Monatsarchiv für Juli 2011

 
 

The Rhine

`Twas morn, and beauteous on the mountain`s brow
(Hung with the clusters of the bending vine)
Shone in the early light, when on the Rhine
We bounded, and the white waves round the prow
In murmurs parted: varying as we go,
Lo! the woods open, and the rocks retire,
As some gray convent-wall or glistening spire
`Mid the bright landscape`s track unfolding slow!
Here dark, with furrowed aspect, like despair,
Frowns the bleak cliff! There on the woodland`s side
The shadowy sunshine pours its streaming tide;
Whilst hope, enchanted with the scene so fair,
Counts not the hours of a long summer`s day,
Nor heeds how fast the prospect winds away.

(William Lisle Bowles)

Eine rheinische Ikone

cs_victoria-falls

“Nicht wenig verdutzt zeigte sich Claudia Schiffer, als sie feststellte, dass keiner der vorgesehenen Fotografen zu ihrem Shooting am Rheinfall gekommen war.”

cs-am-rheinfall

“Richtig verärgert wurde sie erst, als sie bei den Victoriafällen auch nicht erschienen.”

Bild und Text: Heiner Muth. rheinsein dankt!

On A Ruined Castle, Near The Rhine

This was a fortress, firm and stout,
When there was battling round about,
It has been deckt in gala plight,
In days of ladie love and knight ,
It has known carouse and Provençal song,
And the dance right featly tript along,
While the red yuhl log and wassail bowl
Cheered the pilgrim`s thirsty soul.
The swoop of time has been to it
A bounty and a benefit,
It has gained glory from those wings,
Which have annihilated kings;
And now it stands in its massiveness,
Wi` the scars of many an age,
Like a lore encumbered prophetess,
Who has worn away her youthfulness,
In studies deep and sage.

(Richard Monckton Milnes Houghton)

love parade

wenn einer der bosse kam
winkten sie & lachten wie kuehe
man hatte sie alle zusammen
getrieben & mit vorschlaghaemmern
der sie umschlieszenden form
eines bleiernen kubus angepaszt
da blieb keine luft
das war naehe

(Der Text stammt aus: goldene momente, parasitenpresse, Köln 2000.
Zum Zeitpunkt der Niederschrift fand die Love Parade noch jährlich in Berlin statt. Die Duisburger Love Parade-Katastrofe vor einem Jahr entpuppt sich unterdessen bisher als eine, an der, nach gut rheinischer Art, niemand die Schuld trägt. Und das, obgleich nach Bekanntwerden des Geländekonzepts auf dem lokalen Presseportal DerWesten etliche Leserstimmen mit teils detaillierten Ortsangaben vor einem Unglücksszenario warnten oder ein solches sogar voraussagten.)

Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg (2)

(…) Viel der Najaden bewohnen des Gotthards wolkige Scheitel.
Dort auch sind die verborgenen Hallen des Siebengeschwisters,
Weitgepriesen und herrlich vor allen Najaden des Alplands.
Jede gebahr einen mächtigen Strom; es wallet der eine
Unter Hesperiens Myrthen dahin; nach Gallien wandte
Rhodan den Lauf, und Rhenus, der stärk`re, zum Land der Germanen.
Nymphe des Rheines, du liebtest das Land des kühneren Mannes;
Zu ihm leitest du nieder dein lauteres Felsengewässer,
Dass er stähle den nervigten Arm im Bad deiner Wellen.
O, dess` preise dich teutscher Gesang! — Erhabne, vernimm mich
Von der entlegenen Flur, und tönet auch schwach nur die Harfe,
Wie der Bach meines Thals in der Stille des feiernden Haines.

Auf meine heimische Flur sank einst der Abend hernieder,
Und die Stille bezog des Haines umdämmerte Lauben;
Friedlich tönte des Baches Gemurmel, (die still`re Najade
Windet ihn sanft durch die Moose und Blumen und zitternde Schilfe.)
Hocherglühtes Gewölk entschwebte allmälig dem Meere;
Hinter dem goldenen Schleier entschlüpfte die Göttin des Tages,
Und dann thürmte das Wolkengebirge mit flammendem Saume
Kühn seine Nebelgebilde empor zu dem schimmernden Aether,

O, da fühlt` ich den Busen umfangen von glühender Sehnsucht,
Und gezogen zum Lande, wo Tellus zum Himmel hinaufstrebt,
Und ihr strahlenbekränztes Haupt tief badet im Lichtmeer.
Zwiefach fühlt ich ihn da, den Schmerz der gebundenen Psyche.
Plözlich vernahm ich des Genius Wink — und Schlummer umfing mich,
Und er gab mir die Schwingen des Traumes; — da sah ich des Alplands
Purpurglühende Höhen und dich, gewaltiger Gotthard.
Aber ich forschte vor allem nach dir, o verborgene Nymphe,
Dir Erhabnen, ein Opfer zu bringen, nicht ohne Begeist`rung —
Und es ward mir gewähret, des Rhenus Najade zu schauen,
Wie sie gelehnt an den schattenden Felsen, mit sinnendem Antliz,
Doch voll göttlicher Milde, bükt auf der Wellen Gesprudel.
Perlen bethauen den Kranz an der Stirn und die zarten Gewände.
In der kristallenen Grotte entwallt der gefülleten Urne
Lieblich tönend die silberne Fluth, des himmlischen Thaues
Zarte geläuterte Tropfen. Es streuet dann goldene Perlen
In das Gewässer die Hand der Najade und bindet des Aethers
Flüchtige Stoffe, dem Strome verleihend belebende Kräfte.

