Monatsarchiv für April 2011

 
 

Goethe begoethet den Rheinfall (2)

Goethe hat seine Tageserstperspektive zureichend genossen und setzt über, es ist Zeit für seinen Morgenwein:

“Schlößchen Wörth

Ich ging hinein, um ein Glas Wein zu trinken.
Alter Eindruck bey Erblickung des Mannes.
Ich sah Trippels Bild an der Wand und fragte, ob er etwa zur Verwandtschaft gehörte. Der Hausherr, der Geltzer heißt, war mit Trippel durch Mütter Geschwisterkind. Er hat das Schlößchen mit dem Lachsfang, Zoll, Weinberg, Holz u.s.w. von seinen Voreltern her im Besitz, doch als Schupf-Lehn, wie sie es heißen. Er muß nämlich dem Kloster oder dessen jetzigen Successoren die Zolleinkünfte berechnen, 2/3 des gefangenen Lachses einliefern, auf die Waldung Aufsicht führen und daraus nur zu seiner Nothdurft schlagen und nehmen; die Nutzung des Weinberges und der Felder gehört ihm zu, und er giebt jährlich überhaupt nur 30 Thaler ab. Und so ist er eine Art von Lehenmann und zugleich Verwalter. Das Lehn heißt Schupf-Lehn deswegen, weil man ihn, wenn er seine Pflichten nicht erfüllt, aus dem Lehn herausschieben oder schuppen kann. Er zeigte mir seinen Lehnbrief von Anno 62, der alle Bedingungen mit großer Einfalt und Klarheit enthält. Ein solches Lehn geht auf die Söhne über, wie der gegenwärtige Besitzer die ältern Briefe auch noch aufbewahrt. Allein im Briefe selbst steht nichts davon, obwohl von einem Regreß an die Erben darinn die Rede ist. Um 10 Uhr fuhr ich bey schönem Sonnenschein wieder hinüber. Der Rheinfall war noch immer seitwärts von hinten erleuchtet, schöne Licht- und Schattenmassen zeigten sich sowohl von dem Laufenschen Felsen als von den Felsen der Mitte.
Ich trat wieder auf die Bühne an den Sturz heran, und ich fühlte, daß der vorige Eindruck schon verwischt war; es schien gewaltsamer als vorher zu stürmen. Wie schnell sich doch die Nerve wieder in ihren alten Zustand herstellt. Der Regenbogen erschien in seiner größten Schönheit; er stand mit seinem ruhigen Fuß in dem ungeheuern Gischt und Schaum, der, indem er ihn gewaltsam zu zerstören droht, ihn jeden Augenblick neu hervorbringen muß.”

Gedopt von einem frühen Tröpfchen schweift Goethe ein wenig vom Naturspektakel ab, um es sich dann umso genauer zu besehen und interessante, kräftige Details zu notieren:

“Beobachtungen und Betrachtungen.

Sicherheit neben der entsetzlichen Gewalt.
Durch das Rücken der Sonne noch größere Massen von Licht und Schatten.
Da nun kein Nebel ist, scheint der Gischt gewaltiger, wenn er über den reinen Himmel und die reine Erde hinauffährt.
Die dunkle grüne Farbe des abströmenden Flusses ist auch auffallender.”

Höchste Erkenntnis, was das Wesen des Falles angeht, in klare Sätze gepackt. Einmal vorort, fällt es jedem musischen Menschen schwer, seinen Blick von dem Naturspektakel zu lösen, allein: nach ein paar Stunden ist es dann doch gut. Und irgendwo wartet sicherlich bereits das nächste Gläschen.

“Wir fuhren zurück.

Wenn man nun den Fluß nach dem Falle hinabgleiten sieht, so ist er ruhig, seicht und unbedeutend. Alle Kräfte, die sich gelassen successiv einer ungeheuern Wirkung nähern, sind ebenso anzusehen. Mir fielen die Colonnen ein, wenn sie auf dem Marsche sind. Man sieht nun links über die bebaute Gegend und Weinhügel mit Dörfern und Höfen belebt und mit Häusern wie besäet. Ein wenig vorwärts Hohentwiel und, wenn ich nicht irre, die vorstehenden Felsen bey Engen und weiter herwärts. Rechts die hohen Gebürge der Schweiz in weiter Ferne hinter den mannigfaltigsten Mittelgründen. Auch bemerkt man hinterwärts gar wohl an der Gestalt der Berge den Weg, den der Rhein nimmt.
In dem Dorf Uhwiesen fand ich in der Zimmerarbeit Nachahmung der Mauerarbeit. Was sollen wir zu dieser Erscheinung sagen, da das Gegentheil der Grund aller Schönheit unsrer Baukunst ist.
Auch sah ich wieder Mangold, nahm mir vor, Saamen davon mitzunehmen und künftigen Sommer unsern Wieland zu tractiren.
Ich wurde abermals dran erinnert, wie das Sentimentale das Ideale auf einen einzelnen Fall anwendet und deswegen meistens schief ist.
Schafhausen lag mit seiner Dächermasse links im Thale.
Schafhauser Brücke schön gezimmert, höchste Reinlichkeit. In der Mitte einige Sitze, hinter denen die Öffnungen mit Glasfenstern zugeschlossen sind, damit man nicht im Zuge sitze.
Unterm Thore des Wirthshauses fand ich ein paar Franzosen wieder, die ich auch am Rheinfall gesehen hatte. Der eine war wohl damit zufrieden, der andere aber sagte: C`est asses joli, mais pas si joli que l`on me l`avait dit. Ich möchte die Ideen des Mannes und seinen Maasstab kennen.
Bey Tische saß ich neben einem Manne, der aus Italien kam und ein Mädchen von ohngefähr 14 Jahren, eine Engländerin, Namens Dillon, deren Mutter, eine geborne D`Alston, in Padua gestorben war, nach England zurückführte. Er konnte von der Theurung in Italien nicht genug sagen. Ein Pfund Brot kostet 20 französische Sous und ein paar Tauben einen kleinen Thaler.
Makaronische Uniform französischer edlen Cavalleristen. Fürchterliches Zeichen der drey schwarzen Lilien auf der weißen Binde am Arm.”

Leichte Makkaronizität dürfen wir wohl auch solchem Bericht attestieren. Doch nur Wochen später wird Goethe den Rheinfall in einem Brief an Charlotte von Stein auf seinen höchstpoetischen Nenner geschrumpft haben: “er ist die Blüte der Menschheit, das Beste vom besten”.

Rheinisches Fischmonster

An den legendären Grauer gemahnt das rheinische Fischmonstrum, von dem die FAZ online vor zwei Tagen in groben Zügen berichtete: Bei Wiesbaden habe die Polizei am Ostermontag eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht. Von einer Frau alarmiert, die glaubte, einen Menschen im Wasser treiben zu sehen, fanden die Beamten einen zweieinhalb Meter großen und 80 Kilogramm schweren Wels, der auf einer Sandbank gestrandet war. Das Tier wurde dann mit Seil und Boot der Wasserschutzpolizei zurück in tiefere Wasser geschleppt.

So weit, so gut. Doch zur intensiveren Verbildlichung des Berichts wurde demselben von der FAZ noch ein Foto zur Seite gestellt. Es zeigte einen kescherbewehrten knieenden Mann am Rande eines Wasserbeckens, darin ein Wels in etwa in der Größe dieses Mannes. Die Bildunterschrift besagte: “Der gestrandete Wels im Rhein war noch einen halben Meter größer”
Ein sehr animierender, die Vorstellungskraft begünstigender Journalismus, dachten wir da, der, wo er die originalen Fänomene verpaßt, sogleich mit Ersatzfänomenen aufzuwarten versteht. Ganz im Banne solcher Denkart stellten wir uns vor, wie es wäre, erklären zu dürfen, sollen oder müssen, daß es die FAZ online gibt und welcher Art dieses Medium beschaffen sei. Der FAZ-Redaktion dürfte womöglich folgende Lösung gefallen: Wir tätigen einen Screenshot der Panorama-Seite des Online-Auftritts sagen wir: des Kölner EXPRESS. Und erläuternd fügen wir hinzu: “Die FAZ aus Frankfurt war noch ein bißchen seriöser”

Badischer Rhein

Passend zu Flauberts Begriffsverwirrung folgende Stelle aus Deutschland deine Badener:

“(…) Wo der Wein wächst – und wo wüchse er nicht im Badischen! -, wo im April schon die Spargeln gestochen und im Mittelbadischen die ersten Erdbeeren geerntet werden, wo auf den Hardtfeldern der Tabak blüht und von der Reichenau früh Gemüse kommt, da lebt es sich nicht heroisch, sondern in gesetzter Behaglichkeit, ein Stück Süden schon, unaufdringlich jedoch und nie spektakulär. Von Konstanz bis über Mannheim hinaus ist Baden Rheinland und doch vom “Rheinländischen”, wie es in Deutschland zum Begriff geworden ist für lärmende Schunkelfröhlichkeit, so weit entfernt, wie die alte Holzbrücke über den Strom in Säckingen von Schloß Stolzenfels entfernt ist. Nein, hier ragen keine Trutzburgen hoch, keine mit Wehrzinnen und keine mit dunklen Verliesen, dafür aber in stiller Majestät die Münstertürme von Konstanz und Basel, von Breisach und Straßburg. Ebensowenig spielt sich der Rhein hier romantisch auf. Eher zieht er beschaulich dahin; erst im schweizerischen Schaffhausen braust er dann ein bißchen mutwillig über Felsen. Tannenwipfel spiegeln sich in ihm, Pappeln und Weiden, und wenn er erst an Karlsruhe vorbeigezogen ist, hat er noch eine lange Strecke zurückzulegen, ehe vaterländisch von ihm gesungen wird.
Und wie ist es mit Schwertgeklirr und Wogenprall? Gewiß, gewiß, seit Cäsars Legionen hier mit den Alemannen zusammenstießen, hat sich einiges getan am Oberrhein, und die Namen Mélac und Turenne, des Sonnenkönigs Marschälle, haben weder im Pfälzischen noch im Badischen einen guten Klang, wenngleich dieser Turenne in Sasbach, dort, wo ihn eine verirrte Kugel traf, sein Denkmal hat. Zufällig traf, muß man wohl hinzufügen. Denn wann fielen Marschälle auf dem Schlachtfeld? Nun, das ist lange her. Zudem waren es dynastische Streitereien, keine Volkskriege. So ermangelt der badische Rhein des Schicksalshaften, dies schon deshalb, weil auf beiden Ufern die gleiche Sprache gesprochen wird – Alemannisch. Einleuchtender hat es keiner erzählt als Hermann Landerer in seiner Geschichte vom alten Balthasar, der 1946 in Karlsruhe, in der amerikanischen Besatzungszone gelegen, ein Paar Hosenträger kaufen wolte, weil es diese in der französischen Zone nicht gab. Dazu benötigte er ein Laisser-passer. Auf badisch heißt das ein “Lessebasse”, und dies gab`s nicht ohne militärärztliche Untersuchung. Der Balthasar suchte seine französischen Sprachbrocken zusammen und trat gefaßt vor den jungen Franzosendoktor. Der aber knüpfte ihm das Hemd auf, hörte das Herz ab und sagte auf gut alemannisch: “Schnüüfe, Großvadder.” (…)”

Quelle: Amadeus Siebenpunkt – Deutschland deine Badener. Gruppenbild einer verzwickten Familie, Hoffmann und Kampe, Hamburg 1975

Wie man haarscharf an den Ufern des Rheins vorbeischrabben kann

oder zumindest beinahe, jedoch am Ende womöglich zeitlebens, selbst als großer Autor einer Rheinnation, und von welchen Umständen dies abhängen kann, davon spricht folgender Ausschnitt eines Briefs Flauberts an seine Nichte Caroline, aufgesetzt in London Ende August 1866:

“(…) Je ne veux pas m`en aller de Londres avant de t`avoir écrit un mot. Maman m`a dit que tu seras revenue à Rouen mercredi; donc, j`espère que ceci t`arrivera bientôt.
Je pars demain à 6 heures et demie du soir et, au lieu de me trimbaler pendant trente-six heures par les chemins belges qui ne me feraient arriver à Bade que dans la nuit de vendredi, je prends tout bonnement le chemin de fer de Paris. Je resterai à Paris une heure, le temps d`aller à la gare de Strasbourg, et je serai à Baden le même jour, à 10 heures du soir. Si j`avais été plus en fonds, j`aurais pris plaisir à voir les bords du Rhin; mais ce voyage me demanderait cinq à six jours. (…)”

(Nun besaß und besitzt der Rhein auch Ufer bei Baden-Baden, eine Reise dorthin im beschriebenen Sinne setzte und setzt eine Querung derselben voraus, aber die läppisch-ruinenarmen Oberrheingestade galten wohl seinerzeit nicht ganz, zumal da gerade kräftig herumkanalisiert wurde.)

Goethe begoethet den Rheinfall

Dreimal war Goethe zeit (und laut) seines wohldokumentierten Lebens am Rheinfall, in dieser Hinsicht steht es bisher pari zwischen rheinsein und dem Alten. In Goethes Tagebuch von September 1797 finden sich, nachdem er am Vorabend im Schaffhauser Gasthaus zur Krone “einen gewissen stieren Blick der Schweizer, besonders der Zürcher” bemerkt, mehrere Einträge, welche die gewissenhaften Inspektionen Goethes am Objekte protokollieren. Frühmorgens macht er sich auf den Weg, eine gute Zeit, wie rheinsein aus eigenen Untersuchungen bestätigen darf, den Wasserfall zu betrachten, der je nach Sonnenstand dem Betrachter erkleckliche Differenzen in seiner Wirkung als ständiges Naturspektakel vermitteln kann.

“Den 18ten früh.

