Schergenteufel (4)

(…) Und damit ich dir die allergrößten Heimlichkeiten, die ihr mit höllischem Wesen auf der Welt übt, vollends aufzähle, so muß ich von der unseligen Schandliebe sprechen; denn die Liebe ist wie ein großer Fleck oder ein Maß Oel, das ein ganzes Kleid schändet. Einige sind verliebt in sich selbst, einige in ihr Geld, einige in ihre Schriften, wie die Poeten, die mehr Liebe zu einem ihrer ungeschickten Verse tragen, als mancher Vater zu seinen wohlgestalteten Kindern. Ja, wie wüste, garstige Kinder ihre Mutter belustigen, so fuchsschwänzen und liebkosen die Poeten ihre häßlichen Verse, und einen jeden Schreiber betrügen seine eigenen Schriften und täuschen ihn vor den Ohren. Einige sind verliebt in ihre Weiber; deren sind aber am wenigsten zu finden, weil die Weiber entweder durch ihre halsstarrigen Köpfe, oder aber durch ihren Ungehorsam, durch Unfreundlichkeit, Unsauberkeit und andere Untugenden ihren Männern vielmals Ursach geben, die Hochzeit zu bereuen; insonderheit die schwatz- und waschhaften, die den armen Männern am meisten Mühe und Sorge machen. (…)

Ueber niemand aber sind wir in der Hölle mehr erzürnt als über die Maler, weil sie mit uns umgehen, als ob wir ihre Narren, ihre Verdammten, sie aber unsere Herren und Teufel wären, indem sie uns herunterreißen und malen nach ihrem Gefallen bald mit Klauen und Griffen, während wir doch weder Adler noch Greife sind; bald mit Hörnern und Habichtsnasen, obwohl wir weder Böcke noch Vögel sind; bald mit langen Kuhschwänzen, als ob wir die Mücken abwehren sollten, welche Ehre und Würde unter uns niemandem gebührt als dem Beelzebub, dem Obersten und seinen nächsten Untergebenen allein; bald malen sie uns mit Barten wie indische Hähne.

Der unter euch Menschen bekannte Maler Michel Angelo Buonarotti ward einstmals gefragt, warum er in seinem jüngsten Gericht uns unter sovielerlei Gestalten so gräßlich, so abscheulich, so wunderlich, so höhnisch und so fürchterlich gemalt habe? Da gab er zu seiner Entschuldigung diese kahle Antwort: er hätte sein Lebtag keinen Teufel gesehen, auch (wie die meisten Maler, Künstler, Hofleute und Hochgelehrte pflegen) viel weniger geglaubt, daß es eine Hölle und Teufel gäbe; dieses Verbrechen wäre also nicht seinem bösen Willen, sondern allein dem bloßen Wahn zuzuschreiben. Aber er hat nicht daran gedacht, daß Unkenntnis den Fehler nicht entschuldigt; hat er es nicht gewußt, so hätte er es wissen sollen. Es sind also die in gleichem Werth, welche wissen, was sie nicht wissen sollen, und welche nicht wissen, was sie wissen sollen.

Was wir aus denjenigen Malern machen, die einem Hofschranzen und dergleichen Leuten zu Gefallen allerlei Stellungen und Abbildungen der menschlichen Gestalt und Leiber malen, vor welche uns die unvorsichtige Jugend heimlich führt, das ist nach ihren treuen Diensten leicht zu erachten. Durch die Bilder von nackten Leibern reizen sie Männer wie Weiber zur Wollust. Dies geht euch an, ihr Herren Maler, denn „auch der gemalte Amor weiß zu reizen“. Aber „auch der geschriebene Amor weiß zu reizen“, das ist euch gesagt, ihr Herren Poeten!

(aus: Johann Michael Moscherosch – Philanders von Sittenwald wunderliche und wahrhaftige Gesichte, Erster Teil, Erstes Gesicht)


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