Neujahrsgrüße aus der Vergangenheit

Paris, 31. December 1842

Ich schreibe diese Zeilen in den letzten Stunden des scheidenden bösen Jahres. Das neue steht vor der Thüre. Möge es minder grausam seyn als sein Vorgänger! Ich sende meinen wehmüthigsten Glückwunsch zum Neujahr über den Rhein. Ich wünsche den Dummen ein bischen Verstand und den Verständigen ein bischen Poesie. Den Frauen wünsche ich die schönsten Kleider und den Männern sehr viel Geduld. Den Reichen wünsche ich ein Herz und den Armen ein Stückchen Brod. Vor allem aber wünsche ich, daß wir in diesem neuen Jahr einander so wenig als möglich verläumden mögen.

(aus: Heinrich Heine – Lutezia, in: Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke, in Verbindung mit dem Heinrich-Heine-Institut herausgegeben von Manfred Windfuhr)


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: