Monatsarchiv für August 2011

 
 

Arbon

Ostwind-Exkursion an den rheindurchströmten Bodensee. Die Bahntrasse gesäumt von Golfspielern und stochernden Störchen. Ab Buchs und ganz verstärkt ab St. Margrethen zu beobachten: rapide steigende Passagieranteile von Seniorinnen und dunkleren Hauttypen, eine typische Szene für die Afrikanische (anderen Quellen zufolge: Indische) Schweiz. Das Tagesticket verführt zu Pingpong-Reisen zwischen dem St. Gallischen und dem Thurgauischen: Arbon, Rorschach und Romanshorn heißen die Stationen. Alle drei Orte besitzen ihre Häfen und Seepromenaden. WELLEN WOLLEN WALLEN hat jemand drei wagnersch-wuchtige Witzworte aus dünnen Brettern am Arboner Ufer zusammengezimmert; das Holzgespreite liegt flach im Schwappwasser und ist kaum lesbar, aber Kunst. Etwa dreißig Meter vom Ufer entfernt steht ein Quader im See, der (“nur für Einzelpersonen!”) über ein Ziehleinenboot zu erreichen ist und als poetische Eremitage dienen soll, in der auch ein Nachtlager möglich sei:

eremit

Mehr solch öffentlicher Naherholungseinsiedeleien hier und dort und sonstwo überall am Rhein – und die aktuelle Dichterschwemme nähme womöglich tsunamisch-teuflische Ausmaße an. Ob in besagtem Eremitengehäuse gedichtet – oder doch außerhalb: eine lyrische Betrachtung von Maruen und J.A.Z., die das gesamte Wasserskulpturenensemble beschreibt, dem noch ein Eimerbrunnen mit amputierten Händen angehört, findet sich genau zu des Fotografen Füßen – man beachte das tiefsinnige Wortspiel mit Lancelot:

Lance l`eau

Au bout du quai
Et relié à la rive
A l`écart et à échelle humaine
Tendu vers un hypothétique départ
Et un retour certain
Espace aquatique clos

Juste une possibilitée d`écouter differemment
L`eau du lac jouant entre les planches
Celles du quai et celles du récipient
Seaux infirmes de leurs anses
Mains amputées de leurs poignets
Mais l`eau qui danse

Lance l`eau

***

Abseits zeitgenössischer Uferkunst besitzt Arbon eine Altstadt und sogar eine eigene Steinzeitkultur. Das Stadtwappen besteht aus einem stilisierten, nicht näher spezifizierbaren, aber glücklichen Laubbaum (arbor felix), in dessen Krone nicht näher spezifizierbare Vögel nisten, von denen einer senkrecht-kopfüber, also mit comichafter Waghalsigkeit in ein von zwei nicht näher spezifizierbaren prächtigen Fischen bevölkertes Gewässerhalbrund stürzt. Das Arboner Wappen flattert überall auf Fahnen über der Arboner Altstadt und macht deutlich mehr her als manches andere Stadtwappen. Die Arboner Kunsthalle sieht aus wie eine Remise und ist nur an seltenen Wochentagen für zwei Stunden geöffnet. Die Kunst im innerstädtischen, nicht direkt am Ufer gelegenen Raum besteht aus recht experimentellen Versen („Frau verbrüht / Waffen in / Polizei nimmt / der Xamax / Ex-Mann / mit Kabine“), deren typisch schweizerische Kargheit massig Interpretationsspiel läßt – oder aus herkömmlichen Preisungen des Herrn:

gott-hilft

Am Arboner Hafen sehen wir eine mondäne Dame in Kalbsschnitzel-Sandalen und lernen neue Wörter wie „Schlipf-Benützung“ und „Bilgenschwein“. Außerdem gibt es ein bisher völlig an uns vorbeigegangenes Verbot der großen Verbotsnation Schweiz zu entdecken:

verboten

Lena Nitro

nitro

Bei der Erotikmesse zu Hohenems gibt sich Lena Nitro (eine Art Bestellloreley) die Ehre, wie wir den Anschlägen der “Dorf und Vereinsmitteilungen” am Sennwalder Volg-Markt entnehmen. Sennwald ist darüberhinaus Geburtsort der Anna Göldi, einer der letzten in Europa als Hexe hingerichteten Frauen und Heimat des “Schwarzen Ritters” Johann Philipp von Hohensax, dessen Mumie in der evangelischen Kirche aufbewahrt sein soll, die wir in derselben allerdings nicht zu entdecken vermochten. Lena Nitro jedenfalls dünkt uns ein explosiver Name, ein (super)heldischer sogar, der uns sogleich an den unglaublichen Tony Terror erinnert, in dem auch einiges an Sprengkraft steckte.