Um 6 1/2 Uhr ausgefahren. Grüne Wasserfarbe, Ursache derselben.
Nebel, der die Höhen einnahm. Die Tiefe war klar, man sah das Schloß Laufen halb im Nebel. Der Dampf des Rheinfalls, den man recht gut unterscheiden konnte, vermischte sich mit dem Nebel und stieg mit ihm auf.
Gedanke an Ossian. Liebe zum Nebel bey heftig innern Empfindungen.
Uhwiesen, ein Dorf. Weinberge, unten Feld.
Oben klärte sich der Himmel langsam auf, die Nebel lagen noch auf den Höhen.
Laufen. Man steigt hinab und steht auf Kalkfelsen.
Theile der sinnlichen Erscheinung des Rheinfalls, vom hölzernen Vorbau gesehen. Felsen, in der Mitte stehende, von dem höhern Wasser ausgeschliffne, gegen die das Wasser herabschießt.
Ihr Widerstand; einer oben, und der andere unten, werden völlig überströmt. Schnelle Wellen. Locken Gischt im Sturz, Gischt unten im Kessel, siedende Strudel im Kessel.
Der Vers legitimirt sich:
Es wallet und siedet und brauset und zischt pp.
Wenn die strömenden Stellen grün aussehen, so erscheint der nächste Gischt leise purpur gefärbt.
Unten strömen die Wellen schäumend ab, schlagen hüben und drüben ans Ufer, die Bewegung verklingt weiter hinab, und das Wasser zeigt im Fortfließen seine grüne Farbe wieder.”

Der hölzerne Vorbau: das Känzeli! – muß gleich mit dem Rheinfall entstanden sein. Ob Goethe auch auf den Schnitzel-Imbiß treffen wird? Zunächst notiert er

“Erregte Ideen.

Gewalt der Sturzes. Unerschöpfbarkeit als wie ein Unnachlassen der Kraft. Zerstörung, Bleiben, Dauern, Bewegung, unmittelbare Ruhe nach dem Fall.
Beschränkung durch Mühlen drüben, durch einen Vorbau hüben; ja es war möglich, die schönste Ansicht dieses herrlichen Natur-Phänomens wirklich zu verschließen.
Umgebung. Weinberge, Feld, Wäldchen.
Bisher war Nebel, zu besonderm Glücke und Bemerkung des Details; die Sonne trat hervor und beleuchtete auf das schönste schief von der Hinterseite das Ganze. Das Sonnenlicht theilte nun die Massen ab, bezeichnete alles vor- und zurückstehende, verkörperte die ungeheure Bewegung. Das Streben der Ströme gegen einander schien gewaltsam zu werden, weil man ihre Richtung und Abtheilungen deutlicher sah. Stark spritzende Massen aus der Tiefe zeichneten sich beleuchtet nun vor dem feinern Dunst aus, ein halber Regenbogen erschien im Dunste.
Bey längerer Betrachtung scheint die Bewegung zuzunehmen. Das dauernde Ungeheuer muß uns immer wachsend erscheinen; das vollkommne muß uns erst stimmen und uns nach und nach zu sich hinaufheben. So erscheinen uns schöne Personen immer schöner, verständige verständiger.
Das Meer gebietet dem Meer. Wenn man sich die Quellen des Oceans dichten wollte, so müßte man sie so darstellen.
Nach einiger Beruhigung verfolgt man den Strom in Gedanken bis zu seinem Ursprung und begleitet ihn wieder hinab.
Beym Hinabsteigen nach dem flächern Ufer Gedanken an die neumodische Parksucht.
Der Natur nachzuhelfen, wenn man schöne Motive hat, ist in jeder Gegend lobenswürdig; aber wie bedenklich es sey, gewisse Imaginationen realisiren zu wollen, da die größten Phänomene der Natur selbst hinter der Idee zurückbleiben.
Ich fuhr über. Der Rheinfall von vorn, wo er faßlich ist, bleibt noch herrlich, man kann ihn auch schon schön nennen. Man sieht schon mehr den stufenweisen Fall und die Mannigfaltigkeit in seiner Breite; man kann die verschiednen Wirkungen vergleichen, vom unbändigsten rechts bis zum nützlich verwendeten links.
Über dem Sturz die schöne Felsenwand, an der man das Hergleiten des Stromes ahnden kann; rechts das Schloß Laufen. Ich stand so, daß das Schlößchen Wörth und der Damm, der von ausgeht, den linken Vordergrund machten. Auch auf dieser Seite sind Kalkfelsen, und wahrscheinlich sind auch die Felsen in der Mitte des Sturzes Kalk.”

Die Angaben mag jede/r Interessierte nutzen, sich bei einem Rheinfall-Besuch selbst in Goethesche Position zu navigieren.

