Theodor Herzl mit dem definitiven Rheinfallzitat

Das definitive, ultimative, ja reinkarnative (und hier (wie sovieles) bei rheinsein erstmals im Internet auftauchende) Zitat zum Rheinfall stammt wohl aus den 1883er Reisetagebüchern Theodor Herzls, dem Wegbereiter des Zionismus, und bildet als solches eine französische Sprachinsel der Hochvernunft im sonst deutsch-tosenden Gedankengewitter über unser aller Schaffhausen:

“24 Juli
(…) Enttäuschung von Konstanz! Gleichgültige, schmale, charakterlose Gassen, aber die Lage reizend am See. Und wenn man im säulengetragenen Refectorium des Inselhôtels opulent zu Mittag gegessen hat, dann ist es entzückend vom Balcon hinauszuschauen auf die meerhafte Fläche des Bodensees, auf die verschwimmenden Bergzacken am fernen jenseitigen Ufer. –

Selbigen Tags acht Uhr (Abend)
Allein gestanden auf der Eisenbahnbrücke oberhalb des Rheinfalls. – !

25 Juli
Am Känzeli beim Rheinfall!
Nicht nur der Rhein – auch jeder von uns hat sein Schaff­hausen, das ist: seine brausende, rauschende, stürmische Zeit, in der er seine junge Titanenkraft vergeblich an trotzigen Felsen bricht. Und wenn ein Sonnenstrahl fällt, so glänzen farbige Regenbogen der Poesie über ihm auf. Und alles umsonst! Wie der Rhein verlaufen wir schliesslich alle im Sand der Alltäglichkeit. Und dann kommen wir ins große Meer der Vergessenheit… –

25 Juli
Im Coupe.
On revient de tout – même de la chute du Rhin.”

(Anm. rheinsein: Man kommt von allem zurück – selbst vom Rheinfall.)


Stichworte:
 
 
 

Ein Kommentar zu “Theodor Herzl mit dem definitiven Rheinfallzitat”

  1. Stan Lafleur
    25. Mai 2011 um 10:59

    Ebenfalls in seinen Reisetagebüchern, jedoch einige Zeit später, berichtet Herzl im Übrigen von einer aus heutiger Sicht für die Rheinstrecke geradezu prototypisch wirkenden Zugverspätung, sowie einer nurmehr wenig verbreiteten Maßnahme gegen solche Unbill:

    “Mainz, 20 August 1888
    Meine theuren Eltern! In Folge einer Zugverspätung blieb ich heute Früh drei Stunden hier sitzen. Ich benützte sie zu einem erfrischenden Bad im Rhein vor dem Frühstück, dann frühstückte ich, und frisch u. munter setze ich nun die Reise nach München fort, wo ich Abends eintreffe. (…)”

Kommentar abgeben: