Handelt es sich bei Leonardos Elefanten um Rheinelefanten?

In Leonardo da Vincis Bestiarium findet sich ein Eintrag über den Elefanten, der, so wie er gehalten ist, speziell den Rheinelefanten meinen dürfte; allein, die Wissenschaft sammelt noch (über die Flußaffinität und das Drachenvorkommen hinaus) Indizien für diese These.

“62. Der Elefant
Der große Elefant hat von Natur aus, was sich selten bei Menschen findet, nämlich: Ehrlichkeit, Klugheit, Gerechtigkeitssinn und Gehorsam im Glauben; denn sobald der Neumond wiederkehrt, begeben sich die Elefanten zum Fluß und waschen und reinigen sich in ihm feierlich; indem sie so den Mond begrüßt haben, kehren sie in die Wälder zurück. Wenn sie krank auf dem Rücken liegen, werfen sie Gras zum Himmel, so als wollten sie opfern. Sie vergraben ihre Zähne, wenn sie ihnen vor Alter ausfallen. Von den beiden Stoßzähnen benutzt der Elefant den einen, um Wurzeln auszugraben, von denen er sich ernährt; vom andern bewahrt er die Spitze zum Kämpfen. Wenn Elefanten von Jägern bezwungen werden und Müdigkeit sie überfällt, schlagen sie einander die Stoßzähne ein, reißen sie heraus und kaufen sich mit ihnen frei. Sie sind barmherzig, und sie erkennen Gefahren. Trifft ein Elefant einen Menschen allein und verirrt, bringt er ihn gern auf den verlorenen Weg zurück. Findet er die Fußspur eines Menschen, ehe er den Menschen selbst sieht, fürchtet er einen Hinterhalt; daher bleibt er stehen und trompetet den anderen Elefanten seinen Fund zu; daraufhin sammelt sich die Elefantenherde und geht vorsichtig davon; sie ziehen immer als Herde: der älteste Elefant geht voran, der zweitälteste als letzter – so leiten sie die Herde. Sie sind äußerst schamhaft, so daß sie sich nur bei Nacht und im Verborgenen paaren und erst dann zur Herde zurückkehren, wenn sie sich im Flusse gewaschen haben. Sie kämpfen nicht um ihre Weibchen wie andere Tiere. Sie sind so barmherzig, daß sie von Natur aus jenen ungern Schaden zufügen, die weniger stark sind als sie selbst. Gerät ein Elefant unterwegs in eine Schafherde, so schiebt er die Schafe mit seinem Rüssel beiseite, um sie nicht mit den Beinen zu zertrampeln. Sie fügen keinem ein Leid zu, außer, sie werden herausgefordert. Ist ein Elefant in einen Graben gestürzt, so füllen andere den Graben mit Zweigen, Erde und Steinen aus, indem sie auf diese Weise den Boden erhöhen, und der Elefant leicht wieder herauskommt. Sie verabscheuen das Gequietsche der Schweine so sehr, daß sie zurückweichen und mit ihrem Getrampel Schaden anrichten, der für sie nicht weniger groß ist als für ihre Feinde. Sie lieben Flüsse und wandern immer an ihnen entlang; aber wegen ihres großen Gewichts können sie nicht schwimmen. Sie fressen Steine, und Baumstämme sind ihnen eine besonders willkommene Speise. Sie hassen die Ratten. Die Fliegen lieben ihren Geruch; wenn sie sich aber auf seinen Rücken setzen, runzelt der Elefant seine Haut und tötet sie zwischen den zusammengepreßten Falten. Wollen Elefanten Flüsse durchqueren, stellen sich die Jungen in Richtung des Gefälles des Wassers, und da sie selbst gegen den reißenden Strom stehen, brechen sie den einheitlichen Lauf des Wassers, daß die Strömung sie nicht mitreißen kann. Der Drache wirft sich unter den Leib des Elefanten, sein Schwanz windet sich um dessen Beine, mit den Flügeln und Krallen umspannt er seine Rippen und mit den Zähnen durchbeißt er ihm die Kehle; der Elefant fällt auf den Drachen, und der zerplatzt: so rächt er sich an seinem Feind noch im eigenen Tod.”

(aus: Leonardo da Vinci – Der Nußbaum im Campanile, herausgegeben von Isolde Rieger, München 1989)


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2 Kommentare zu “Handelt es sich bei Leonardos Elefanten um Rheinelefanten?”

  1. l. feuerbach
    24. August 2011 um 08:57

    die religion beruht auf dem wesentlichen unterschiede des menschen vom tiere – die tiere haben keine religion. die ältern kritiklosen zoografen legten wohl dem elefanten unter andern löblichen eigenschaften auch die tugend der religiösität bei; allein die religion der elefanten gehört in das reich der fabeln. cuvier, einer der größten kenner der tierwelt, stellt, gestützt auf eigne beobachtungen, den elefanten auf keine höhere geistesstufe als den hund.

  2. mattermani
    1. September 2011 um 07:05

    Was isst dr Elefant z`Mittag?
    Panierte Fisch mit Chöhli.
    U d`Greeme, wo`s zum Dessert git?
    Die laht er stah, dä Löli.

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