Jesus am Rhein

Google kennt aktuell ungefähr 2,5 Millionen Artikel-Vorschläge für die Stichwortsuche nach Jesus am Rhein – darunter jede Menge irrelevanter Schmonzes. Setzen wir die Anfrage einschränkend in Gänsefüßchen, bleibt ein einziger Treffer übrig, der mitten in eine Forumsdiskussion einer randständigen Jugendgruppierung führt. Optimierbar scheinen da sowohl die Suchmaschinenauslese, als auch die rheinische Präsenz des Nazareners. Welch letztere bei Alexandre Dumas immerhin ganz ordentlich durchscheint, in seinem mittelrheinisch-gesamtbiblischen Stimmungsbild aus den Excursions sur les bords du Rhin von 1838:

„Il est difficile, à nous autres Français, de comprendre quelle vénération profonde les Allemands ont pour le Rhin. C`est pour eux une espèce de divinité protectrice qui, outre ses carpes et ses saumons, renferme dans ses eaux une quantité des naïades, d`ondines, de génies bons ou mauvais, que l`imagination poétique des habitants, voit le jour, à travers le voile de ses eaux bleues, et la nuit, tantôt assises, tantôt errantes sur ses rives. Pour eux le Rhin est l`emblème universel; le Rhin c`est la force; le Rhin c`est l’indépendance; le Rhin c`est la liberté.
Le Rhin a des passions comme un homme ou plutôt comme un Dieu. Le Rhin aime et hait, caresse et brise, protège et maudit. Pour l`un, ses eaux sont un doux lit d`algues et de roses, où le vieux père des fleuves, tout couronné de roseaux, et tenant son urne renversée, comme un dieu païen, l`attend pour lui faire fête. Pour l`autre, c`est un abîme sans fond, peuplé de monstres hideux à voir, et pareil au gouffre qui engloutit le pêcheur de Schiller. Pour celui-ci, ses eaux sont un miroir poli, sur lequel il peut marcher comme le Christ, pourvu qu`il ait plus de foi que saint Pierre; pour celui-là, son cours est tumultueux et irrité comme celui de la mer Rouge engloutissant Pharaon. Mais, de quelque façon qu`il soit envisagé, c’est un objet de crainte ou d’espérance; symbole de haine ou d`amour, principe de vie et de mort. Pour tous c`est une source de poésie.
C`est surtout entre Coblence et Mayence que ses plus nombreuses traditions sont rassemblées, c`est que dans l`espace compris entre ces deux villes, le Rhin renferme, en effet, ses contrastes les plus opposés, ses points de vue les plus gracieux et les plus terribles, c`est que là tantôt vainqueur de ses collines qui semblent se tenir respectueusement loin de lui, il s`étend insouciant et paresseux comme un lac: c`est que tantôt vaincu, resserré, et comme enchaîné par ses montagnes, grâce aux cuirasses de granit contre lesquelles se brisent inutilement ses flots, il se tord, se roule, se replie comme un serpent qui lutte, et dans son impuissance bien reconnue, pressé de fuir, menace en fuyant. Alors on comprend que, selon qu`ils habitent tel ou tel endroit de ses rivages, les pêcheurs, dont il caresse ou dont il brise les barques, le regardent comme un dieu tutélaire ou comme un mauvais génie, et le remercient comme un père ou l`implorent comme un ennemi.“

Daß solche aus der Landschaft gekratzte Stimmung auf die beschriebene Gegend tatsächlich bis heute anwendbar ist, mag ein rund zehn Jahre alter kurzer Text bezeugen, den wir während eines Mittelrhein-Besuchs verfaßten.

Tolstoi über den Rheinfall

„Ein abnormaler, nichtssagender Anblick.“

Heinse über den Rheinfall

Wenn Victor Hugo am Rheinfall war, der junge Lenz, Mörike, Hölderlin, Jean Paul, Klopstock, die Droste, wir selbst bereits ein paarmal, dann muß auch Goethe dort gewesen sein, möchte man meinen und meinte mans wirklich, so meinte mans natürlich zurecht. Goethes Gedanken zum Rheinfall werden hier noch präsentiert, in der Zwischenzeit stießen wir auf Wilhelm Heinse, der in seinem Tagebuch notierte:

“Neuhausen bei Schaffhausen, den 14. August 1870
Der Rhein bei Schaffhausen tut einen solchen Schuß in die Tiefe, daß er das Laufen vergißt und sich besinnt, ob er Dunst werden oder Wasser bleiben will. Wenn man ihn zum ersten erblickt: so sieht man lauter Dunststaub wie Silberrauch in der Luft. Sein Brausen in der Ferne scheint wie Harmonie, in welche einzelne Flutenschläge die Melodie machen. Er sieht ganz wild und ernst aus und stürmt trotzig über die Felsen hin, kühn und sicher, nicht zu vergehen. Es ist eine erschreckliche Gewalt, und man erstaunt, wie die Felsen dagegen aushalten können. Das Wasser scheint von der heftigen Bewegung zu Feuer zu werden und raucht; aber sein Dampf ist Silber, so rein, wie sein Element ist.”

