Till Eulenspiegel beehrt Köln

rheinseins Zuträge kommen aus den erstaunlichsten Richtungen. Heute z.B. bekamen wir Post aus Braunschweig, von der Münzhandelsgesellschaft Deutsche Münze (MDM). Der imperativ gestaltete Umschlag kündete: „Sofort öffnen! Erfahren Sie wie Till Eulenspiegel einem Kölner Wirt auf den Tisch schiss!“ Das wollten wir natürlich genauer wissen! So gingen wir, in bestem deutschen Untertanengeiste, der Sache umgehend auf den Grund und entnahmen der, wie sich alsbald herausstellte, nicht nur an uns, sondern an alle Kölner Bürgerinnen und Bürger gerichteten Flugschrift folgende Begebenheit:

„Als Eulenspiegel nach Köln in eine Herberge kam, drückte er sich dort zwei oder drei Tage herum, um sich nicht zu erkennen zu geben. In diesen Tagen merkte er, daß der Wirt ein Schalk war. Da dachte er: Wo der Wirt ein Schalk ist, da haben es die Gäste nicht gut, du solltest dir eine andere Herberge suchen. Am Abend merkte es der Wirt Eulenspiegel an, daß er eine andere Herberge suchte. Er wies den anderen Gästen ihre Betten an, nicht aber Eulenspiegel. Da sprach dieser: “Wie, Herr Wirt, ich bezahle meine Kost ebenso teuer wie die, denen Ihr ein Bett anweist, und ich soll hier auf der Bank schlafen?” Der Wirt sagte: “Siehe, da hast du ein paar Bettlaken!”, und ließ einen Furz. Und auf der Stelle ließ er noch einen und sprach: “Siehe, da hast du ein Kopfkissen!” Und zum dritten Male ließ er einen fahren, daß es stank, und sagte: “Siehe, da hast du ein ganzes Bett! Behilf dich bis morgen und lege sie mir auf einen Haufen, damit ich sie beieinander wiederfinde!” Eulenspiegel schwieg still und dachte: Sieh, das merkest du wohl: du mußt den Schalk mit einem Schalk bezahlen. Und er lag die Nacht auf der Bank.

Nun hatte der Wirt einen schönen Klapptisch. Die Flügel klappte Eulenspiegel auf, schiß auf den Tisch einen großen Haufen und klappte ihn wieder zu. Am Morgen stand er früh auf, ging vor des Wirtes Kammer und sprach: “Herr Wirt, ich danke Euch für die Nachtherberge.” Und damit ließ er einen großen Furz und sagte: “Seht, das sind die Federn von dem Bett. Das Kopfkissen, die Bettlaken und die Decken mit dem Bett habe ich zusammen auf einen Haufen gelegt.” Der Wirt sprach: “Herr Gast, das ist gut, ich will danach sehen, wenn ich aufstehe.” Eulenspiegel sagte: “Das tut! Schaut Euch um, Ihr werdet das schon finden!” Und damit ging er aus dem Haus.

Der Wirt sollte zu Mittag viele Gäste haben und sagte, die Gäste sollten auf dem hübschen Klapptisch essen. Als er nun den Tisch aufmachte, zog ihm ein böser Gestank in die Nase, er fand den Dreck und sprach: “Er gibt den Lohn nach den Werken, einen Furz hat er mit einem Scheißen bezahlt.”

Dann ließ der Wirt Eulenspiegel zurückholen, weil er ihn noch besser kennenlernen wollte. Eulenspiegel kam auch wieder, und er und der Wirt vertrugen sich in ihrer Schalkheit so, daß Eulenspiegel fortan ein gutes Bett bekam.“

Bleibt nur, der MDM für diese rare, dem drohenden Vergessen entrissene und überfallartig zugestellte rheinische Anekdote aus dem Lebensschatz des großen Till Eulenspiegel zu danken.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: