Die Biber

Die gestrige Folge der vierteiligen ARTE-Rheindoku rauschte, bis auf das bemerkenswerte Zitat, daß die Macht des Wassers eine brutale sei und die Sequenz mit Bettina Sättele, der Biber-Beauftragten des Regierungsbezirks Freiburg, aufgrund einer Programmstörung ruckhaft an uns vorüber. Biber-Beauftragte (wahlweise Biber-Managerin, Biber-Beraterin, Biberflüsterin): es gibt also doch noch schöne und wunderbare Berufe auf dieser verkommenen Welt. Als dieselbe noch in Ordnung war und der Autor dieser Zeilen ein Kind, lebten in Deutschland keine freien Biber. Bestrebungen, sie anzusiedeln fanden hinter Schutzzäunen an künstlichen Gewässern statt. So geschehen vor rund 30 Jahren im Karlsruher Oberwald. Geredet wurde viel über diese Biber, gesehen hat sie keiner. Ein ausgeklügelteres Biber-Management mußte sich erst noch selbst erfinden. Oft genug hatten wir vergebens an den eigens eingerichteten Beobachtungshütten ausgeharrt. Biber lassen sich allerdings auch nicht gerne bei ihren illegalen Bautätigkeiten auf den Zahn fühlen. Und so rührt das Wissen der Freiburger Biber-Beauftragten um heutige Populationen weiterhin eher aus Fußspuren und sonstigen Indizien (wir selbst sahen vor wenigen Monaten bei unseren Streifzügen durch Liechtenstein erstmals mit eigenen Augen den typischen Biberverbiß am Rhein) als aus konkreten Stückzählungen, die Bestände weiß sie nur zu schätzen, auch sähen sich die Tiere unglaublich ähnlich, wie die Badische Zeitung vermeldet, die Bettina Sättele vor zwei Jahren in die Bibergründe des Schwarzwalds begleitet hat und der sie die Grundlagen des Biber-Managements auseinandersetzt: “Das Zusammenleben von Mensch und Biber funktioniert nicht immer reibungslos.” Die selbstbestimmte Rückkehr des freien Bibers nach Baden-Württemberg begann laut der Expertin vor rund 20 Jahren. Er kam aus der Schweiz, Frankreich und Bayern, entlang der Läufe von Donau, Rhein und Wörnitz und ist weiter auf dem Vormarsch. Mindestens 1000 Individuen, schrieb Frau Sättele, umfaßte der Gesamtbestand Ende 2006. Das entspricht schon fast einer Armee. Kein Wunder, daß es bei solchen Ausmaßen zu Mensch-Biber-Konflikten kommt. Zumal der Badener, womöglich zu Unrecht, nicht als der weltoffenste Menschenschlag gilt. Die Biber-Beauftragte rät: „Wichtigstes Instrument zum Umgang mit dem Biber ist die langfristige Kommunikation und Kooperation mit Betroffenen, die ihre Betroffenheit jeweils sehr individuell und nach eigener Lebenserfahrung definieren. Garant für den Erfolg von Lösungsansätzen bei Problemfällen ist die möglichst exakte Einschätzung des Verhaltens der Biber vor Ort und die Einstufung des Konfliktpotentials.“ Das klingt vernünftig und auch für Amtspersonen verständlich. Wir wünschen dem Biber und den Menschen in den vom Biber eroberten Territorien eine friedliche Koexistenz. Und wünschen uns noch viel mehr Planstellen für Beauftragte, die mit dem notwendigen Ernst sich ans Glätten unserer vielfältigen gesellschaftlichen Konflikte begeben.


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