Blick in den Himmel im Rhein bei Liechtenstein

(Bild: Helena Becker)
stan lafleur schlafwandelt durch die rheinische sferiferie

(Bild: Helena Becker)
Nach gelungenem Durchqueren der Mittleren Ewigkeit nachmittägliches Gestiefel durch Wiens 7. Bezirk: filmkulissen wirkende, auf Charme getrimmte Abgeranztheit schlierig-staubiger, kitsch- und katschbefüllter, papptafelbeworbener bzw -verstellter Straßenvitrinen, den sprechenden Mäulern sozusagen k.u.kiger, massiver Gebäude. La Trouvaille – Bücher und Weine. Keine fixen Öffnungszeiten. Afrikanische Stammeskunst. Bachblüten. Kälte kriecht mit unablässiger Perfidie über die Straßen, wir suchen nach warmer bis heißer Nahrung. Solche wird an jeder zweiten Ecke, nicht selten auch dazwischen, feilgeboten, die Einzelkämpfer an/in den zerbrechlichen Wiener Würstlständen aus Glas und Brettern dauern uns, ob der Temperaturen, um sie herum jedoch herrscht ein Melting Pot nie zuvor so bunt verwirbelt gesehener Genüsse; nebst einem fülligen Arsenal einheimischer Speisen mit ihren geisterbahnhaften Bezeichnungen. Wir finden und verwerfen: Couscous mit Knödel, Delikatessen „Smak“: “polnische Produkte mit traditionellem und originalen Geschmack”, Blunzengröstl mit Brimsen, armenischen Weinbrand, Augsburger und Karfiol als Angebot eines arabischen Cafés, Beuschel, Fuschl, Fuddlstrudl etc. etc., landen schließlich in einem asiatischen Imbiß, angelockt von Meditationsfahnen, welche zwei Kraniche in verschiedenen Positionen auf so etwas wie aufgeblähten Kartoffeln hockend darstellen. Die Bildfolge wirkt chinesisch-weise bis raffiniert-dement: „Ich könnte schon weg, aber hier bin ich, hier bleib ich (bei meiner ollen Knolle).“ Nachdem die Patronin uns zunächst für einen Engländer hält (ein in letzter Zeit im deutschsprachigen Ausland etwas zu häufig auftretender Irrtum), uns dennoch von der dicken Suppe auf ihre asiatische Art abzuraten scheint, versuchen wirs mit einer klaren, vorgeblich japanischen Suppe mit hausgemachten Tintenfisch-Schweinebällchen, zu der die Patronin unter explizitem Hinweis auf die Hausgemachtheit der Bällchen eindeutig rät. Unter Zugabe handelsüblicher Chilipaste (für den Japaner des Hagakure vermutlich ein seppukuwürdiges Sakrileg) und eines Krügerls Ottakringer brennt sie denn auch ein Loch aus Wohlgefühl in den umgebenden Winter. In selbigem lungert draußen vor der Tür der liebe Augustin, ein Wiener Original, als zum Brunnen erstarrter Pestzeitentertainer, dieweil aus dem Happy Vietnam-Imbiß unter Sturzbachgelächter, Mähmäh und Quakquak ein Zechpreller taumelt, dem es, eigener Erkenntnis zufolge, gelungen ist, die Geheimnisse der asiatischen Sprachen zu lüften. Ein Wiener Original vermutlich auch er. Zur 5.1-Präsentation unseres Radiokunst-Hörstücks Am Alpenrhein (das in der oberen Menüleiste dieser Seiten dauerhaft abrufbar ist) geht es schließlich am frühen Abend in die Alte Schmiede in der berühmten, einen verstorbenen/getöteten Basilisken beherbergenden Schönlaterngasse. In deren barockem Tiefkeller sich die Hörwilligen einfinden, einer unter ihnen gar, um sich selbst Gehör zu verschaffen, vermutlich ein weiteres Wiener Original. Von der handzahmen Donau über den Main zurück zum Rhein streckt sich die Zugfahrt gehörig. Hübsch buckelt das Frankenland. Von wo der gute Hopfen stammt. Die Donau wirkt aus dem Zugfenster im Vergleich zum Rhein so mild und wohlgeschlängelt mit ihren goldglänzenden Wasserspiegeln in schönstens proportionierten Hügelsänften, daß nach rheinsein bereits das nächste zu erwandernde Projekt uns ruft, aus den silberschwarzen Meeren aprikosenschnapsverklärter Fernen: nach Ungarland, nach Bulgarien hin…
