Buchs

Radfahrt nach Buchs, einem zusammengestoppelten Schweizer Grenzstädtchen im St Galler Rheintal, dessen Städtchen allesamt als Grenzstädtchen durchgehen. Buchs gilt als Lädela- (=Shopping-)Metropole für das gegenüberliegende Fürstentum Liechtenstein, die (den Ort symbol- bzw synonymisierende) Fußgängerzone wartet mit den üblichen Ladenketten und Sonntagsverkäufen auf, im wärmeren Halbjahr brutzeln die Supermärkte vor ihren automatischen Glasschiebetüren Kalbsbratwürste und Cervelat. Außerhalb der Zone existieren zwei Brockenhäuser, eine ordentliche Quote. Wikipedia erklärt, Buchs sei mittels einer Brücke mit dem Fürstentum verbunden, tatsächlich sind es drei, eine mehr als ordentliche Quote. Parallel zum Rhein fließt der Werdenberger Binnenkanal, teils durch ein irritierend individuelles, sauber verplanquadrateltes Potpourri an Wohnhausarchitektur. Dazwischen finden sich, bevorzugt auf Parkplätzen und Verkehrsinseln, schräge, auf den ersten Blick unpassende, auf den zweiten das Gesamtbild sinnvoll abrundende Skulpturen, darunter der Orandschimann, ein über und über warnwestenorange lackierter Bauarbeiter samt Karette auf dem Flachdach des im Containerstil erbauten Polizeigebäudes, einem betongerahmten, längsbetonten, kompakten Kubus, der einen wunderbar schlichten Futurismus ausstrahlt. Das Gemeindegebiet streckt sich die Hänge aufwärts bis weit über 2000 Meter. Nebst der Fußgängerzone gibt es noch die daueremissionierende Kehrrichtverbrennungsanlage („Kleintiere und Kadaver hier entlang“) als beherrschendes Merkmal; deren Rauchsäule dient über viele Kilometer hinweg als Windindikator. Die Konfessionen sind gemischt, die reformierte Kirche besitzt einen sehenswert schlankspitzen Turmaufsatz. Die freie evangelische Gemeinde wirbt mit einem Plakat, das, sobald es nur bekannter wird, noch zu Diskussionen führen dürfte: neben dem Bibelspruch „Das ist Liebe, dass wir nach Gottes Geboten leben“ prangt das Antlitz eines sympathischen jungen Mannes beim Orgasmus. Was noch? Morgens und abends glühen die Berge – je nach Sicht. Was noch? Der Miterfinder des Rastertunnelmikroskops Heinrich Rohrer stammt aus dieser Fußgängerzone mit Wohnumgebung und Bergblick. Was noch: als zentraler Versammlungsort dient die rückwärtige Mauer einer Zweiautoparkgarage plus die davor liegenden sechs Freiluftparkplätze.


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