Ach, es fielen auch Thränen der Nymphe hinab in die Wellen;
Denn sie gedachte des nahmlosen Jammers und wilder Verwüstung
Unter der furchtbaren Hand der Erinnen in friedlichen Thälern.
Weithin sah sie Verheerung am Strome, die schönen Gestade
All` ihres Schmuckes beraubt und bedekt mit unendlicher Trümmer.
Aräs durchflog die Gefilde mit wildem Gespanne, die Lanze
Tief getaucht in das Blut der Erschlagnen; es stampfen die Rosse
Sprühende Lohe zum Himmel empor auf schreklicher Brandstätt.
Durch Helvetia`s Thäler schleichet der siechende Hunger,
Und es stöhnet des Jammers Gewinsel herauf aus den Thälern.
Trauer erfüllte die Brust der milden Najade, die sorgsam
Fluren zu segnen sich mühet, indess` die verheerende Zwietracht
Weithin schleudert die Fackel des Krieges, und Menschen bethöret,
Dass sie verblendet die Werke wohlthätiger Götter zerstören.
Zürnend verhüllte die Nymphe das Haupt, sich wendend zur Grotte.
Und ich erwachte vom Schlummer, geschreckt von verhassten Gestalten.
Friedlich rollte der Bach seine Wellen im Schimmer des Spätroths,
Doch bald werden auch ihn Orkane empören, es rollen
Schwere Wetter dumpftobend herauf, und stürmender Hagel
Wird seine Fläche zerschlagen, den Spiegel der stillen Seläne.

Ja hienieden ist ewiger Kampf! Es binden und lösen
Sich im ewigen Wechsel die ringenden Stoffe, es gehen
Neue Gestalten hervor; dem Tode entkeimet das Leben,
Rastlos wirkt die Natur, doch ewig nach weisem Gesezze;
Formend zerrüttet sie immer — sie regelt und ordnet auch wieder,
Zieret ihr Wundergebäude mit unvergänglicher Schöne,
Und der Ernährerin Hand ist immer geöfnet zum Geben.
Tausend bei tausend Begehrenden reicht sie aus ewiger Fülle.

Dem sie so vieles gewähret, — nur ihn ersättigt sie nimmer,
Ihn, dem wilde Begierden verderblich den Busen entzünden.
Wo sie bauet und ordnet, und segnet mit gütigen Händen,
Da zerstöret der Wilde, getrieben vom Fluch der Erinnen,
Und entblättert ihn selber den lieblichsten Kranz seiner Freuden;
Denn er trägt sie nicht lange, des Friedens beglückende Ruhe.

Rhenus, es zeuge dein Ufer! — Ich stimme die Harfe zur Wehmut,
Wende den traurenden Blick hinweg vom entstellten Gestade!
Fluch der verwegenen Hand, die so deines Schmucks dich beraubte!
Zehnmal trat nun der Frühling, der Blumenumkränzte, vergebens
Hin zu deinem Gestade; den Teppich der Flora zerstampfen
Donnernde Hufe der stöhnenden Rosse im Schlachten-Gewühle.
Ceres, Autumnus, Pomona, und Fülleverleihende Götter —
Zehnmal traten sie nun vergebens mit reichen Geschenken
Auf die rheinische Flur, — sie scheuchte des Krieges Getümmel
Und die vertilgenden Donner der Schlachten hinweg von dem Blutfeld.

Eilest du zürnend hinab, o Rhenus, zum heiligen Weltmeer,
Fliehend die Greuel des Krieges, dich dort in der Tiefe zu bergen?
Dort auch wirst du ihn finden den streitbegehrenden Menschen;
Auch des Ozeanus weite Behausung hat Aräs beflecket.
Stolze Geschwader belasten die wallende Fläche und schleudern
Kühnbeflügelt die Flammen des Krieges von Ufer zu Ufer.

Nenne Gesang die Heroen, auf welche die Völker nun hoffen.
Unter dem Schirm der Aegide durchwandelt der Eine das Schlachtfeld,
Und es grünt in der Rechten dem Andern ein friedlicher Oelzweig.

Furchtbar wüthete Aräs, im Männervertilgenden Kampfe,
Da entführten ihn eilends die Götter dem blutigen Schlachtfeld,
Dass er die Welt nicht veröde, der unersättliche Krieger;
Und sie gaben des Gottes Gespann einem menschlichen Helden.
Bonaparte, du führest seitdem die Lanze des Aräs,
Zügelst sein wildes Gespann, doch unter dem Erz der Aegide
Schlägt dir ein menschliches Herz. — O, könnte mein Lied dich erreichen!
Du aus der Vorwelt Wundertagen erstandener Heros,
Bist du des Hannibal Geist? — Des Grösten von allen Achäern?
Franke, dir weichen sie alle! — Du unbezwungener Krieger
Bist an dem Busen der Kühnheit gesäugt, dir gaben die Götter
Weisheit, und sicher wägenden Blick zu schneller Entscheidung,
Und den besonnenen Geist, den ruhigen unter Gefahren,
Roma`s Genius selbst und des heldenberühmten Achaja
Haben dich heimlich erzogen und selber gerüstet zu Thaten.
Glorreich hast du vollendet; — der Sieger entsaget dem Kampfe!

Neben dir ragt er hervor, der glücklichen Brennen Beherrscher.
Grösse mit Waffen errungen, wie leicht entnimmt sie das Schicksal!
Friedrich Wilhelm die deine ward nicht mit dem Blut der Gefallnen,
Nicht mit Thränen erkauft, sie kündet kein Donner der Feldschlacht;
Dir ist das glückliche Land der weite Tempel des Ruhmes.
Du mit dem zügelnden Ernst, du Ordner nach weisem Gesezze,
Wandelst so prunklos und einfach, mir hold der lauteren Warheit,
Festen Schrittes voll Spartischem Geist, und schaffest mit Weisheit;
Und es reifen viel Früchte des emsigen Fleisses dem Lande
In Saturnischen Tagen. — Ihm Heil, dem Herrscher der Brennen!
Ihm erblühe der Kranz seines Ruhmes auf glücklichen Fluren!

Tretet ihr Göttergeliebte voran, zwei Boten des Friedens,
Dass Irene dem Himmel entschwebe, und senke den Oelzweig
In des Schlachtfelds graunvolle Oede, damit sie der Nachwelt
Alle die Trümmer verdecke, aus Tagen entarteter Menschen,
Wo wildtobende Völker das Recht und die Warheit verschmähten,
Und die Freien sich dünkten durch jeglicher Tugend Entsagung.

Heimathlos durchirren nun viele die Wüste des Lebens,
Und ein unendlicher Schmerz hat tief das Leben verwundet!-
Viel sind der Edlen gefallen — auch viel der verworfenen Menschen!
Tobende Völker, wie habt ihr gewüthet — Du himmlischer Friede
Wecke nun mildres Gefühl in dem Busen und heile vom Wahne.

Bald so nahet die lezte der Horen des stolzen Jahrhundert! —
O, wie wähnte der Mensch, er habe den Gipfel erstiegen,
Wo er entbunden und frey, und kühn die Wahrheit umfasse!
Aber den Stolzen verliess die zürnende Göttin der Weisheit;
Von Phantomen getäuscht, entsank er der schwindelnden Höhe,
Und nun steht er voll Wunden und blutet, der sterbliche Halbgott.

Du, der Menschheit Genius, bist du zürnend entwichen?
Neige dich hin zu dem armen Geschlecht, und heb` den Gefallnen.
Gieb ihn nicht ewig der Thorheit zum Sklaven, entbind` ihn vom Irthum,
Reife doch endlich den Geist, und stärke des Schwankenden Tritte,
Dass er regle die irrenden Wünsche, im Kampf der Begierde.
Und Eunomia herrsche hinfort und Themis und Dike,
Dass ein glüklich Geschlecht bewohne den heiligen Erdkreis.

Nymphe des Rheines, ermüde du nimmer die Fluren zu segnen,
Lass sie der Urne entströmen, die lebenernährenden Wasser.
Zürne du Göttliche nicht, wenn Undank lohnt deine Milde.
Leichter entartet der Mensch, je reicher die Fülle ihm zuströmt!
Harre der besseren Tage, wo einst in friedlicher Ruhe
Menschen voll Warheit und Treue dein liebliches Ufer umwohnen.

(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)

Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg

Der Rhein.

Rhenus, gepriesener Strom, ich trage zu deinem Gestade,
Zu dem Hall deiner Wogen, zuerst die Harfe, und horche
Auf der Wellen melodisches Spiel an dem klingenden Felsen,
Dass mich hebe dein stürmender Gang zu kühnerem Fluge.

Felsgebohrner, dich hat die Najade zum Schuzze gebettet
An die Schwelle des Landes, und längs Germania`s Fluren
Streckest du hin den Riesenarm, mit donnerndem Fusstritt
Niederstürmend ins Thal von dem bebenden Felsengebirge.
Hoch in der Wolken Umschattung gebahr dich die mächtige Nymphe,
In der entlegenen Grotte nicht lange den Liebling verbergend.
Segnend sandte sie dich hinab zu dem heiligen Weltmeer.

