Adolf Clarenbach (2)

Drachenfels

Kennt ihr die sieben Berge,
Das Siebengebirge am Rhein?
Sie ragen und sie blauen
So stolz ins Land hinein,
Und drunten glänzt wie Silber
Der majestätische Strom,
Drin spiegeln sich die Burgen,
Die Städte und der Dom.

`S war Sommer. Die Schiffe zogen
Mit Wimpeln vorbei auf den Well`n,
Sie schleppten schwere Frachten
Für die reichen Kaufherrn in Köln.
Die Mägdlein und die Knaben,
Sie zogen rheinauf, rheinab
Und grüßten die milden Lüfte
Mit Hut und Wanderstab.
Das ist ein Singen und Jauchzen
Im Sommer am grünen Rhein!
Ein fröhlicher Volk auf Erden
Mag nirgend zu finden sein.
Die fernen Hügel klingen
Im Widerhall mit ein
Und wandeln die jubelnden Lieder
In funkelnden goldenen Wein.

Am Ufer bei Königswinter
Zieht eine Studentenschar
Mit Samtbarett und Degen,
Magister und Scholar.
Sie haben die schweren Folianten
Mit Wonne geworfen beiseit,
Denn wiederum ist gekommen
Die goldene Ferienzeit.
Sie schwenken ihre Hüte,
Wie ist die Welt so schön!
Sie singen mit hellen Stimmen
Es schallt hinauf zu den Höhn:

“Eine Stadt liegt drunten am Rheine,
Am großen gewaltigen Strom,
So herrlich weiß ich keine
Mit Kirchen, Türmen und Dom.
Es spiegeln sich Burgen und Masten
Im leuchtenden, grünen Rhein
Es tragen die Schiffe in Lasten
Die Schätze der Erde hinein.

In Sälen sitzen und schwitzen
Die Jünger der Wissenschaft,
Es fliegen die Klingen und blitzen
Voll Mut und Jugendkraft.
Und wandeln die blonden Zöpfe
Und blauen Augen am Rhein,
So verdrehen sie uns die Köpfe,
Wir besingen sie beim Wein.

Die sieben Berge winken
Herüber im Märchenduft,
Des Stromes Wellen blinken,
Und alles zur Freude ruft.
Dann satteln wir die Rosse
Und fliegen ins Land hinein
Und schauen vom trutzigen Schlosse
Hernieder, vom Drachenstein.”

In Königswinter kehren
Im goldenen Anker sie ein
Und löschen aus kühlem Keller
Den Durst mit funkelndem Wein.
Sie sitzen auf hoher Terrasse
Sehn drunten des Stromes Lauf
Und singen die goldenen Lieder
Zum Drachenfelsen hinauf.
Das war ein fröhlich Zechen
Am strömenden heiligen Rhein,
Man sagt, solch fröhliches Trinken
Soll nirgend zu finden sein.
Jetzt ruft beim letzten Humpen
Der lange Peter: “Wohlauf
Ihr lieben Kommilitonen,
Hört an und merket auf:
`S ist heute am samstag der elfte
Im Erntemond August
Den Gott der Herr geschaffen
Der ganzen Welt zur Lust.
Wir ziehen für vier Wochen
In alle Winde hinaus,
Um brave Philister zu werden
Bei Vater und Mutter zu Haus.
Doch heute über vier Wochen
Da finden wir uns fein
Vollzählig, wie wir hier sitzen,
Im goldenen Anker ein.
Und wer dazu sich verbindet,
Besinne sich nicht lang
Und stimme nach Burschensitte
Frisch ein durch Becherklang!”
Da klingen die vollen Römer,
Beendet wird der Schmaus,
Und lustig ziehen die Brüder
In alle Welt hinaus.

***

(aus: Ludwig Schneller – Adolf Clarenbach. Abseits der beschriebenen Szenerie wartet bereits der stille Held Adolf Clarenbach. Er wird sich im Laufe des Epos ritterlichen Prüfungen wie einem Singturnier unterziehen müssen, deren Ausgänge trotz langatmig geschilderter Szenerien so absehbar sind wie die verwendeten Endreime.)


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