Eisgang bei Cölln 1784

eisgang-in-köln-1784_jp-gof

Eigentliche Vorstellung Zum Imerwärende Andencken Des Traurigen Schicksals der Stadt Cölln. Da im Jahr 1784 der Gewaltigen Rhein Strom Sich durch Die Zum Höchsten grad gestiegene Kält 16 Fus Dieff Zusamen Sackte, Und 47 Täg Maur Fest die Schwerste Läst Von Einem Uffer Zum Anderen Beförderte. je Tieffer nun die Zufrierung des Stroms Ware, desto Gewaltsamer Muste der Aufbruch Sein. Da am 27 Feb Wurden Durch den Gewaltsamen Drang des Eises 4 Krahnen Zugrunde gerichtet. Die Landbrück. Schiffbrück. Eisbock Seind von den Rassenden Strom Mit genohmen Worden, 16 Holländischen und Viele Oberländische Schif Zu Grunde Gegangen. Die Stadt Mauren Umgeworffen Samt den Angräntzenden Häuser, und Unzähligen Menschen Zerschmettert, das Waßer Ware bey Diesem Sturm 11 Schuhe, 3 Zoll Höher als 1740. Wodurch Dan Beynächst die Gantze Stadt in Wasser Gesetzet wurde. Auch hat Diese Entsetzliche Hohe Flut jenseit dem bayen thurm Einen ausbruch Gethan. Wovon Viele Felder über Schwemmet. Auch alle Graben Rings um die Stadt Mit Wasser Angefüllet, und der unter der Müntze Ausgebrochene Flut hat in Mauenheim Und andere Örther Viel Schaden gethan. A. Deutz Hat Etlige Häuser und allen Ihr Vieh Verlohren. B. Mülheim hat 161 Häußer und Viel Menschen Eingebüßst. C. Roden Kirchen Hat Gleiches SchicKßall Gehabt. AltenMarcK und HeumarK waren 4 bis 7 Fuß unter Wasser Gesetz

(Kupferstich von J. P. Goffart)

eau de cologne

am fischmarkt
kommt eine ratte
ins zimmer geschwommen

flott habe ich die
pfannen erklommen mache
mit vögeln radau

tatü tata jodeln
feuerwehrmänner –
ein penner taucht

feucht fröhlich tot
in einer tiefen garage:
et kütt wie

et kütt
verwandte kondome
(nebst damen-

binden)
sind unrhein am morgen
im schlamm zu

finden immer noch
linsen weltfremde augen
lauern auf die leich

(Ein Gastbeitrag von Theo Breuer. rheinsein dankt!)

Munggafürz

munggafuerz

Einen grandiosen Blick aufs Rheintal und das umgebende Bergpanorama mit Gipfeln wie den Drei Schwestern (die, vormals menschliche Kinderlein, wegen sonntäglichen Blaubeersammelns, eine wenig bekannte christliche Strafe, versteinert wurden), Altmann, Alvier oder Säntis genießen diese Murmeltiere (lokal: Mungga) nebst tyischen Alphüttengetränken wie Schümlipflümli, Chrüüterlutz und eben Munggafurz in ihrer Freizeit auf etwa 1450 Metern Höhe. Zum Jassen fehlt ihnen heute der Vierte. So pfeifen sie kleinen Zierhunden hinterher und überlassen sich dem Sommerdunst, der mit der Brise von den Hängen schwappt. Veranlaßt vom kaum ortbaren Glocken der Kühe, den gleißenden Reflexionen auf den Hüllblättern der Silberdistel und den älplerischen Signalen schwach blinkender Enziankelche beginnen sie bald mit Schunkeln und Schenkelklopfen. Ihr ohnehin schon zungenbrecherischer Dialekt ist nun praktisch nicht mehr zu verstehen: sie behalten viele Wörter, Halbsätze und Sätze über lange Zeit in den Pausbacken ein, bevor sie sie, als nun gleichzeitiges Gemisch, um die Schneidezähne herum ins Freie entlassen: eine völlig sinnfreie Diskussion, die ihnen einen Heidenspaß zu bereiten scheint. (Aufgabe: diese Sprache erlernen und verschriftlichen (spezielle Partitur!), sie vor dem Aussterben bewahren, mehr noch: ihr zu breiter Popularität verhelfen.)