Treffende Worte in schönem Fluß. Heinses Beobachtungen am Rheinfall gehen indes noch deutlich weiter, in einem Brief an den Kollegen Friedrich Jacobi:

“Es ist, als ob eine Wasserwelt in den Abgrund aus den Gesetzen der Natur hinausrollte. Die Gewölbe der Schaumwogen im wütenden Schuß flammt ein glühender Regenbogen wie ein Geist des Zorns schräg herab. Keine Erinnerung, der stärkste Schwung der Phantasie kann`s der gegenwärtigen Empfindung nachsagen. Die Natur zeigt sich ganz in ihrer Größe. Die Allmacht ihrer Kräfte zieht dauernd die kochenden Fluten herab und gibt den ungeheuern Wassermassen die Eile des Blitzes. Es ist die allerhöchste Stärke, der wütendste Sturm des größten Lebens, das menschliche Sinnen fassen können. Der Mensch steht klein wie ein Nichts davor da und kann nur bis ins Innerste gerührt den Aufruhr betrachten. Selbst der Schlaffste muß des Wassergebirggetümmels nicht satt werden können. Der kälteste Philosoph muß sagen, es ist eine von den ungeheuersten Wirkungen der anziehenden Kraft, die in die Sinne fallen. Und wenn man es das hundertstemal sieht, so ergreift`s einen wieder von neuem, als ob man es noch nicht gesehen hätte. Es ist ein Riesensturm, und man wird endlich ungeduldig, daß man ein so kleines festes mechanisches zerbrechliches Ding ist und nicht mit hineinkann. Der Perlenstaub, der überall wie von einem großen wütenden Feuer herumdampft und wie von einem Wirbelwind herumgejagt wird und allen den großen Massen einen Schatten erteilt oder sie gewitterwolkicht macht, bildet ein fürchterliches Ganzes mit dem Flug und Schuß und Drang, und An- und Abprallen, und Wirbeln und Sieden und Schäumen in der Tiefe, und dem Brausen und dem majestätischen, erdbebenartigen Krachen dazwischen… O Gott, welche Musik, welches Donnerbrausen, welch ein Sturm durch all mein Wesen! Heilig! heilig! heilig! brüllt es in Mark und Gebein… Es ist mir, als ob ich in der geheimsten Werkstatt der Schöpfung mich befände, wo das Element von fürchterlicher Allgewalt gezwungen sich zeigen muß, wie es ist, in zerstürmten und ungeheuern großen Massen. Und doch läßt das ihm eigentümliche Leben sich nicht ganz bändigen und schäumt und wütet und brüllt, daß die Felsen und die Berge nebenan erzittern und erklingen und der Himmel davor sein klares Antlitz verhüllt und die flammende Sommersonne mit mildern Strahlen dreinschaut. –
Es ist der Rheinstrom: und man steht davor wie vor dem Inbegriff aller Quellen, so aufgelöst ist er; und doch sind die Massen so stark, daß sie das Gefühl statt des Auges ergreifen, und die Bewegung so trümmernd heftig, daß dieser Sinn ihr nicht nachkann und die Empfindung immer neu bleibt und ewig schauervoll und entzückend.
Man hört und fühlt sich selbst nicht mehr, das Auge sieht nicht mehr und läßt nur Eindruck auf sich machen; so wird man ergriffen und von nie empfundenen Regungen durchdrungen. Oben und unten sind kochende Staubwolken, und in der Mitte wälzt sich blitzschnell die dicke Flut wie grünlichtes Metall mit Silberschaum im Fluß; unten stürzt es mit allmächtiger Gewalt durch den kochenden Schaum in den Abgrund, daß er wie von einer heftigen Feuersbrunst sich in Dampf und Rauch auflöst und sich über das weite Becken wirbelt und kräuselt. An der linken Seite, wo sein Strom am stärksten sich hereinwälzt, fliegt der Schuß wie Ballen zerstäubter Kanonenkugeln weit ins Becken und gibt Stöße an die Felsenwand wie ein Erdbeben. Rundum weiterhin ist alles Toben und Wüten, und das Herz und die Pulse schlagen dem Wassergotte wie einem Alexander nach gewonnener Schlacht.”

Existiert da noch besseres? Heinse jedenfalls, auf den wir heut erst stießen, hat noch schöne Anmerkungen zu weiteren rheinischen Gefilden in petto, die gelegentlich hier auftauchen dürften. Ob Goethe da mithalten konnte oder angesichts des Naturereignisses in eine seiner kleinkrämerischen Brillanzpausen verfiel – verpassen Sie`s auf keinen Fall, demnächst, an dieser Stelle!