Der Fußweg zum Donaukanal führt durch die Hofburg, auf deren Areal zum einen die bowlerbewehrten Fiaker neben ihren scheubeklappten eingewindelten Kutschpferden gegen die Kälte anwienern, zum andern graubefrackte Krähen anstandslos in gefrorener Hundekacke picken, und in deren Flügeln einem der Dichter Alexander Lernet-Holenia gedenktafelausweislich tätig war. Auf der Promenade des weitgehend brüstungsfreien Kanals geraten wir unversehens in eine Fairness Zone, von der wir aufgrund allgemeiner Menschenleere nicht erfahren, ob es geratener scheint, sie zu betreten oder zu meiden. Die Promenade selbst gibt sich schwerstgraffitiert und -betagged, Autorennamen lauten hier Vienna Hartwurst, Fleischvariationen II oder Falsch Richtig und erweitern auf erfrischende Weise/unter aufgespannten Hirnsegeln die zahlreichen städtischen Gedenktafeln für lang verstorbene Lokal- bis Weltberühmtheiten. Auf dem rottenden Donaudampfschifffahrtsgesellschaftsveteran „Johann Strauss“ plakatiert: „Österreichs extremstes und blut:rotes Fest“, Veranstalter: from666hell.com, mit einer draculisch geschminkten Emo- oder Waverfronttusse* lockend: zeigen Dampfkahn und Plakat sehr schön den Kontrast musikalischer Moden bei den alle Zeiten durchlaufenden Saturnalien. Nahe Radetzky-Brücke, was doch sehr wienerisch klingt, unter der angeeistes Kanalwasser sich staut wie über Jahrhunderte stockendes Blut, stampedet eine Herde langschwänziger Büffel oder felliger Krumpfl, von Arthur Summereder hingepinselt, den aufgeschütteten Strand entlang. Wir wollen einen oder zwei davon im Bild einfangen, doch versagt die Kamera, vor Kälte schlotternd, den Dienst, indem sie kurz das Objektiv ausfährt, um sich im gleichen Zug mit einer Entschlossenheit in sich selbst zu verschalen, die uns bange macht. Denn verschalen dürfen wir uns nicht, sondern müssen bei straßenfegenden Außentemperaturen weiter, Schritt um Schritt. „Der Staat ist die einzige kriminelle Organisation“ begleitet uns an die Wand schabloniert und schon verlassen wir das Wasser, das so manch Unvorsichtige/n verschluckt haben mag, schlurfen vorüber an einer Metzgerei mit günstigem Mittagstisch, an deren Glastür touristische Verhaltensweisen in chinesischen und japanischen Schriftzeichen abgemahnt werden: keine Blitzlichtbilder (das Fleisch verdirbt sonst) / nicht auf den Boden rotzen. Um St. Stephan herum gruppieren sich Touristenkulissen, ist das älteste Portrait des Abendlandes zu besichtigen, sowie das größte Schnitzel der Welt. Was aber vermag das größte Schnitzel der Welt gegen ein echtes Winner Shnitsel auszurichten, wie wir es einst auf Koh Tao verkosteten? Ganz gleich. Wir benötigen eine Auftauzone, bevor wir Wiens 1. Bezirk gegen den 7. zu vertauschen gedenken.
* Emos ficken, weiterschicken: lautet ein unweit angebrachter Mauerslogan.
Wieviele rheinische Teams, drängt sich an einem durchschnittlichen Bundesligasamstag unvermittelt die Frage auf, schafften es zur Deutschen Fußballmeisterschaft der Männer? Natürlich werden darüber Listen geführt, wir exzerpieren:
1907 Freiburger FC
1909 Phönix Karlsruhe
1910 Karlsruher FV
1933 Fortuna Düsseldorf
1949 VfR Mannheim
1955 RW Essen (lassen wir großzügig als rheinisch durchgehen)
1962 1. FC Köln
1964 1. FC Köln
1970 Borussia Mönchengladbach
1971 Borussia Mönchengladbach
1975 Borussia Mönchengladbach
1976 Borussia Mönchengladbach
1977 Borussia Mönchengladbach
1978 1. FC Köln
Das ergibt, für das riesige Einzugsgebiet des Rheins, ein eher mäßiges und bis auf die drei Kölner Meisterschaften, die dieser größten und wohl bedeutendsten, zugleich schlampigsten rheinischen Stadt angemessen erscheinen, auch erstaunliches Bild. Offiziell werden die DFB-Meisterschaften seit 1903 ausgespielt, mit fünf Pausenjahren in den beiden Weltkriegen. Heraus stechen aus rheinischer Sicht die Provinzstädte Mönchengladbach mit fünf Titeln und Karlsruhe, das gleich zwei Meistervereine in den Anfangsjahren, die einige erstaunliche Anekdoten bevorraten, stellt. Weiterhin bemerkenswert: von den acht bisherigen rheinischen Deutschen Fußballmeistern stammt die Hälfte aus Baden, die andere, gewichtigere, vom Niederrhein.
Am Ufer: Binnenschiffe Schuhsohlen, die Möwen
spielen vor der Brauerei, die Bojen, die stecken
ins Wasser die Kehlen, die nächsten Spiele, daran
sich halten, Bojen, sich halten, sich leicht auf Pegel-
stand, Signale abgeben, gewagte Manöver,
sprich: Immelmanns, Korkenzieherdreher, die Frachter
mit anderen Worten Schleifen ziehen, und Fähnchen
hinterher, so sperren die den Kiel der Schiffe und
den trägen Luftraum, an der Brüstung lehnend, ab, vor:
“Rhein Terrasse”, als ankerten Pennäler, paar vom nahen
Internat, die Vögel, Boje, Flaschen werfen die,
den Fluss rein, das Schiffeversenken, am Himmel jäh,
doch spiegelt sich der Flotte Möwen wie ein Bomber-
jeschwader von Harris!
(Ein Gastbeitrag von Norbert Lange. Rheinsein dankt!)
Radfahrt nach Buchs, einem zusammengestoppelten Schweizer Grenzstädtchen im St Galler Rheintal, dessen Städtchen allesamt als Grenzstädtchen durchgehen. Buchs gilt als Lädela- (=Shopping-)Metropole für das gegenüberliegende Fürstentum Liechtenstein, die (den Ort symbol- bzw synonymisierende) Fußgängerzone wartet mit den üblichen Ladenketten und Sonntagsverkäufen auf, im wärmeren Halbjahr brutzeln die Supermärkte vor ihren automatischen Glasschiebetüren Kalbsbratwürste und Cervelat. Außerhalb der Zone existieren zwei Brockenhäuser, eine ordentliche Quote. Wikipedia erklärt, Buchs sei mittels einer Brücke mit dem Fürstentum verbunden, tatsächlich sind es drei, eine mehr als ordentliche Quote. Parallel zum Rhein fließt der Werdenberger Binnenkanal, teils durch ein irritierend individuelles, sauber verplanquadrateltes Potpourri an Wohnhausarchitektur. Dazwischen finden sich, bevorzugt auf Parkplätzen und Verkehrsinseln, schräge, auf den ersten Blick unpassende, auf den zweiten das Gesamtbild sinnvoll abrundende Skulpturen, darunter der Orandschimann, ein über und über warnwestenorange lackierter Bauarbeiter samt Karette auf dem Flachdach des im Containerstil erbauten Polizeigebäudes, einem betongerahmten, längsbetonten, kompakten Kubus, der einen wunderbar schlichten Futurismus ausstrahlt. Das Gemeindegebiet streckt sich die Hänge aufwärts bis weit über 2000 Meter. Nebst der Fußgängerzone gibt es noch die daueremissionierende Kehrrichtverbrennungsanlage („Kleintiere und Kadaver hier entlang“) als beherrschendes Merkmal; deren Rauchsäule dient über viele Kilometer hinweg als Windindikator. Die Konfessionen sind gemischt, die reformierte Kirche besitzt einen sehenswert schlankspitzen Turmaufsatz. Die freie evangelische Gemeinde wirbt mit einem Plakat, das, sobald es nur bekannter wird, noch zu Diskussionen führen dürfte: neben dem Bibelspruch „Das ist Liebe, dass wir nach Gottes Geboten leben“ prangt das Antlitz eines sympathischen jungen Mannes beim Orgasmus. Was noch? Morgens und abends glühen die Berge – je nach Sicht. Was noch? Der Miterfinder des Rastertunnelmikroskops Heinrich Rohrer stammt aus dieser Fußgängerzone mit Wohnumgebung und Bergblick. Was noch: als zentraler Versammlungsort dient die rückwärtige Mauer einer Zweiautoparkgarage plus die davor liegenden sechs Freiluftparkplätze.
Nördlich Ruggells wird der kanalisierte Rhein unversehens von Wiesenstreifen flankiert, weitet sich das Tal in erfrischender Manier, steht die Sonne auf einmal mitten am Himmel, klebt nicht mehr wie ein modisches Zusatztool am ewig tagezerdreschenden Fels. Von Nord durchpustet schwallweise Frischluft den bergverengten Schädel. In den Boden gelassene Weideroste verklanglichen beim Überfahren die landschaftlichen Veränderungen, ein verloren wirkender Grenzpoller markiert den Übertritt vom Fürstentum Liechtenstein in die Republik Österreich. Kaum ist diese Linie überschritten, begegnet uns unter Gottes nun so freier Sonne auf Matschelser Gebiet ein wackerer Trupp fröhlich singender kompakter Österreicher, auch wird wieder vernünftig starckdeutsch gegrüßt („hallo“, „grüßgott“, „servus“). Damit nicht genug. Aus dem Unterholz skwrrts und skwrrts, immer schön doppelt, dh zwiefach aus klandestiner Kehle, ein erstes vorarlbergisches Tier, zwar passen weder Uhr- noch Jahreszeit, doch besteht kaum Zweifel, daß sich solcherart der Wiesenknarrer meldet, ein seltener schräger Vogel, auch Wachtelkönig genannt. Auf den Rheinwiesen tummeln sich Hunde mit ihren Besitzern, bald mündet der Spiersbach naturativiert in den Rhein. Unmittelbar hinter diesem Spektakel donnern, gleich dem Rhein eingedeicht, die algenführenden Wasser der Ill. Kurz vor der Einmündung wird die reißende Ill über zwei Sohlrampen geleitet, was ein attraktives Geschäume und Getöse gibt, das, anders als manch durchaus noch attraktivere Site des Alpenrheins, erkleckliche Mengen Ausflügler lockt – in diesem Fall kleinere Horden pummeliger Österreicher, die angesichts des rasenden Wassers hochtönende Schreie von sich geben. Ab dem Spätmittelalter wurde die Illmündung nach und nach auf ein Zehntel ihrer Breite von einst rund 300 Metern reduziert. Bei dieser alpinen Schußfahrt springen die Illkiesel auf bezeichneten Spitz, ein trianguläres Gebiet. Was dort mit schwimmschwachen Fischen geschehen mag: nicht auszudenken! Die Steine selbst sind mit allerlei Kritzelbotschaften versehen, ihre Sprache noch wenig entschlüsselt. Insgesamt scheint der Illspitz aus einem überbordenden Roman zu bestehen. Wo der Bewuchs solch literarischer Halde beginnt, reckt früher Flattich seine dottergelben Köpflein lyrisch aus letztjährigem Fahlgras. Ein angeschwemmtes Wegkreuz gemahnt zur inneren Einkehr, bevor es zurück geht, in die bergverengten Gefilde des Fürstentums.