The Brook Rhine

Small current of the wilds afar from men,
Changing and sudden as a baby`s mood;
Now a green babbling rivulet in the wood,
Now loitering broad and shallow through the glen,
Or threading `mid the naked shoals, and then
Brattling against the stones, half mist, half flood,
Between the mountains where the storm-clouds brood;
And each change but to wake or sleep again;
Pass on, young stream, the world has need of thee;
Far hence a mighty river on its breast
Bears the deep-laden vessels to the sea;
Far hence wide waters feed the vines and corn.
Pass on, small stream, to so great purpose born,
On to the distant toil, the distant rest.

(Augusta Davies Webster)

Ente und Krokodil

ente-und-krokodilDie Geschichte der Rheinkrokodile darf fortgeschrieben werden. Passend zum ausklingenden Sommerloch gelang unserem Korrespondenten Rainer Vogel nahe der Kittelbachmündung bei Kaiserswerth gestern diese vielsagende Aufnahme eines spannungsgeladenen Dämmerungsidylls.

Anne of Geierstein (3)

(…) The English merchant hesitated a moment. He had no fancy for any new companion on the road, and although the countenance of the priest was rather handsome, considering his years, yet the expression was such as by no means invited confidence. On the contrary, there was something mysterious and gloomy which clouded his brow, though it was a lofty one, and a similar expression gleamed in his cold gray eye, and intimated severity and even harshness of disposition. But notwithstanding this repulsive circumstance, the priest had lately rendered Philipson a considerable service, by detecting the treachery of his hypocritical guide, and the merchant was not a man to be startled from his course by any imaginary prepossessions against the looks or manners of any one, or apprehension of machinations against himself. He only revolved in his mind the singularity attending his destiny, which, while it was necessary for him to appear before the Duke of Burgundy in the most conciliatory manner, seemed to force upon him the adoption of companions who must needs be obnoxious to that prince; and such, he was too well aware, must he the case with the Priest of St. Paul’s. Having reflected for an instant, he courteously accepted the offer of the priest to guide him to some place of rest and entertainment, which must be absolutely necessary for his horse before he reached Strassburg, even if he himself could have dispensed with it.”

The party being thus arranged, the novice brought forth the priest’s steed, which he mounted with grace and agility, and the neophyte, being probably the same whom Arthur had represented during his escape from La Ferette, took charge, at his master’s command, of the baggage-horse of the English man; and, crossing himself, with a humble inclination of his head, as the priest passed him, he fell into the rear, and seemed to pass the time, like the false brother Bartholemew, in telling his beads, with an earnestness which had perhaps more of affected than of real piety. The Black Priest of St. Paul’s, to judge by the glance which he cast upon his novice, seemed to disdain the formality of the young man’s devotion. He rode upon a strong black horse, more like a warrior’s charger than the ambling palfrey of a priest, and the manner in which he managed him was entirely devoid of awkwardness and timidity. His pride, whatever was his character, was not certainly of a kind altogether professional, but had its origin in other swelling thoughts which arose in his mind, to mingle with and enhance the self-consequence of a powerful ecclesiastic.

As Philipson looked on his companion from time to time, his scrutinizing glance was returned by a haughty smile, which seemed to say, “You may gaze on my form and features, but you cannot penetrate my mystery.”

The looks of Philipson, which were never known to sink before mortal man, seemed to retort, with equal haughtiness, “Nor shall you, proud priest, know that you are now in company with one whose secret is far more important than thine own can be.”

At length the priest made some advance towards conversation, by allusion to the footing upon which, by a mutual understanding, they seemed to have placed their intercourse.

“We travel then,” he said, like two powerful enchanters, each conscious of his own high and secret purpose; each in his own chariot of clouds, and neither imparting to his companion the direction or purpose of his journey.”