Rheingeier (3)

Es existiert, wie uns Roland Bergère mitteilte, noch eine geheimnisvolle vierte Rheingeier-Skizze, die zwar in den Tiefen seines öffentlichen bestiaire abrégé (der weiterführende Link scheint rechts neben den Schubladen auf) abgelegt ist, aber bis Sie sie dort gefunden haben, können Sie sich dumm und dämlich suchen. Denn die äußerst verzweigten Klickwege, die Monsieur Bergère uns zum Auffinden der raren Skizze übermittelte, wollen wir hier, um Ihre Scrollleiste zu schonen, nicht veröffentlichen. (Wenn Sie sich aber für Geier interessen sollten, besuchen Sie die Site und klicken Sie einfach wild in die Gegend: es lohnt in jedem Fall.)

rheingeier_rettung

“Die Rettung”, ein wohl nicht nur zufällig auch österlich passender Titel, zeigt die bisher unbekannte conclusio der Bergèreschen Überlegungen: vor der von mächtigem Sakralbau und  christlicher Symbolik geprägten Silhouette einer offenbar bedeutenden rheinischen Stadt kommt es zum Showdown zwischen vorgeblich menschlichen und vorgeblich animalischen Trieben. Allein der Titel verspricht Hoffnung und Erlösung, denn durch das Wort steht zu erwarten die wundersame Harmonisierung etlicher klassischer Gegensatzpaare (Leben/Tod, Geier/Mensch, Deutschland/blauer Himmel etc).

Rheingeier (2)

Daß das Geierhafte dem Rheinischen nicht völlig fremdelt bzw fremdelte (und umgekehrt) mögen folgende Verse Lamartines aus La chute d`un ange zu Zeiten der Vollromantik nachweisen, in denen das Reich Mordor über den Urlandschaften des Feudalrheins aufzuschwarzen scheint:

(…)
Nous passâmes au pied d`un haut mamelon noir
Que couronnaient les murs d`un antique manoir,
Tout semblable aux monceaux de gothiques ruines
Dont le Rhin féodal revêtait ses collines.
Des turbans noirs brillaient au sommet d`une tour.
Quel est, dis-je au vieillard, cette aire de vautour?
(…)

Ruch von Gewalt und Untergang, gepackt in düstere Ästhetik. Leicht vorstellbar, wie, durch einen kleinen Zeitriß hineingeschlüpft, eine Kolonne uniformierter Nazis durch diese Kulisse stapft. Aufscheint, mitten in unzulässigen Durchdiesferenundzeitenvergleichen: dem Bürger seine Romantik ihre Kehrseite. Assoziiert mit leicht unappetitlichem Scheitern am großen Sehnen. Mit schönen Grüßen aus Frankreich.

Rheingeier

Roland Bergère dürfen wir mit Fug und Recht als den Geier-Experten unter Europas Künstlern bezeichnen. Ähnlich wie rheinsein alles Rheinrelevante sammelt und archiviert, hortet Bergère in seinem bestiaire abrégé jegliche Informationen zu den liebenswerten Greifen. Sowohl Bergères als auch rheinseins Arbeitsstränge sind über lange Zeit angelegt, kreuzten dabei mehrfach ihre Wege und setzten inspirative Synergien frei: vor einigen Jahren z.B. beschäftigte uns die Frage, welche Bedeutung dem Geier (jenseits seiner Vorkommen in Zoos und als Flugschauobjekt) am Rhein noch zukommen könne. Bergère schickte uns daraufhin drei Skizzen, welche sich mit möglichen Evolutionsschritten für die in rheinischen Gefilden derzeit raren Landvögel auseinandersetzen:

rheingeier1_roland

Skizze 1 zeigt einen Schnorchelgeier, der sich in seinem neuen Element noch sichtlich unwohl fühlt (“Grillhähnchenhaltung”). Vermutlich hat ihn die Strömung überrascht, die sich von jenen, die in den Lüften herrschen, in wichtigen Punkten unterscheidet.

rheingeier2_roland

Skizze 2 zeigt einen deutlich ausgeklügelteren Plan, sich dem ungewohnten Element zu nähern. Der Luftschlauch soll das Überleben auch bei längeren Unterwassergängen garantieren, zur doppelten Sicherheit dient die Zugleine, welche den Vogel im Notfall in sein angestammtes Element zurückverfrachten soll.

rheingeier3_roland

Skizze 3 schließlich zeigt eine realistische Anpassungsweise unter Wasser. Der evolutionäre Rheingeier scheint das Verhalten einiger Schalentiere beobachtet und kopiert zu haben: der Rumpf bleibt der feindlichen Umgebung verborgen. Beine und Krallen dienen als Steuer und Anker.

Gorrh (13)

