Pfeffel

Gottlieb Konrad Pfeffel schuf Unmengen humoristisch-erbaulicher Lehrgedichte um Blutegel, Meerkatzen, Esel und tollwütige Hunde. Zwar ist der Autor strikt oberrheinischer Herkunft, der Rhein selbst findet im Werk aber kaum Erwähnung (etwa in „Die Tabakspfeife“), Pfeffel rechnete lieber aufs Allgemeine hoch wie bei dieser Flußallegorie:

Der Knabe und der Kahn
(1809)

Ein wilder Bauernjunge fand
Ein Schiffchen an des Flusses Rand,
Der an dem Dorf vorüber brauste.
Er springt hinein, löst es vom Pfahl.
Und ob er gleich zum erstenmal
In dem Gebiet der Nymphen hauste,
So ließ er doch, auf gutes Glück,
Das Fahrzeug durch des Stromes Krümmen
Ganz unbesorgt hinunter schwimmen.
Von ungefähr warf er den Blick
Aufs Land und rief dem bangen Haufen
Der Dörfler zu: wo eilt ihr hin?
Ich seh euch alle rückwärts laufen.
Ei, ei! selbst Dorf und Kirche fliehn.
Die Leute rangen stumm die Hände;
Indes flog er mit seinem Kahn
schnell wie ein Pfeil davon. Am Ende
Verlor er sich im Ozean.

Anstatt die Zeit vergehn zu sehen,
Sind wir es selber, die vergehen.


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