“Excuse me, father,” answered Philipson, “I have neither asked your purpose, nor concealed my own, so far as it concerns you. I repeat, I am bound to the presence of the Duke of Burgundy, and my object, like that of any other merchant, is to dispose of my wares to advantage.”

“Doubtless it would seem so,” said the Black Priest, “from the extreme attention to your merchandise which you showed not above half an hour since, when you knew not whether your bales had crossed the river with your son, or were remaining in your own charge. Are English gentlemen usually so indifferent to the sources of their traffic?”

“When their lives are in danger,” said Philipson, “they are sometimes negligent of their fortunes.”

“It is well,” replied the priest, and again resumed his solitary musings; until another half-hour’s travelling brought them to a dorff, or village, which the Black Priest informed Philipson was that where he proposed to stop for the night.

“The novice,” he said, “will show you the inn, which is of good reputation, and where you may lodge with safety. For me, I have to visit a penitent in this village, who desires my ghostly offices; — perhaps I may see you again this evening, perhaps not till the next morning; — at any rate, adieu for the present.”

So saying, the priest stopped his horse, while the novice, coming close up to Philipson’s side, conducted him onward through the narrow street of the village, whilst the windows exhibited here and there a twinkling gleam, announcing that the hour of darkness was arrived. Finally he led the Englishman through an archway into a sort of courtyard, where there stood a car or two of a particular shape, used occasionally by women when they travel, and some other vehicles of the same kind. Here the young man threw himself from the sumptor-horse, and placing the rein in Philipson’s hand disappeared in the increasing darkness, after pointing to a large but dilapidated building, along the front of which not a spark of light was to be discovered from any of the narrow and numerous windows, which were dimly visible in the twilight.

(aus: Walter Scott – Anne of Geierstein, or The Maiden of the Mist, Kapitel 18, Edinburgh 1829)

Anne of Geierstein (2)

(…) Here he was interrupted by the door of the chapel suddenly opening, when an ecclesiastic appeared on the threshold. Philipson instantly knew the Priest of Saint Paul’s, whom he had seen that morning at La Ferette. Bartholomew also knew him, as it would seem; for his officious hypocritical eloquence failed him in an instant, and he stood before the priest with his arms folded on his breast, like a man who waits for the sentence of condemnation.

“Villain,” said the ecclesiastic, regarding the guide with a severe countenance, “dost thou lead a stranger into the houses of the Holy Saints, that thou mayst slay him, and possess thyself of his spoils? But Heaven will no longer bear with thy perfidy. Back, thou wretch, to meet thy brother miscreants, who are hastening hitherward. Tell them thy arts were unavailing, and that the innocent stranger is under MY protection — under my protection, which those who presume to violate will meet with the reward of Archibald de Hagenbach?”

The guide stood quite motionless, while addressed by the priest in a manner equally menacing and authoritative; and no sooner did the latter cease speaking, than, without offering a word either in justification or reply, Bartholomew turned round, and retreated at a hasty pace by the same road which had conducted the traveller to the chapel.

“And do you, worthy Englishman,” continued the priest, “enter into this chapel and perform in safety those devotions, by means of which yonder hypocrite designed to detain you until his brethren in iniquity came up. But first, wherefore are you alone? I trust naught evil hath befallen your young companion?”

“My son,” said Philipson, “crosses the Rhine at yonder ferry, as we had important business to transact on the other side.”

As he spoke thus, a light boat, about which two or three peasants had been for sonic time busy, was seen to push from the shore, and shoot into the stream, to which it was partly compelled to give way, until a sail stretched along the slender yard, and supporting the bark against the current, enabled her to stand obliquely across the river.

“Now, praise be to God!” said Philipson, who was aware that the bark he looked upon must be in the act of carrying his son beyond the reach of the dangers by which he was himself surrounded.

“Amen!” answered the priest, echoing the pious ejaculation of the traveller. “Great reason have you to return thanks to Heaven.”

“Of that I am convinced,” replied Philipson; “but yet from you I hope to learn the special cause of danger from which I have escaped?”