Gorrh, nach einer langwierigen Fase psychischen und fysischen Niedergangs etwas ausgefranst, flämmt das Mittelrheintal ab, verübt Brandrodung, rupft die Kraftwerke von Biblis und Mülheim-Kärlich aus ihren Verankerungen und löst in einem beiläufigen Arbeitsgang (als zünde er sich ne Fluppe an, als Nichtraucher!) die Kernschmelze aus, verharrt dann, nachhaltig zufriedengestellt, an einer Flußschlinge, bis das Gebiet wieder bewohnbar wird. Nicht auch nur ansatzweise erahnbare Zeiträume vergehen. Gorrh meditiert, während sich über ihm das Universum in weiterhin kaum ergründlicher Motivation dehnt, spannt und krampft. Dann aber, eines schönen Morgens: klettern nach und nach die Wilden aus den Wäldern, verlassen ihre unbeschreiblich neu- und fortevolvierte Pflanzenwelt und beginnen einen Kult um das einsame Wesen (sie nennen es „Große Kröte“), das schon immer dort am Ufer hockte. Gorrh, der lange keine Menschen mehr aushalten mußte und die Zwischenzeit zum Nachdenken reichlich genossen hatte, entschließt sich zur Gastfreundschaft, insbesondere gegenüber den Rheinschiffern auf ihren primitiven Plankenbooten, da diese ihn dauern. Gorrh hält Symposien mit enormem Zulauf. Spricht von den Dingen der Vorzeit, von Zyklik, Treu und Glauben. Serviert ein feines Tröpfchen dazu, welches die Geister der Wilden aus den Wäldern bis in den Weltraum erhebt. Natürlich schafft das Neider. Bald muß sich Gorrh vor dem Bischof von Trier für seine angeblichen Ausschweifungen verantworten, findet aber Gnade, als er im Empfangsbereich zerstreut Hut und Mantel an einem Sonnenstrahl aufhängt. Der Ruf seiner Wundertätigkeit weitet sich aus, es kursieren Gerüchte, d.h. Bestrebungen, denen zufolge Gorrh das Bischofsamt angetragen werden soll (was ihn entsetzt). Auf seinem Rückweg durch die Wälder (Gorrh pfeift, die Sorglosigkeit in Person, alte deutsche Schnulzen) wird er von wohltätig gesinnten Räubern überfallen, die ihn den Armen zum Fraß vorwerfen wollen. Gorrh disputiert, wiegelt ab, läßt die Schinderhanseln am Leben und ruft drei Heimathirsche herbei, die mittels Milchgaben und anschließender Selbstentleibung einen Butter- und Fleischberg schaffen, den die Politik jedoch kurz darauf seiner Bestimmung, die Armen zu speisen, entbindet. Gorrh weiß all das, nebst seiner persönlichen Lebenserfahrung hat er den gesamten Homer gelesen, es geht ihm darum, dem allgemeinen Hang zu Unverstand und Resignation immer wieder kleine Nadelstiche zu versetzen. Den Wein der Räuber verwandelt Gorrh in guten Wein, dergleichen Gesten mehr – kurzum das übliche Hastenichgesehn. Es sammeln sich Geschichten („wie Gorrh gegen die Strömung trieb“) und um diese Geschichten herum Agglomerationen. Doppelstädte mit Industrien entstehen längs des Stroms. Gorrh heilt, seiner angeborenen Überdrüssigkeit offenbar ledig, die Frauen der Mächtigen und verwaltet das Wetter. Diverse Ehrenämter erfüllen ihn mit dem Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, auch mit Stolz. Doch die Traurigkeit ist dem Tier nicht auszutreiben (wußte bereits der Physiologus). Nach einem langen Abend in der Schenke „Zum Kürassier“ verliert Gorrh völlig den Bezug zu seiner Umgebung. Er grubbert und drillbohrt sich ins Erdreich, Ziel unbekannt. So kommt die Große Kröte einem ganzen Zeitalter abhanden. (An der Stelle aber, an der Gorrh verschwand, pulsiert heute der Geysir von Andernach.)

Hugo war auch am Rheinfall

Nach der Loreley scheint, mit knappem Abstand, der Rheinfall das zweitbedichtenswerteste Fänomen des Stroms. In den folgenden Versen werden antike und shakespearsche Figuren, fast als hätten sie – was wir historisch ausschließen können – den Dichter in Form von an Tourismusständen feilgebotenen Plastikmonstern inspiriert, an den Schweizerrhein verlagert, vor bildungszierendes Schäumen, Brausen, Rauschen und Regenbiegen. Die schaurige Szenerie findet sich in Victor Hugos Dernière Gerbe:

Chute du Rhin

… Le Rhin tombe en hurlant
Dans le gouffre où l`écume, immense chaos blanc,
Tourne éternellement son effroyable roue;
Dans le puits inconnu que l`eau sombre secoue,
Tout bave et gronde; ainsi rugiraient des titans
Vautrés dans un abîme énorme, et combattants.
Cela frémit, cela hurle, cela blasphème.
On dirait Caliban colletant Polyphème.
On pressent, sous ce vaste et formidable bruit,
Toutes les profondeurs sinistres de la nuit.
Le fleuve à son tourment court avec épouvante.
L’âpre rondeur des eaux, glauque, aveugle et vivante,
Croule, et renaît toujours pour toujours se briser.
L`arc-en-ciel frissonnant brille et vient s`y poser;
Sur la courbe difforme il met sa courbe pure,
Et l`on croit voir Diane, au fond de l`ombre obscure,
Dressant dans ce fracas son front tranquille et fier,
Du bout de son arc vierge apaiser un enfer.