Eh` du die Bahn dir geebnet, da tobte die Kraft der Vulkane,
Wo nun Trauben sich sonnen, und stämmte Gebirg` an Gebirge;
Aber almälig erloschen die quellenden Gluthen; dann sprengtest
Du mit eilendem Fusse die Pforten der hemmenden Felsen

Also sprach, da einst dich gebahr die milde Najade:
„Auf, und belebe die schweigende Oede des Thales! — Entschlüpfe
„Muthig der Grott` und dem Hochgebirge von Klippe zu Klippe.
„Wenn du zur Ebne gekommen, dann läutre von neuem die Welle
„Dort in dem ruhigen See, und tritt mit dem silbernen Fusse
„Auf der Germanier Flur; dann wandle du Starker vom Alpland
„Unter melodischem Rauschen zum strömeversammelnden Meere.
„Hemmen dich Felsen im Lauf und dränget die Schlucht deine Seiten,
„Dann bestürme du kühn und unablässig die Klippe;
„Du bezwingest almälig den Fels mit der nagenden Woge.
„Wenn du Ozeanus nahest, wird banges Erstaunen ihn fassen,
„Hört er den stürmenden Drang deiner Wogen, — und fürchtend, du mögtest
„Ihm die Behausung erschüttern, erhebt er das Haupt aus den Wellen;
„Rufend den Nereiden, gebietet dann also der Meergott:”‘

„Seht, dort braust mit verheerender Stärke der Rhenus vom Hochland!
„Ihn erzogen die Nymphen der Berge, — der kühne erschüttert
„Fels und Land mit unendlicher Kraft, und eilet zum Meere,
„Gleich als wollt` er mich selber versuchen, und meine Behausung
„In der Tiefe zertrümmern und wild mir die Wogen empören.
„Hemmt ihn im stürmenden Lauf, und zähmt mir den kühnsten der Ströme,
„Dass er Ozeanus Herrschaft erkenne, und alle die Ströme
„Ferner sich scheuen mit wildem Getös` meine Wogen zu drängen.”

„Hemmen wird er dich dann, der stärkre, im fröhlichen Tanze;
„Flaches Vorland breitet er hin, da wirst du mit Mühe,
„Mit ermattetem Fusse die sandigen Pfade durchschleichen,
„Und des Ozeanus weite Behausung still wandelnd betreten,

„Doch dies kümmre dich nicht, — die Kraft von jeglichem Strome
„Löset Ozeanus auf — sprach weiter die milde Najade;
„Wirst du doch glorreich vollenden, und Fluren und Völker erfreuen,
„In dem Schmuck der Gestade, vor jeglichem Strome verherrlicht.

„Ferne Wanderer kommen und staunen dem Sturz deiner Wasser,
„Weit erschallet der Ruhm des lieblich umuferten Rheines.
„Ceres, Pomona, Dryaden und Flora und freundliche Nymphen,
„Werden zu deinem Gestade sich wenden; dort dringen die Halme
„Schlanker empor, der Flora Teppich ist reicher, Pomona
„Sammelt da schönere Früchte, es heben weitschattende Eichen
„Kühner zum Himmel das Haupt, wo du die Fluren bewässerst.

„Zahlreich werden die Völker dein reicheres Ufer umlagern,
„Mit vielschaffendem Fleiss die lachenden Fluren zu bauen.
„Wildniss hauset nicht lang an dem Bett` der belebenden Ströme!
„Die in den Wellen des Rhenus sich spiegeln, die zahllosen Städte —
„Wer vermögte sie alle zu nennen? — Der Nachen Gewimmel
„Gleitet hinab und hinauf, und decket die wogende Strombahn.

„Steig` hinab vom Gebirge, du König der Ströme, und herrsche
„Ueber des Thales Gewässer, und bringe den darbenden Fluren
„Der Najaden Geschenke, die sorgsam aus Wolken wir sammeln.,,

So die unsterbliche Nymphe, und du entschlüpftest der Urne.
Rhenus, erfüllt ist der Mutter Verheissung — dein Tempel vollendet!

Erst umruhte dich einsame Still` an dem wilden Gestade
Unter den Trümmern zerspaltener Klippen von Dornen umwuchert.
Nur das Toben der Stürme, Geheul raubspähender Thiere
Und der Fittig des Adlers durchtönte die nachtvolle Waldung.
Heerden wandelten nicht vom Hügel, am Strome zu trinken.
Nirgend ein Rebengewinde, wo wild nur rankte der Epheu.

Aber es trat der Germane bald näher zum lockenden Ufer;
Nieder legt er den Speer, entsagend den mühvollen Jagden
Tritt er in schwankende Nachen und zehrt von den Gaben des Stromes.
Bald so reihen sich Hütten an Hütten auf freierem Ufer;
Goldene Halme durchwogen die Niedrung, an grünenden Höhen
Wandeln und ruhen gesättigte Heerden im Schatten der Buche;
An dem sonnigen Hügel, von glühenden Trauben umhangen
Weilet Liäus, der fröhliche Gott, den Winzer belehrend.
Völker drängen sich dichter zusammen im lieblichen Rheinthal.
Welch` ein bethürmtes Gestade zur Rechten und Linken! Es ragen
Kühne Vesten gen Himmel; es hallet der zahllosen Städte
Reges Gewühl von Ufer zu Ufer; es furchet die Fichte
Reichbeladen und rastlos die Wogen, nicht scheuend die Brandung.
Wenn dann Luna den Felsen erklimmt, entsteigen der Tiefe,
Die dein Gewässer bewohnen, und spielen auf silberner Fläche,
Und es lauschen Dryaden und Nymphen vom waldigen Ufer
Hin nach dem Tanze der stillen Seläne auf wallender Strombahn.