“This is neither time nor place for such an investigation,” answered the priest of Saint Paul’s. “it is enough to say, that yonder fellow, well known for his hypocrisy and his crimes, was present when the young Switzer, Sigismund, reclaimed from the executioner the treasure of which you were robbed by Hagenbach. Thus Bartholomew’s avarice was awakened. He under-took to be your guide to Strassburg, with the criminal intent of detaining you by the way till a party came up, against whose numbers resistance would have been in vain. But his purpose has been anticipated. — And now, ere giving vent to other worldly thoughts, whether of hope or fear, — to the chapel, sir, and join in orisons to Him who hath been your aid, and to those who have interceded with Him in your behalf.”

Philipson entered the chapel with his guide, and joined in returning thanks to Heaven and the tutelary power of the spot, for the escape which had been vouchsafed to him.
Here a novice appeared from the vestiary of the chapel at his call, and received commands to inquire at the hamlet whether Philipson’s bales, with the horse which transported them, had been left there, or ferried over along with his son.

The novice, being absent a few minutes, presently returned with the baggage-horse, which, with its burden, Arthur, from regard to his father’s accommodation, had left on the western side of the river. The priest looked on attentively, while the elder Philipson, mounting his own horse, and taking the rein of the other in his hand, bade the Black Priest adieu in these words, — “And now, father, farewell! I must pass on with my hales, since there is little wisdom in travelling with them after nightfall, else would I gladly suit my pace, with your permission, so as to share the way with you.”

“If it is your obliging purpose to do so, as indeed I was about to propose,” said the priest, “know I will be no stay to your journey. I have here a good horse; and Melchior, who must otherwise have gone on foot, may ride upon your sumptor-horse. I rather propose this course, as it will be rash for you to travel by night. I can conduct you to an hostelry about five miles off, which we may reach with sufficient daylight, and where you will be lodged safely for your reckoning.” (…)

(aus: Walter Scott – Anne of Geierstein, or The Maiden of the Mist, Kapitel 18, Edinburgh 1829)

Anne of Geierstein

Upon the Rhine, upon the Rhine they cluster.
The grapes of juice divine,
Which makes the soldier’s jovial courage muster;
0 blessed be the Rhine!

–Drinking Song

A cottage or two on the side of the river, beside which were moored one or two fishing-boats, showed the pious Hans had successors in his profession as a boatman. The river, which at a point a little lower was restrained by a chain of islets, expanded more widely, and moved less rapidly, than when it passed these cottages, affording to the ferryman a smoother surface, and a less heavy stream to contend with, although the current was even there too strong to be borne up against, unless the river was in a tranquil state.

On the opposite bank, but a good deal lower than the hamlet which gave name to the ferry, was seated on a small eminence, screened by trees and bushes, the little town of Kirchhoff. A skiff departing from the left bank was, even on favorable occasions, carried considerably to leeward ere it could attain the opposite side of the deep and full stream of the Rhine, so that its course was oblique towards Kirchhoff. On the other hand, a boat departing from Kirchhoff must have great advantage both of wind and oars, in order to land its loading or crew at the Chapel of the Ferry, unless it were under the miraculous influence which carried the image of the Virgin in that direction. The communication, therefore, from the east to the west bank, was only maintained by towing boats up the stream, to such a height on the eastern side, that the leeway which they made during the voyage across might correspond with the point at which they desired to arrive, and enable them to attain it with ease. Hence, it naturally happened, that the passage from Alsace into Swabia being the most easy, the ferry was more used by those who were desirous of entering Germany, than by travellers who came in an opposite direction.

When the elder Philipson had by a glance around him ascertained the situation of the ferry, he said firmly to his son, — “Begone, my dear Arthur, and do what I have commanded thee.”

With a heart rent with filial anxiety, the young man obeyed, and took his solitary course towards the cottages, near which the barks were moored, which were occasionally used for fishing, as well as for the purposes of the ferry.

“Your son leaves us?” said Bartholomew to the elder Philipson.

“He does for the present,” said his father, “as he has certain inquiries to make in yonder hamlet.”

“If they be,” answered the guide, “any matters connected with your honor’s road, I laud the Saints that I can better answer your inquiries than those ignorant boors, who hardly understand your language.”

“If we find that their information needs thy commentary,” said Philipson, “we will request it — meanwhile, lead on to the chapel, where my son will join us.”

