Die Chinesen am Rhein

Max Horkheimer erkannte bereits vor über 40 Jahren, wenngleich nicht als erster, die gelbe Gefahr bei gleichzeitigem Niedergang unserer Kulturwerte, wie ein Spiegelzitat der Ausgabe 12/1969, als der gemeine China-Imbiss an der Straßenecke noch, je nach Haltung, utopisches Schreckens- oder Sehnensszenario war, wunderbar zusammenfaßt:

“Mit Kaiser Wilhelm II., Chruschtschow und Breschnew teilt Horkheimer die Furcht vor den Chinesen. Er begründete sie den Italienern damit, daß Europas Kulturgüter weder Ansehen noch Bedeutung mehr besitzen. Deshalb, so meint er, würden die Länder der Dritten Welt “schnell expandieren”, und “deswegen habe ich Furcht und sehe ich die Chinesen sich den Ufern des Rheins nähern”.”

An den Ufern des Rheins sind die Chinesen längst angekommen und unterwandern die deutsche Schnitzellandschaft mit poetisch benamten Fusionsküche-Imbissen wie “Guten Tag”, “Schöne Welt” oder “China-Wok”. Die tatsächlichen Angriffe auf unser Wertesystem, wird gemunkelt und selten sogar veröffentlicht, führten die Chinesen vorwiegend im Internet: Hacken, Beviren, Spionage, copy and paste. In der Echtwelt entstanden unterdessen verwirrende Rückkopplungseffekte per Wirtschaftsdynamik, nicht schlecht für ein System, das sich als kommunistisch ausweist. Die von kaum wahrnehmbaren östlichen Druckwellen und westlich-eingeborener Globalisierungsgewinnsucht aufgebaute Chinesisierung unseres Denkens ist auf dem Wege zur Hoffähigkeit teils bereits am Ziel angelangt, konfuzianische Anwandlungen da und dorten, die Laotsekapuze erobert den Bekleidungsmarkt. Gewinn oder Verlust? Horkheimers Furcht jedenfalls war die vor einer Kultur, die weit länger besteht als seine Aufklärung und ganz Europa zusammen. Jesus aber sprach: “Fürchtet euch nicht!” Denn schon zu Zeiten des Nazareners war über Jahrtausende bekannt, daß die Chinesen niemals militärisch expandieren.


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