Reicht mir den duftenden Becher, den Nectar der rheinischen Traube,
Dass in die heiligen Fluthen ich träufl` ein Opfer der Nymphe!
Die du thronst unter goldenem Saum des bestrahlten Gewölkes,
Und in des Gotthards Klüften kristallene Hallen bewohnest,
Rinnende Perlen mit fleissiger Hand in die Urne dir sammelst, —
O, wohlthätige Nymphe, dich preisen die Töne des Liedes,
Beben sie schwach nur hinauf zu dir von dankenden Lippen!

Doch, wer zeigt mir die Bahn zu dem Wolkensiz der Najade?
Mich gelüstet die Hehre zu schauen, damit ich sie singe!
Komm, o Genius, leite den Sänger zum hohen Gebirgspfad!
Wo die Kette der stolzen Graniten im Gaue der Urner
Näher dem Himmel sich thürmet, von Donnergewölken umgürtet,
Ewigen Kampf mit den Stürmen besteht und den spaltenden Blitzen,
Ruhet des Gotthards weitgespreitetes Riesengebäude,
Schwerbelastet vom nimmerzerrinnenden, wachsenden Eismeer,
Stets umdampft von den streifenden Nebeln des hohen Gewölkes.
Eine der Seiten strekt er Hesperiens Frühling entgegen,
Rauherem Norden die andere. Klippe streichet an Klippe
Tiefgespalten zum Abgrund nieder, voll grausigem Dunkel.
Furchtbar donnern die Ströme hinunter von bebenden Felsen,
Und es dampfen in Nebel empor die stiebenden Fluthen. (…)

(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)

Gesang in der Loreleystraße

loreleystr

Auf der Suche nach tieferer Verbundenheit mit den heimatlichen Mythen schlenderten wir die Loreleystraße entlang. Da klang mit einmal aus einem Keller wundersamer gewaltiger Sang.

Leverkusen (2)

leverk

Aus der Vergangenheit erreichte rheinsein eine Reaktion auf den vorangegangenen Eintrag. Das Bild zeigt eine junge Dame in den frühen 1960er Jahren vor dem Teehaus besagten japanischen Gartens und dem noch unverkleideten Hochhausmonolithen, welcher hier den Eindruck erweckt, als sei er herbeigebeamt, als entstehe er soeben aus dem Diffusen. (Bild: privat)

Leverkusen

„Kann man einen nicht verknusen,
Schickt man ihn nach Leverkusen.
Dort an diesem End der Welt
Ist man ewig kaltgestellt.“

(Frühzeitliches Arbeiterlied im Umfeld der Bayerfabriken)

Jahre her, daß wir Leverkusen zuletzt besuchten – entweder für einen Lesungsauftritt, ein Fußballgastspiel des KSC im Stadion der landläufig unter „Vizekusen“ firmierenden Werkself oder einen Besuch im unbeschreiblichen Fundus des Zentral Antiquariats von Christine Weihermüller, das jeder rheinische Bücherfreund einmal besucht haben sollte, bevor er (bzw das Antiquariat) das Zeitliche segnet. Unter regenschweren Himmeln geht es mit kräftigem Rückenwind den Rhein entlang. Auf dem letzten Teilstück über die B8 treffen wir zunächst auf horizontweite Werksparkplätze und schließlich zwei vielsagende Begrüßungsformeln:

aspirin

alkaseltzer

Eine Stadt, die ihre Besucher ehrlich willkommen heißt, war uns schon immer recht. Die B8 mündet nun in eine Art Schlund, der auch den Eingang zum Fegefeuer markieren könnte. Radfahrer werden charmant zur Seite gewunken, dh durch einen rechts des Schlunds gelegenen Villenkorridor gelenkt. Aber wer mag, darf sich auch per Pedalkraft der apokalyptischen Hauptschleuse bedienen, die, falls unsere Erinnerung nicht trügt, in einem blitzschnellen Akt und per Zufallssortierung mitten in eines der drei beinahe identischen Leverkusener Zentren führt.

Doch dorthin wollen wir garnicht, sondern verweilen auf eigentlich noch Kölner Territorium, auch wenn die Umgebung ganz und gar leverkusisch riecht. Das Bayer-Werksglände heißt jetzt Chempark, weil Park sich einfach freundlicher anhört, und Chem nur etwa nach der Hälfte von Chemie. Tatsächlich befindet sich dort, zu Füßen der Werksskyline, ein weitläufiger Park mit beeindruckendem japanischen Garten, in dem fleißig geheiratet wird: bis ins Abstrakte geschminkte und posierende Bräute mit penibel steckfrisierten und paillettierten Jungfern, sowie hektisch Filterzigaretten rauchenden Bräutigamen im Gefolge, ein göttlicher Anblick unter Schirmherrschaft eines würdevoll schweigenden Wächters aus zylindrisch in die Himmel sich bohrenden Ziegeln.

Monolithisch, dem restlichen Ensemble offenbar nicht zugehörig und doch voll integriert, steht ein wohlgeformter Hochhausquader in der Gegend, aus der Ferne wirkt er, als wäre er komplett von Maschendraht umkleidet. Gott selbst könnte diesen Block mit einem gezielten Faustwurf dort plaziert haben, er steht jedenfalls ganz richtig da, was sich beileibe nicht von jedem Hochhaus sagen läßt. Und die Menschen haben das ihnen gesandte Gebäude eben dann mit Maschendraht umwickelt, als Schonpolster und luftdurchlässige Außenhaut, es ist die Bayerstadt, da sind Experten am Werk, in den Bayer-Laboren sollen, ohne jemals in die Produktpalette zu gelangen, Kunststoffe mit den allerverrücktesten Eigenschaften entwickelt worden sein, das wurde uns von gut beleumundeten Zeugen (unter Augenaufreißen und Armerudern) versichert.

BayKomm heißt das angrenzende Kommunikationszentrum des Konzerns, mit vorgeschobenem Amfitheater, in dem vor leeren Rängen eine Schar Kanadagänse mit einem recht experimentellen Stück auftritt (oder es probt). Es handelt von Invasion und Vertreibung und dauert keine zwei Minuten. In gehörigem Abstand bestaunen kleinere Karnickelgruppen das Bühnengeschehen, diskutieren wohl Bezüge zu ihrem eigenen Existenzbefinden und applaudieren höflich, aber kaum wahrnehmbar, bevor sie wieder im Unterholz verschwinden. Uns erfaßt eine Art Dokumentationszwang, wir skizzieren/notieren wie irre, während die Himmel mit schweren Zungen das Wort Gewitter vorbuchstabieren.

Pegelstände

pegelstaende

Skulptur von Monika Simon, vorübergehend zu finden im Stammheimer Schloßpark.

Pfeffel (2)

Der Dogge und der Fleischerhund (1806)

Ein Dogge, der, laut alten Sagen,
Bei einem General als Torwart stund,
Sah seinen Nachbar, einen Fleischerhund,
Zwei Ochsen in das Schlachthaus jagen.
»Verworfner Sklave! schäme dich,
Das Amt des Büttels auszuüben«,
Rief er ihm nach. Der Nachbar wandte sich:
»Das hat«, erwidert er, »dein Herr vor mir getrieben;
Er, der sobald sein Fürst die Trommel rührt
Die Menschen herdenweis zur Schlachtbank führt.«

***

Auf des Robespierres Staatsbericht über das höchste Wesen (1794)

Darfst, lieber Gott, nun wieder sein;
So wills der Schach der Franken.
Laß flugs durch ein paar Engelein
Dich schön bei ihm bedanken.

***

(rheinsein erkennt bei der Lektüre Pfeffels einmal mehr, wie sich des Autors gelegentlich publizierte Polit- und Kampfhundlyrik in Traditionen einreiht…)

Pfeffel

Gottlieb Konrad Pfeffel schuf Unmengen humoristisch-erbaulicher Lehrgedichte um Blutegel, Meerkatzen, Esel und tollwütige Hunde. Zwar ist der Autor strikt oberrheinischer Herkunft, der Rhein selbst findet im Werk aber kaum Erwähnung (etwa in „Die Tabakspfeife“), Pfeffel rechnete lieber aufs Allgemeine hoch wie bei dieser Flußallegorie:

Der Knabe und der Kahn
(1809)

Ein wilder Bauernjunge fand
Ein Schiffchen an des Flusses Rand,
Der an dem Dorf vorüber brauste.
Er springt hinein, löst es vom Pfahl.
Und ob er gleich zum erstenmal
In dem Gebiet der Nymphen hauste,
So ließ er doch, auf gutes Glück,
Das Fahrzeug durch des Stromes Krümmen
Ganz unbesorgt hinunter schwimmen.
Von ungefähr warf er den Blick
Aufs Land und rief dem bangen Haufen
Der Dörfler zu: wo eilt ihr hin?
Ich seh euch alle rückwärts laufen.
Ei, ei! selbst Dorf und Kirche fliehn.
Die Leute rangen stumm die Hände;
Indes flog er mit seinem Kahn
schnell wie ein Pfeil davon. Am Ende
Verlor er sich im Ozean.

Anstatt die Zeit vergehn zu sehen,
Sind wir es selber, die vergehen.

Pictures Of The Rhine

I
The spirit of romance dies not to those
Who hold a kindred spirit in their souls:
Even as the odorous life within the rose
Lives in the scattered leaflets and controls
Mysterious adoration, so there glows
Above dead things a thing that cannot die;
Faint as the glimmer of a tearful eye,
Ere the orb fills and all the sorrow flows.
Beauty renews itself in many ways;
The flower is fading while the new bud blows;
And this dear land as true a symbol shows,
While o`er it like a mellow sunset strays
The legendary splendour of old days,
In visible, inviolate repose.

II
About a mile behind the viny banks,
How sweet it was, upon a sloping green,
Sunspread, and shaded with a branching screen,
To lie in peace half-murmuring words of thanks!
To see the mountains on each other climb,
With spaces for rich meadows flowery bright;
The winding river freshening the sight
At intervals, the trees in leafy prime;
The distant village-roofs of blue and white,
With intersections of quaint-fashioned beams
All slanting crosswise, and the feudal gleams
Of ruined turrets, barren in the light; -
To watch the changing clouds, like clime in clime;
Oh sweet to lie and bless the luxury of time.