Übern Rheindamm skaten dauergewellte Loreleyen, teils mit einem Affenzahn. So halten sie sich fit nach Karriereende, durchstromern das alte Revier, behalten dessen Veränderungen im Blick. In Bergklüften pulsen und blinken vernebelte Sonnen, geben Signale. „Das hat nichts zu bedeuten“, versichern einheimische Ausflügler, begleitet von leichtem Gesichtszucken. Sie kraxeln die Dammbefestigungen hinab wie rotrandige Käfer, picknicken routiniert auf griesigen Kiesbänken zwischen Rispelstrauch und Deutscher Tamariske, deren Sud als Allheilmittel gegen Blässe, Rotwangigkeit und Gelbsucht, bei Brandwunden und Spinnenbissen, gegen Geschwüre, Zahnweh und Weißfluss gilt. Im kargen Kiesgestrüpp rennen Grünschenkel, Kampf- und Uferläufer, pfeift der Flußregenpfeifer leider gerade nicht, denn er pfeift nur bei Regen. Unter die Loreleyen mischen sich irre Rennradler, freizeitbekleidete Blitze, es zischt und fuscht vor Sportlichkeit, der Damm ist lang und schnurgerade, eine ideale Hochgeschwindigkeitspiste, mitunter heben Radler und Skaterinnen ab, zielen auf die Himmel hinter den Bergen. Galeriewälder geben die Bodenkulisse, stockendes Gehölz, den nahebei im großen Maßstab produzierten Autobahnlärm zu dämpfen: Silberweide, Stieleiche, Traubenkirsche, Liguster und jede Menge Dürrlinge. Der Fluß unterdessen ergeht sich in Schwall und Sunk, baut seine verschiedenen Ebenen auf, reißende Züge, plätschernde Neben- und dümpelnde Hinterwasser, silbrig begipfelte Rippelwürfe, färbt seine Fasen: türkis, grünspan, bergmetall, schwarz. Im Fließen verliert und verdreht er sich, wölbt und kesselt, findet Aus- und Umwege, fängt sich, strömt, verschattet und gewunden, drechselt mit diversen Strömungsaufsätzen eindrücklich an den schwarzen Sandstrandabschnitten. Seine veränderlichen Niveaus halten sich die Waage, Angler stehen oberschenkeltief in seinen Löchern, gehen auf Karelen, lokale Antitiere, weder Fisch noch Fleisch, vielmehr durchscheinende Alpenwesen, die Nahrung nicht, sondern Weisheit spenden. Urstümpfe und -strünke, garneliges, flutengeschliffnes Holz tentakelt aus Schwall und Kies in den Taldunst. Eine jesusähnliche Gestalt versucht, seinen Hunden (Riesenschnauzer, Königspudel, Promenadenmix) den Gang übers Wasser zu lehren. Die Tiere versagen kläglich. „Aggro Love“ steht Brückenbeton graffitiert, nebst einem zum Platzen schweren Chriesiherz. Modellflieger stürzen durch die Lüfte in ferngesteuertem Sonntagskamikaze, schreiben ihre Zeilen in den göttlichen Wind. Vielfältige Poesie des Rheintals. Die Naturlandschaft Tscheggenau, drei umzäunte Tümpel zwischen Deich und Autobahn: Refugium für lärmunempfindliche Arten wie Großes Ochsenauge, Rosa Ochsenmaul, Plattbauch, Mauerbiene, Südlicher Blaupfeil, Sumpfgrille, Blutrote Heidelibelle, deren Echogehöre jegliche Motorfrequenzen auszufiltern in der Lage sind, um dem lieblichen Klimpern und Zimpern von Spitzorchis und Tausendgüldenkraut die gängigen, überlebenswichtigen Informationen zu entnehmen. Die Loreleyen unterdessen sind in ihre Eigentumswohnungen zurückgekehrt und genießen auf ihren Gartenterrassen den Bergblick von unten. Wenn Freundinnen zu Besuch kommen, werfen sie die Videos von früher ein: auf den Leim gegangene Burschen, Prozeßberichterstattung in den Medien, schließlich die Adelung zum nationalen Kulturgut. Sie tauschen sich über ihre Jodelschüler aus und trinken Tamariskentee, versetzt mit Klarem, der Klarheit um Klarheit bringt, während die Berge all die vorüberziehenden Jahre fein säuberlich in Vergessen falten.
Mitte März erscheint ein weiteres Rheinsein-Derivat in Buchform – diesmal in der Kölner parasitenpresse:
Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte
Der Band wird elf Sonette über typisch liechtensteinische Konstanten wie Geld, Autos, Gott, Rasenmäher, Überwachungskameras, die Berge und den Rhein aus unserer ausländischen Sicht enthalten, denen jeweils ein Papierschnitt der Schaaner Künstlerin Helena Becker gegenübersteht, in dem sich ihr indigener Blick auf die heimatlichen Gemeinden entfaltet. Auf diese Weise wird das Fürstentum Liechtenstein einem künstlerischen Spannungsfeld ausgesetzt, in dem es, wenn schon nicht in allen, so doch in vielen seiner außerhalb Liechtensteins bisher wenig bekannten Facetten oszillieren mag.
Das Lachen der Hühner kann ab sofort vorbestellt werden. Der Preis beträgt voraussichtlich 9 Euro / 12 Schweizer Franken.
Bestellungen bitte an: parasitenpresse@hotmail.com