die Laufenburger Stromschnelle hinan, schwimmt im August in die kleinern Flüsse, zieht ohne Aufenthalt durch die Länge der Seen nach deren Zufluß, fährt diesen aufwärts, überspringt leicht Wehre und Rechen, verteilt sich in alle großen Seitenbäche, die schnellen Lauf und kiesigen Boden haben, und gelangt so in die Bergregion auf wunderbarer Irrfahrt. Hier laicht er vom Oktober bis Dezember und zieht dann wieder in großen Reihen flußabwärts, dorthin, wo er herkam, zurück. Es sind dies die Monate unter den Monaten, an denen er unsichtbar bleibt, wie auch zu anderen Monaten im Jahr. Seine dreißigtausendfache Vervielfältigung kann nur durch einen ebenso schweren Gedanken aufgehoben werden. Ein Gedankensprengsatz, gehalten von untereinander verkabelten, intelligent gesetzten Plastiksprengstoffkommata, ein eiliges, wuchtiges Gewebe, das den Riß in der Luft, den sein Erscheinen verursacht, zum Loch umreißt, dessen Rand zerfetzt, bis von allem Nichts nichts mehr übrig bleibt als die reine Vollkommenheit und Fülle, eine antimaterielle Überfülle, das nonmaterielle Megamaterial. „Süperendesüpere“, summt Gorrh zu Lichtmeß, knocht und wobbelt, protzt und schlorcht, Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt.“

(Obiges fanden wir in Strondtners Notizen. Der Text ist im Original s-förmig durchgestrichen. Oder markiert. Serpentiert? Wo zur Hölle ist Strondtner eigentlich abgeblieben?)


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