III
Fresh blows the early breeze, our sail is full;
A merry morning and a mighty tide.
Cheerily O! and past St. Goar we glide,
Half hid in misty dawn and mountain cool.
The river is our own! and now the sun
In saffron clothes the warming atmosphere;
The sky lifts up her white veil like a nun,
And looks upon the landscape blue and clear; -
The lark is up; the hills, the vines in sight;
The river broadens with his waking bliss
And throws up islands to behold the light;
Voices begin to rise, all hues to kiss; -
Was ever such a happy morn as this!
Birds sing, we shout, flowers breathe, trees shine with one delight!

IV
Between the two white breasts of her we love,
A dewy blushing rose will sometimes spring;
Thus Nonnenwerth like an enchanted thing
Rises mid-stream the crystal depths above.
On either side the waters heave and swell,
But all is calm within the little isle;
Content it is to give its holy smile,
And bless with peace the lives that in it dwell.
Most dear on the dark grass beneath its bower
Of kindred trees embracing branch and bough,
To dream of fairy foot and sudden flower;
Or haply with a twilight on the brow,
To muse upon the legendary hour,
And Roland`s lonely love and Hildegard`s sad vow.

V
Hark! how the bitter winter breezes blow
Round the sharp rocks and o`er the half-lifted wave,
While all the rocky woodland branches rave
Shrill with the piercing cold, and every cave,
Along the icy water-margin low,
Rings bubbling with the whirling overflow;
And sharp the echoes answer distant cries
Of dawning daylight and the dim sunrise,
And the gloom-coloured clouds that stain the skies
With pictures of a warmth, and frozen glow
Spread over endless fields of sheeted snow;
And white untrodden mountains shining cold,
And muffled footpaths winding thro` the wold,
O`er which those wintry gusts cease not to howl and blow.

VI
Rare is the loveliness of slow decay!
With youth and beauty all must be desired,
But `tis the charm of things long past away,
They leave, alone, the light they have inspired:
The calmness of a picture; memory now
Is the sole life among the ruins grey,
And like a phantom in fantastic play
She wanders with rank weeds stuck on her brow,
Over grass-hidden caves and turret-tops,
Herself almost as tottering as they;
While, to the steps of time, her latest props
Fall stone by stone, and in the sun`s hot ray
All that remains stands up in rugged pride,
And bridal vines drink in his juices on each side.

(George Meredith)

Verlaine anbetrachts der nächtlichen Seine in Paris und einiger weiterer ihm in den Sinn kommender Gewässer

Nocturne parisien

À Edmond Lepelletier

Roule, roule ton flot indolent, morne Seine. –
Sous tes ponts qu`environne une vapeur malsaine
Bien des corps ont passé, morts, horribles, pourris,
Dont les âmes avaient pour meurtrier Paris.
Mais tu n`en traînes pas, en tes ondes glacées,
Autant que ton aspect m`inspire de pensées

Le Tibre a sur ses bords des ruines qui font
Monter le voyageur vers un passé profond,
Et qui, de lierre noir et de lichen couvertes,
Apparaissent, tas gris, parmi les herbes vertes.
Le gai Guadalquivir rit aux blonds orangers
Et reflète, les soirs, des boléros légers.
Le Pactole a son or, le Bosphore a sa rive
Où vient faire son kief l`odalisque lascive.
Le Rhin est un burgrave, et c`est un troubadour
Que le Lignon, et c`est un ruffian que l`Adour.
Le Nil, au bruit plaintif de ses eaux endormies,
Berce de rêves doux le sommeil des momies.
Le grand Meschascébé, fier de ses joncs sacrés,
Charrie augustement ses îlots mordorés,
Et soudain, beau d`éclairs, de fracas et de fastes,
Splendidement s`écroule en Niagaras vastes.

L`Eurotas, où l`essaim des cygnes familiers
Mêle sa grâce blanche au vert mat des lauriers,
Sous son ciel clair que raie un vol de gypaète,
Rhythmique et caressant, chante ainsi qu`un poète.
Enfin, Ganga, parmi les hauts palmiers tremblants
Et les rouges padmas, marche à pas fiers et lents
En appareil royal, tandis qu`au loin la foule
Le long des temples va hurlant, vivante houle,
Au claquement massif des cymbales de bois,
Et qu`accroupi, filant ses notes de hautbois,
Du saut de l`antilope agile attendant l`heure,
Le tigre jaune au dos rayé s`étire et pleure.

– Toi, Seine, tu n`as rien. Deux quais, et voilà tout,
Deux quais crasseux, semés de l`un à l`autre bout
D`affreux bouquins moisis et d`une foule insigne
Qui fait dans l`eau des ronds et qui pêche à la ligne
Oui, mais quand vient le soir, raréfiant enfin
Les passants alourdis de sommeil ou de faim,
Et que le couchant met au ciel des taches rouges,
Qu`il fait bon aux rêveurs descendre de leurs bouges
Et, s`accoudant au pont de la Cité, devant
Notre-Dame, songer, cœur et cheveux au vent!
Les nuages, chassés par la brise nocturne,
Courent, cuivreux et roux, dans l`azur taciturne.
Sur la tête d un roi du portail, le soleil,
Au moment de mourir, pose un baiser vermeil.
L`hirondelle s`enfuit à l`approche de l`ombre,
Et l`on voit voleter la chauve-souris sombre.
Tout bruit s`apaise autour. À peine un vague son
Dit que la ville est là qui chante sa chanson,
Qui lèche ses tyrans et qui mord ses victimes;
Et c’est l`aube des vols, des amours et des crimes.

