Szene am Düsseldorfer Hauptbahnhof

Am U-Bahnsteig zu morgendlicher Zeit. Die Leute sind auf dem Weg zur Arbeit. Ein Herr mit Rucksack, vom Augenschein vermutlich Akademiker, proklamiert. Näher heran. Er verkündet, was auf den Anzeigetafeln zu lesen ist: die Nummern und Uhrzeiten der demnächst eintreffenden Bahnen. Die er, der doch ebenfalls Arbeitspendler scheint, verstreichen läßt, um weiter seine Zahlen über den Bahnsteig zu rufen. Wenn sich auf der Anzeigetafel eine Weile nichts tut, streut er weitere Ankündigungen ein, etwa: „11.10.2011 Länderspiel, Deutschland-Belgien, 19 Uhr!“ (Das Länderspiel findet in Düsseldorf statt.) Mit den Zahlen scheint ers zu haben. Vielleicht Mathematiker? Gedächtniskünstler? Die Umstehenden ignorieren den Herrn so gut es eben geht. Denn er wirkt nicht, als würde er mit seinen Ankündigungen Geld verdienen. Das sprengt die Routine. Läßt ihn unseriös erscheinen. Dabei treffen alle seine Ansagen punktgenau zu. Selbst schwierige Situationen meistert er souverän. Als neben einer Zugankündigung mal keine Uhrzeit auftaucht: „Leute, dritte Bahn von oben, geplante Einfahrt 7 Uhr 12, verzögert sich wahrscheinlich! Bitte etwas Geduld!“


 
 
 

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