They moved towards the chapel, but with slow steps, each turning his looks aside to the fishing hamlet; the guide as if striving to see whether the younger traveller was returning towards them, the father anxious to descry, on the broad bosom of the Rhine, a sail unloosed, to waft his son across to that which might be considered as the safer side. But though the looks of both guide and traveller were turned in the direction of the river, their steps carried them towards the chapel, to which the inhabitants, in memory of the founder, had given the title of Hans-Chapelle.

A few trees scattered around gave an agreeable and silvan air to the place; and the chapel, that appeared on a rising ground at some distance from the hamlet, was constructed in a style of pleasing simplicity, which corresponded with the whole scene. Its small size confirmed the tradition that it had originally been merely the hut of a peasant; and the cross of fir-tree, covered with bark, attested the purpose to which it was now dedicated. The chapel and all round it breathed peace and solemn tranquillity, and the deep sound of the mighty river seemed to impose silence on each human voice which might presume to mingle with its awful murmur.

When Philipson arrived in the vicinity, Bartholomew took the advantage afforded by his silence to thunder forth two stanzas to the praise of the Lady of the Ferry, and her faithful worshipper Hans, after which he broke forth into the rapturous exclamation, — “Come hither, ye who fear wreck, here is your safe haven! — Come hither, ye who die of thirst, here is a well of mercy open to you! — Come those who are weary and far-travelled, this is your place of refreshment!” — and more to the same purpose he might have said, but Philipson sternly imposed silence on him.

“If thy devotion were altogether true,” he said, “it would be less clamorous; but it is well to do what is good in itself, even if it is a hypocrite who recommends it. — Let us enter this holy chapel, and pray for a fortunate issue to our precarious travels.”

The pardoner caught up the last words.

“Sure was I,” he said, “that your worship is too well advised pass this holy place without imploring the protection and influence of Our Lady of the Ferry. Tarry but a moment until I find the priest who serves the altar, that he may say a mass on your behalf.”

(aus: Walter Scott – Anne of Geierstein, or The Maiden of the Mist, Kapitel 18, Edinburgh 1829)