– Puis, tout à coup, ainsi qu`un ténor effaré
Lançant dans l`air bruni son cri désespéré,
Son cri qui se lamente et se prolonge, et crie,
Éclate en quelque coin l`orgue de Barbarie:
Il brame un de ces airs, romances ou polkas,
Qu`enfants nous tapotions sur nos harmonicas
Et qui font, lents ou vifs, réjouissants ou tristes,
Vibrer l`âme aux proscrits, aux femmes, aux artistes.
C`est écorché, c`est faux, c`est horrible, c`est dur,
Et donnerait la fièvre à Rossini, pour sûr;
Ces rires sont traînés, ces plaintes sont hachées ;
Sur une clef de sol impossible juchées,
Les notes ont un rhume et les do sont des la,
Mais qu`importe! l`on pleure en entendant cela!
Mais l`esprit, transporté dans le pays des rêves,
Sent à ces vieux accords couler en lui des sèves;
La pitié monte au cœur et les larmes aux yeux,
Et l`on voudrait pouvoir goûter la paix des cieux,
Et dans une harmonie étrange et fantastique
Qui tient de la musique et tient de la plastique,
L`âme, les inondant de lumière et de chant,
Mêle les sons de l`orgue aux rayons du couchant!

– Et puis l’orgue s`éloigne, et puis c’est le silence,
Et la nuit terne arrive, et Vénus se balance
Sur une molle nue au fond des cieux obscurs;
On allume les becs de gaz le long des murs,
Et l`astre et les flambeaux font des zigzags fantasques
Dans le fleuve plus noir que le velours des masques;
Et le contemplateur sur le haut garde-fou
Par l`air et par les ans rouillé comme un vieux sou
Se penche, en proie aux vents néfastes de l`abîme.
Pensée, espoir serein, ambition sublime,
Tout, jusqu`au souvenir, tout s`envole, tout fuit,
Et l`on est seul avec Paris, l`Onde et la Nuit!

– Sinistre trinité! De l`ombre dures portes!
Mané-Thécel-Pharès des illusions mortes!
Vous êtes toutes trois, ô Goules de malheur,
Si terribles, que l`Homme, ivre de la douleur
Que lui font en perçant sa chair vos doigts de spectre,
L`Homme, espèce d`Oreste à qui manque une Électre,
Sous la fatalité de votre regard creux
Ne peut rien et va droit au précipice affreux;
Et vous êtes aussi toutes trois si jalouses
De tuer et d`offrir au grand Ver des épouses
Qu`on ne sait que choisir entre vos trois horreurs,
Et si l`on craindrait moins périr par les terreurs
Des Ténèbres que sous l`Eau sourde, l`Eau profonde,
Ou dans tes bras fardés, Paris, reine du monde!

– Et tu coules toujours, Seine, et, tout en rampant,
Tu traînes dans Paris ton cours de vieux serpent,
De vieux serpent boueux, emportant vers tes havres
Tes cargaisons de bois, de houille et de cadavres!

(aus: Paul Verlaine – Poèmes saturniens, 1866)

Du Camp am Rhein

Die französischen Literaten des 19. Jahrhunderts hatten ihre je eigenen, nicht selten amüsanten Beziehungen zum Rhein. Während Flaubert fast am Fluß seines Begehrens vorbeireiste (wie bereits hier kundgetan), bewegte sich Du Camp hübsch darauf – was ihm zuvor auf der Donau, auf der er persona non grata war, weil er auf Seiten der Italiener gegen Österreich gekämpft hatte, versagt blieb. Doch am Rhein herrschte zweifellos das größere Heiligkeitsgedränge:

“Baden-Baden, 5 Août 1861

Je suis venu m’échouer ici, mon vieux, après avoir été faire un tour sur le Rhin à défaut du Danube qui est fermé cette année pour ton ami. (…)
A Aix et à Cologne, il y a dans le trésor des cathédrales, de belles orfévreries qui feraient très bien dans nos cabinets de travail; j’ai touché de ma main les vrais crânes des vrais mages, le vrai bras du vrai Christ, etc., etc. Tu aurais pu, avec Bouilhet, te livrer à ta rage contre les ecclésiastiques, rage que je partage et à laquelle je me livre souvent; à Cologne, dans la cathédrale, je me suis écrié, comme Agénor: Des Pontifs maudits l’hypocrite délire!*”

* Das Zitat entstammt „Jenner ou la découverte de la vaccine“, einer burlesken Tragödie, welche Flaubert und Bouilhet um 1846 schreiben wollten.

(aus: Flaubert – Correspondance 3, Maxime Du Camp à Flaubert)