Bregenz (2)

Mit dem ÖBB-Wiesel von Feldkirch an den keltisch-römischen Bodensee. So ganz flink bewegt sich das Wiesel nicht, eher schleicht es ruckhaft durch die Vorarlberger Dörfer, Gleisparks und Städtchen entlang des Österrheins: Anfahren und Bremsen. Die Ortschaften tragen Namen wie Haselstauden oder Klaus in Vorarlberg (aus dem das verbleicht-zerfressene Stationsschild K in Voranberg macht). Immerhin nur läppische 9,10 Euro kostet eine Tageskarte. Dem Bregenzer Bahnhof direkt gegenüber liegt die imposante Seebühne, welche gerade für eine Oper über den während der Revolutionswirren guillotinierten französischen Lyriker André Chénier umgebaut wird. Promenade und Innenstadt geben sich typisch bodensee-touristisch, nur daß an Märzwerktagen vielleicht grad anderthalb handvoll Touristen durch die Straßen schleichen. Ein hübsches Fleckchen stellt die Oberstadt vor, mit dem Stadttor mit seinen eingeritzten Sprüchen („Nutz Diene Zit / Mahn fule Lüt / Meid Bösen Strit / Duld Truglug it“), von dem ein mumifizierter Hai herabbaumelt, als Kuriositätenzentrale. Rekorde: der Martinsturm gilt als größter Zwiebelturm Mitteleuropas – in der Tat: ein Brett! Die Hausfassade Kirchstraße 29 gilt als schmalste Ganzeuropas: mit 57 Zentimetern Breite – um den Rekord abzurunden imaginieren wir eine Flucht von 500 Metern Länge hinter der unscheinbaren Holztür. Die zum Kapuzinerkloster gehörige Lourdesgrotte mit der Statue Unserer Lieben Frau, die nach Angaben der Müllerstochter Bernadette verfertigt und einst als erste Statue in der Erscheinungsgrotte zu Massabielle aufgestellt wurde, gilt als das ehrwürdigste Lourdes-Heiligtum Österreichs. Ansonsten begegnet uns Bregenz als Stadt der Fahrradschieber, schon die Kleinsten üben sich auf den gepflasterten Anstiegen Richtung Bergwelt. Über/regionale Berühmtheit erlangt hat das „Running Sushi & Buffet Tokyo“, ein All you can eat-Fließband-Sushirant, das eine dem asiatischsten Metropolenverkehr nachempfundene, übereinander verlaufende Warm- und Kaltspeisendoppeltrasse anbietet, die sich durch weite Teile des in einer Shopping Mall situierten Ladens schlängelt und dem günstigen Preis entsprechend überraschend vielfältige (mit brauner Süßpaste gefüllter Olm?!) zwar, aber fade Ware anbietet. Ein letzter Blick auf den Dunst überm See und zurück geht’s durch österrheinische Feld-, Wald- und Wiesengebiete, über denen majestätisch Arl und, immer einen Flügelschlag voraus, Vorarl kreisen.


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