Die totale Schweiz

Es ist stets möglich, daß wir fremde Gegenden, zB unbekannte Rheingegenden, ganz anders wahrnehmen als ihnen gebührte, insbesondere wenn die Besuche nur Minuten oder Stunden währen und kein Reiseführer zuvor bzw kein Einheimisches währenddessen uns die tieferen Geheimnisse des zu erfahrenden Raums entdeckt. Dieser Tage radelten wir, um dem Wachstumslärm zu entgehen, welchen Schaan werktagsüber entfacht, über den Fluß hinüber in die Schweiz. Das war nicht ganz leicht. Die Sonne hieb bereits über den Kartoffeläckern des fürstlichen Rheintals wie irre auf die wenigen Radler hinab. Die Pedalisten verfielen also ins Zickzack, den Stichen der Sonne zu entgehen. Das gab ein wahnhaftes Bild und war noch längst nicht alles: wir sahen und staunten über recht außergewöhnliche Helmtrachten mit Blitzableitern und anderen Deflektoren: die Raubvögel schrieen, sobald sie einen solchen Kopfschutz erblickten. Bei dem kleinen Deichanstieg im Galeriewäldchen wurden Baumstämme am Stück gehäckselt. Verschwitzt und mit Holzspänen gespickt überquerten wir den gletschermilchigen Strom mit seinen glitzernden Krönchen. Der Werdenberger See bot Schatten und neue Lärmqualitäten: daß der Aufbau eines Fest- oder Messezelts dieselben teuflischen Sounds zu entfachen vermag wie die Elektrowerkzeuge und Betonmischmaschinen des gewöhnlichen Hausbaus steht nun dreifach unterstrichen in unserem Tagebuch. Der umgehend einsetzende Fluchtreflex führte am Fuße der Berge entlang gen Süden. Diese Rheintalwinkel hatten wir bisher noch kaum erforscht, um ehrlich zu sein: wir dachten, da gäbe es nichts zu entdecken. Doch durften wir bald feststellen: die Schweiz sieht in diesem Abschnitt vollkommen aus wie die Schweiz wohl kaum in einem anderen Abschnitt vollkommener wie die Schweiz aussieht. Saftige kuhbestandene Matten wellen sich die Hänge hinan, urwüchsige Menschen grüßen behäbig von ihren Traktoren oder den in die obstbaumschattige Landschaft plazierten Stühlen, auf denen sie in maskulinen Posen ihre Bierflaschen verhandeln. Das nächste Dorf ist auf Nachfrage weit, anderthalb Kilometer, sehr weit also, die längstvorstellbaren anderthalb Kilometer überhaupt, denn das Dorf wartet ganz weit, also ziemlich weit in beinahe unvorstellbarer Entfernung, hinter der schweizerischsten aller schweizerischen Urlandschaften, mit den Errungenschaften der Zivilisation: Tankstelle, Postamt, Supermarkt. Wir radeln einige Kilometer, Stunden und Tage in Richtung dieses Dorfes. Die Landschaft läßt sich unterdessen sehr genießen. Sie ist grün und voller Kühe. Noch besser: tief in der Urschweiz stochert die gute Sommersonne nicht blindwütig nach den Menschen. Vielmehr erhellt sie, fern allen Baulärms, ihre Gedanken. Dh, sie erhellt die Umgebung, die auf diese Weise leichter zu durchschauen ist, was die Menschen wiederum denken läßt, sie hätten etwas an der Welt gewonnen. Genau dort, wo dies der Fall ist, erst rechts und dann links, führt ein Weg in den Bergwald hinauf. Es handelt sich um eine touristisch bisher unerschlossene Schlucht. Zu hören sind ein Plitschern, abgewechselt von einem Plätschern. Vom Waldrand her tönen Alphörner. Die Schlucht hinab fließt und stürzt durch sein zu sehenswerten Formationen geschliffenes Bett der Saarbach, ein Wildbach wie aus einigen allgemeinen Vorstellungen von einem Wildbach destilliert. Und mögen auch einige sein Rauschen demjenigen herkömmlichen Bau- oder Verkehrslärms nicht für unähnlich halten: so wie ein Wildbach rauscht nur ein Wildbach, basta. Etwas unterhalb des Wildbachs finden wir schließlich die zivilisierte Ortschaft Sevelen mit ihrem aufgeräumten Aldi-Markt und den aus Deutschland importierten Kassiererinnen. Es wäre eine überaus simple wie schlagkräftige Idee, das Geschehen in und um je einem Aldi Suisse und einem deutschen Aldi-Markt einen Tag lang dokumentarisch zu filmen, um aus dem gewonnenen Material die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Nationen herauszuarbeiten. Wie auch immer, allein schon seine Klimaanlage macht den Aldi von Sevelen an heißen Sommertagen zu einem ähnlichen Geheimtip wie den Saarbach mit seinen Gletschertöpfen, Fließrinnen und Wasserstürzchen.

Handelt es sich bei Leonardos Elefanten um Rheinelefanten?

In Leonardo da Vincis Bestiarium findet sich ein Eintrag über den Elefanten, der, so wie er gehalten ist, speziell den Rheinelefanten meinen dürfte; allein, die Wissenschaft sammelt noch (über die Flußaffinität und das Drachenvorkommen hinaus) Indizien für diese These.

“62. Der Elefant
Der große Elefant hat von Natur aus, was sich selten bei Menschen findet, nämlich: Ehrlichkeit, Klugheit, Gerechtigkeitssinn und Gehorsam im Glauben; denn sobald der Neumond wiederkehrt, begeben sich die Elefanten zum Fluß und waschen und reinigen sich in ihm feierlich; indem sie so den Mond begrüßt haben, kehren sie in die Wälder zurück. Wenn sie krank auf dem Rücken liegen, werfen sie Gras zum Himmel, so als wollten sie opfern. Sie vergraben ihre Zähne, wenn sie ihnen vor Alter ausfallen. Von den beiden Stoßzähnen benutzt der Elefant den einen, um Wurzeln auszugraben, von denen er sich ernährt; vom andern bewahrt er die Spitze zum Kämpfen. Wenn Elefanten von Jägern bezwungen werden und Müdigkeit sie überfällt, schlagen sie einander die Stoßzähne ein, reißen sie heraus und kaufen sich mit ihnen frei. Sie sind barmherzig, und sie erkennen Gefahren. Trifft ein Elefant einen Menschen allein und verirrt, bringt er ihn gern auf den verlorenen Weg zurück. Findet er die Fußspur eines Menschen, ehe er den Menschen selbst sieht, fürchtet er einen Hinterhalt; daher bleibt er stehen und trompetet den anderen Elefanten seinen Fund zu; daraufhin sammelt sich die Elefantenherde und geht vorsichtig davon; sie ziehen immer als Herde: der älteste Elefant geht voran, der zweitälteste als letzter – so leiten sie die Herde. Sie sind äußerst schamhaft, so daß sie sich nur bei Nacht und im Verborgenen paaren und erst dann zur Herde zurückkehren, wenn sie sich im Flusse gewaschen haben. Sie kämpfen nicht um ihre Weibchen wie andere Tiere. Sie sind so barmherzig, daß sie von Natur aus jenen ungern Schaden zufügen, die weniger stark sind als sie selbst. Gerät ein Elefant unterwegs in eine Schafherde, so schiebt er die Schafe mit seinem Rüssel beiseite, um sie nicht mit den Beinen zu zertrampeln. Sie fügen keinem ein Leid zu, außer, sie werden herausgefordert. Ist ein Elefant in einen Graben gestürzt, so füllen andere den Graben mit Zweigen, Erde und Steinen aus, indem sie auf diese Weise den Boden erhöhen, und der Elefant leicht wieder herauskommt. Sie verabscheuen das Gequietsche der Schweine so sehr, daß sie zurückweichen und mit ihrem Getrampel Schaden anrichten, der für sie nicht weniger groß ist als für ihre Feinde. Sie lieben Flüsse und wandern immer an ihnen entlang; aber wegen ihres großen Gewichts können sie nicht schwimmen. Sie fressen Steine, und Baumstämme sind ihnen eine besonders willkommene Speise. Sie hassen die Ratten. Die Fliegen lieben ihren Geruch; wenn sie sich aber auf seinen Rücken setzen, runzelt der Elefant seine Haut und tötet sie zwischen den zusammengepreßten Falten. Wollen Elefanten Flüsse durchqueren, stellen sich die Jungen in Richtung des Gefälles des Wassers, und da sie selbst gegen den reißenden Strom stehen, brechen sie den einheitlichen Lauf des Wassers, daß die Strömung sie nicht mitreißen kann. Der Drache wirft sich unter den Leib des Elefanten, sein Schwanz windet sich um dessen Beine, mit den Flügeln und Krallen umspannt er seine Rippen und mit den Zähnen durchbeißt er ihm die Kehle; der Elefant fällt auf den Drachen, und der zerplatzt: so rächt er sich an seinem Feind noch im eigenen Tod.”

(aus: Leonardo da Vinci – Der Nußbaum im Campanile, herausgegeben von Isolde Rieger, München 1989)

Börsen und Baden

Die Börse stürzt ins Bodenlose.
Ich stürz mich auf die Badehose,
Dann auf mein Rad. Der DAX bricht ein.
Ich breche auf in Richtung Rhein.

Der Crash walzt Renten zu Ragout.
Ich roll vorbei an einer Kuh.
Dann bieg ich links in laues Licht.
Der Geldmarkt kriegt die Biege nicht.

Derweil viel Kapital verfällt,
Folg ich erblühter Uferwelt
Und stoppe dann im kühlen Wald.
Der Schuldenanstieg kennt kein Halt.

Old Sam ächzt unterm Pleitejoch.
Ich jauchze auf: das Baggerloch!
Ich stürm hinein, ich schwimm hinaus.
Aus Dollar, Euro flieht man raus.

Die Dicke und der Gnome de France,
Die taumeln haltlos wie in Trance.
Dagegen zieh ich elegant
Durchs Blau zehn Bahnen. Dann an Land.

Und wie ich froh nach Hause rausche,
Find ich ‘nen Euro, den ich tausche
Beim Italiener gegen Eis.
Der kann ihn brauchen. Und: Wer weiß?
Gibt’s Euros auch noch nächstes Jahr?

Wenn nicht – der See ist ja noch da.

(von Georg Raabe, mit freundlicher Genehmigung des Autors, auf dessen neues Hörbuch “Die halbe Wahrheit” aus seinen Texten für die taz wir hier gerne hinweisen.)